Die erste Spur
Das Magazin des Deutschen Alpenvereins /// 76. Jahrgang /// 6/2024
Durch die Tuxer Alpen
ABRUZZEN Skitouren
SCHNEESCHUHGEHEN HÜTTENTOILETTEN
GROSSES WALSERTAL
im sonnigen Süden
Im richtigen Tritt
Geschäft am Berg
Sanfte Winterfreuden
EDITORIAL
Sag leise Servus …
Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und alle, die gerne im winterlichen Gebirge unterwegs sind, hoffen auf viel Schnee für schöne Touren. Auch wenn ungewiss ist, wann, wo und ob überhaupt die weiße Pracht fällt, haben wir einige Winter themen zusammengestellt: Auf Skitour geht es durch die Tuxer Alpen und in die Abruzzen, zum Schneeschuh und Winterwandern ins Große Walsertal, während die Servicerubriken über Lawinenwissen, Skitourenschuhe und Schnee schuh technik informieren. Wer mit dem Winter weniger anfangen kann, sei auf die Alpenüberquerung unserer jungen Kolleg*innen verwiesen oder aufs Wandern in den Julischen Voralpen. Kletterfans können im Klassiker eine historische Route
verfolgen, 1936 erstbegangen von Rudolf Reif. Er war Bergführer und Tourender Sektion Donauland, die 1924 vom Alpenverein aus antisemitischen Grünwart
den ausgeschlossen wurde. Hundert Jahre später greifen wir unter anderem im Knotenpunkt diesen Sündenfall auf. So bietet diese Ausgabe wieder eine breite Palette von Themen, um unsere zahlreichen Leser*innen anzusprechen.
Nun bleiben noch einige Worte in eigener Sache: Nach 156 Panorama Ausgaben ist es Zeit, den Redaktionsstab weiterzugeben. Es war eine große Freude für mich, über 26 Jahre die erfolgreiche Entwicklung des Alpenvereins verfolgen zu können und in der Redaktion der Bundesgeschäftsstelle tätig zu sein. In einem engagier ten Team, mit dem Ziel, den bunten Themenstrauß des Alpenvereins möglichst umfassend in DAV Panorama und auf alpenverein.de (opens in a new tab) abzubilden. Um Sie regel mäßig informieren, anregen und unterhalten zu können. In Ihren wohlwollenden wie kritischen Rückmeldungen haben Sie uns Ihr Interesse am Vereinsgeschehen wie an unserer Arbeit gespiegelt. Ein herzliches Dankeschön dafür. Ab 2025 wird Panorama quartalsweise erscheinen, wie von der DAVHaupt ver sammlung 2023 beschlossen, jeweils Mitte Februar/Mai/August und November. Damit sparen wir Kosten. Doch an der Qualität der Beiträge wird nicht gespart. Dafür steht das Team unter der neuen Leitung von Christine Frühholz, unserer langjährigen Kollegin. Seien Sie gespannt auf die nächsten Panorama Ausgaben, die Ihnen die Welt des DAV noch näherbringen werden. Wir sehen uns am Berg!
Ihr
Redaktion DAV PanoramaGeorg Hohenester
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Deine Mitfahrzentrale (opens in a new tab)
für die Berge (opens in a new tab).
Schützen (opens in a new tab), was wir lieben (opens in a new tab)
Einfach (opens in a new tab), digital, sicher (opens in a new tab)
Am besten gleich anmelden und gemeinsam losfahren (opens in a new tab).
Inhalt
Editorial
Augenblicke
Klassiker
Reifweg, Rax – Klettern in den Wiener Hausbergen
Alpenüberquerung Von Kelchsau nach Kasern
Berg & Tal
Auf einen Blick Trockene Toiletten
Sicherheitsforschung Wie gut kennen Skitourengruppen den Lawinenlagebericht?
Fitness & Gesundheit Ernährung und Klettern
Knotenpunkt
Ausgeschlossen – Nie wieder!
Posteingang
Mach’s einfach Was können wir tun? Einfach machen!
Wie funktioniert das? Skitourenschuhe: Schuhe zum Gehen und Fahren
So geht das!
Schneeschuhgehen: Tourenwahl, Spuranlage, Technik
Promotion Reisenews Produktnews Outdoorworld
Großes Walsertal Enges Tal – weiter Horizont
Alpenverein aktuell
Vorschau und Impressum
Titelbild: Stefan
Das Magazin des Deutschen Alpenvereins /// 76. Jahrgang /// 6/2024
Herbke. Unver-
Die erste SpurDurch die Tuxer Alpen
spurter Aufstieg nach Neuschnee auf den Gipfel des Rastkogel.
ABRUZZEN Skitouren im SCHNEESCHUHGEHEN HÜTTENTOILETTEN
GROSSES WALSERTAL
sonnigen Süden
Im richtigen Tritt
Geschäft am Berg
Sanfte Winterfreuden
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10 Tuxer Alpen – Skitour vom Zillertal ins Wipptal mit aussichtsreichen Gipfeln und traumhaften Abfahrten.
30 Abruzzen – Guter
64 Julische Voralpen –
Schnee und das Mittelmeer im
Abwechslungsreiche Tages-
Blick: Tourengebiete vor den
touren auf den Spuren eines
Toren Roms.
sanften Tourismuskonzepts.
alpenverein.de
Alles auf einen Blick (opens in a new tab).
Hoher Dachstein – Mit Bahn (opens in a new tab), Schiff, Rad und Ski auf den höchsten Gipfel von Oberösterreich (opens in a new tab). alpenverein.de/246-2 (opens in a new tab)
Tour im Blick Karten sowie Touren- und Hütteninfos offline speicherbar (opens in a new tab).
Ausbildung – Wer DAV-Gruppen durchs Hochgebirge führt (opens in a new tab), durchläuft ein anspruchsvolles Kursprogramm (opens in a new tab). alpenverein.de/246-3 (opens in a new tab)
60 Andreas Müller-Cyran Familientour – Hütten, Kajak und (opens in a new tab)
beschreibung und im neuen (opens in a new tab)
– Im Gespräch mit dem Grün- Kultur: In Norwegen gibt es für Groß (opens in a new tab)
ÖPNV-Layer (opens in a new tab).
der des bundesweit ersten
und Klein jede Menge zu erleben (opens in a new tab).
Kriseninterventionsteams.
alpenverein.de/246-4 (opens in a new tab)
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Schon Winter?
… wunderten sich nicht nur die Kühe unweit des Brünnsteinhauses (1342 m) in den Bayerischen Voralpen, als die Bergwelt Mitte September im Schnee versank. „Unsere Gäste haben sich gefreut“, erzählt die Hüttenwirtin Yvonne Tremml. „Wir haben gleich mal die Popo-Rutscherl rausgesucht und Schneemänner gebaut!“ Sie
und ihr Mann Sepp halfen dann den benachbarten Bauern bei der Versorgung des Almviehs.
Das Hüttenwirtspaar Yvonne und Sepp Tremml ist immer auf Winter eingestellt – denn das Brünnsteinhaus der DAV-Sektion Rosenheim hat fast ganzjährig geöffnet.
AUGENBLICKE
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Zentrale Infos
Reifweg: 8 SL, IV- (oblig.) ab Wachthüttelgraben Zustieg: ca. 45 Min. Kletterei: ca. 2-2 ½ Std. Abstieg: ca. 50 Min.
Reifweg, Rax
Klettern in den Wiener Hausbergen
Datencheck
Talort: Reichenau an der Rax Talhütte: Weichtalhaus Führer: Plaisir Kletterführer Österreich Ost, Alpinverlag Jentzsch-Rabl, alpinverlag.at (opens in a new tab) Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst, trockene Winter Ausrüstung: 50 m Einfachseil, 5 Expressschlingen, KK-Grundsortiment, Bandschlingen, Helm, Kletter- und Zustiegsschuhe Erstbegehung: Rudolf Reif, Hans Eitelberger und Dr. Gerhard Drucker 1936
Film zur Tour:
8 DAV PANORAMA 6/2024
Am äußersten Alpenostrand kann man klettern. Und zwar richtig gut. Die Wiener Hausberge der Rax sind ein hervorragender alpinistischer Spielplatz: Klettern, Klettersteiggehen, Wandern, Skitouren – alles ist hier möglich, der höchste Gipfel, die Heukuppe, knackt sogar knapp die Zweitausendmetermarke. Schon bei der Fahrt durch das Höllental entlang der wild rauschenden Schwarza fallen dem geschulten Kletterauge zahllose Möglichkeiten ins Auge, von Sportklettereien bis hin zu größeren Unternehmungen. Auch Klettergeschichte wurde auf der Rax schon früh geschrieben: Fritz Benesch hat bereits 1894 in seinem Raxführer mit einer „vergleichsweisen Rangeinteilung der Steige nach ihrer Schwierigkeit“ eine erste alpine Schwierigkeitsbewertung entworfen. Diese Benesch-Skala hatte sieben Schwierigkeitsstufen. Mit der Stufe VII bewertete Benesch die leichtesten Routen, mit der Stufe I die damals schwierigsten. Der Klassiker des Reifwegs checkt heute bei IV- ein. Allerdings in der heute gebräuchlichen UIAA-Skala. Vor rund hundert Jahren war die Rax auch beliebtes Betätigungsfeld der vorwiegend jüdischen Sektion Donauland aus Wien. Im Dezember 1924 schloss der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein (DuOeAV) diese Sektion, die siebtgrößte des Vereins, aus antisemitischen Gründen aus. Sie war erst 1921 gegründet worden, nachdem immer mehr Sektionen einen „Arier-Paragraphen“ eingeführt hatten. Donauland bildete fortan Zufluchtsstätte und Heimat von Bergbegeisterten, die wegen ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer liberalen Einstellung andere Alpenvereinssektionen verlassen hatten bzw. verlassen mussten. Mit dem Donauland-Ausschluss positionierte sich der Alpenverein klar antisemitisch und völkisch, Donauland machte als selbstständiger „Alpenverein Donauland“ weiter. Eines der aktiven Mitglieder war Rudolf Reif, einer ihrer Bergführer und Tourenwarte. Zahlreiche Erstbegehungen gehen auf das Konto des exzel-
lenten Kletterers. Bekannt war er auch für sein humoristisches Talent, von Karikaturen seiner Bergfahrten bis hin zu kabarettistischen Auftritten an Hüttenabenden. Einige seiner Touren sind bis heute überaus beliebt. Und so fragt uns gleich beim Zustieg durch den Wachthüttelgraben eine Seilschaft, die bereits absteigt: „Wollt ihr zum Reifweg?“ – ganz offensichtlich also einer der beliebten Klassiker auf der Rax, und noch dazu mit reichlich historischem Hintergrund.
Philipp Radtke
Reifweg – Stück für Stück
Der Zustieg
45 Minuten, anstrengend durch Schotter Direkt an der Bundesstraße, an einer Galerie, startet der Wanderweg in Richtung Wachthüttelkamm, Schönbrunnerstiege, Gaisloch (Wegweiser). Aber schon nach wenigen Metern im Wald wird dieser verlassen und es geht gerade hinauf, hinein in den steilen Wachthüttelgraben. Dank des feinen Schotters verdient sich der Zustieg definitiv das Prädikat „besonders mühsam“. Nach etwa einer halben Stunde ist ein markanter Klemmblock erreicht, der die gesamte Schlucht blockiert. Spätestens hier den Helm aufsetzen, eventuell absteigende Seilschaften lösen oberhalb leicht Steinschlag aus. Ein paar engagierte Kletterzüge später (im Zweifel hier schon sichern) steht man oberhalb des Klemmblocks. Kurz danach zweigt rechts eine Seitenschlucht ab, unterhalb eines weiteren, kleinen Klemmblocks beginnt die Kletterei des Reifwegs.
I–II
III
IV-
III
II+
III
III-
III+
III
Die Kletterei
8 SL, 220 Klettermeter, IV- (obl.), oft leichter
Der Reifweg ist eine klassische Kletterei, wie sie im Buche steht: Geschickt windet sie sich durch die Wand, stets den leichtesten Weg suchend. Ein Gutteil der Stände wird an den großen Bäumen gemacht, welche die Wand bewachsen. Alle anderen Stände sind mit soliden Klebehaken bestens ausgestattet, auch als Zwischensicherungen finden sich seit der Sanierung hier und da ein paar, ergänzt durch einige historische Schlaghaken. Eine besondere Skurrilität ist der geschlagene „Haken“ (eher ein großer Metallbügel) in der fünften Seillänge, nicht etwa im soliden Fels, sondern im Stamm einer Kiefer. Rechnet man die letzten Meter im Gehgelände mit, wartet die Tour mit acht Seillängen auf, die offizielle Schlüsselstelle in der sechsten Länge, die „Reifplatte“, fällt heute – ausgestattet mit guten Kletterschuhen – relativ leicht, ein „Aufsteher“ auf dem rechten Fuß (bestens abgesichert) und schon sind wieder gute Griffe erreicht. Typischerweise sind es eher die „klassischen“ Risspassagen, die einem zu schaffen machen: Mit elegantem Stil ist man hier oft fehl am Platz, hier und da ist rustikales Zupacken und Reinsteigen gefragt – vermutlich war das auch schon zu Zeiten der Erstbegeher 1936 so. Die Felsqualität der Tour ist durchwegs gut. Zitat Reif aus seinem Tourenbericht: „Das Gestein ist außerordentlich fest“, deutliche Begehungsspuren gibt es, aber die Tour ist weit weniger poliert, als man das bei der Beliebtheit der Kletterei erwarten könnte. Ebenfalls typisch für einen solchen Klassiker: Ein wenig Wegfindungsgespür ist durchaus gefragt. Nach der Reifplatte folgt noch eine Genusslänge durch wunderbar gestuftes Gelände mit herrlichem Ausblick. Letztes Highlight ist dann ein luftiger Spreizschritt über den finsteren Wachthüttelkamin, bevor man sich auf einem schmalen Pfad an den Abstieg macht.
Der Abstieg
Ca. 50 Minuten, Wanderweg mit versicherten Passagen/Leitern
Man folgt dem Gratverlauf noch etwa 150 Meter, bis einen Pfadspuren zum Wachthüttelkamm bringen, ein kleinerer Gegenanstieg inklusive. Schließlich erreicht man den Wanderweg, den wir schon von den ersten Metern des Zustiegs kennen. Etwas Kondition ist noch gefragt, denn es erwarten einen immer wieder steile Passagen, teilweise versichert mit Leitern und Drahtseilen.
KLASSIKER
Reichenau an der Rax
Der Mensch zum Berg
Rudolf Reif (geb. 1891 in Mürau/Mírov, gest. 1958 in Wien), von Beruf Kontorist, schließt sich früh dem Alpenverein Donauland an, für den er als Tourenwart und Bergführer tätig ist. Als exzellenter Kletterer unternimmt er, auch mit seiner Frau Hedwig, zahlreiche Touren, darunter die Erstbegehung der Haindlkarturm- Nordwand. Viele weitere Erstbegehungen folgen, vor allem auf der Rax und im Gesäuse – am liebsten im brüchigen Gelände. Ein guter Teil seiner Erstbegehungen gelingt ihm nach seiner Rückkehr nach Österreich 1949. Denn 1938 muss er vor den Nazis nach Shanghai fliehen. Unter den wenigen Habseligkeiten, die er mitnimmt, sind seine Tourenbücher.
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Dauer: 4 Tage
Max. pro Tag: 1425 Hm
Höchster Punkt: Rastkogel (2762 m) Schwierigkeit: Mittelschwere Skitour
Beste Zeit: Februar bis April
Skidurchquerung Tuxer Alpen
Wo die Freiheit endet
Die Tuxer Alpen sind ein wahres Skitourenparadies und bieten sich für eine Durchquerung geradezu an. Eine Tour mit unglaublichen Möglichkeiten, aber auch unerwarteten Grenzen.
Text und Fotos: Stefan Herbke
TUXER ALPEN
Die Gipfel wechseln, die Kulisse bleibt gleich: Bei der Durchquerung genießt man den täglichen Blick auf den Olperer, hier vom Gipfelkamm des Hobarjochs.
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s könnte so einfach sein. Eigentlich müssten sich die Wolken nur ein wenig
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lichten, um Konturen ins Whiteout zu
bringen. Dann könnte man das Gelände besser beurteilen und statt der Aufstiegsspur ins Sidanjoch zu folgen vielleicht einen Gipfel mitnehmen. Doch danach sieht es nicht aus. Dichte Wolken ziehen über den Kamm und hüllen die Berge ein, dazu kommen starke Böen, die den Neuschnee verfrachten.
Der Anstieg von Hochfügen zum Sidanjoch ist für uns der Auftakt einer kurzweiligen Durchquerung der Tuxer Alpen in Ost-West-Richtung, also vom Zillertal ins Wipptal. Lohnend ist sie auch andersherum, doch dann würde die Tour mit einer langen und anstrengenden Etappe beginnen. Der Anstieg von Hochfügen ist dagegen überschaubar und auch bei schlechten Sichtverhältnissen machbar. Beim Start in Hochfügen präsentiert sich die Landschaft als Wintermärchen, mit wunderschönen Eiszapfen und frischem, locker leichtem Pulverschnee, der die Vorfreude auf die nächsten Tage steigen lässt. Doch auf den Gipfel müssen wir verzichten. „Wenn Gäste wissen wollen, wie der Berg heißt, dann sage ich‚ das ist der Gipfel“, erzählt der Zillertaler Bergführer Stefan Wierer lachend, „und dann fragen sie
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noch einmal nach, wie denn der Berg jetzt wirklich heißt.“ Doch die Kuppe zwischen dem Marchkopf und dem Kraxentrager heißt wirklich so: Gipfel. Ein lohnendes, keinesfalls überlaufenes Ziel und ein wunderschöner Abstecher, mit dem der Anstieg zur Rastkogelhütte zu einem vollwertigen Tourentag wird. Die stattliche Hütte steht in beneidenswert schöner Lage inmitten weiter, tief verschneiter Hänge. Im Grunde ein perfektes Ziel für Ski- und Schneeschuhtouren, auch weil der Stützpunkt bereits im Hochwinter geöffnet hat. Dennoch hält sich der Andrang in Grenzen. „Höchstens an Wochenenden kann es mal etwas voller werden“, erzählt Steffen Dammann, der seine Frau Kathleen bei der Bewirtschaftung unterstützt, „aber unter der Woche ist es relativ ruhig.“ Das ist natürlich sehr angenehm für die Gäste. Und für uns, da wir so auf dem Anstieg zum Rastkogel komplett allein sind und als Erste unsere Spuren in die unberührten, heute wunderbar sonnigen Hänge legen können. Für uns absolut unerwartet, da der Rastkogel zu den Skitourenklassikern der Tuxer Alpen zählt. Doch mittlerweile nutzen viele die Rastkogel-Bahnen in Vorderlanersbach, die den Anstieg auf eine knappe Stunde verkürzen. „Das ist schon attraktiv“,
Beim Start in Hochfügen präsentiert sich die Landschaft als Wintermärchen, mit wunderschönen Eiszapfen und Pulverschnee.
TUXER ALPEN
Nur nach Neuschnee fällen kommt man in den Genuss, den beliebten Anstieg von der Rastkogel hütte auf den gleichnami gen Gipfel frisch zu spuren (o.). Bei der Abfahrt ins Nurpenstal sind dagegen unberührte Tiefschnee hänge eher die Regel (u.).
PISTENTOUREN IN HOCHFÜGEN Während einige Skigebiete Pistentourengeher*innen regelrecht aussperren (opens in a new tab), geht Hochfügen offen auf die Aktiven zu und bietet zwei markierte Auf stiegs - spuren an. „Wir bevorzugen einen aktiven Ansatz (opens in a new tab), um das Mitein ander zu fördern und Weiterentwicklungen anzustoßen (opens in a new tab), statt Verbote auszusprechen (opens in a new tab), die ohnehin nicht durchsetzbar wären“ (opens in a new tab), erklärt Julia Kronthaler (opens in a new tab), die Marketingleiterin der Skiliftgesellschaft Hochfügen. Zusätzlich gibt es jeden Freitagabend einen Skitourenabend, bei dem der Aufstieg und die Abfahrt auf den Pisten 13 (opens in a new tab), 14 und 11 erlaubt ist und die Pizzeria der 8er Alm bis 21 Uhr geöffnet hat (opens in a new tab). Infos: hochfuegenski.com (opens in a new tab)
Vom Hobarjoch geht es über traumhafte Süd hänge Richtung Vallruckalm und mit Umwegen zur Lizumer Hütte – die direkte Route zählt leider nicht zu den freigegebenen Skitouren im Bereich des Truppenübungsplatzes.
Freigegebener Tourenverlauf und mehr Bilder (opens in a new tab)
QUER DURCH DIE TUXER ALPEN
Abwechslungsreiche Mehrtagestour, auf der man auch viel unverspurtes Gelände berührt und etwas Orientierungssinn hilfreich ist. Varianten sind bis auf den Bereich des Truppenübungsplatzes überall möglich, auch weitere Gipfel können in die Tour mit eingebaut werden. An und Rückreise: Mit der Bahn bis Fügen und mit dem Bus bzw. Skibus nach Hochfügen. Zurück von Navis mit dem Bus zum Bahnhof in Steinach am Brenner. Beste Zeit: Februar bis April
Die Etappen
- Hochfügen (1474 m) – Sidanjoch (2127 m) – Rastkogelhütte (2117 m, rastkogelhuette.de (opens in a new tab)) 755 Hm↗, 110 Hm↘, 2 ½ Std.
- Rastkogelhütte – Rastkogel (2762 m) – Nurpenstal – Halslspitze (2574 m) – Weidener
Hütte (1799 m, weidener huette.at (opens in a new tab)) 1145 Hm↗, 1465 Hm↘, 6-7 Std.
3) Weidener Hütte – Hobarjoch (2512 m) – Vallruckalm (2132 m) – Waxen – Krovenzjoch (2450 m) – Außermelang Niederleger – Lizumer Hütte (2019 m, lizumer huette.at (opens in a new tab))
1425 Hm↗, 1205 Hm↘, 6-7 Std.
4) Lizumer Hütte – Geier (2857 m) – Griffjoch – Klammalm (1947 m) – Navis (1337 m) 850 Hm↗, 1530 Hm↘, 5-6 Std.
Karten und Führer
X Alpenvereinskarte, Blatt 33, Tuxer Alpen, 1:50.000. X Sepp Brandl, Gerhard Hirtlreiter: Skitourenführer Kitzbüheler Alpen mit Tuxer und Zillertaler Alpen, Bergverlag Rother, 4. Aufl. 2019. Hinweis: Eine Übersicht der erlaubten Skitouren im Bereich der Lizumer Hütte findet man
hier: https://bit.ly/3MMGDrZ (opens in a new tab)
Bergführer: Zillertaler Bergführer, Tel.: 0043/664/1240069, zillertaler bergfuehrer.at (opens in a new tab)
TIPPS FÜR DEN BERGURLAUB
X Im Skigebiet Hochfügen sind einige Routen als Pistentouren ausgewiesen: hochfuegenski.com/entdecken erleben/das skigebiet/pisten skitouren (opens in a new tab). X Beliebt ist die über sieben Kilometer lange Rodelbahn ab der Weidener Hütte. X Auch zum Schneeschuhwandern eignen sich die Hänge und Gipfel im Bereich der drei Hütten perfekt.
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schwärmt auch Stefan Wierer von der Möglichkeit, „du steigst vom letzten Lift auf den Rastkogel und fährst dann mit Gegenanstieg auf den Rosskopf über traumhafte Hänge ab nach Hochfügen.“ Auf den letzten Metern folgen wir daher der vom Skigebiet kommenden Spur – und wechseln nach kurzer Rast mit ausgezeichnetem Rundblick schnell wieder zurück in die Einsamkeit. Die Abfahrt ins Nurpenstal ist absolut unberührt, obwohl ringsum traumhafte Skihänge geradezu verführerisch in der Sonne leuchten. Einfach schön, so dass wir viel weiter abfahren als geplant. Wunderschön auch der Gegenanstieg auf den Kamm nördlich der Halslspitze, bei dem man sich einfach vom Gelände leiten lässt, geschickt die Mulden und Rücken ausnutzt und immer wieder zurückschaut auf die weiten Abfahrtshänge unter dem Rastkogel. Beim Abstecher auf die Halslspitze taucht man wieder ein ins verspurte Gelände, schließlich gehört der Gipfel zu den beliebtesten Zielen im Bereich der Weidener Hütte.
Diese ist ein beliebter Stützpunkt mit schöner, gut frequentierter Sonnenterrasse und herzlichen Wirtsleuten. Im Grunde haben sich Michael Reitmeir und Rebecca Krismer mit der Hütte
Die Touren rund um die Weidener Hütte sind auch ideal für alle, die mit dem Skitourengehen beginnen möchten.
einen Traum erfüllt. „Schon vor zwanzig Jahren wollte ich eine Hütte haben“, erinnert sich der Bergretter und Lawinenhundeführer, „aber heute bin ich froh, dass ich erst einmal als Geschäftsführer in einem Hotel Erfahrung sammeln konnte.“ Seit dem Winter 2022/23 sind die beiden auf der Weidener Hütte und haben den Schritt noch keine Sekunde bereut. „Für mich ist die Hütte wie ein Zuhause“, schwärmt Rebecca, „und den Michael muss ich geradezu zwingen, dass er wenigstens einmal im Monat ins Tal geht – der will immer oben bleiben.“ Arbeit gibt es mehr als genug, obwohl im Spätwinter 2024 aufgrund von Schneemangel die Rodelbahn nicht mehr offen hatte. Doch die Leute kommen dennoch, auch viele Einheimische. „Da kann das Wetter noch so schlecht sein, es kommt immer jemand rauf“, freut sich Rebecca über die positive Resonanz und die vielen Stammgäste. Doch es dürfen gerne noch mehr werden. „Aufgrund des leichten bis mittelschweren Geländes ist das Gebiet ideal, wenn man mit dem Skitourengehen beginnen will“, meint Michael, „wir wollen daher gerne eine Lawinenverschütteten-Suchstation einrichten, die von der Hütte aus gesteuert werden kann, um
TUXER ALPEN
damit für Ausbildungskurse noch attraktiver zu werden.“ Die Weidener Hütte steht quasi im Zentrum der Tuxer Alpen, die zum Skitourengehen schon immer einen guten Ruf genießen. Denn die Berggruppe füllt genau die Lücke zwischen den Kitzbüheler Alpen im Osten und dem Sellrain mit den ersten Dreitausendern im Westen. „Die Tuxer Alpen sind halt rund fünfhundert Meter höher als die Kitzbüheler und schon deutlich alpiner“, erklärt Stefan Wierer, „aber sie bieten immer noch ein fantastisch schönes, eher moderates Skitourengelände mit herrlichen Hängen in jeder Hangrichtung und Steilheit. Außerdem sind die Tuxer Alpen sehr weitläufig, so dass man immer wieder unberührte Hänge findet.“ Oder zumindest etwas abseits der Klassiker in aller Ruhe unterwegs ist. Wie gut das klappt, zeigt sich am nächsten Tag. Obwohl die Hütte gut belegt war, sind wir allein unterwegs. Fast alle haben die Halslspitze als Ziel gewählt, während wir über die schon morgens sonnigen Hänge zum Hobarjoch aufsteigen. Ein wunderbarer Aussichtsgipfel mit Traumblick auf den Hintertuxer Gletscher und den Olperer. Die vorhandenen Abfahrtsspuren zurück zur Weide-
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ner Hütte sehen verlockend aus, doch noch schöner ist der Blick vom Gipfel auf die unberührten Südhänge und die Geländekammer zwischen Hippoldspitze und Torspitze. Ein traumhaftes Skitourengebiet, doch etwas oberhalb der Vallruckalm erreicht man die Grenze des Truppenübungsplatzes Wattener Lizum – und da endet die freie Routenwahl für alle, die hier auf Skitour unterwegs sind.
Zwar findet man im Internet zig Tourenvorschläge rund um die Lizumer Hütte, doch wer sich genauer informiert, wird schnell feststellen, dass viele davon eigentlich verboten sind
– Skitourengehen ist aufgrund von Schießübungen und eventuellen Blindgängern nur auf den offiziell freigegebenen Routen erlaubt. In der Praxis entdeckt man dennoch überall Spuren. Die Nordhänge der Torspitze etwa sind ein beliebtes Ziel für alle, die im Tuxer Tal starten, aber offiziell verboten. Der Übergang über das Hippoldjoch zur Lizumer Hütte ist naheliegend, aber ebenfalls verboten. Und so muss man einen gehörigen Umweg in Kauf nehmen und von der Vallruckalm zum Waxen aufsteigen, um die
Hippoldspitze nordseitig zu queren. Nach der Abfahrt vom Krovenzjoch zum Außermelang Niederleger erreicht man letztlich eine freigegebene Skitourenroute – die einzige legale Möglichkeit, um von der Weidener zur Lizumer Hütte zu wechseln.
Seit dem Sommer 2019 sind Lukas Aichhorn und Tobias Spechter die Pächter des beliebten Stützpunktes, wobei sich der gelernte Koch Lukas um die kulinarischen Angelegenheiten kümmert und Tobias um alles andere. Die beiden haben sich bei der Arbeit auf einer Alpenvereinshütte kennengelernt und im Anschluss die Chance einer Bewerbung für die Lizumer Hütte ergriffen. Mit Erfolg. „Die Art und Weise, wie wir die Hütte führen, kommt ganz gut an“, freut sich Tobias, „wir haben ein gutes Team und geben unser Bestes.“ Längst herumgesprochen hat sich auch die gute Küche. „Auf einer Hütte geht es eher darum, dass man etwas findet, das beliebt ist und der großen Masse passt“, erzählt Lukas, „in diesem Rahmen bieten wir vegetarische und fleischhaltige Gerichte an.“ Wichtig ist dabei die Regiona-
Mit Blick auf traumhafte Skihänge startet bei der Lizumer Hütte die letzte Etappe über den Geier (gr. Bild), die mit einsetzendem Föhn eine zuneh mend stürmische Angelegenheit wird (r.) – und mit der langen Abfahrt nach Navis einen letzten skifahrerischen Höhepunkt bietet (u.).
lität. So kommt der Käse von einer Alm unterhalb der Hütte und das Fleisch von Kühen, Kälbern und Schweinen von Bauern im Tal, wobei die meisten Tiere ihre Sommer in der Wattener Lizum verbracht haben. „Wir machen alles frisch“, betont Lukas, „lieber machen wir einen Abstrich beim Angebot, als dass wir auf Fertigprodukte zurückgreifen.“ Das Gesamtpaket Hütte und Tourenmöglichkeiten ist äußerst attraktiv. „An den Wochenenden sind wir fast immer ausgebucht“, fasst Tobias die Nachfrage zusammen. Entsprechend gut besucht ist auch der Geier, der mit Abstand beliebteste Skitourengipfel im Umfeld. Gleich mehrere Aufstiegsspuren ziehen über die traumhaften Hänge hinauf, die skifahrerisch wirklich mehr als verlockend sind. Platz für alle gibt es am Gipfel genug, ehe man die stille Seite des Geiers entdeckt. Denn im Rahmen einer Durchquerung der Tuxer Alpen führt die Abfahrt hinunter in die Mulde des Staffelsees und nach der sportlichen Querung sehr steiler Hänge in die weiße Wunderwelt der Knappenkuchl.
Mit seinem abwechslungsreich kupierten Gelände und den verlockenden Nordhängen im Kamm des Naviser Kreuzjöchl ist das Gebiet ein verstecktes Skitourenparadies, in dem man sich nach Lust und Laune austoben möchte. Es könnte so einfach sein. Doch auch hier ist die Freiheit der Routenwahl eingeschränkt und man bewegt sich schnell abseits der erlaubten Routen. Das Naviser Kreuzjöchl ist zwar ein Skitourenklassiker, doch die zigfach beschriebenen Abfahrtsvarianten über die traumhaften Nordhänge zur Klammalm sind offiziell verboten – auch wenn man vor Ort mehr als genug Skispuren sieht. Und so lassen wir schweren Herzens die Hänge links liegen und folgen dem freigegebenen Korridor über die Klammalm nach Navis. Im Grunde kein Problem. Andererseits doch ein ungewohntes Gefühl, wenn einem Grenzen gesetzt werden, die nicht direkt nachvollziehbar sind.
TUXER ALPEN
Mit seinem kupierten Gelände und den verlockenden Nordhängen ist das Gebiet ein verstecktes Skitourenparadies.
Stefan Herbke (bergbild.info (opens in a new tab)) war überrascht, dass es viele Tourenbeschreibungen gibt, die offiziell nicht freigegebene Routen im Bereich des Truppenübungsplatzes empfehlen (opens in a new tab).
6/2024 DAV PANORAMA 17
Unsere Tour führt durch die Postkartenlandschaft des Nationalparks Hohe Tauern.
Alpenüberquerung von Kelchsau nach Kasern
Die Tour meines Lebens
Dieses Jahr stelle ich mich meiner größten Herausforderung: In vier Tagen quere ich mit meinen Kolleg*innen Hanna und Franz auf einsamen Wegen die Alpen.
Text und Fotos: Jo Godt
Ob wir diese
rst als wir bei strömendem Regen am
machen. Stattdessen stehe ich tropfend im Kur-
Tour heute
Startpunkt unserer Tour stehen, reali-
zen Grund und Markus sitzt mit einer Verletzung
E
hier abbrechen
siere ich, auf was ich mich eingelassen
zu Hause. Eine Mehrtagestour habe ich vorher
müssen?
habe: Vier Tage, knapp fünfzig Kilometer und
noch nicht gemacht.
etwa 5700 Auf- beziehungsweise Abstiegsmeter
Aufgeregt und voller Erwartungen starte ich
liegen vor uns. Als Fortsetzung der DAV-Videose-
gemeinsam mit Hanna und Franz unseren Auf-
rie „Sommer meines Lebens“ sollte eigentlich
stieg zur Neuen Bamberger Hütte (1756 m). Der
mein Kollege Markus diese Alpenüberquerung
anhaltende Regen lockt zahlreiche Alpensala-
18 DAV PANORAMA 6/2024
mander heraus. Auf dem matschigen Weg müssen wir ständig aufpassen, nicht auf einen zu treten. Pünktlich zum Abendessen stehen wir nach zwei Stunden Wanderung vor der Neuen Bamberger Hütte. Es war eine kurze erste Etappe, perfekt für mich zum Einlaufen.
Am nächsten Morgen geht es bei Nebel hinauf ins Hochgebirge. Da ich die Chance nutzen und auf dieser Tour noch einen Gipfel mitnehmen möchte, ist unser erstes Ziel der 2361 Meter hohe Tristkopf. Um uns herum leuchtet der Almrausch rosa in den Hängen und überall plätschern kleine Bäche ins Tal. Durch die satte grüne Postkartenlandschaft steigen wir immer weiter auf. Um auf den Tristkopf zu gelangen, müssen wir kurz vorm Gipfel ein Schneefeld queren – eine Premiere für mich. Ungeübt folge ich vorsichtig Hannas Spur auf die andere Seite. Wenige Minuten später stehe ich auf meinem bisher höchsten Gipfel.
Unsere Jause packen wir hier oben gar nicht erst aus. Der kalte Wind ist zu stark und auch die erhoffte Aussicht bleibt aus. Stattdessen machen wir uns direkt wieder an den Abstieg über das Nadernachjoch (2100 m). Zwischen Wollgras und Pferdeherden schlängelt sich der Weg durch den Almboden nach Krimml. Nach fast 16 Kilometern und etwa zweitausend Höhenmetern auf und ab falle ich abends erschöpft ins Bett.
Die dritte Etappe unserer Alpenüberquerung führt uns an den Krimmler Wasserfällen entlang ins Krimmler Achental. Während ich versuche, mich durch die höchsten Wasserfälle Österreichs von meinem Muskelkater ablenken zu lassen, schaut Franz mit Sorge aufs Wetter. Am Nachmittag soll ein Unwetter aufziehen. Um es rechtzeitig auf die Richterhütte (2374 m) zu schaffen, kürzen wir unseren Weg mit dem Hüttentaxi um gut zehn Kilometer ab.
Vom Krimmler Tauernhaus (1622 m) steigen wir auf ins Rainbachtal. Bis zur Richterhütte (2374 m) müssen wir noch zwei Schneefelder queren. Am Ende der Etappe kommen wir müde,
Mein Herz klopft ganz schön, als ich mich auf mein allererstes Schneefeld wage. Es bleibt nicht das letzte auf dieser Tour.
Jo Godt ist im Rahmen eines Volontariats für den DAV in den Bergen unterwegs – hinter und vor der Kamera.
ALPENÜBERQUERUNG
aber noch vor dem Gewitter auf der Hütte an, wo noch deutlich mehr Schnee liegt als gedacht.
Über Nacht schneit es erneut. Wir entscheiden uns, trotzdem zur Windbachscharte (2693 m) aufzusteigen, um uns ein Bild von der Schneelage im Talkessel bis zum Krimmler Tauern (2634
m) zu machen. Immerhin spielt das Wetter heute mit und wir haben freie Sicht auf das Rainbachkees und die umliegenden Gipfel. Ich hin-
Den Track und mehr Bilder von der Tour gibt es online (opens in a new tab).
Die Etappen (opens in a new tab)
- Mit dem Hüttentaxi in den Kurzen Grund (1144 m) – Neue Bamberger Hütte (1756 m), 4 km, 612 Hm ↗, 2 Std (opens in a new tab).
- Neue Bamberger Hütte (1756 m) – Nadernachjoch (2100 m) – Tristkopf (2361 m) – Nadernachjoch (2100 m (opens in a new tab))
– Krimml (1067 m), 15,8 km, 650 Hm ↗, 1294 Hm ↘ (opens in a new tab), 6 Std (opens in a new tab).
- Krimml (1067 m) – Oberer Wasserfall (1480 m) – mit dem Hüttentaxi zum Krimmler Tauernhaus (1622 m) – Richterhütte (2374 m), 10 km, 1160 Hm ↗, 5 Std (opens in a new tab).
- Richterhütte (2374 m) – Windbachscharte (2693 m (opens in a new tab))
– Krimmler Tauern (2634 m) – Kasern (1582 m (opens in a new tab)), 15,6 km, 646 Hm ↗, 1416 Hm ↘, 6 Std (opens in a new tab).
gegen habe nur die gespurten Tritte im Schnee vor mir im Blick. Die Anspannung, die sich mit der Unsicherheit über das Ende dieser Tour in die Gruppe eingeschlichen hat, ist deutlich zu spüren. Als Franz dann auch noch die Kamera einpackt, weiß ich, dass die Lage ernst ist.
Kurz unterhalb der Windbachscharte halten wir an einem großen Schneefeld an. Nach kurzem Abwägen beschließt Franz, ohne uns weiterzugehen. Er will oben an der Scharte nachschauen, ob sich der Aufstieg über das steile Schneefeld für uns lohnt. Ich beobachte mit einem mulmigen Gefühl, wie er sich mit zwei Steinen in der Hand einen Weg durch den Schnee bahnt. Ob wir diese Tour heute hier abbrechen müssen?
Diese Frage beantworten wir online in der neuen Videoserie „Die Tour meines Lebens“ auf
youtube.com/alpenverein (opens in a new tab).
6/2024 DAV PANORAMA 19
Skimo für alle
Skibergsteigen – die Deutschen Meisterschaften und Skimo-Rennen im Winter 24/25
Skibergsteigen boomt! Schnell nach der Arbeit noch die Pis- hat man die Gelegenheit, die unterschiedlichen Disziplinen te hoch oder ausgedehnte Touren am freien Tag? Vom Aus- auszuprobieren und erste Eindrücke zu gewinnen. dauertraining bis zum Bergerlebnis – Skitourengehen ist vielfältig. Auch der sportliche Vergleich wird immer belieb- Der Jennerstier ter: Wir stellen drei DAV-Rennen vor, bei denen man mit Das bekannteste deutsche Skitourenrennen wird auch die-Gleichgesinnten die Berge nach oben sprinten kann.
sen Winter wieder zum Höhepunkt der Saison. Am 15. und
16. Februar 2025 wird der Jenner in Berchtesgaden zum
Tiroler Schneetage
Skitouren-Mekka. In den Disziplinen Vertical, Kids Race,
Vom 17. bis zum 19. Januar 2025 wird der Pillberg zum Team Staffel und Individual ist für alle Skitourenbegeister-Zentrum der Skibergsteiger*innen mit dem Highlight der ten und Skimo-Athlet*innen was dabei. Im Rahmen des In-Deutschen Meisterschaften in den Disziplinen Vertical und dividual wird wie bereits in den letzten Jahren der Deutsche Sprint. Das Schöne am Skibergsteigen: Ähnlich wie bei Meistertitel vergeben.
Ob Individual, Sprint oder Vertical: Bei den DAV-Skimo-Rennen sind auch „Normalos“ auf demselben Kurs wie die Profis unterwegs.
Laufveranstaltungen sind auch die Deutschen Meisterschaf- Das Mittag-Race ten für alle Athlet*innen offen. Im Vertical müssen dabei im Fester Bestandteil der deutschen Skimo-Szene ist das reinen Aufstiegsrennen die sechshundert Höhenmeter mög- größte Rennen im Allgäu. Das Mittag-Race hatte zwar in den lichst schnell bewältigt werden. Der Sprint beinhaltet dazu letzten Jahren mit schlechten Schneebedingungen zu kämpnoch Tragepassagen, Aufstieg und Abfahrt und ist
fen, wird aber 2025 wieder mit neuem Konzept und
somit technisch deutlich anspruchsvoller.
neuer Ausweichstrecke an den Start gehen. Am 6.
Zudem gibt es auf der Vertical-Strecke am Vor-
Januar heißt es also für alle Skibergsteiger*innen
abend ein Benefizrennen zugunsten hilfsbedürfti-
im Allgäu: Ski präparieren und rauf auf den Mittag!
ger Menschen.
In der Disziplin Vertical ist das Skimo-Race ein rei-
Alle Infos zu (opens in a new tab)
Viele Aussteller präsentieren ihr Material und bie- den Rennen (opens in a new tab) nes Aufstiegsrennen und damit nicht nur für die
und Anmel- (opens in a new tab)
ten allen die Möglichkeit, dieses auch gleich vor
Profis, sondern auch für motivierte Einsteiger*in-
dungen gibt (opens in a new tab)
Ort zu testen. Bei stündlichen Schnuppertouren es hier (opens in a new tab).
nen eine Empfehlung.
red
20 DAV PANORAMA 6/2024
Zukunft Alpen. Die Klimaerwärmung (opens in a new tab)
SONDERAUSSTELLUNG ALPINES MUSEUM – Im neu gestalteten Alpinen Museum auf der Münchner Praterinsel gibt es die erste Sonderausstellung. Das Thema: „Zu kunft Alpen. Die Klimaerwärmung“. Sie verändert unsere Welt gravierend. In den Al pen zeigt sich das besonders (opens in a new tab). Der Wandel von Temperatur und Niederschlag hat immense Auswirkungen auf Biodi versität, Flora, Fauna und auf die Gestalt der Landschaft. Die Naturgefahren werden immer größer. Auch die Anpassungsstrategien hinterlassen ihre Spuren. Der Druck (opens in a new tab), zusätzliche Energieanlagen zu errichten, oder der Wandel touristischer Infrastruktur sind bereits jetzt deutlich zu erkennen. Und auch für Bergsportler*innen ändert sich vieles. Klassische Aktivitäten sind zumeist nur unter erschwerten Bedingungen mög lich. Wege werden gesperrt oder verlegt und die Angebote auf den Hütten zunehmend (opens in a new tab)
Die neue Sonderausstellung befindet sich im ersten Stock des Museums (opens in a new tab).
Dani Arnold ausgezeichnet
PAUL-PREUSS-PREIS – Alljährlich wird mit dem Paul-Preuss-Preis ein Alpinist oder eine Alpinistin für außergewöhnliche Leistungen ausgezeichnet. Dieses Jahr wurde diese Ehre dem Schweizer Dani Arnold zuteil. Aufgewachsen in der Urner Bergsiedlung Biel oberhalb von
Bürglen im Schächental, machte er schon in jungen Jahren vor allem durch seine Speed-Klettereien auf sich aufmerksam. So erreichte Dani in Rekordzeiten und Free Solo alle sechs großen Nordwände der Alpen: Eiger, Matterhorn, Grandes Jorasses, Petit Dru, Pizzo Badile und Große Zinne. 2011 durchstieg er beispielsweise die Eiger-Nordwand in 2:28 Stunden. red
BERG & TAL
BRANCHEN-TREFFEN (opens in a new tab)
HALLS & WALLS – Halls & Walls in der Messe Friedrichshafen vom 22.-23 (opens in a new tab). November ist DIE Messe (opens in a new tab), Infobörse und Austauschplattform für die Kletterhallenbranche (opens in a new tab). Eingeladen sind Verantwortliche und Betreibende von künstlichen Kletteranlagen, Routenbauer*innen sowie Trainer*innen (opens in a new tab), um mit Profis die aktuellen Entwicklungen beim Indoorklettern zu diskutieren und die neuesten Untersuchungen, Projekte und Pro- (opens in a new tab)
dukte des Sports kennenzulernen (opens in a new tab). Parallel zu den verschiedenen Fachvorträgen stellen Kletterwand- und Griffhersteller, Hard- und Softwarehersteller und auch Zubehörlieferanten ihre Produkte aus. Das Schwerpunktthema der zahlreichen Fachvorträge ist dieses Jahr „Künstliche Intelligenz“ (opens in a new tab). red (opens in a new tab)
Mehr Informationen und das Vortragsprogramm (opens in a new tab): hallsandwalls.de (opens in a new tab)
6/2024 DAV PANORAMA 21 (opens in a new tab)
BERG & TAL
Bücher und Kalender
Neuer Lesestoff
Steinernes Meer – Spurensuche im Niemandsland, Joachim Burghardt, Verlag Plenk, € 34,80
Diese Monografie beschreibt das Steinerne Meer, die flä chenmäßig größte der neun Gebirgsgruppen, welche die
Berchtesgadener Alpen bilden. Wallfahrer über queren seit alter Zeit dieses Gebirge, Wilderer, Schmuggler, Deserteure und Diebe suchten die weltferne Grenzregion des Steinernen Meers und die zahlreichen dortigen Höhlen auf, um zeitweise Unterschlupf zu finden. Doch niemand hat je dauerhaft in dieser Mondlandschaft ge lebt, alle waren immer nur kurz, bestenfalls für einen Sommer oben. Das Buch bietet einen hochinteressanten Einblick in die Historie eines faszinierenden Gebirges.
München rockt – klimafreundlich zum Klettern, Panico Alpinverlag, € 19,80
Nach Rotpunkt kommt Eco point, also Klettern, das durch die Anreise mit öffent
lichen Verkehrsmitteln und/oder dem Rad be sonders klimaverträglich ist. Dieser Band stellt Klettergebiete mit Fototopos vor, bei denen das von München aus gut funktioniert: Die Gebiete befinden sich in der Rosenheimer Gegend, im Einzugsbereich der Oberland und Werdenfels bahn sowie bei Konstein im südlichen Franken jura. Auch Kletter und Boulderhallen werden vorgestellt. Erhältlich unter dav-shop.de.
Gesundheitsrisiko Klimawandel, Sven Schneider (Hrsg.), Hogrefe Verlag, € 60,- Die Durchschnittstempera
Sven Schneider (Hrsg.)
Gesundheitsrisiko
turen und weitere Indikato
Klimawandel
Neue Herausforderungen
ren für den Klimawandel er
für Sport, Beruf und Alltag
reichen immer neue Höchst
werte. Für Outdoor Sportler*innen und andere Risikogruppen, die sich in ihrer Freizeit oder beruflich im Freien aufhalten, sind die gesund heitlichen Herausforderungen besonders groß. Dieses Buch vereint die Expertise von über sieb zig Autoren (auch aus dem DAV). Es bietet einen aktuellen Blick auf die Klimaveränderungen und die resultierenden Gesundheitsgefahren wie Hitzschlag, Unfälle durch Blitzschlag, Lawinen oder Hautkrebs.
22 DAV PANORAMA 6/2024
Alpenvereinsjahrbuch Berg 2025, € 25,-, dav-shop.de (opens in a new tab), Mitglieder erhalten die Alpenvereinskarte 14 Dachstein inklusive Der Dachstein ist das Ge bietsthema des aktuellen
Jahrbuchs, die faszinierende Bergregion wird aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Die Rubrik BergFokus widmet sich dem Thema Fotografie ren in den Bergen, die Rubrik BergSteigen zeigt, was schmelzende Gletscher und bröckelnde Felsen für künftige Generationen bedeuten. Bei den BergMenschen geht es um starke Frauen, wie die Dresdner Kletterpionierin Ilse Frisch mann sowie die charismatische Höhenbergstei gerin Gerlinde Kaltenbrunner.
Skitouren in den Dolomiten, Enrico Baccanti, Francesco Tremolada, Versante Sud, € 35,- Geislerspitzen, Fanes, Mar molada – nicht nur zum Wandern, Klettern, Bergstei gen, Klettersteiggehen oder
Mountainbiken ist es hier traumhaft, auch allen Skitourenbegeisterten geht beim Klang dieser Namen das Herz auf. Der Führer ist mit hundert Touren und sechs Mehrtagesunternehmungen prall gefüllt. Klassiker sind ebenso darunter wie echte Geheimtipps. Der Verlag Versante Sud steht für bestens recherchierte Infos mit großer Gebietskenntnis. Das Buch ist die per fekte Ergänzung zum Klassiker „Freeride in den Dolomiten“.
Skitouren-Erlebnis Schweiz, Stephanie Heiduk, Rother Bergverlag, € 29,90 Sie sind die Königsdisziplin des winterlichen Bergstei gens: mehrtägige Skidurch querungen. Dieser Führer
stellt gleich 24 davon in der Schweiz vor, mehr als hundert Gipfel sind beschrieben. Die Schweiz hat zum Skibergsteigen gleich mehrere Vorteile: Die Höhenlage bietet in den zunehmend schwä chelnden Wintern noch eine gewisse Schneega rantie und der ausnehmend gute öffentliche Nahverkehr lässt es zu, alle beschriebenen Tou ren mit Bus und Bahn zu absolvieren. Gerade bei solchen Durchquerungen mit unterschiedlichem Start und Endpunkt ein enormer Vorteil.
KALENDER
Kalender Nepalhilfe Beilngries „Himalaya 2025“ Der Klassiker unter den Bergkalendern für den guten Zweck
von der Nepalhilfe Beilngries e.V. überzeugt auch dieses Mal wieder mit tollen Aufnahmen. Schon seit 1992 unterstützt der Verein in Nepal Gesundheits und Bildungsprojekte, insbeson dere abseits der touristischen Regionen. Preis € 20,-, Infos und Bestellung unter nepalhilfe.org (opens in a new tab)
Welt der Berge 2025
Der Alpenvereins kalender im Format 57 x 45 cm auf hoch wertigem Kunstdruck
papier bringt Berg Feeling ins Wohnzimmer. Die Texte auf transparenten Zwischenblättern komplettieren die aufregend schönen Land schaftsfotos.
Preis für Mitglieder € 32,90, dav-shop.de (opens in a new tab)
Himalaya Kalender 2025
Mit dem Kalender sammelt der Verein himalaya friends e.V. Spenden, um Projekte in Nepal zu unterstüt zen. Ganz konkret: Die
Kinder, die im Kalender 2024 abgebildet wa ren, können jetzt in einem Gebäude mit fünf Räumen unterrichtet werden, davor war es eine Wellblechhütte.
Preis € 10,-, Infos und Bestellung unter himalaya-friends.de (opens in a new tab)
Gipfel und Seen im Licht
Aufmerksamen Pano rama Leser*innen ist der Fotograf Jörg Bo denbender kein Un
bekannter: Seine Luftbildaufnahmen sind regel mäßig in Magazinen zu bestaunen. Sein Kalen der zeigt vor allem die Bayerischen (Vor )Alpen. Aber auch ein paar Ausflüge in die Schweiz, nach Südtirol oder Tirol sind dabei. Die Bildmo tive sind abwechslungsreich, gemeinsam haben sie das tolle Licht und die hohe Bildqualität. Preis € 25,95, bodenbender-verlag.de (opens in a new tab) red
Seiser Alm für alle (opens in a new tab)
as für eine befreiende Weite (opens in a new tab)
alm, kommt. Kein Wunder, eingebettet in die majestätischen Dolomiten verwandelt das glitzernde Weiß des Schnees die Dolomitenregion Seiser Alm in ein einmalig schönes Winterparadies. Nach der ersten Faszination folgt meist die Frage: Was steht heute auf dem Plan? Denn natürlich verführen über 60 Kilometer perfekt präparierte Skipisten zu einer Abfahrt. Aber die Region in Südtirol bietet noch so viel mehr: Langläufer genießen beispielsweise die wunderschöne Loipe Hartl, die über weitläufige Almwiesen mit urigen Schwaigen in eine malerische Gegend auf der Seiser Alm führt, die noch ein echter Geheimtipp ist. Insgesamt laden über 80 Kilometer gespurte Loipen dazu ein, sich ganz der stillen Winterlandschaft hinzugeben. Apropos (opens in a new tab): Sie sind lieber ganz gemütlich zu Fuß unterwegs? Dann machen Sie sich auf zu einer Winter- oder Schneeschuhwanderung (opens in a new tab), etwa im idyllischen Tschamintal (opens in a new tab).
Einkehren, aufwärmen, innehalten Genießen ist immer erlaubt – nach einem aktiven Wintertag umso mehr (opens in a new tab). Wie gut, dass die urigen Hütten der Dolomitenregion Seiser Alm allesamt (opens in a new tab)
Dank der Weite der Seiser Alm und (opens in a new tab)
leicht erreichbar sind: auf Ski, dem Snowboard, mit dem Schlitten, zu Fuß oder gar mit der Pferdekutsche. Regionale Spezialitäten wie Knödel, Herrengröstl (opens in a new tab), Kaiserschmarren oder Buchteln werden hier ebenso serviert wie Gourmetgerichte (opens in a new tab), die jedes Feinschmeckerherz erfreuen (opens in a new tab). Keine Frage, ein Winterurlaub in der Dolomitenregion Seiser Alm ist nicht nur für die Seele ein Genuss (opens in a new tab).
Das Skigebiet ist vom 06.12.2024 bis 06.04.2025 geöffnet (opens in a new tab). Mehr Informationen unter (opens in a new tab): seiseralm.it/winter (opens in a new tab)
Gut zu wissen (opens in a new tab)
den Asta- und Ravaspitzen sorgt für ein unvergessliches Trekking-Abenteuer (opens in a new tab).
„Oft fehlt einfach der politische Wille“
CIPRA-Präsident Uwe Roth im Interview
Uwe Roth ist neuer Präsident der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. Er hält die großen Herausforderungen des Alpenraums wie das Artensterben oder den Besucherdruck für lösbar und möchte mit der CIPRA den Entscheidungsträger*innen Druck machen.
Ende September 2024 wurde Uwe Roth zum neuen Präsidenten von CIPRA International gewählt. Zuvor war er über acht Jahre bei CIPRA Deutschland tätig, von 2018 bis 2024 als Geschäftsführer. Hier betreute er zahlreiche Projekte zur Förderung des alpinen Umweltschutzes. Uwe Roth führt als zertifizierter Bergwanderführer Touren in alpinen Regionen und bildet im Bundeslehrteam des DAV Wanderleiter*innen aus. Mit seinem großen Wissen über die Herausforderungen des Alpenraums möchte er möglichst viele Menschen für dessen Schutz begeistern.
Herr Roth, die CIPRA gibt es seit 1952. Was sehen Sie als ihren bisher größten Erfolg an?
Uwe Roth: Das ist sicherlich nach wie vor die Alpenkonvention. Eine solche internationale Konvention war seit den Anfangszeiten der CIPRA eine zentrale Forderung. Anfang der 1990er Jahre war es dann so weit: Alle acht Alpenstaaten einigten sich auf gemeinsame Ziele zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der Alpen. Auch gut dreißig Jahre später sind wir von der Al-
Was ist die CIPRA?
penkonvention überzeugt, machen sie zur Leitlinie unseres Handelns und haben ein kritisches Auge auf ihre Einhaltung.
Ein Leben für die Berge: Der frischgebackene CIPRA-Präsident Uwe Roth ist nicht nur in den Bergen zu Hause, sondern auch Mitglied im Bundeslehrteam des DAV.
Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die kommenden Jahre als CIPRA-Präsident denken? Ich freue mich sehr auf die grenzüberschreitende gemeinsame Arbeit an den großen Themen unserer Zeit. Und dabei auch ins Gespräch mit den Entscheidungsträger*innen zu kommen. So deprimierend die Auseinandersetzung mit der Klima- oder der Biodiversitätskrise und den fehlenden politi-
schen Weichenstellungen manchmal ist, geben die gemeinsamen Aktionen, Gespräche und Diskussionen Kraft, immer weiterzumachen. Die Hände in den Schoß zu legen, wäre bei der Größe der Herausforderungen sowieso keine Option.
Wo sehen Sie denn die größten Herausforderungen für die Zukunft der Alpen?
Und welche Rolle kann die CIPRA dabei spielen?
Die Herausforderungen in den Alpen sind sehr vielfältig. Einige sind global und betreffen auch die Alpen, wie die Klimakrise oder das Artensterben. Andere entfalten gerade im Alpenraum eine besondere Dynamik, wie Besucherdruck auf Hotspots oder der Gütertransitverkehr. Allen gemein ist, dass sie nicht unlösbar sind. Oft fehlt schlicht der politische Wille oder der öffentliche Druck, um etwas zum Guten zu verändern. Hier kommt die CIP-RA ins Spiel. Wir wollen aufklären und vor allem wollen wir Druck auf die Entscheidungsträger*innen ausüben, mutig die notwendigen Schritte zu gehen, damit auch kommende Generationen einen lebenswerten und ökologisch so wertvollen Alpenbogen vorfinden.
Sie fühlen sich den Alpen verbunden – wo befindet sich denn Ihr persönlicher Lieblingsplatz?
Das sag ich nicht, denn auch über Interviews wie dieses werden Besucherströme gelenkt (lacht). Was ich verraten kann, ist, dass er nah an meinem Zuhause liegt. Ich kann jedem nur emp-
Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA (kurz für Commission Internationale pour la Pro tection des Alpes) ist eine unabhängige, nichtstaatliche und gemeinnützige Dachorganisation, die
fehlen, solche Plätze vor der eigenen
sich seit 1952 für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen einsetzt. Mit ihrer interna
Haustür zu suchen. Nachdem der Drang
tionalen Geschäftsstelle in Liechtenstein, ihren nationalen Vertretungen in sieben Alpenländern und
nach Fernreisen bei vielen Menschen
darüber hinaus rund hundert Mitgliedsorganisationen ist die CIPRA heute ein wichtiges alpenweites
nach dem Coronadämpfer wieder groß
Netzwerk. CIPRA Deutschland ist der Dachverband von Verbänden, Vereinen und fördernden Mit
ist, ist das leider nicht mehr selbstver-
gliedern, die sich für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung des deutschen Alpenraumes einsetzen. Im Oktober wurde DAV Vizepräsident Wolfgang Arnoldt in den Vorstand gewählt.
24 DAV PANORAMA 6/2024
ständlich.
DAV Panorama
Weihnachtsgewi nnspiel
DIGITALE RÄTSELREISE – Für das alljährliche Weihnachtsgewinnspiel geht es dieses Jahr auf digitale Rätselreise. Unter alpenverein.de/weihnachtsraetsel (opens in a new tab) gilt es ein paar knifflige Fragen zu beantworten. Ein paar Klicks, ein wenig Spürsinn und Bergwissen sind schon gefordert, um das Lösungswort herauszufinden! Unter den richtigen Einsendungen werden über vierzig Gewinne verlost, welche die Partner des DAV stellen: Einkaufs- und Reisegutscheine, Hotelübernachtung, Ausrüstung, Genusspakete – es lohnt sich, mitzurätseln!
Unter anderem gibt es diese Preise zu gewinnen: Übernachtung (für zwei Personen) im Hotel „DAS TEGERNSEE“ gesponsert von der Versicherungs kammer Bayern im Wert von € 500, Lawinenausrüstung von Mammut
im Wert von € 620,
Fleecejacken von Mountain Equipment
im Wert von € 200, VAUDE Rucksäcke im Gesamtwert von € 460, Bergader Wanderpaket im Wert von je € 99, Snackboxen von Seeberger im Wert von je € 30,
DER DAV UND SEINE PARTNER (opens in a new tab)
Alle Infos (opens in a new tab)
Sponsoren nicht zu realisieren (opens in a new tab).
und Teilnahme- (opens in a new tab)
bedingungen (opens in a new tab) Mehr Infos zu den Partnern und (opens in a new tab)
gibt es unter (opens in a new tab)
wie der DAV sicherstellt, dass (opens in a new tab)
alpenverein.de/ (opens in a new tab)
deren Firmenphilosophie zum (opens in a new tab)
weihnachtsraetsel (opens in a new tab)
weltgrößten Bergsport und (opens in a new tab)
Einsende- (opens in a new tab)
schluss ist der (opens in a new tab) Naturschutzverband passt (opens in a new tab),
16.12.24 (opens in a new tab).
unter alpenverein.de/partner (opens in a new tab)
BERG & TAL
Darf ich das?
MORALFRAGEN AM BERG
Sollten Bergsteiger*innen Vorrang haben, wenn es um die Nutzung von Infrastruktur am Berg geht, also sollten z.B. Seilbahnen und Hütten vorrangig für die da sein, die diese zum Bergsteigen nutzen?
Zunächst einmal wurde diese Infrastruktur ja nicht nur zum Bergsteigen gebaut. „Normale“ Tourist*innen sind oft gern gesehene Gäste auf Hütten und in Seilbahnen, weil sie Geld dalassen und sich nicht unnötig in Gefahr bringen. Um den Zweck der Infrastruktur geht es also nicht. Philosophisch gefasst kann man die Frage daher so stellen: Gibt es gute Gründe, um eine solche Ungleichbehandlung zu rechtfertigen? Der Philosoph John Rawls hat dazu das „Differenzprinzip“ entwickelt. Während grundsätzlich allen Menschen Gleichbehandlung zustehe, müssten Ungleich-
behandlungen dem-
nach „so gestaltet
werden, dass sie den
am wenigsten Begünstigten größtmöglichen Nutzen bringen“. Das heißt: Nur wenn auch Tourist*innen davon profitieren würden, wenn Bergsteiger*innen Vorrang haben, wäre dies gerecht. Aber was haben nicht bergsteigende Menschen davon, wenn andere Bergsteigen gehen? Man könnte argumentieren, dass Alpinismus einen allgemeinen Wert hat, da dadurch der Rahmen dessen erweitert wird, was Menschen durch Körper- und Willenskraft angesichts der übermächtigen Natur möglich ist. Das reicht aber wohl nicht aus, um Benachteiligten den „größtmöglichen Nutzen“ zu bringen und so Ungleichbehandlung zu rechtfertigen. Das heißt: Wer sich ärgert, weil alle Plätze in der ersten Gondel auf die Aiguille du Midi oder die Zugspitze schon von Leuten belegt sind, die „nur“ die Morgenstimmung fotografieren wollen, hat philosophisch keinen Grund dazu. Verständlich ist es trotzdem.
Lena Güldner hat in München Philosophie studiert. Wenn sie nicht beim Klettern oder auf Skitour ist, denkt sie gerne über philosophische Hintergründe des Bergsports nach.
6/2024 DAV PANORAMA 25
Zu Gast im Bergsteigerdorf Als „Bergsteigerdörfer“ zeichnen die Alpenvereine Orte aus, die ihre alpinistische Seele pflegen und neben Erlebnis- und Bergsportmöglichkeiten auch authentischen Charme bieten (opens in a new tab), naturorientiert und ohne intensive Erschließung. Klein, fein (opens in a new tab), einfach gut (opens in a new tab).
Tipps
Wohin? St. Antönien (1459 m), 341 Einheimische Wie hin? Mit dem Zug bis Küblis. Von dort mit dem Bus 222 nach St. Antönien.
Informieren:
Tourist Information Prättigau, praettigau.info/de (opens in a new tab) Unterkommen:
X 5 Partnerbetriebe im Ort X Carschinahütte (2236 m), SAC Sektion Rätia
Vorbereiten:
X Kompass Wanderführer Grau bünden Nord X Rother Alpenvereins und Gebietsführer Rätikon X Rother Wanderführer Davos – Prättigau
Aufsteigen:
X Madrisahorn (2826 m), Wiss Platta (2627 m), Sulzfluh (2817 m), Schijenflue (2626 m)
Anschauen:
X Partnunsee und Carschinasee X Haus der Lawinen (Laubänähus) X Kletterhalle Rätikon in Küblis alpenverein.de/bergsteigerdoerfer (opens in a new tab)
26 DAV PANORAMA 6/2024
St. Antönien / Prättigau
Hinter dem Mond links
Schon von Weitem ist St. Antönien an seinen vielen Lawinenverbauungen zu erkennen. Das Bergsteigerdorf unterhalb des Chüenihorns im Prättigau ist ein Geheimtipp für Wintersportler*innen jeglicher Disziplin.
Türkisfarbene Posten und Schilder weisen Langlauffans den Weg entlang der Loipen von Aschüel nach St. Antönien und über die Grossried-Ebene. Wer den pinken Markierungen folgt, kann auf Schneeschuhen den Rätikon-Panoramatrail genießen. Weniger Höhenmeter, aber genauso viel Winterwunderland bietet der Schneeschuh-Waldtrail von St. Antönien nach Pany. Auch zum Skitourengehen gibt es rund um das Bergsteigerdorf und seine Seitentäler passende Touren in jeder Exposition und allen Schwierigkeitsgraden.
BERGE
NATUR
Der Gipfel des Eggberg (2201 m) ist auf Ski Über einen Pass verbindet die verborgene leicht erreichbar und eignet sich gut, um sich Hochebene Plasseggen St. Antönien mit dem mit dem Bergsteigerdorf vertraut zu machen. Gampadelstal in Österreich. Zusammen mit Auf- und Abstieg verlaufen auf der gleichen der Schijenflue gehört die Hochebene seit Strecke, über weitläufige, meist pulvrige 1996 zum Schweizer Bundesinventar der Hänge. Ein echter Klassiker ist die Tour auf
Landschaften und Naturdenk-
die Sulzfluh (2817 m). Bei guter
mäler. Besonders ist ihre au-
Sicht werden die 1350 Höhenme-
ßergewöhnlich kontrastreiche
ter im Aufstieg mit einem spek-
und unberührte Gebirgsland-
takulären Ausblick bis zu den
schaft mit vielen unterschiedli-
Walliser Alpen und dem Bo-
chen Gesteinsarten. Dazwischen
densee belohnt.
liegt auch der Partnunsee.
KULTUR
GENUSS
St. Antönien ist geprägt von lebendigen Tra- Eine Suppe zum Aufwärmen ist etwas, worditionen. Ein Höhepunkt ist das Silvester- auf sich viele Sportler*innen nach einem Tag singen, bei dem die unverheirateten Männer im Schnee freuen. In der Region rund um St. in Gruppen durch das Tal ziehen und vor Antönien ist die Bündner Gerstensuppe ein jedem Haus singen. Die Zuhörer*innen kön- Klassiker – nicht nur an kalten Wintertagen. nen zwischen alten und neuen Liedern wäh- Eine weitere lokale Spezialität ist das so gelen. Danach sagen die Sänger Neujahrswün- nannte „Chääsgatschäder“. Hauptzutaten sche auf. Anschließend wird oft zusammen des Gerichts aus Graubünden sind Weißselbst gemachter Röteli getrunken.
brot, Milch und Käse.
red
Bei der Wanderung vom
Im Bahnhöfli Küblis
Das Haus der Lawinen
Bärgli (2135 m) bieten sich
kann man kegeln und
macht die Geschichte
gleich zwei Bergseen zum
Billard spielen.
der St. Antönier Lawinen
Baden an.
auf eindrückliche Weise erlebbar.
OHREN AUF (opens in a new tab)! IN REIT IM WINKL (opens in a new tab)
ERLEBNISWEG – Der im September 2024 eröffnete Hör und Klang spaziergang fordert das Gehör und lässt einen die Bergwelt neu erle ben. Sich akustisch von einem glucksenden Bach den Rücken massie ren lassen, das Rascheln einzelner Blätter des Bergahorns herausfil tern, sich der summenden Sinfonie der Insektenwelt hingeben – geht das so einfach? „Aber natürlich! Denn die Welt spricht zu uns. Ständig (opens in a new tab). Wir müssen uns nur die Zeit nehmen, richtig hinzuhören, die Ohren auf zumachen“, bekräftigt der Klangdenker Sam Auinger, der zusammen mit der Klangkünstlerin katrinem und dem einheimischen Kapellmeister Hans Nothegger diese wohl welteinzigartige Wanderung erschaffen hat (opens in a new tab). Der OHREN AUF (opens in a new tab)! Klangspaziergang führt 8,3 Kilometer lang durch Wäl der, Auen und über Bäche (alternativ 5,4 oder 4,3 km) zu dreißig mit Symbolen markierten Hörpunkten. Die Tour (mit Führung oder ausführ licher Broschüre) geht zu jeder Jahreszeit und ist mit ihren einfachen (opens in a new tab)
neh (opens in a new tab)
Auge: Balsam für die Seele.Infos (opens in a new tab): reitimwinkl.de/ohren-auf-spaziergang (opens in a new tab)
Es ist wieder Kinozeit (opens in a new tab)
EUROPEAN OUTDOOR FILM TOUR – Mit dem endenden Jahr beginnt traditionell die Kinozeit für alle Outdoorbegeisterten: Die „European Outdoor Film Tour“ (EOFT) ist wieder unterwegs: Die sechs Geschichten (opens in a new tab), thematisch bunt gestreut von alpinen Großtaten am Trango Tower in Pakistan über Downhillskateboarden bis hin zu einem britisch verschrobenen Rafting-Abenteuer (opens in a new tab), bieten für jeden Geschmack etwas. Bei den mehr als 350 Stopps der Tour in neun Ländern treffen sich wie immer alle Outdoor-Fans zum „Familientreffen“ mit Film und Popcorn (opens in a new tab).
Termine und Tickets (opens in a new tab): eoft.eu (opens in a new tab)
BERG & TAL
Bundesverdienstorden für Antje von Dewitz
DAV-PARTNER VAUDE – Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von Vaude, wurde am 1. Oktober im Schloss Bellevue in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Ehrung erhielt sie für ihr Engagement als „Familienunternehmerin, Umweltschützerin, Verteidigerin der Menschenrechte und als Vorbild für nachhaltiges und soziales Unternehmertum in der Textilindustrie“. „Diese besondere Auszeichnung habe ich auch im Namen von uns allen bei Vaude angenommen. Denn das, wofür ich ausgezeichnet wurde, ist unsere gemeinsame Leistung. Das möchte ich mit euch teilen und feiern“, freute sich Antje von Dewitz.
red
BLACKYAK.DE (opens in a new tab)
M†DE FOR MISSIONS (opens in a new tab).
HIGHTECH OUTDOOR-KLEIDUNG FÜR JEDES DEINER ABENTEUER (opens in a new tab).
BERG & TAL
pia durch guten Trainingszustand: AmAlex Megos revanchierte sich für Olym ersten Tag in Flatanger kletterte er nach mittags „Hell“ (9a), übte zwei Tage in
ALTER? STEILZEIT!
Spannendes geschah im Sommer an den Bergen der Welt – eine der schönsten Aktionen
„Change“ (9b+), machte dann einen
lieferten zwei Rentner aus England, die von wilden Touren offensichtlich nicht genug
Bouldertag mit 8A flash und 8A+, übte noch mal zwei Tage, machte einen Ru hetag und kletterte dann „Change“. Zwei Wochen später legte er „Move“ (9b) nach und am gleichen Tag „Illusionist“ (9a). Jorge DiazRullo kletterte ebenfalls „Change“ und „Move“; mit „Muerte por asfixia“ verbuchte er auch einen 8C+ Boulder auf sein Konto. Babsi Zangerl und Jacopo Larcher klet terten „The Gift“ (350 m, 8c) im Rätikon und dann – wie kurz zuvor Nemuel „Nemo“ Feurle – „Seventh Direction“
(220 m, 8c). „Ego Land“ (410 m, 8c/+, obl. 7c+) an der Marmolada Südwand er schlossen Bernardo Ri vadossi, Massimo Faletti und Luca Bana; Rivadossi und Bana kletterten sie „team free“.
Für die Legendenroute „Divine Providence“ (18 SL, 7c) am Grand Pilier d’Angle brauchten François Cazza nelli und Giuseppe Vidoni 23:45 Stunden – vom Tal zum Montblancgipfel und zurück (3900 Hm, 28 km). Simon Gietl und Dani Ar nold verbanden in 17:34 Stunden Einserkofel „Weg der Jugend“ (800 m, 3:38 h), Zwölferkofel „Via Schranzhofer“ (700 m, 2:58 h) und Große Zinne „Comici/ Dimai“ (550 m, 2:54 h): 75 Seillängen bis VII, 28 Kilometer und 4700 Höhenmeter. Vier der schwersten VerdonRouten kletterten Seb Berthe und Hugo Parmentier in 19 Stunden: „El Topo“ (300 m, 8a), „Le Pornographe“ (350 m, 8a), „Jolie Fleur“ (250 m, 8b) und „Dame Cookie“
Highlights des (200 m, 8a+). Und Kilian
modernen Berg-
Jornet erledigte die 82
sports
präsentiert
Viertausender der Alpen in
von Andi Dick 19 Tagen.
28 DAV PANORAMA 3/20246/2024
bekommen können.
1987 eröffneten Mick Fowler und Victor Saunders den „Golden Pillar“ am Spantik (7027 m) im Karakorum, damals eine der härtesten Alpinrouten und bis heute eine legendäre Linie. Vor einigen Jahren erkrankte Fowler an Krebs, ließ sich aber durch einen künstlichen Darmausgang nicht vom Bergsteigen abhalten. Nun – Fowler ist 68, Saunders 74 – haben die zwei wieder zugeschlagen: mit der Erstbesteigung des Yawash Sar (6258 m), genannt „Matterhorn des Khunjerab“ (beide Bilder). Sieben Tage brauchten sie für die komplexe Nordwestwand mit schlechten Biwakmöglichkeiten; ein Hängebiwak mit Sturm war der Tiefpunkt. Fowler wird es wahrscheinlich als „im Rückblick schön“ empfunden haben – eine Formulierung, die der ehemalige Postbeamte in seinem Buch „The secret life of a postman“ verwendete.
Niedrigere Gipfel sind die Ziele der Wahl für ambitionierte Alpinist*innen, wenn die Achttausendergebühren verdreifacht werden (wie in Pakistan) oder Hilfssauerstoff ab 7000 Metern vorgeschrieben ist (wie in China). So gingen Tom Livingstone und Ales Cesen zum „nur“ 7952 Meter hohen Gasherbrum III und eröffneten in drei Tagen den Westgrat, mit einem Sitzbiwak auf 7800 Metern, für Livingstone „eine meiner schwierigsten Routen“. Mit ED+, M7, A2, 1450 m stuften Kei Narita, Yuu Nishida und Yudai Suzuki ihre Route „Spider’s Thread“ in der Westwand des Thui II (6523 m, Pakistan) ein, auch in drei Tagen und mit einem ungemütlichen Biwak auf dem Gipfel. Die Brüder Iker und Eneko Pou und ihr Kumpel Mi-
cher Quito ergänzten ihre Erstbegehungsliste in der Cordillera Blanca um „Puro Floro“ (1000 m, M7, 95º, A2) in der Südostwand des Nevado Copa (6188 m), ihre „bisher beste alpine Route“. Für Bigwalls auf Grönland ist mittlerweile die Anfahrt per Kleinboot en vogue: Matteo Della Bordella, Alex Gammeter, Silvan Schüpbach und Symon Welfringer paddelten 300 Kilometer im Kajak von Tasiilaq zum Drøneren und eröffneten „Odissea Borealis“ (1200 m, 7b); die Cruxlänge ist mit Peckern „psychologisch“ gesichert. Miška Izakovičová, Tim Miller, Callum Johnson und Simon Smith erreichten mit Packrafts den „Thumbnail“ und eröffneten in Wechselführung, onsight und ohne Bohrhaken „Mussles for tea, packrafts in the sea“ (1350 m, 7b); es folgten weitere zehn Neutouren zwischen 6b und 7b. Und Sean Villanueva kam zurück zur Mirror Wall, wo er 2023 eine Platte „für kommende Generationen“ übriggelassen hatte. Nun löste er sie als 7c+ R und stellte mit Julia Cassou, Sean Warren und Pete Whittaker die Route „Ryu-shin“ (Drachenherz, 1000 m, 8b R, A2) fertig, die sie in insgesamt 18 Tagen bis auf drei Seillängen frei klettern konnten.
Stimmen aus der Wand
„Wir ließen Erwartungen, Sorgen und Ideen zurück und bewegten uns einfach aufwärts, der Geist neugierig, der Körper leise und zerfallend.“ Tom Livingstone philosophiert über den G3. „Jetzt ist es Zeit für ein bisschen Erholung!“ Kilian Jornet nach den 82 Viertausendern in 19 Tagen.
AB JANUAR 2025 AUF TOUR (opens in a new tab)
PARTENKIRCHEN (opens in a new tab)
7.02. KEMPTEN5.02 (opens in a new tab). BURGHAUSEN (opens in a new tab)
2.02. REGENSBURG 22.02. MAINZ 22.02. ROSENHEIM 23.02. INGOLSTADT (opens in a new tab)
25.03. KAISERSLAUTERN25.03 (opens in a new tab). ERFURT 26.03. MANNHEIM 26.03. WÜRZBURG 27.03. STUTTGART 27.03. AUGSBURG (opens in a new tab)
30.03. BERLIN (opens in a new tab)
06.04. KARLSRUHE (opens in a new tab)
3.03. DRESDEN (opens in a new tab)
08.04. ESSEN (opens in a new tab)
0.04. POTSDAM (opens in a new tab)
09.04. PADERBORN (opens in a new tab)
02.04. HAMBURG (opens in a new tab)
0.04. ULM (opens in a new tab)
03.04. BRAUNSCHWEIG 0.04. KÖLN 04.04. LÜBECK (opens in a new tab)
VERGÜNSTIGTE TICKETS FÜR DAVMITGLIEDER (opens in a new tab)
WWW.BANFFTOUR.DE (opens in a new tab)
P R E S E N T E D B Y (opens in a new tab)
Dauer:
Tagestouren unterschiedlicher Länge
Max. pro Tag: 1500 Hm
Höchster Punkt: Corno Grande (2912 m)
Schwierigkeit: Mittelschwer Beste Zeit:
Mitte Januar bis Ende März
Kurz unterhalb des Gipfels des Monte Camicia (2564 m). Mit dem Splitboard (vorn) bei windgepresstem Schnee eine Herausforderung. Im Hintergrund rechts das Corno-Grande-Massiv.
30 DAV PANORAMA 6/2024
ABRUZZEN
Skitouren in den Abruzzen
Schnee wie Mascarpone
Skitouren in der Nähe von Rom – wie bitte?! Ja, ganz richtig, die Abruzzen machen es möglich – mit Gipfeln bis an die Dreitausend-Meter-Marke, Ausblicken zum Mittelmeer, überraschender Schneequalität und mediterraner Kulinarik.
Text und Fotos: Markus von Glasenapp a der Winter 2021/22 in den Alpen miserabel war und die Berge bis weit hi-
D
nauf grün, machten wir uns auf die
Suche nach anderen europäischen Gebirgen mit Skitourenpotenzial. Corona und der Kriegsausbruch in der Ukraine ließen das ursprüngliche Ziel, die rumänischen Karpaten, eher als schlechte Wahl erscheinen. Nachdem ein paar Webcams in den Abruzzen gecheckt waren und die Bilder zumindest relativ weiß aussahen, setzten wir uns ins Auto und brachen gen Süden auf. Wer mit Blick aufs Meer Ski fahren kann, sollte ja auch schlechtere Schneeverhältnisse in Kauf nehmen können …
Als wir den Fuß der Majella-Gruppe erreichen, bietet sich ein vielversprechender Anblick: Dimensionen wie ein Hochgebirge – und tief verschneite Hänge bis in niedrige Lagen.
Die erste Station ist der hübsche Ort Rocca di Calascio am Rand des riesigen Campo Imperatore, einer Hochebene auf rund 1700 Metern, die
32 DAV PANORAMA 6/2024
Auf dem Gipfel öffnet sich ein grandioses Panorama. Bis nach Pescara und zur Adria küste reicht der Blick.
einen beträchtlichen Teil des Corno-Grande-Massivs ausmacht. Die Paradeskitour der Gegend ist der Monte Camicia mit seiner durchgehenden Südwestflanke, die schon von Weitem wie ein idealer Skiberg aussieht. Nach stimmungsvollem Anmarsch über die Hochebene geht es in großen Kehren die Flanke hinauf auf den Gipfel, wo sich ein grandioses Panorama öffnet. Bis nach Pescara und zur Adriaküste reicht der Blick. Die ebenfalls gut eingeschneiten umliegenden Gebirgsgruppen der Majella und der Monti Sibillini sind durch tiefer gelegene Täler vom Gebirgszug des Corno Grande getrennt und geben so der Aussicht eine unglaubliche Weite.
Da eine Kälteperiode frischen Schnee gebracht hatte, bietet der Gipfelhang Frühlingspowder – allerdings von sehr spezieller Qualität. Irgendwie pulvrig, aber doch von dichter Konsistenz, so dass die Bretter richtig Zug haben. Wir sind baff und schon am ersten Tag ei-
ABRUZZEN
INFO
SKITOUREN IN DEN ABRUZZEN Die kleinen Gebirgsgruppen der Abruzzen bieten abwechslungsreiche Skitouren unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Wenn ein kalter Wind über die Adria fegt, können innerhalb kürzester Zeit gewaltige Schneemengen fallen. Ausrüstung: Normale Skitourenausrüstung, Harscheisen und gut gewachste Ski von Vorteil. Bei steileren Touren benötigt man Pickel und Steigeisen. Beste Zeit: Mitte Januar bis Ende März Anreise: Zu den Ausgangspunkten gelangt man nur mit dem Auto (möglichst mit Allrad und etwas Bodenfreiheit). Tipp: Mit dem Zug nach Rom und dort ein Auto mieten. Unterkünfte: Hotels und Pensionen in L’Aquila, Ferienwohnungen in kleineren Ortschaften. Im Winter sind viele Unterkünfte geschlossen. Karte: Gute Topo-Karten sind nicht erhältlich, man sollte digitale Karten nutzen. Führer: „Skialp tra Gran Sasso e Sibillini“ und „Skialp tra
Abfahrt im Sulzschnee vom Corno Grande in
Majella“, C. Iurisci, F. De Angelis, R. Le Donne, Edizioni
das Val Maone. Hier trifft man auf wunderbare Versante Sud Hänge und eine einsame Landschaft. Hinter
TOUREN
der Kapelle von Rocca Calascio öffnet sich
Monte Camicia (2564 m): Start am östlichen Ende des Campo Imperatore nahe Ristoro Mucciante, Aufstieg und Abfahrt über
der Blick in Richtung des Campo Imperatore,
die Südflanke, 1000 Hm
einer riesigen, auf rund 1700 Metern gelege-
Corno Grande (2912 m): Start bei der Bergstation der
nen Hochebene.
Seilbahn Gran Sasso, Aufstieg über die Direttissima durch die Südflanke, Abfahrt nach Nordwesten ins Val Maone und Wiederaufstieg zur Seilbahn, 1500 Hm (bei viel Schnee Abfahrt zur Talstation möglich) Monte Amaro (2793 m): Start in der Nähe des Passo Leonardo. Aufstieg Richtung Osten, zunächst durch Wald und dann durch eine große Rinne, 1500 Hm
TIPPS FÜR DEN BERGURLAUB X Kulinarik: Ristorante L’Elisir del Poeta in Santo Stefano di Sessanio. Ein sehr feines vegetarisches Restaurant, liebevoll zubereitete Speisen und eine gemütliche Atmosphäre. X Kultur/Ruhetag: Besuch des Städtchens L’Aquila mit seinem unaufgeregten italienischen Flair. Nach dem Erdbeben im Jahr 2009 wurden die meisten historischen Gebäude wieder hergerichtet. X Klettern: Die Abruzzen sind ein erstklassiges Klettergebiet, in den letzten Jahren wurden viele neue Sektoren erschlossen. In den niedrigeren Gebieten kann man ganzjährig klettern. Führer: Abruzzo Rock, Edition Versante Sud.
6/2024 DAV PANORAMA 33
nig, dass wir durch so einen Schnee noch nie gefahren sind. Der Gegend entsprechend taufen wir ihn „Mascarpone-Schnee“.
Weitere Gipfel nebenan versprechen großartige Routen, jedoch scheinen die Anmärsche über den weitläufigen Campo Imperatore für Tagestouren sehr lang. Bei der Planung für die nächsten Tage fällt uns auf, dass je nach Schneelage und Straßenzustand die Tourenstartpunkte nur schwer zu erreichen sind. Ein geländetaugliches Fahrzeug wäre hier und da von Vorteil, manchmal ist die Straße aber auch schlichtweg nicht geräumt. Und dann steht ein langer Talhatscher an …
Die Landschaft hier kommt uns immer wieder bekannt vor, wild und irgendwie amerikanisch. Könnte das nicht Kalifornien sein? Dann dämmert uns, dass die bekannten Spaghetti-Western hier gedreht wurden, was eine kurze Google-Recherche bestätigt. Unter anderem war der Campo Imperatore Schauplatz des Films „Vier Fäuste für ein Halleluja“. Ab da vermuten wir hinter jedem Busch ein paar Banditen oder gleich Terence Hill und Bud Spencer, wie sie durch die „italienische“ Prärie reiten und ein paar Fieslinge verkloppen. Es ist klar, was als Abendunterhaltung angesetzt wird. Jedoch stellen wir schnell fest, dass die Witze und Sprüche, die uns als Kinder noch haben umfallen lassen vor Lachen, eigentlich reichlich flach sind. Nach dem ausgefüllten Tourentag wiegt einen der seichte Unterhaltungswert dieses Streifens immerhin schnell in den Schlaf.
Die Besteigung des höchsten Berges der Region ist natürlich ein Muss. Ziemlich abweisend und steil wirkt jedoch die Direttissima durch die Südflanke des mächtigen Massivs. Da allerdings von der Seilbahnstation einfach zu erreichen, findet sich eine gut ausgetretene Trittspur auf den fast dreitausend Meter hohen Corno Grande. Hier treffen wir neben einigen Ski-Alpinisti auch auf ein paar Bergsteiger*innen, die den Gipfel zu Fuß in Angriff nehmen. Wir entschließen uns jedoch, nicht die steile Südflanke abzufahren, sondern nach Norden, um in einer Rundtour wieder zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen. Auf dieser Route sind wir wieder völlig allein und haben die wunderbaren Firnhänge ganz für uns. Dass zur Talstation der
34 DAV PANORAMA 6/2024
Eine gut aus getretene Trittspur führt auf den fast dreitausend Meter hohen Corno Grande.
Gondel die Ski noch ein bisschen getragen werden müssen, ist nicht weiter schlimm, wissen wir doch von unserer Erkundungstour am Vortag, dass dort ein kleiner Imbiss mit leckeren Panini und kaltem Bier auf uns wartet.
Vor dem Aufbruch Richtung Abruzzen hatten wir noch gewitzelt: Sollte es an Schnee mangeln, so hätten wir doch zumindest kulinarisch gesehen eine gute Entscheidung getroffen – was sich bewahrheitet: Alpinismus und Kulinarik ergänzen sich hier bestens. Schon allein die
Auf dem Monte Amaro (2793 m) mit seinem ikonischen Biwak fühlt man sich fast wie auf einem anderen Planeten. Bei klarer Luft erkennt man von dem höchsten Gipfel der Majella im Nordosten die Küste der Adria. Obligatorisch nach der Tour: Stärkung mit Pizza al Taglio und Bier, danach einen Espresso.
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Möglichkeit, nach der Tour in der Sonne Pizza und Bier zu genießen und in sympathischen Bars einen Espresso zu trinken, ergänzt sich sehr gut mit dem Sportprogramm. Gar nicht zu reden von den wunderbaren typischen Pastagerichten der Region wie Spaghetti alla Chitarra, mit Amatriciana-Sauce. Die Restaurants in L’Aquila, aber auch in anderen kleinen Orten lassen keinen Wunsch offen.
Als wir für eine Tagestour in die benachbarte Gebirgsgruppe der Majella aufbrechen, bestätigt sich, was sich vom Gipfel des Monte Camicia wie auch in der Anfahrt schon erahnen ließ. Hier liegt auch in niedrigeren Lagen sehr viel Schnee, eine typische Staulage von Osten über die Adria hat hier richtig abgeladen. Der Monte Amaro bietet sich mit seiner durchgehend steilen Nordabfahrt als erste Wahl an. Vom Gipfel hat man einen unglaublichen Rundblick bis ans Meer und das ikonische Gipfelbiwak sieht aus wie eine Raumstation. Höchst vergnügt fahren wir die weiten Hänge hinab. Allerdings hat sich inzwischen der Mascarpone-Pulver in klassischen Firn umgewandelt, der ein gutes Timing verlangt. Die starke südliche Sonne sorgt dafür, dass auch Nordhänge schon im Februar und März gegen Mittag auffirnen.
Da sich eine Warmfront mit Regen bis auf die Gipfel ankündigt, wird die Reise mit einem Besuch in Rom abgerundet. Um die Jahreszeit ist hier wenig los und wir können die Sehenswürdigkeiten in Ruhe erkunden. Die Wuseligkeit Roms ist ein schöner Kontrast zur nicht weit entfernten Bergwelt. Und wo sonst kann man den Besuch einer Stadt mit solch südlichem Flair mit ein paar Skitouren verbinden?
AB € 315 (opens in a new tab)
ABRUZZEN
Pizza, Bier und Espresso ergänzen sich sehr gut mit dem Sport programm.
Markus von Glase napp ist immer auf der Suche nach Skitouren mit Blick aufs Meer.
Trockene Toiletten (opens in a new tab)
In Zeiten des Klimawandels müssen nahezu alle Hütten Wasser sparen (opens in a new tab). Der größte Verbraucher ist die Spültoilette. Zum Glück gibt es eine moderne Lösung für dieses Problem: die Trockentoilette. Panorama erklärt, wie das Prinzip funktioniert. Mehr Infos (opens in a new tab): alpenverein.de/wassersparen (opens in a new tab)
Ablufttransport
Üble Gerüche gehören bei diesen Toilet ten längst der Vergangenheit an. Beim Förderbandsystem werden die Stoffe in einem abgetrennten Raum gesammelt, der über ein eigenes Abluftsystem ver fügt. Durch eine geschickte Luftführung in der Toilette zieht die Abluft dort
komplett ab und wird über das Dach ausgeleitet.
Mythos Trockentoilette Immer noch werden Trockentoiletten mit einfachen „Plumpsklos“ oder sogar einem besseren „Donnerbalken“ gleichgesetzt – mit entsprechenden Vorurteilen: Es stinkt und es weht immer ein kaltes Lüftlein um den blanken Popo. Natürlich gilt das nicht mehr für moderne Trockentoiletten. Die Alpenvereinshütten setzen häufig auf das „Förderbandsystem“.
So funktioniert das Förderbandsystem Den ersten Weg besorgt tat sächlich die Schwerkraft: Flüssigkeit und Feststoff fal len gemeinsam auf ein spezi elles, schräg stehendes Förder band im Keller. Dort läuft das „kleine Geschäft“ nach unten in eine Auffangschale und wird zunächst in ein Absetzbecken zur Vorklärung geleitet. Von dort geht es weiter in ein Pflanzenklärbeet. Der festere Stoff inklu sive Klopapier wird vom Förderband in einen Behälter transportiert, gesammelt und ge trocknet. In regelmäßigen Abständen werden dann die getrockneten Feststoffe zur Entsorgung ins Tal befördert.
36 DAV PANORAMA 6/2024
Biologische Kläranlage
Alpenvereinshütten stehen in ökologisch sensib len Gebieten. Eine Klärung des Grauwassers aus Küche und Waschräumen ist darum seit Längerem Standard. Auch Urin kann über eine biologische Kläranlage gereinigt werden. Zwei Systeme haben sich durchgesetzt: Filterbeete (s. u.) und die Tropfkörperanlage, bei der Flüssigkeiten durch verschiedene Schichten tropfen und dort mithilfe von Bakterien gereinigt werden.
Mehr über die Alpen gibt es in unserem Alpenbuch (opens in a new tab):
AUF EINEN BLICK
35%
65%
Waschbecken,
WC Spülung
Trinkwasser
15 Liter
Ø Wasserverbrauch pro Übernachtunggast und Tag Im Schnitt beträgt der Verbrauch eines Übernachtungs gasts auf einer Hütte 15 Liter Wasser – ohne Essen, Ge tränke und Dusche. Allein 10 Liter davon (also zwei Drittel des gesamten Wasserverbrauchs) entfallen auf die Klo spülung, wenn man davon ausgeht, dass jeder Gast je ein großes (6 9 Liter) und kleines (3 5 Liter) Geschäft verrich tet. Trockentoiletten hingegen benötigen keinen einzigen Tropfen Wasser und sind damit künftig die erste Wahl für Hütten mit Wasserknappheit.
Spültoiletten: Mehr Verbrauch als nur die Spülung Bei Wasserspültoiletten wirkt sich nicht nur der eigentli che Spülvorgang negativ auf die Wasserbilanz aus, son dern auch die Klärung: Häufig kommt dort eine konven tionelle Kleinkläranlage zum Einsatz – und auch die be nötigt Wasser. Natürlich kann man für die Spülung zum Beispiel auch Regenwasser verwenden, doch in den niederschlagsarmen Sommern fällt diese Möglichkeit häufig weg – und zudem benötigt man dafür eigene Tanks. Am Ende ist die moderne Trockentoilette die umweltschonendste Alternative – und sie spricht eine klare Sprache: „Das
ist kein Gebäude im Tal, sondern eine Hütte am Berg“.
5/2024 DAV PANORAMA 37
Mehr als nur eine Zahl
Wie gut kennen Skitourengruppen den Lawinenlagebericht?
Die DAV-Sicherheitsforschung hat in den Wintern 2020 und 2022 an zwei klassischen Skitourenstandorten (Kelchsau in den Kitzbühler Alpen und Namlos in den Lechtaler Alpen) 112 Skitourengruppen befragt und die von ihnen begangenen Touren erfasst (siehe auch DAV Panorama 1/2022, 6/2022 und 1/2023). Die Gruppen waren insgesamt gut ausgerüstet und waren sich der Lawinenproblematik bewusst, Mängel gab es aber sowohl bei der Tourenplanung als auch an einer systematischen Herangehensweise zur Beurteilung einzelner Gefahrenstellen im Gelände. Dieser Beitrag behandelt, wie gut die Gruppen den Lawinenlagebericht kannten.
Text: Forschungsgruppe Winter der DAV-Sicherheitsforschung
Illustrationen: Georg Sojer
er aktuelle Lawinenlagebericht ist die zentrale dem ermöglichen die Zusatzinformationen eine differen
Dgroben Indikator zur Lawinengefahr enthält der Lawinenner Skitour. Neben der Gefahrenstufe als erstemInformationsquelle für Auswahl und Planung ei situation) auch bei Stufe 3 das Betreten bestimmter Steilziertere Tourenplanung, was (abhängig von der Gefahrenhänge ermöglicht.
lagebericht zusätzliche Informationen, welche die Gefah Eine sinnvolle Strategie zur Vermeidung eines Lawinenun rensituation detailliert beschreiben, wie zum Beispiel:
falls beinhaltet eine gute Tourenplanung, die die Identifi
X Ist die Lawinengefahr tageszeitlich oder bezüglich der
kation von Gefahrenstellen und ein angemessenes Verhal
Höhe geteilt?
ten an diesen Gefahrenstellen im Gelände umfasst. Hierzu
X Welche der fünf Lawinenprobleme gilt es zu beachten? liefert der Lawinenlagebericht die relevanten Informations X Wo befinden sich Gefahrenstellen (Höhe, Exposition,
grundlagen. Da der Lawinenlagebericht jedoch die Ver
Steilheit & Geländeform)?
hältnisse für eine größere Region zusammenfasst, muss
Selbst bei geringem lawinenkundlichen Wissen lassen sich er im Gelände durch eigene Beobachtungen ergänzt wer aus dem Lawinenlagebericht mit einfachen Verfahren (z.B. den, um an einer konkreten Gefahrenstelle eine gute Ent Reduktionsmethode, SnowCard) klare Verhaltensempfeh scheidung fällen zu können. Alle von uns befragten 112 lungen für die Tourenauswahl ableiten, wie zum Beispiel Skitourengruppen kannten den Lawinenlagebericht als bei Stufe 3 keine Hänge steiler als 30 Grad zu betreten. Entscheidungshilfe zur Beurteilung der Lawinengefahr und Wer über größeres lawinenkundliches Wissen verfügt, alle bis auf eine Gruppe gaben an, dass die Verwendung
38 DAV PANORAMA 6/2024
SICHERHEITSFORSCHUNG
Lawinenlageberichte sind nach dem Prinzip der Informationspyramide aufgebaut. Ganz oben steht die Gefahrenstufe. Sie ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs: Je weiter man liest, desto größer wird die Detailtiefe der Informationen, die von den Lawinenwarndiensten täglich veröffentlicht werden.
des Lawinenlageberichts ihre Standardmethode zur Beur teilung der Lawinengefahr sei (s. DAV Panorama 1/2023).
Soweit zur großen Bedeutsamkeit des Lawinenlagebe richts für die Durchführung von Skitouren. Aber wie gut kennen Skitourengruppen den aktuellen Lawi nenlagebericht tatsächlich? Sind sowohl die Ge fahrenstufe als auch die Zusatzinformationen be kannt? Und gibt es Gruppentypen, die den Lawi nenlagebericht besser kennen als andere?
1. Hohe Kenntnis der Gefahrenstufe Je gefährlicher, desto eher kennen Gruppen die Gefahrenstufe.
Nach Abschluss ihrer Tour konnten von den 112 insgesamt befragten Skitourengruppen noch 86 Gruppen unter anderen zu ihren Kenntnissen des aktuellen regionalen Lawinenlageberichts
6/2024 DAV PANORAMA 39
Kenntnis von Gefahrenstufe und Lawinenproblem
100 %
75 %
50 %
25 %
86 %
97 %
67 %
0 %
Gefahrenstufe LLB
Abb. 1: Anteil der vollständigen Kenntnis der Höhe und Teilungskriterien der Gefahrenstufe und der Lawinenprobleme aus dem Lawinenlagebericht für die Lawinengefahrenstufen 2 und 3.
97 %
55 %
74 %
Anmerkung: Anzahl der Skitourengruppen Stufe 2: n = 42, Stufe 3: n = 38.
Lawinenprobleme
Teilung der Gefahrenstufe
Stufe 2
befragt werden. Knapp 91 Prozent dieser Gruppen kann ten die korrekte Gefahrenstufe. Ferner nahm die Kenntnis der Gefahrenstufe mit der Höhe der aktuellen Gefahren stufe zu. Wenn es gefährlicher war, wussten Gruppen bes ser, welche Gefahrenstufe der Lawinenlagebericht angab (83 % bei Stufe 1,86 % bei Stufe 2,97 % bei Stufe 3, siehe Abb. 1). Im Vergleich zu früheren Studien (Schwiersch et al., 2005: 66 %, Procter et al., 2014: 53 %) ist somit die Kenntnis der aktuellen Gefahrenstufe größer geworden. Dies ist ein erfreuliches Ergebnis.
Vollständige Kenntnis der Gefahrenstellen
50 %
38 %
25 %
13 %
41 % 28 %
43 % 36 %
0 %
Höhe
Exposition Gefahrenstufe 2
40 DAV PANORAMA 6/2024
Stufe 3
2. Etwas geringere, aber noch hohe Kenntnis der Teilung der Gefahrenstufe und Lawinenprobleme Knapp zwei Drittel der Gruppen kannten im Schnitt diese Informationen.
Neben der Gefahrenstufe beinhaltet der Lawinenlagebericht eine mögliche Teilung der Gefahrenstufe in eine niedrigere und eine höhere Stufe. Die Teilung kann sich richten nach Hö henlage (z.B. oberhalb der Waldgrenze oder einer bestimm ten Höhe) oder Tageszeit (ganztägig vs. mit Tagesgang). Zu sätzlich berichtet der Lawinenlagebericht die der Lawinenge
Abb. 2: Vollständige Kenntnis der Skitourengruppen zu den im Lawinenlagebericht genannten Gefahrenstellen bei Stufe 2 und 3. Anmerkung: Anzahl der Ski-
39 % 26 %
26 % 14 %
tourengruppen Stufe 2: n = 42, Stufe 3: n = 38.
Geländeform
Steilheit
Gefahrenstufe 3
SICHERHEITSFORSCHUNG
fahr zugrunde liegenden Lawinenprobleme (Neuschnee, Trieb schnee, Altschnee, Nassschnee, Gleitschnee, s. Abb. 3). Die befragten Gruppen kannten zu 80 Prozent die Teilungskri terien des aktuellen Lawinenlageberichts und zu 64 Prozent die genannten Lawinenprobleme vollständig. Ähnlich wie bei der Kenntnis der Lawinenwarnstufe nahm auch bei diesen beiden Zusatzinformationen die Kenntnis mit der Gefahrenstufe ten denziell zu (s. Abb. 1). Die Teilungskriterien waren bei Gefahren stufe 3 also genauso umfassend bekannt wie die Gefahrenstu fe selbst. Die vorherrschenden Lawinenprobleme waren zwar weniger bekannt als die gültigen Gefahrenstufen, bei Gefahren stufe 3 konnten aber immerhin rund drei Viertel der befragten Gruppen die Lawinenprobleme korrekt benennen.
3. Kenntnis der Gefahrenstellen unbefriedigend Die Kenntnis der Gefahrenstellen ist gering und nimmt mit zunehmender Gefahrenstufe ab.
Im Lawinenlagebericht werden schließlich auch spezifische Ge fahrenstellen genannt, nämlich unterschieden nach Höhe (z.B. in den Hochlagen, über der Waldgrenze), Exposition (z.B. alle Expositionen, Hänge im Nordsektor), Geländeform (z.B. Rinnen, Mulden, Kammnähe) sowie teilweise auch die Steilheit (z.B. Steilhänge). Diese Zusatzinformationen sollten schon bei der Tourenplanung zu einer Identifizierung von möglichen Gefah renstellen im Gelände und zu einer entsprechenden Tourenaus wahl bzw. Planung des Routenverlaufes führen. Auf Tour selbst helfen diese Informationen dann, tatsächliche Gefahrenstellen zu erkennen, um sein Verhalten entsprechend anzupassen (z.B. Gehen mit Entlastungsabständen, Umgehen, Vermeiden). Die Kenntnis der Gefahrenstellen ist also entscheidend für eine dif ferenzierte Tourenplanung und durchführung. Dies trifft umso mehr zu, je höher die Gefahrenstufe ist, da mit einer höheren Gefahrenstufe auch die Häufigkeit und der Umfang potenzieller Auslösebereiche und damit Anzahl und Größe möglicher Lawi nen zunehmen. Entgegen der Bedeutsamkeit dieser Informationen zu den Ge fahrenstellen waren sie den befragten Gruppen nur wenig geläu fig. Über alle Gefahrenstufen hinweg waren die Informationen zur Exposition mit 51 Prozent noch am bekanntesten. Weniger bekannt waren die Informationen zur Höhe mit 43 Prozent, der Geländeform mit 40 Prozent und der Steilheit mit 25 Prozent. Noch problematischer werden die Wissenslücken, wenn man die vollständige Kenntnis der Informationen zu den Gefahren stellen getrennt nach Gefahrenstufen betrachtet (s. Abb. 2). Da bei zeigte sich eine deutliche Abnahme der Kenntnis von Stufe 2 zu Stufe 3. Die Abnahme der Kenntnis der Gefahrenstellen bei höherer Ge fahrenstufe wäre vielleicht dann akzeptabel, wenn die Skitou rengruppen bei Stufe 3 deswegen weniger genau den Lawinen
6/2024 DAV PANORAMA 41
Lawinenprobleme
Empfehlung
Hinweis
Einzugsbereich
Neuschnee → abwarten
X Wenig Umgehungsmöglichkeiten
Ganzer Hang mit Auslaufbereichen, da
X Auch im Sommer beachten
Fernauslösungen möglich sind. Bei Hinweis auf
Dauer: Während Schneefall
spontane Auslösungen auch Auslaufbereiche
+ 1 - 3 Tage
von Hängen oberhalb
Triebschnee → umgehen
X Evtl. Umgehung möglich
Triebschneebereich, der begangen oder
X Frischer Triebschnee oft ab 30° heikel
befahren wird, da Fernauslösungen
Dauer: Während Verfrach-
X Vorsicht an Übergängen von wenig zu viel untypisch sind
tung
Schnee und von weichem
+ 1 - 3 Tage
zu hartem Schnee
Altschnee → defensiv
X Schwierig „von außen“ erkennbar
Ganzer Hang mit Auslaufbereichen,
X Infos zur Schneedecke im LLB
da Fernauslösungen möglich sind
Dauer: Tage – Wochen
hilfreich X Einfache Schneedeckentests können nützlich sein X Lawinen können auch bei mäßiger Lawinengefahr gefährlich groß werden!
Nassschnee → früh zurück!
X Tour frühzeitig beenden
Ganzer Hang und insbesondere Auslaufberei-
Vorsicht bei Regen
X Abkühlung abwarten
che, auch von Hängen oberhalb, da spontane
X Vorsicht vor sehr großen
Abgänge typisch sind
Dauer: Stunden – Tage
Spontanlawinen
Gleitschnee → meiden
X Nicht unnötig lange in Auslaufbereichen
Ganzer Hang unter und über Gleitschneerissen
unterhalb von Gleitschneerissen aufhalten und insbesondere Auslaufbereiche, da
Dauer: Tage – Monate
X Gefährdung durch Gleitschnee-
Gleitschneelawinen spontan abgleiten
lawinen ist von untergeordneter Bedeutung
Abb. 3: Der Lawinenlagebericht beschreibt auch immer das vorherrschende Lawinenproblem. Dieses kann eines oder mehrere der fünf Kategorien sein (linke Spalte).
lagebericht kennen, weil sie ihre Touren bei Stufe 3 grund 4. Kein Zusammenhang zwischen Kenntnis sätzlich sehr defensiv auswählen und nur Touren mit einem des Lawinenlageberichts und Risikoverhalten! geringen Risikopotenzial (d.h. keinen oder wenigen Gefah Auch wenn die Gruppen bei Gefahrenstufe 3 im Vergleich renstellen) begehen und sich an den Gefahrenstellen auch zu Stufe 2 Touren mit höherem Risikopotenzial begingen angemessen verhalten. Dies war allerdings nicht der Fall: und sich an Gefahrenstellen im Gelände weniger ange Das Risikopotenzial der begangenen Touren nahm von Stu messen verhielten, stand dies in keinem Zusammenhang fe 2 zu Stufe 3 zu (von 5,71 auf 7,16; mögliche Werte: 0 16) mit ihrer Kenntnis des Lawinenlageberichts. Auch andere und das angemessene Verhalten an den
Variablen des Risikoverhaltens wie die pas
passierten Gefahrenstellen nahm hin Literatur
sierten Gefahrenstellen oder die selbstein
gegen ab (von 7,31 auf 6,08; mögliche Procter, E., Strapazzon, G.,
geschätzte Risikobereitschaft der Gruppen
Dal Cappello, T., Castlunger, L.,
Werte: 0 14). Das heißt, die Gruppen
zeigten keine statistisch gesicherten Zu
Staffler, H. P. & Brugger, H.
begaben sich bei Stufe 3 in gefährliche (2014). Adherence of back-
sammenhänge mit der Kenntnis des Lawi
res Gelände und verhielten sich weniger country winter recreationists
nenlageberichts.
to avalanche prevention and
angemessen, kannten aber gleichzeitig safety practices in northern relevante Informationen zu diesen Ge Italy. Scandinavian Journal of Welche Gruppen kennen den fahrenstellen weniger gut. Dies ist ver Medicine & Science in Sports,24(5), 823-829. Lawinenlagebericht besser?
wunderlich, weil die Studie auch hervor Schwiersch, M., Stopper, D. &
Wie auch in der ersten Skitourenstudie der
brachte, dass die Gruppen ihre Touren Bach, T. (2005). Verstehen
DAV Sicherheitsforschung (Schwiersch et
Skitourengeher den Lawinen-
vor allem aufgrund der Lawinensituation
al., 2005) konnten wir auch in dieser Studie
lagebericht? Bergundsteigen,
ausgewählt hatten (s. Panorama 6/22). (53), 30-33.
keine eindeutigen Gruppenvariablen (z.B.
42 DAV PANORAMA 6/2024
SICHERHEITSFORSCHUNG
Für weniger Erfahrene oder alle, bei denen eine Lawinenausbildung schon länger (opens in a new tab) ren mit der Detailgenauigkeit ihres Wis zurückliegt, kann das Befolgen von einfachen Faustregeln das Risiko von (opens in a new tab)
sens über die Zusatzinformationen zur
Höhe und zur Exposition im aktuellen La
X Je höher die Gefahrenstufe, desto mehr Hänge sind leichter auslösbar und (opens in a new tab)
winenlagebericht übereinstimmte.
desto größer sind Auslaufbereiche (opens in a new tab). X Vorsicht bei Hängen > 30°, die in der Kernzone laut LLB liegen (eingefärbte Rosette im LLB). Hier passieren die meisten Unfälle (opens in a new tab)!
Fazit: Hohe Bekanntheit der
X Je steiler ein Hang, desto höher ist die Gefahr einer Lawinenauslösung (opens in a new tab).
Gefahrenstufe, aber bei den
Zusatzinformationen ist Luft
X Das Vorhandensein von Alarmzeichen wie frische Schneebrettlawinen, sich fort- (opens in a new tab)
nach oben!
pflanzende Risse beim Betreten der Schneedecke („shooting cracks“) sowie (opens in a new tab)
Der Lawinenlagebericht ist die zentrale
Wumm-Geräusche bedeutet eine hohe Auslösegefahr in ähnlichen Hängen (opens in a new tab)! X Spuren und Lawinenproblem(e): Flächig verspurte Hänge sind beim Neu- und (opens in a new tab) Informationsquelle für die Planung und Triebschneeproblem weniger gefährlich. Beim Altschnee- sowie Nassschnee- (opens in a new tab)
Durchführung von Skitouren. Umso er
und Gleitschneeproblem hat das Vorhandensein von Spuren wenig (Altschnee (opens in a new tab)) bzw. keine (Nass- und Gleitschnee) Aussagekraft bezüglich der Auslösebereit- (opens in a new tab) freulicher ist die nahezu hundertprozen schaft (opens in a new tab)!
tige Angabe der Skitourengruppen, den Lawinenlagebericht als Standardmetho
Mehr Infos (opens in a new tab):
de zur Beurteilung der Lawinengefahr zu
X So liest man den Lawinenlagebericht richtig (opens in a new tab)
verwenden. In der praktischen Umset
X Tourenplanung im Winter (opens in a new tab)
zung ist hier aber noch Luft nach oben. So ist zwar die Kenntnis der Gefahren stufe noch weit verbreitet. Bei der Kenntnis der Zusatzinformationen und
Gruppengröße, Ausbildungsgrad, Skitourenerfahrung, hierbei insbesondere der Informationen zu den Gefahren Tourenhäufigkeit oder Wohnortnähe) finden, die mit einer stellen taten sich aber erhebliche Wissenslücken auf. besseren Kenntnis des Lawinenlageberichts zusammen hingen. Es ergab sich kein einheitliches Bild, womit sich Folgerungen für die Praxis erneut bisherige Auswertungen bestätigten: Skitouren Um gerade bei kritischen Lawinensituationen potenziell gruppen sind zwar ausgesprochen unterschiedlich, ähneln gefährliche Geländebereiche zu vermeiden, genügt es in sich aber in ihrer Herangehensweise. Allgemeine An der Regel nicht, nur die Gefahrenstufe zu kennen. Um Ge nahmen wie „gut ausgebildete Gruppen kennen auch den fahrenstellen identifizieren zu können, müssen auch die Lawinenlagebericht“ oder „Unerfahrene kennen nur die Zusatzinformationen des Lawinenlageberichts gelesen, Gefahrenstufe, aber nicht die Zusatzinformationen“ bestä verstanden und bei der Tourenplanung auf die Karte über tigten sich nicht.
tragen werden. Auch wenn diese
Ein paar Zusammenhänge zwischen Gruppenvariablen Umsetzung mittlerweile auf Por und der Kenntnis des Lawinenlageberichts konnten den talen wie skitourenguru.ch (opens in a new tab) digi noch gefunden werden. So scheinen größere Gruppen den talisiert erfolgt, braucht es das Lawinenlagebericht tendenziell besser zu kennen, was die Wissen zu den aktuellen Verhält Annahme „mehr Personen wissen mehr“ stützt. Gruppen, nissen und die entsprechende
An dieser Publikation der For-
die angaben, häufig gemeinsam unterwegs zu sein, hatten Übertragung ins Gelände, um ei schungsgruppe Winter der
DAV-Sicherheitsforschung
eher weniger detaillierte Kenntnisse des Lawinenlagebe genverantwortlich zu guten Ent
wirkten neben Lukas Fritz
richts als Gruppen, die bisher wenig oder noch nie gemein scheidungen kommen zu können. vom DAV folgende Personen
mit: Michaela Brugger, Florian
sam auf Tour waren. Dies passt zu der Vermutung, dass Anekdotisch können wir von einer
Hellberg, Christoph Hummel, Dr.
„unter Bekannten“ eine gewisse Sorglosigkeit bezüglich Gruppe von frischgebackenen Martin Schwiersch, Dr. habil.
Bernhard Streicher. An den
der Auseinandersetzung mit den aktuellen Bedingungen in Trainer*innen C Skibergsteigen
Erhebungen haben zusätzlich
der Tourenplanung besteht. Bezüglich der Kenntnis der im berichten, die den Lawinenlage mitgewirkt: Philipp Berg, Max Lawinenlagebericht genannten Gefahrenstellen Höhe und bericht perfekt parat hatte und Bolland, Steffi Bolland, Anna
Gomeringer, Stefan Hinterseer,
Exposition bestand ein Zusammenhang mit der Selbstein die wesentlichen Gefahrenstel
Alexandra und Georg Hochkofler,
schätzung der Beurteilung von Lawinengefahren. Das len auf der Karte und im Gelände Johanna Kozikowski, Johanna
Mengin, Jessica Ploner, Paul
heißt, dass die Wahrnehmung der Gruppen bezüglich ihrer identifizieren konnte – Ausbil
Schmid, Martin Prechtl, Bernhard
eigenen Kompetenz in der Beurteilung von Lawinengefah dung wirkt also.
Schindele, Laura Schwiersch.
6/2024 DAV PANORAMA 43
Richtig
essen – bessere Leistung?
Ernährung und Klettern
Im Spitzensport ist eine angepasste Ernährung wichtig, um volle Leistung zu erbringen. Doch auch im Freizeitbereich lohnt es sich, genauer auf seinen Speiseplan zu achten.
Text: Alexandra Bachmann und Claudia Miersch
44 DAV PANORAMA 6/2024
FITNESS & GESUNDHEIT
lettern bedeutet für den Körper vielfältige Belas- baren Kohlenhydraten mit einem geringen Vollkornanteil
Kder Fokus auf der Maximalkraft. Die Kletterökonomie lässtdauer im Vordergrund steht, liegt beim Boulderntungen: Während beim Seilklettern die Kraftaus- Trainings und zu Wettkampfzeiten erfolgt, ist auch die Koh-zur schnellen Energiebereitstellung vor und während deslenhydratreduktion ein beobachtetes Phänomen – sowohl
sich zwar durch einen reduzierten Körperfettanteil verbes- in den Befragungen als auch in der wissenschaftlichen Litesern, dies ist jedoch nicht zwingend leistungsfördernd. Mit ratur. Es wird vermutet, dass sie zu einer suboptimalen steigendem Schwierigkeitsgrad werden eine gezielte Nähr- Energieverfügbarkeit bei Kletter*innen beitragen kann und stoffzufuhr und das richtige Timing der Ernährung zuneh- insbesondere in der Wettkampfvorbereitung beim Leismend wichtiger. Doch wie gehen Sportler*innen damit im tungssport zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. Alltag um? Welche Methoden haben sie für sich entwickelt, um mit Ernährung ihre sportliche Leistung zu optimieren? Fokus auf Leistungssteigerung und Regeneration In einer Studie an der Internationalen Hochschule (IU) in Für welche Ernährungsstrategie sich Aktive entscheiden, Bad Honnef wurden die Ernährungsstrategien von Klet- ist individuell geprägt. Dabei wirken sich sowohl das soziter*innen analysiert, die durch gezielte Nahrungsaufnahme ale Umfeld, insbesondere Familie und Freund*innen, als versuchen, ihre Leistungs- und Regenerationsfähigkeit zu auch der Zeitmangel entscheidend aus. Im Leistungssport verbessern. Dazu wurden elf Personen, vier aus dem Leis- übt das Team einen besonderen Einfluss aus, während im tungssport und sieben aus dem Breitensport, in qualitati- Freizeitbereich eher die Familie prägend ist. In beiden ven Interviews befragt. Der Fokus lag auf
Gruppen spielt der Freundeskreis eine
der Analyse der individuellen Anpassung Beispielhafte Mahlzeiten
gleich bedeutsame Rolle bei der Entschei-
der Ernährungsstrategien und den ver- für die Regenerationsphase: dungsfindung, während soziale Medien leschiedenen inneren und äußeren Einfluss- X Quinoa mit Hühnchen,
diglich als Inspirationsquelle dienen.
Bohnen, geriebenem Käse,
faktoren.
Bei den Motiven für die Auswahl der Nah-
Avocado und Gemüse
Der Großteil der Befragten bevorzugt al-
rungsmittel stehen für beide Gruppen die
X Gemüse-Omelett auf
ternative Ernährungsformen als Strategie
Vollkorntoast und einem
Leistungssteigerung durch erhöhte Energie
Glas Schokoladenmilch
zur Leistungssteigerung, wie etwa eine
und Muskelkraft sowie die Erhaltung der
X Vollkornpasta mit Tofu und
überwiegend pflanzliche Ernährung und
Gesundheit und Regeneration im Vorder-
Gemüse
die Reduktion oder den Verzicht auf tieri-
grund. Leistungssportler*innen sind eher
sche Produkte, insbesondere Fleischprodukte. Auch glu- bereit, für ein geringeres Gewicht auf Wohlbefinden und Getenhaltige Getreideprodukte sowie Milch und Milchproduk- schmack zu verzichten, was jedoch gesundheitliche Risiken te vermeiden sie. Die Mehrheit isst kleine Mahlzeiten wäh- bergen kann. Übermäßiger Gewichtsverlust durch unzureirend des Trainings und eine vollwertige Mahlzeit davor, um chende Energiezufuhr führt nicht automatisch zu einer beseine anhaltende Energieversorgung sicherzustellen. Die seren Leistung. Im Gegenteil: Eine unzureichende Energie-Interviewten verfolgen dabei häufig einen proteinfokussier- versorgung kann Konzentration und Muskelkraft verringern, ten Ansatz, während sie Kohlenhydrate häufig ambivalent das Immunsystem schwächen und negative Auswirkungen betrachten. Während der hohe Konsum von schnell verfüg- auf die Knochengesundheit sowie das Herz-Kreislauf-
DAS IST (opens in a new tab)
die ohne Bergenicht können (opens in a new tab). DOCH (opens in a new tab)
DER GIPFEL (opens in a new tab).
IN DEN ALPEN ERDACHT (opens in a new tab),
EIN SCHÖNER FLECK ERDE (opens in a new tab). | www.esfe.at (opens in a new tab)
FITNESS & GESUNDHEIT
system haben. Das erhöhte Risiko für Essstörungen in der Kletterszene darf nicht unterschätzt werden. Aus den erhobenen Daten wird deutlich, dass vor allem im Freizeitbereich Aufklärungsbedarf besteht. Während Profis sich oft an Trainer*innen oder Fachkräfte vom Olympiastützpunkt wenden, suchen Freizeitsportler*innen meist Rat im Freundes- oder Bekanntenkreis. Besonders wichtig wäre eine bessere Aufklärung über die ausreichende Energie- und Kohlenhydratzufuhr sowie den Bedarf an Mikronährstoffen. Von besonderer Bedeutung sind hier Magnesium, Eisen und Vitamin D, da es im Klettersport aufgrund von bestehenden Wissenslücken häufig zu einer Unterversorgung mit diesen Nährstoffen kommt. Für eine optimale Kletterperformance sind jedoch alle Nährstoffe wichtig, die über eine abwechslungsreiche und nährstoffdichte Ernährung aufgenommen werden können. Hier kommt es auf einen hohen Anteil von Nahrungsmitteln mit einem geringen Verarbeitungsgrad an, ideal wäre eine tägliche ausgewogene Mischung: X Obst und Gemüse X Vollkornprodukte X Milchprodukte X Hülsenfrüchte (insbesondere bei überwiegend pflanzlicher Ernährung) bzw. Fisch, Fleisch und Eier X Nüsse und Samen
Zusammensetzung und Zeitpunkt Neben der Lebensmittelauswahl spielt auch das Mahlzeitentiming eine entscheidende Rolle. Bis zu drei Stunden vor dem Training sollte die Mahlzeit kohlenhydratreich, proteinmoderat sowie fett- und ballaststoffarm sein. Diese Kombination hält den Blutzuckerspiegel stabil und unterstützt sowohl Kraft als auch Ausdauer. Beispiel für eine
46 DAV PANORAMA 6/2024
Beim Seilklettern sind Kraft und Ausdauer gefragt, ausgewogene und nährstoffreiche Mahlzeiten tragen zu einer guten Leistung bei.
geeignete Mahlzeit: Haferbrei mit frischen Früchten und einer kleinen Portion Nüssen. In den ersten Trainingsstunden ist in der Regel keine zusätzliche Nahrungsaufnahme erforderlich, es sei denn, der Hunger meldet sich. Dann liefern leicht verdauliche Kohlenhydrate, wie zum Beispiel Bananen, Brezeln, Cracker oder Trockenfrüchte schnelle Energie. Vorsicht bei den letztgenannten: Bei einigen Menschen können sie Verdauungsprobleme verursachen. Wenn das Training länger als zwei Stunden dauert, ist es sinnvoll, die Snacks zusätzlich mit Proteinen zu kombinieren. Hier bieten sich Proteinshakes, Sandwiches mit Erdnussbutter und Marmelade, Energie- oder Proteinriegel oder auch ein Trail-Mix aus Nüssen und Rosinen oder anderen Trockenfrüchten an. Nach dem Training beginnt die Regenerationsphase, die etwa ein bis zwei Tage andauert. In dieser Zeit ist es wichtig, auf ausgewogene Mahlzeiten zu achten, die aus komplexen Kohlenhydraten (z. B. Vollkornprodukten), Proteinen, gesunden Fetten und Ballaststoffen bestehen. Kohlenhydrate füllen die Glykogenspeicher in den Muskeln wieder auf, was für ein erfolgreiches Training am nächsten Tag entscheidend ist. Proteine unterstützen Muskelreparatur und -wachstum, wobei eine Portion von zwanzig bis dreißig Gramm Protein vor Alexandra Bachmann dem Schlafengehen diesen Prozess über (B.Sc.) ist Ernährungs
wissenschaftlerin und
Nacht besonders gut fördert. Darüber hin- Yogalehrerin (l.) aus sollten ausreichend Obst und Gemüse (space2embrace.com (opens in a new tab)),
Prof. Dr. Claudia
für die Versorgung mit Mineralstoffen, Vi-
Miersch hat an der
taminen und Antioxidantien nicht fehlen, Internationalen Hoch
schule (IU) die Professur
um eine optimale Zellfunktion und -rege-
für Ernährungsphysio
neration zu gewährleisten.
logie und Diätetik inne.
DAS MAGAZIN DER JUGEND DES DEUTSCHEN ALPENVEREINS
24/6
NIE WIEDER!
BERG HEIL!
Vor allem bei Alpinist*innen aus dem Süden wird der Gipfelerfolg häufig mit diesem Ausruf gefeiert. Und so manche*r Studierende freut sich, in der neuen Sektion Anschluss in der „Jungmannschaft (JUMA)“ zu finden. Doch sollten wir diese im Alpenverein etablierten Begrifflichkeiten, die vom Na tionalsozialismus vereinnahmt wurden, noch immer verwenden? Vor nun genau hundert Jahren wurde die vorwiegend jüdische Sektion Donauland aus dem Alpenverein ausgeschlossen. Das unschöne Jubiläum dieses antisemitischen Vor
gangs möchten wir zum Anlass für dieses Heft nehmen: Solveig und Jo schreiben zur Jugendarbeit im National sozialismus. Pia diskutiert die Übereinstimmung der Werte Naturschutz und Menschenrechte. Annika berichtet über den Antrag der JDAV gegen dis kriminierende Routennamen beim Klettern und Bouldern. Und Jonathan und Michi un tersuchen einige aus dem Nationalsozialis mus stammende Sprachbausteine, wie den
Begriff der Jungmannschaft. Lest rein in die Artikel, denkt nach und bildet euch eure Meinung! SEPP HELL
WORTSCHATZ
Jungmannschaften
Als „Jungmannschaften“ werden im Alpenverein oftmals Jugendgrup pen im Alter von 18 Jahren aufwärts bezeichnet. Diese Benennung hat sich historisch etabliert, ist jedoch aufgrund ihrer völkischen Ent stehungsgeschichte als auch der Betonung der Maskulinität im Namen kritisch zu betrachten und die Verwendung ist zu hinterfragen (siehe Seite 51). MN
DAMIT SO WAS NIE WIEDER PASSIERT
JUGENDARBEIT Die Jungmannschaft der Sektion
Greiz freut sich 1938, dass Österreich nun ohne „Devisen
UND NATIONAL- schwierigkeiten“ zu bereisen ist.AdobeFirefly/Elisabeth Zacherl
SOZIALISMUS
Gerade nach den Wahlergebnissen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg stellt sich die Frage: Wo steht unsere Gesellschaft mittlerweile eigentlich? Und ist das „Nie wieder“ bereits am Verblassen und wir müssen Angst haben um unsere demokratischen Werte? Die Berge und die JDAV wirken häufig wie ein Ort des Friedens und der Toleranz. Doch schauen wir rund hundert Jahre zurück in unsere eigene Vergangenheit, zeigt sich ein Bild
von nationalistischer Einflussnahme.
VON SOLVEIG EICHNER & JO GODT
n der Weimarer Republik
Der Alpenverein passte schon
Sprache ist Macht, und die Nationalsozialisten wussten diese
(19191933) wurden 1921 die
bald gut in die Ideologie des Natio
I ersten Jungmannschaften Macht zu nutzen. So gut, dass wir immer noch einige Nazibegriffebenutzen. Kann man Berg Heil je wieder problemlos verwenden? nalsozialismus: 1924 wurde die
(kurz JUMA) gegründet. Das
Sektion Donauland, in der über
Kannst du guten Gewissens „Festung Europa“ sagen? Jonathans
Ziel: Eine Leistungselite zwi
wiegend jüdische Mitglieder wa
Gedanken dazu könnt ihr hier nachlesen: https://bit.ly/3XXtQbl (opens in a new tab)
schen 18 und 25 sollte das eigen
ren, vom DAV ausgeschlossen.
ständige Bergsteigen erlernen,
1938 wurde der DAV in eine Unter
unter anderem durch Lehr
organisation des Nationalsozia
wartskurse. Neben technischem
listischen Reichsbunds für Lei
Wissen, Knoten und Wetterkun
besübungen (NSRL) eingegliedert,
de wurden die Kameradschaft
mit dem Schwerpunkt auf militä
und das Führerprinzip vermit
rische Gebirgseinheiten.
telt und von den Jugendlichen strikte Disziplin und Gehorsam
Heute steht die JDAV als eigen
keit verlangt. Die Jugendarbeit
ständig arbeitende Jugendor
war im Alpenverein von Beginn
ganisation für Naturschutz und
an nationalistisch begründet
Bergerlebnis. Politische Ein
und so sollte besonders die 1927
flussnahme von außen, wie zur
in der Satzung verankerte „Liebe
Zeit des Nationalsozialismus,
zur deutschen Heimat“ vermit
soll dadurch verhindert werden,
telt werden. Der Alpinismus war
dass die verbandliche Jugend
eng mit dem Idealbild des tapfe
arbeit von der JDAV allein ver
ren Soldaten verknüpft, Männer
antwortet wird. Somit sind ihre
sollten gegen den Berg und die
Ziele, Bildungsinhalte und die
Natur in den Kampf ziehen und
Werte der JDAV selbstbestimmt
mit der neuen Stärke dem Volk
gewählt. Der DAV als überge
nach dem Ersten Weltkrieg zum
ordneter Verband darüber kann
Wiederaufstieg verhelfen. „Eine
nicht direkt auf diese Einfluss
Pflanzstätte der Männlichkeit“
nehmen.
– wie es Jugendreferent Ernst
Rudolf Reif, Tourenwart
Enzensperger im Artikel „Aus alpiner Jugendarbeit“
Seit Beitritt in den Bundesjugendring 1952 hat sich die
der Sektion Donauland,
1925 formulierte. Propagierte Werte waren das bewusste
JDAV außerdem immer weiter vom unpolitischen Vereins
war hervorragender
Aufsuchen von Gefahren, eine hohe Risikobereitschaft, Kletterer und Karikaturist. verständnis des Deutschen Alpenvereins gelöst. In den Zähigkeit und Stärke, bei der ein möglicher Tod bereit
Archiv DAV/Rudolf 1960er und 1970er Jahren wurden die JDAVMitglieder
willig in Kauf genommen wurde.
Reif
zunehmend „politisch“. Die Kritik der Jugendlichen be schränkte sich nicht nur auf Geschehen und Strukturen
Die Weimarer Republik stellte die Weichen für die
innerhalb des Vereins. Dies hat sich in den letzten fünfzig
staatliche Jugendarbeit im Nationalsozialismus – die in
Jahren nicht geändert. Mehr denn je steht die JDAV öf
Deutschland in die Hitlerjugend und den Bund deut
fentlich für den Schutz der Al
scher Mädel aufgeteilt war. Die Organisation der Jugend
pen, gesellschaftliche Vielfalt
Titelbild
im Alpenverein blieb bis kurz vor Ausbruch des Zweiten
und Demokratie ein – damit wir Rudolf Reif (vorne links)
ALLE INFOS ZUR (opens in a new tab)
war Bergführer und
Weltkriegs bestehen und wurde anschließend in die HJ
nie wieder zu einem faschisti
GESCHICHTE DER JDAV (opens in a new tab)
Tourenwart der 1924
Bergfahrtengruppen und in wenigen Fällen auch in Mä
schen Deutschland wie vor hun
FINDEST DU UNTER (opens in a new tab)
ausgeschlossenen
delgruppen umgewandelt.
jdav.de/geschichte (opens in a new tab)
dert Jahren zurückkehren.
Sektion Donauland. Eine seiner Erstbegehungen stellen wir auf Seite 8 vor.
ÖAV, Museum/Archiv49
NATURSCHUTZ ALS DECKMANTEL
RECHTES TREIBEN
IM SCHAFSPELZ
Wer sich für Natur- und Umweltschutz engagiert, setzt sich auch für Demokratie und Menschenrechte ein – oder? Diese gängige Annahme stimmt nicht immer. Diese Themen werden auch von rechtsextremen Kreisen vereinnahmt, auch um für neue Zielgruppen zugänglich zu sein. Teilweise wirken ihre Ziele dabei sehr ähnlich wie bei demokratischen Akteur*innen, was eine Unterscheidung schwierig macht. Um die Unterschiede zu zeigen, blicken wir auf die Geschichte des Naturschutzes. PIA PAULSTEINER
Am Anfang der Naturschutzbewegung in Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts stand die Idee im Vordergrund, dass der Drei klang aus Natur, Heimat und Volk eine untrennba re Einheit darstellen würde. Die Vorstellung, Völker seien „raumgebunden“, Menschen also untrennbar mit dem Ökosystem, in das sie hineingeboren werden, verbunden, war wissenschaftlich nicht belegbar, wurde aber trotzdem geglaubt. Davon ausgehend hat Ernst Ru dorff den Begriff „Heimatschutz“ eingeführt und 1904 den ersten Naturschutzverein in Deutschland gegrün det, den „Bund Heimatschutz“. Ziel war, die „heimische Landschaft“ und damit vor allem das dort lebende Volk zu schützen – aber wovor eigentlich genau?
Völkisches Denken beruht auf der Annahme, es gäbe eine Ungleichwertigkeit zwischen Gruppen von Men schen. Das eigene „Volk“ wird als überlegen betrachtet, was mit einer Verachtung anderer, vermeintlich unter legener „Völker“ einhergeht. Daraus ergibt sich das Ziel, es vor Einflüssen von außen und allem „Fremden“ zu
schützen.
Zur Zeit von Ernst Rudorff fand die Industria
In einem Webinar mit der
lisierung statt, Landflucht und schlechte Le
Fachstelle Radikalisierungs-
bensverhältnisse für viele Menschen waren
prävention und Engagement
Begleiterscheinungen. Die Schuld daran im Naturschutz (FARN) gibt schrieben Rudorff und viele weitere „den Ju es weiterführende Info. In der
Broschüre „Love Nature. Not
den und ihrem Geld“ zu. Im „Bund Heimat
Fascism.“ könnt ihr euer Wis-
schutz“ durften Menschen jüdischer Ab
sen vertiefen:
stammung nicht Mitglied werden. Auch im Alpenverein wurde Natur und Heimat Alles zur Historie des Antischutz in einer ähnlichen Art und Weise ge semitismus im Alpenverein
findet ihr hier:
deutet.
Die Vorstellungen von Naturschutz, bei denen das ei gentliche Motiv Heimatschutz ist, wurden im National sozialismus auf die Spitze getrieben. Die „Blut und Boden“Ideologie war vorherrschend: Das als überlegen betrachtete „arische Volk“ wurde als untrennbar mit sei nem Siedlungsgebiet dargestellt. Diese mystisch be gründete Verbundenheit wurde genutzt, um die Men schen, die nach den NSRassengesetzen nicht als deutsch galten, ihr Recht abzusprechen, dort ebenfalls zu leben. In der Konsequenz wurden sie vertrieben und ermordet. Mit dieser Ideologie wurde maßgeblich der
Holocaust begründet.
Nationalsozialismus vorbei, Ideologie auch? Leider nein, diese Vorstellungen haben die Zeiten überdauert. Neona
zis beispielsweise geben sich wenig Mühe, ihre Motive zu verschleiern, sondern knüp fen direkt an nationalsozialistisches Gedan kengut an, relativieren den Holocaust und streben einen ethnisch einheitlichen Natio nalstaat an. Auf Plakaten von Parteien wie „Der dritte Weg“ oder „Die Heimat“ (ehemals NPD) fin det sich dann der Slogan „Umweltschutz ist Hei matschutz“. Von der AfDFraktion im Bundestag gibt es auch ein Video mit diesem Titel bei YouTube.
Die sogenannte Neue Rechte dagegen, die „Identitäre Bewegung“ zum Beispiel, hat sich vom glatzköpfigen Springerstiefel Image abgewandt und gibt sich jung, modern und intellektuell. Die rassistische Vorstellung, es gäbe unterschiedliche Völker, die sich nicht vermi schen dürfen, heißt bei ihnen verklausuliert „Ethnoplu ralismus“ und Menschengruppen werden statt durch biologistische Argumente durch ihre vermeintlich un veränderliche Kultur voneinander abgegrenzt und be wertet. Zudem gibt es noch die „völkische Bewegung“, die durch Siedlungsprojekte auf dem Land die Idee ver folgt, eine ethnisch einheitliche „Volksgruppe“ auszu bilden. Für diese ist die AnastasiaBewegung ein Bei spiel, die Siedlungsprojekte auf dem Land mit möglichst naturnahem Leben verfolgt.
Was klar ist: Natur und Umweltschutz sind wichtig und es gibt viele gute, menschen freundliche und demokratische Gründe da für. Dabei handelt sich aber nicht um einen Automatismus, deshalb muss man einfach vorsichtig sein und genau hingucken. Pau schal kann man keinen „Leitfaden“ dafür erstellen, aber man kann und muss sich an schauen, in welchem Kontext Akteur*innen handeln und was deren Motive und Hinter gründe sind.
JUNGMANNSCHAFT
Zeit für etwas Neues
Immer wieder begegnen uns im Alltag Begriffe, die trotz ihrer problematischen Historie häufig genutzt werden. Umso wichtiger ist es daher, achtsam zu sein und die verwendete Sprache
zu reflektieren. MICHI NAGEL
Viele Begriffe transportieren fragwürdige Normen und Werte. Auch wenn in der Regel weder böse Absichten noch völkische Hintergedanken vorliegen, wenn der Begriff verwendet wird, an der Herkunft des Begriffs ändert das nichts. Im vorliegenden Beispiel möchte ich mich mit dem Wort „Jungmannschaft“ auseinander setzen. Der Begriff und seine Definition stammen vom ersten Jugendreferenten des DAV Ernst Enzensperger aus dem Jahr 1925. Die Begrifflichkeit wurde in der Folge insbesondere vom radikalen Antisemiten, Nationa listen und Rassisten Eduard Pichl etabliert. Pichl setzte den Arierparagraphen in seiner Sektion Austria durch und war maßgeblich für den Ausschluss der Sektion Donauland aus dem Alpenverein verantwortlich. So verwundert es wenig, dass der Begriff „Jungmannschaften" einen völkischen und militärischen Gedanken verfolgte. Diese Gruppen waren nach der Gleichschaltung für die Ausbildung junger Menschen zum Krieg zuständig – so auch die Jungmannschaften der Alpenvereine. In der Folge rufen wir dazu auf, gänzlich auf den Begriff zu verzichten und, falls noch nicht passiert, Umbenen nungen vorzunehmen. Es ist wirklich an der Zeit, sich von diesem alten Ballast zu lösen. Habt ihr eine Idee, wie man diese Gruppen in eurer Sektion zukünftig besser nennen könnte? Schreibt uns unter
Kursprogramme 2025 (opens in a new tab): Unsere Programme für 2025 sind veröffentlicht und buchbar. Unser Jugendkursprogramm für alle zwischen 6 & 26 Jahren findest du unter kurse.jdav.de. Alle Schulungen, Fort- und Grundausbildungen für Jugendleiter*innen und alle, die es werden wollen, sind unter schulungen.jdav.de zu finden (opens in a new tab).
Sabine Weingarten war oberhalb des Königs sees unterwegs. Das Ziel: ein kleiner, un scheinbarer Gipfel, auf den sie schon immer mal hinauf wollte. Unscheinbar war dieser dann aber nur beim Blick aus der Ferne, denn
aus der Nähe zeigte sich: Tausen de von Blumen säumten den Weg, Arnika, Kohlröschen, Knabenkraut, viele ver schiedene Arten von En zian, Kugelblumen, Meis terwurz, Flockenblumen, Edelweiß und viele
mehr. Beim Abstieg
kam ihr dann dieses
Gedicht in den Sinn.
So viel Kreativität prä
mieren wir natürlich ger
ne und der JDAVPartner
lang) oder als Foto mit Text (140 Zeichen lang).
Mountain Equipment sponsort dafür das at
In jedem Knotenpunkt
mungsaktive und wasserdichte Makalu Ja
prämieren wir eine
cket im Wert von 399,90 Euro, damit auch bei
der nächsten Tour alles bestens läuft beim Wandern und Dichten!
ANTRAG SETZT ZEICHEN IM KLETTERSPORT
Respekt bei Routennamen
Es ist leider keine Seltenheit, dass Kletterrouten oder Boulder Namen tragen, die für manche Menschen verletzend sind. Ob rassistische, sexistische oder behindertenfeindliche Bezeichnungen – diese Na men reflektieren oftmals unbewusste Vorurteile und Stereotype, die bestimmte Gruppen von Menschen ausgrenzen und diskriminieren. Solchen Routennamen fehlt es an Respekt und Anerkennung der Würde aller Menschen. Der Klettersport soll ein Raum sein, in dem sich jede*r unbeschwert bewegen kann, ohne Angst vor Diskrimi
DAV/Steffen Reich
nierung oder Herabsetzung.
Daher haben die 800 Teilnehmer*innen der JDAV Bundesjugendversammlung 2023 einen wegweisenden Antrag verabschiedet, der die Klettergemeinschaft dazu aufruft, bei der Benennung von Kletterrouten auf diskriminierende Namen zu verzichten. Die JDAV ruft die Verantwortlichen außerdem dazu auf, beste hende Routenbezeichnungen zu reflektieren und bei Neuauflagen von Führern erforderliche Umbenen nungen vorzunehmen. Die Verantwortung für die Benennung von Routen und Bouldern liegt traditionell bei den Erstbegeher*innen. Sie sollten sich der Tragweite der Namenswahl bewusst sein. Denn Routen namen sind nicht nur bloße Etiketten – sie transportieren Einstellungen und Weltanschauungen.
Nun liegt es an allen Mitgliedern der Klettergemeinschaft, diesen Weg aktiv mitzugestalten und Verant wortung für einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander zu übernehmen. AQ
IMPRESSUM An dieser Ausgabe arbeiteten
mit: Solveig Eicher, Johanna Godt,Sepp Hell, Jonathan Lidl, Niko Lindlar (NL), Michi Nagel (MN), Pia Paulsteiner, Annika Quantz (AQ). Herausgeber: Jugend des Deutschen Alpen vereins. Bundesjugendleiter*in: Annika Quantz, Raoul Taschinski. Redaktion: Georg Hohenester (verantwortl.), Philipp Radtke in Zusammenarbeit mit dem KNOTENPUNKT-Redaktionsteam. Beiträge in Wort und Bild an den DAV, Redaktion KNOTENPUNKT, Anni-Albers-Str. 7, 80807 München. Die Beiträge geben immer die Meinung der Verfasser*innen, nicht die der Jugend des Deutschen Alpenvereins wieder. Diese Publikation wird gefördert aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Gestaltung und Produktion: Sensit Communication, sensit.de (opens in a new tab). Wir verwenden den Genderstern, um alle Menschen anzusprechen. Mit dem * möchten wir dabei auch Personen gerecht werden, die sich in den Kategorien weiblich oder männlich nicht wiederfinden. Mehr dazu unter
Magazin-Inhalte
DAV Panorama 5/2024 Weiter so – Ich bin langjähriges Mitglied und meine Aktivitäten beschränken sich heute auf das aufmerksame Lesen der Mitteilungen von DAV und Sektion. Gestern Abend habe ich das im Betreff genannte Panorama-Heft aufmerksam und vollständig gelesen. Es war nach meinem Empfinden das beste Exemplar in meiner Erinnerung und hierfür möchte ich mich bedanken und Ihnen ganz herzlich gratulieren. Ganz besonders hat mich der Bericht über das Dachstein-/Tauerngebiet um Schladming beeindruckt, vermutlich auch weil es der Schwerpunkt meiner aktiven Wanderzeit im Hochgebirge war. Hierfür habe ich bisher noch immer gerne den vollen Beitrag gezahlt, obwohl eine altersbedingte Ermäßigung machbar wäre – ein Verdienst Ihrer Mannschaft! Alles Gute für die Zukunft – bitte weiter so!
D. Richters
Wandern in Cornwall
DAV Panorama 1/2023, S. 80 ff. Wildromantisch – Von eurem Reisebericht inspiriert haben meine Partnerin Melissa und ich unseren Cornwall-Trip Ende Juli dieses Jahres geplant. Unsere Erwartungen waren hoch und wurden bei Weitem übertroffen. Bei der mehrtägigen Küstenwanderung auf dem South West Coast Path zwischen Penzance und St. Ives kreuzten von Lilien gesäumte Bachläufe, Eichenwälder, Baumfarne und von Klippen gerahmte, weiße und gelbe Sandstrände den Pfad. Im Gegensatz zu uns waren die im glasklaren Meer ausharrenden Robben sichtlich unbeeindruckt. Fast durchgehend blauer Himmel und Sonnenschein bei 22 Grad ermöglichten täglich das Baden. Die Anreise nach London mit dem Zug und auch die gut frequentierten Busverbindungen in Cornwall machten das Reisen sehr entspannt. Trotz mehreren geeigneten Momenten habe ich mir die Überraschung für zu Hause aufgehoben: Bei rotem Abendhimmel und mit Blick über den Pfälzerwald
gab Melissa mir das Ja-Wort und das Versprechen zu einem weiteren Cornwall-Urlaub gaben wir uns auch.
P. Wißmeier
Darf ich das?
DAV Panorama 5/2024, S. 27 Bergsport und Umweltschutz
– So richtig es ist festzustellen, dass jeden Einzelnen, der, um es auf den Kontext einzugrenzen, in die Berge geht, ein Maximum an Verantwortung bei der Ausübung dieser Art von Freizeitgestaltung trifft, so banal ist die Conclusio, die die Autorin zieht. Wir können mehr tun, als uns nur an Dingen zu üben, die wir „direkt kausal beeinflussen können“! Die Summe CO2-Emissionen, die mit der An- und Abreise verbunden ist, fällt offensichtlich schon nicht mehr in den Verantwortungsumfang des Bergfreunds. Warum? Weil andere auch Kurzurlaube machen oder Kreuzfahrten usw. Richtig ist, dass die Probleme systemisch angegangen und gelöst werden müssen. Die relativierende Argumentation, dass andere auch nicht besser sind als ich oder wir, zeugt leider nicht von ausgereifter
gesucht/gefunden (opens in a new tab)
Fundstücke & Suchanzeigen online (opens in a new tab): alpenverein.de/gesucht-gefunden (opens in a new tab)
Haltung. Dieses Arguments bedient sich der ADAC genauso wie politische Parteien, die den deutschen 2%-Anteil am globalen Impact für unbedeutend genug halten, um daraus keinen Handlungsdruck ableiten zu müssen. In gewisser Hinsicht macht auch der DAV keine rühmliche Ausnahme. Denn würde man im DAV die Verantwortung ernst nehmen, müssten seine Mitglieder dazu aufgerufen werden, den Bergen um ihrer – der Berge und der Mitglieder – Zukunft willen fernzubleiben. Aber wer mag sich schon gerne selbst in Frage stel-
len? Der DAV, dessen genetisches Erbe eher in der Erschließung einer dazumal tendenziell lebensfeindlichen (Berg-)Welt gründet als im Naturschutz, genauso wenig wie der ADAC. Weil wir unsere Verantwortung nicht kleinreden können, müssen wir im maximalen Umfang Klimaschutz betreiben und unseren maximalen Beitrag leisten. Dabei geht es nicht nur um CO2, es geht generell darum, den Druck auf unsere Umwelt zu reduzieren und die Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen in den Griff zu bekommen. Das Zauberwort ist Verzicht und richtet sich an jeden Einzelnen!
E. Fuchs
Veraltet – In eurem Beitrag „Darf ich das?“ las ich noch die von vielen Frauen als respektlos empfundene, veraltete Genderform *innen. Vielleicht seid ihr zu jung, um zu verstehen, dass es nach einem jahrzehntelangen Kampf um Gleichberechtigung sehr weh tut, nun wieder zu einem Anhängsel der Männer degradiert und auf ein respektloses *innen verstümmelt zu werden. Die moderne Genderform „Bergsteigende“ schließt alle Geschlechter respektvoll ein. Zudem macht sie im Gegensatz zu *innen bei Blindensoftware und beim automatischen Übersetzen in andere Sprachen keine Probleme. Es wäre schön, wenn ihr künftig so intelligent gendert, wie es eure Beiträge sind.
Mika
Genderverbot
DAV Panorama 5/2024, S. 52 Ohne Sternchen – Die Vizepräsidentin des DAV und Bundesjugendleiterin des JDAV Annika Quantz nennt das von mehreren Bundesländern erlassene Verbot von Gendersternchen im Schriftverkehr der Behörden eine ideologisch begründete Maßnahme, um das „Sichtbarmachen von Frauen und nicht-binären Personen“ zu verhindern. Dass das Gendersternchen auch nichtbinäre Personen und auch sog. „FLINTA“-Personen (ich kannte den Begriff noch nicht)
POSTEINGANG
sichtbar macht, ist mir neu. Meines Erachtens sollten Gendersternchen auch an Schulen und Hochschulen verboten werden, denn ein Text, der nicht vernünftig gesprochen werden kann, sollte auch im Bildungsbereich nicht erlaubt werden. „Gendersensible“ Sprache kann auch ohne Sternchen formuliert werden, indem ich statt Bergsteiger*innen ganz einfach Bergsteigerinnen und Bergsteiger schreibe. Auf den 90 Seiten des o.g. Panorama-Heftes fand ich bei flüchtigem Durchblättern nicht viel mehr als 20 Gendersternchen. Sie durch die männliche Wortform zu ersetzen, würde weder den Schreibaufwand noch die Druckkosten nennenswert erhöhen – und Frau Quantz bräuchte sich auch ohne Gendersternchen nicht mehr diskriminiert fühlen. Sie könnte ihre ganze Energie dann der Förderung der Natur- und Bergbegeisterung der DAV-Jugend widmen.
H. Grill
Für alle – Vielen Dank für das schöne Magazin und für die Verwendung der inklusiven Sprache. Das generische Maskulinum ist aus der Zeit gefallen und ich fühle mich als Frau definitiv nicht „mitgemeint“. Wenn ich gemeint bin, sollte es die Mühe wert sein, dass das auch in der Ansprache deutlich wird. Wenn Frauen und andere Geschlechter beteiligt sind, so sollen diese sichtbar werden. Ich werde mir eine inklusive Sprache weder von einer Verbotspartei noch von Neurechten oder irgendjemandem sonst verbieten lassen. Vielen Dank, dass auch der Alpenverein für alle Menschen schreibt. Da sich sicher vermehrt empörte Schreihälse zu diesem Thema äußern und schreiben, möchte ich hiermit wenigstens ein kleines Gegengewicht setzen. Die Lautesten sind nicht unbedingt in der Mehrheit. Bitte macht weiter so!
Melanie
Hinweis: Die Zuschriften geben die Meinung der Einsendenden wieder. Die Redaktion behält sich die Auswahl und das Recht der sinnwahrenden Kürzung vor.
6/2024 DAV PANORAMA 53
Was können
wir tun?
Einfach machen!
Haben wir noch eine Chance, die Klimaerwärmung so zu begrenzen, dass künftige Generationen auf dieser Erde „gut“ leben können? Auch wenn man daran zweifeln mag: Es gibt keine Alternative zum „Versuchen wir’s einfach!“. Aber viele Schritte, die man tun kann in eine bessere Zukunft.
ird es der Mensch heit gelingen, ein
W gutes Leben für alle zu retten? Der Blick in ei nen gemischt gefüllten Recy clingcontainer, eine Flugha fenhalle voller Menschen oder in die Fernsehnachrichten könnte daran zweifeln lassen. Wer regelmäßig Alpengletscher besucht und ihr rasantes Schwin den sieht, könnte denken, dass nicht nur dort irreversible Kipppunkte über schritten sind. Und die unabhängige Wissen schaft belegt immer genauer, dass aktuelle Proble me durch Großbrände, Trockenperioden, Überschwem mungen und mehr nur kleine Vorboten des Wetterchaos sind, das durch unsere Treibhausgasemissionen angefeu ert wird. Und dass die bisherigen Maßnahmen der Politik nicht ausreichen. Doch zu verzweifeln oder zu resignieren, wie das Kaninchen vor der Schlange, macht die Entwick lung nur noch zwingender. Und womöglich – Motto „nach mir die Sintflut“ – gar unverändert das Maximum für sich persönlich herauszuholen, ist mit der Menschenwürde und der Verantwortung für die humane Gemeinschaft un vereinbar. Auch der Blick auf andere, die etwa zum Shop pen nach New York jetten, hilft nicht weiter. Genauso we nig wie die Aussage „Deutschland allein kann’s nicht ret ten“. Denn:
54 DAV PANORAMA 6/2024
„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute
noch ein Apfelbäumchen pflanzen“,soll Martin Luther gesagt haben. EinBäumchen pflanzen, wenn auch
Eiche, nicht Apfel – dieses Symbol für Zukunft und Aufbruch schmückte auch die Rückseite der 50-Pfennig-Münze der vor 75 Jahren gegründeten Bundesrepublik. Bis heute darf man es ganz wörtlich nehmen und (nicht nur) im eigenen Garten kleine Schritte für eine bessere Welt tun.
Deutschland hat seinen „gerechten“ Anteil am weltweiten Emissionsbudget längst über ausgeschöpft
Der Vertrag von Paris ist völkerrechtlich bindend und muss erfüllt werden. X Deutschland kann es (sich) leisten. X Es braucht Menschen, die vorangehen und zeigen, dass es funktioniert.
Genauso kann man selbst die Vorreiterrolle übernehmen und damit zumindest beim Blick in den Spiegel Selbstwirksamkeit fühlen. Kleine Schritte in die richtige Richtung sind gefragt: X Beim persönlichen Klima und Weltverbrauch Fuß abdruck. X Durch Eintreten für Verbesserungen am Arbeitsplatz, in der Gemeinde, in der Politik. X Durch finanzielle oder ehrenamtliche Unterstützung für Initiativen, die die Welt „besser“ und nachhaltiger ma chen wollen.
MACH’S EINFACH
Kleine Schritte, ganz einfach
X Biodiversität im Garten schaffen: Magerrasen oder Wildblumenwiese anlegen, eigenes Obst und Gemüse anbauen, einen Baum pflanzen: Es gibt viele Möglichkeiten, Lebensqualität aufzuwerten und Natur zu fördern. X Die Sonne ins Haus holen: Mit einem „Balkonkraftwerk“ lässt sich ein guter Beitrag zur häuslichen Energieversorgung leisten, die Kosten amortisieren sich schnell. X Das brauche ich nicht: Muss es das Neueste, Beste, Coolste sein? Oder tut’s das Alte mit etwas Pflege nicht doch noch? Ersatz lässt sich übrigens auch gebraucht kaufen. X Politik bewegen: Allein kann man die Welt nicht retten; wer lokal für gute Klimapolitik aktiv werden will, kann das beispielsweise mit germanzero.de (opens in a new tab). X Wohlstand teilen: Spenden, die in benachteiligten Weltregionen Bildung und nachhaltige Entwicklung fördern, setzen an den Grundproblemen an: Armut und dadurch bedingte Überbevölkerung.
Lösungsansätze nutzen
dort erstandenen saisonalen Produkten neue Rezepte kre
Vieles ist einfach und mit gesundem Menschenverstand
ieren, Secondhand einkaufen und RefurbishedProdukte
einsehbar, wie etwa, dass ein schwerer SUV rund 25 Pro
entdecken, die Hometrails erkunden, über nahe gelegene
zent mehr Energie braucht als das vergleichbare Normal
Hügel und durch die Felder im Umland wandern, mit dem
modell. Anderes braucht Hintergrundwissen, zum Bei
Rad ans Urlaubsziel fahren. Natürlich kann man das alles als
spiel, wo die größten Strom oder Energiesparpotenziale
Verzicht sehen: Verzicht auf Fleisch und Avocados, Verzicht
im Haus liegen – dazu hat diese Serie „Mach’s einfach“
auf die neuesten Gadgets, Verzicht aufs leistungsstarke
versucht beizutragen. Und manches ist extrem schwer ab
Auto, Verzicht auf Komfort. Das hilft nur leider nicht. Unser
wägbar: Eine neue Wärmepumpe kaufen, wenn die Gas
aktueller durchschnittlicher Lebensstil in Deutschland liegt
heizung auch mit Biogas aus Abfällen betrieben werden
weit über dem, was die Erde abfangen kann, dafür bräuchten
kann? Ein neues E Auto, das im Betrieb keine Emissionen
wir die Ressourcen von drei Erden. Wenn wir unsere Lebens
ausstößt, oder den alten sparsamen
grundlagen erhalten wollen, müssen wir
Diesel noch bis zum Ende der Lebens
etwas anders machen und neue Wege
Klimaschutz braucht uns alle!
dauer nutzen? Noch komplexer wird
gehen. Bekannte Wege verlassen, ge
Der DAV hat sich 2021 mit Verabschiedung seiner
die Abwägung, wenn das „System“ be
wohnte Muster durchbrechen – das ist
Klimaschutzstrategie und eines ambitionierten
troffen ist, nicht nur das persönliche Klima schutzkonzeptes auf den Weg zur Klima-
oft nicht leicht, aber umso öfter lohnend
neutra lität bis 2030 gemacht. Bei der Umsetzung
Umfeld.
und bereichernd, weil wir uns fordern
stehen Vermeidungs- und Reduktionsmaßnahmen
Eine Fahrt ins Gebirge zu viert kann im Zentrum.
und Neues probieren, uns geistig und
emissionsärmer (und billiger …) sein als Rund 270 Sektionen haben inzwischen das Amt
körperlich fit halten, in vielen Fällen so
der Klimaschutzkoordination eingeführt, 180
mit Bahn und Bus. Aber wenn die öf
gar zusätzlich den Geldbeutel schonen.
Sektionen an der Emissionsbilanzierung teilge-
fentlichen Verkehrsangebote nicht nommen.
Wer sich darauf einlässt, stellt fest, dass
stärker genutzt werden, wird der ÖV si Bisher hat die Projektgruppe Klimaschutz die
Verzicht auch zum Gewinn werden kann.
Entwicklung der Maßnahmen begleitet – über
cher nicht besser. Verzicht auf Rind
Das „einfache Leben“, wie es so schön
70 Ehrenamtliche und Hauptberufliche, die in
fleisch ist gut für die Emissionsbilanz, 25 Lenkungskreis-, 40 Kernteam- und gut 100
heißt, kann uns so viel bieten – das ken
Expertenkreis-Sitzungen Ideen und Konzepte
auf Almen aber sichert die Beweidung
nen wir doch aus den Bergen und suchen
entwickelten, um die Sektionen bei der Umset-
die Biodiversität. „Bio“ einkaufen oder zung und Kommunikation von Maßnahmen, etwa es dort nicht zufällig.
ad
Projekte der „regenerativen Landwirt in Kletteranlagen, auf Hütten oder bei der An- und
Abreise in die Berge, zu unterstützen. So konnten
schaft“ unterstützen? Nicht alle Wider viele Geschichten gelingenden Klimaschutzes im
Mit diesem Beitrag endet die Serie
sprüche sind auflösbar, manche muss DAV geschrieben und darüber berichtet werden.
„Mach’s einfach“, die das DAV-
Die Zahlen zeigen allerdings, dass dringend wei-
Klimaschutz pro jekt begleitet hat.
man aushalten – und manche Fragen
tere Anstrengungen notwendig sind, um die ge-
Wir danken allen Leser*innen,
nach bestem humanem Gewissen per setzten Ziele zu erreichen. Deshalb werden offene die sich mit Zuschriften an die sönlich beantworten. Im Bemühen, Aufgaben zum Ende der Projektlaufzeit an den
Redaktion eingebracht haben. Die
ab 2025 verantwortlichen Klimabeirat und seine
Themen Klimaschutz, Biodiversität
sein Bestes zu geben. Häufig liegt der
Arbeitsgruppen übergeben. Wirksamer Klima-
und Nachhaltigkeit sind weiterhin
Schlüssel darin, etwas anders zu ma schutz bleibt eine der zentralen Aufgaben im DAV
von zentraler Bedeutung im DAV.
und bedarf auch künftig intensiver Begleitung:
chen, etwas Neues zu probieren: Auf
In DAV Panorama werden wir auch
Klimaschutz geht uns alle an, Klimaschutz braucht
künftig darüber berichten.
den Wochenmarkt gehen und mit den uns alle!
6/2024 DAV PANORAMA 55
Skitourenschuhe
Schuhe zum Gehen und Fahren
Die Idee ist uralt. Gleiten im Schnee. Bergauf, bergab, steil oder flach. Ski, Bindung und Felle? – Alles wichtig! Doch am Ende entscheidet oft der Skitourenschuh über Freude oder Qual.
Text: Christian Müller Illustrationen: Georg Sojer
Schaftband
Bügelschnalle
Schaft
Was zeichnet einen guten Arretierung
(fragmentiert)Zunge
(Ski/Walk)
Tourenskischuh aus?
Passform: Ein guter Schuh liegt eng an und gibt Halt. Er umschließt den
Bügelschnalle mit Kabelzug
Steg
ganzen Fuß fest, ohne zu drücken.
Unterschale
Schaftrotation: Je beweglicher der Schaft ist, desto angenehmer ist das
Gelenk
Gehen! Wer nicht nur von der Bergstation zum nächsten Hang möchte, sucht sich einen Schuh mit mindes-
Pin-Aufnahme
tens 60 Grad Schaftrotation.
Innenschuh mit
Flex: Der Flex bezieht sich auf die
Einlegesohle
Profilgummisohle
Steifigkeit eines Schuhs bei verriegeltem Schaft im Abfahrtsmodus: Je höher der Flex-Wert, desto steifer der Schuh – und desto unbeweglicher ist das
Sprunggelenk! Um Kurven sauber zu steuern Wie lassen sich Skitourenschuhe unterscheiden?
und auch Unebenheiten wie Buckel und Wel-
Abfahrtsorientierte Skitourenschuhe kommen für alle in Frage, denen die Abfahrt
len auszugleichen, ist ein gewisses Maß an
wichtiger ist als ein möglichst kraftsparender und komfortabler Aufstieg. Für hohe
Beweglichkeit im Sprunggelenk nach vorne,
Geschwindigkeiten im Gelände eignen sich eher breite und stabile Ski. Analog dazu
nach schräg links vorne und nach schräg
müssen auch die Schuhe steifer und stabiler sein. Dieses Plus an Stabilität bedeutet
rechts vorne unabdingbar. Der Flex muss zu
ein Plus an Material und damit ein Plus an Gewicht.
Fahrweise und Körpergewicht passen. Wer
Aufstiegsorientierte Skitourenschuhe richten sich an alle, denen eine rasche Auf-
besonders schnell fährt oder besonders viel
stiegszeit sehr wichtig ist. Die leichte Bauweise dieser Schuhe ermöglicht mehr Sen-
wiegt, verursacht einen hohen Krafteintrag auf
sibilität für Tritte im felsigen oder felsdurchsetzten Gelände. Alpinistisch Ambitionier-
den Schaft. Empfehlenswert sind daher Mo-
te wissen das zu schätzen. Die Ultraleichtexemplare unter den aufstiegsorientierten
delle mit einem hohen Flex-Wert (z.B. 130
Skitourenschuhen sind nur dann interessant, wenn man das Skibergsteigen als Wett-
aufwärts). Umgekehrt verhält es sich bei ge-
kampfsport betreiben will.
nussorientierten Fahrer*innen und sehr leichten Personen.
Leichte Skischuhe kombiniert man mit leichten Tourenski. Ansonsten drohen vorzei-
ACHTUNG:
tiger Verschleiß und Verletzungsgefahr.
X Ideal ist ein progressiver Flex, der bei
Allround-Skitourenschuhe bieten im Aufstieg wie bei der Abfahrt eine akzeptable
Beugung kontinuierlich fester wird.
Performance: Leicht genug, um bergauf etwas Kraft zu sparen – stabil genug, um zü-
X Die Flex-Werte sind nicht standardisiert,
gig abzufahren. Auch die letzten Meter vom Skidepot zum Gipfel lassen sich damit
geben aber ausreichend Orientierung.
meistern, ohne kalte Füße zu bekommen.
56 DAV PANORAMA 6/2024
Welche Konstruktionen sind verbreitet?
X Beinahe alle aktuellen Skitourenschuhe ermöglichen die Verwendung von Pin-Bindungen. Beim Kauf sollte man dringend überprüfen, ob die Schuhe auch tatsächlich mit der vorgesehenen Bindung harmonieren. X Die Arretierung des Schafts für die Abfahrt erfolgt meistens durch das Umlegen eines Hebels.
Dann kann der Schaft nicht nach hinten rotieren. X Aufstiegsorientierte Skitourenschuhe haben eine dünnwandige Schale und sind nur an statisch neuralgischen Punkten mit etwas mehr Material verstärkt. Eine stabile Zunge am Außenschuh fehlt oftmals. Stattdessen kommen textile Elemente zum Einsatz, die vor Nässe schützen. Die Anzahl der Schnallen ist stark reduziert. Häufig findet man das so genannte Boa-Verschlusssystem. Hierbei wird eine dünne Stahlschnur durch einen Drehverschluss gespannt. So wird der Druck gleichmäßig verteilt und Gewicht eingespart. Sohle, Innenschuh sowie die Einlegesohle des Innenschuhs sind bei den „Aufsteigern“ ebenfalls gewichtsreduziert. X Abfahrtsorientierte Skitourenschuhe weisen häufig eine durchgehende Hartschalenzunge und sich überlappendes Material im Bereich des Vorfußes und des Schaftes auf. Dazu kommen vier solide Bügelschnallen für optimalen Halt.
Der Arretiermechanismus des Schaftes für den Abfahrtsmodus ist groß dimensioniert und robust. Häufig ist auch der Innenschuh im Bereich des Schaftes bis hinunter zum Knöchel verstärkt. X Allrounder vereinen Elemente aufstiegsorientierter Schuhe mit Elementen, die von Freeride-Modellen bekannt sind. Auffällig sind hier beispielsweise Zungen mit Aussparungen. Das bedeutet weniger Gewicht und mehr Beweglichkeit im Aufstieg. Werden alle Schnallen geschlossen, ist genug Stabilität für die Abfahrt vorhanden.
WIE FUNKTIONIERT DAS?
Wie erhöht man die Lebensdauer von Skitourenschuhen?
X Nach Gebrauch Schale, Innenschuhe und Einlegesohle separat trocknen lassen. X Den direkten Kontakt mit Hitzequellen wie Ofen oder Heizkörper meiden. X Grobe Verunreinigung der Schale mit Seifenlauge und Schwamm entfernen. X Innenschuhe und Einlegesohlen nur von Hand waschen. Im Notfall ersetzen.
Keine Waschmaschine! X Nach dem Trocknen Schuh sofort wieder zusammenbauen, Schnallen schließen. X Trocken und lichtgeschützt lagern.
ACHTUNG:
X Skitourenschuhe sind ausgelegt auf ca. 150 bis 200 Zyklen. Im Lauf der Zeit verflüchtigen sich die Weichmacher der Kunststoffe. Der Schuh verliert seine Elastizität. X Besonders leichte Skitourenschuhe verschleißen schneller. Sie sind daher weniger nachhaltig.
Welche Materialien kommen zum Einsatz?
Drei verschiedene Werkstoffe haben sich derzeit etabliert: Pebax, Grilamid und Carbonfaser. In der Praxis werden diese Werkstoffe auch kombiniert. Bei manchen Modellen bestehen z.B. die Schaftrückseite und die Unterschale aus Grilamid, die Schaftvorderseite im Schienbeinbereich und die Zunge dagegen aus Pebax.
Vorteile
Nachteile
Eignung
Pebax
Festigkeit, bei Erhitzung Weniger leicht als Gri- Abfahrtsorientierte gut formbar, Elastizität, lamid oder Carbonfaser Modelle, Allrounder Dämpfung von Stößen und Schlägen
Grilamid Kälteresistenz, Abrieb- Weniger fehlerverzei- Abfahrtsorientierte Mo-
festigkeit und geringes hend als Pebax
delle, aufstiegsorien-
Gewicht dank Zugabe
tierte Modelle, Allroun-
von Carbonfasern, direk-
der
te Kraftübertragung
Carbonfaser Extreme Steifigkeit, ext- Keine Dämpfung,
Modelle für Skitouren-
(pur)
rem geringes Gewicht äußerst geringe Bruch- wettkämpfe dehnung
Wie findet man den passenden Skitourenschuh?
X Vorab: Einsatzbereich und dazu passende Kategorie des Schuhs definieren. X Vorab: Schuhgröße in Zentimeter ermitteln (Mondopoint-Tabelle), Skitourenschuhe nicht zu groß
wählen – Verletzungsgefahr!
X Vorab: Eigene Leistenbreite ermitteln, Skischuhe nach Leistenbreite sortieren. Die Webseiten der
Hersteller geben Auskunft.
X Beratung und Probe im Fachgeschäft, eigene Skisocken mitnehmen. X Ausgleichssohlen anfertigen lassen – diese können in verschiedenen Skischuhen getragen werden. X Thermoverformbare Innenschuhe anpassen lassen, dabei Ausgleichssohle einlegen.
Als Fachmann hat
X Skischuhe 20 bis 30 Minuten anbehalten, anschließend Druckstellen markieren.
Christian Müller
X Spezielles Bootfitting: Hier wird ausgebeult oder gefräst, ohne den Schuh zu zerstören.
ACHTUNG:
von Sport Oberhor ner in Bad Endorf bei diesem Artikel unterstützt. Er ist
X Die Verbindung einer hoch platzierten Arretierung mit einem steifen Carbonschaft lässt wenig
Beweglichkeit im Sprunggelenk: Fahrspaß ade!
Staatlich geprüfter Skilehrer und als
X Für sportliche, fahrtechnisch Fortgeschrittene mit 70 bis 80 kg reicht ein Flex-Wert von 100
bis 120. Flex-Wert zu hoch: Fahrspaß ade!
Skischuhspezialist und Bootfitter
X Eine Rennsport-Geometrie (Vorlagewinkel Schaft > 15 Grad) und sehr leichte Schuhe setzen ein
sehr hohes Fahrkönnen voraus.
genießt er interna tionales Ansehen.
6/2024 DAV PANORAMA 57
Wie die
Schneehasen
Schneeschuhgehen: Tourenwahl, Spuranlage, Technik
Ob die dicht behaarten und weit spreizbaren Hinterläufe beim Schneehasen oder die rau befiederten Läufe mit Hornstiften an den Zehen der Raufußhühner: Was die Natur im Zuge der Evolution entwickelt hat, macht sich der Mensch schon seit Jahrhunderten zunutze: das Prinzip Schneeschuhe.
Text: Max Bolland Illustrationen: Georg Sojer
ie große Fläche der Schneeschuhe minimiert das
DSchneeschuhen ist die schneehasenartige Eleganz derGehen im tiefen Schnee. Doch mit dem Kauf vonEinsinken und ermöglicht relativ kraftsparendes
Fortbewegung im winterlichen Gebirge längst nicht gesichert, vielmehr sind richtige Technik, gute Spuranlage und sinnvolle Tourenwahl nötig, um das Gehen auf breitem Fuß bestmöglich zu genießen.
Tourenwahl
Neben der aktuellen Lawinenlage gilt es bei der Planung von Schneeschuhtouren noch weitere Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Ideales Schneeschuhgelände unterscheidet sich stark von klassischem Skitourengelände, so dass es selten sinnvoll ist, Skitouren eins zu eins als Schneeschuhtouren zu unternehmen: Das Gehen mit Schneeschuhen im Steilgelände über 30° ist deutlich anstrengender und schwieriger als mit Ski. Ideale Schneeschuhtouren führen daher über maximal 25° steiles Gelände ohne lange Querungen, da diese mit Schneeschuhen
58 DAV PANORAMA 6/2024
zwar möglich, aber mühsam sind. Lange, flache Täler mit sanften Anstiegen und Hochebenen eignen sich hingegen perfekt für den Schneeschuhsport. Ebenso sind häufige Auf- und Abstiege (z.B. stark kupiertes Gelände) fürs Schneeschuhgehen ideal, während das auf Skitouren sehr unbe-
Führerliteratur und Foren nach „schneeschuhgeeignet“ zuliebt ist. Es lohnt sich also, bei der Auswahl der Touren inrecherchieren und auf Karten nach vorwiegend flachen
Anstiegen zu suchen. Sehr gut geht dies z.B. mit digitalen Karten mit integriertem Hangneigungslayer (z.B. alpenvereinaktiv.com, whiterisk o.Ä.). Auch Routen abseits von Wegen durch lichten Forst können tolle Schneeschuherlebnisse bieten – natürlich nur mit entsprechender Rücksicht auf Flora und Fauna. Generell gilt wie für alle Winteraktivitäten: Dämmerung meiden, Wald-Wild-Schongebiete und Routenempfehlungen beachten und Wildtiere nicht stören.
Spuranlage
Der Spuranlage kommt dabei eine weitere wichtige Rolle zu: Vorwiegend sollte man flache und ebene Geländeformen für den Aufstieg nutzen, kurze steilere Passagen überwindet man möglichst gradlinig, längere Passagen hingegen können im „Zickzack“ angegangen werden, wobei man aber
SO GEHT DAS!
Gemütliches Auf und Ab: Zum Skitouren gehen nervig (Felle drauf, Felle runter ...), zum Schneeschuhgehen ideal. Vor allem, wenn die Technik und die Tourenplanung stimmen!
breiteren Füße zu stolpern, geht man hüftbreit und legt die Spur entsprechend breit an. Geht es bergauf, setzt man einen Schneeschuh vor den anderen und führt den Fuß in leichtem Bogen am Standbein vorbei. Bei jedem Schritt wird
die Spur steiler der Schneeschuh zentral, „satt“ belastet, um das Gewicht anlegt als eine üb- auf die gesamte Fläche zu verteilen. Bedächtiges Belasten liche Skitourenspur, um hilft gegen tiefes Einsinken. Querungen, Steilgelände und Querungen zu vermeiden. harter Schnee erfordern mehr Übung. Bei Querungen im Vorhandene Skitouren-Spuren weichen Schnee Stufen treten, in hartem Schnee flächig
sollte man im Sinne eines harmonischen auftreten und die Dornen der Schneeschuhe in den Schnee
Miteinanders möglichst meiden, da die
drücken. Steilhänge werden wie oben
Spur ansonsten zertrampelt wird. Im Ab-
beschrieben in eher steilen Serpentinen
Tipps:
stieg steigt man möglichst gradlinig oder
überwunden, solange sicheres Queren
u Schneeschuheignung der Tour
diagonal ab. Auch die Schneebeschaf-
beachten
noch möglich ist – bei festem Schnee
fenheit gilt es bei der Spuranlage zu be- u Sanfte Anstiege, keine
kann die Steighilfe zum Einsatz kommen.
Querungen, kupiertes Gelände
rücksichtigen – ideal ist lockerer, aber
Ist Quergehen nicht möglich, wird in gera-
u Spuranlage über flache und
nicht zu tiefer Schnee. Insbesondere bei
ebene Bereiche
der Linie angestiegen und die vorderen
steileren Anstiegen kann Tiefschnee in u Steilhänge meiden, v.a. bei
Krallen werden wie eine Verlängerung des
sehr tiefem oder hartem
mühsame Wühlerei ausarten und der Auf-
Fußes frontal in den Schnee gekickt – ver-
Schnee
trieb der Schneeschuhe an seine Grenzen
gleichbar der Frontalzackentechnik mit
u Unterschiedliche Techniken an
gelangen. Hier sind Passagen mit verfes-
kleinen Aufschwüngen üben
Steigeisen. Der Abstieg kann bei weichem
tigtem, umgewandeltem Schnee oder
Schnee richtig Vergnügen bereiten, ge-
auch Firn besser geeignet. Hingegen ist beim Absteigen lo- radlinig nach unten, Gewicht in Richtung Fersen und schnelckerer Schnee deutlich angenehmer. Wer noch wenig Er- le kurze Schritte erzeugen einen regelrechten Powder-Flow. fahrung im Beurteilen unterschiedlicher Schneequalitäten Eine harte Schneeoberfläche erfordert mehr Umsicht: Die hat, sollte auf seinen Touren mit Schnee und Gelände „ex- Dornen an den Schneeschuhen wirken wie Bremsen und perimentieren“, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der restliche Körper schiebt weiter gen Tal, also runter vom Exposition, Steilheit, Sonne und Wind unterschiedlichste Gas. Sind sehr steile Hänge mit hartem Schneekonstellationen erzeugen.
Schnee im Abstieg zu bewältigen, kann wie im Aufstieg mit den Frontalzacken abgestie-
Technik
gen werden. Diese anspruchsvolleren Tech-
Auch bei idealer Tourenwahl und perfekter Spuranlage ist niken erfordern Übung, empfehlenswert ist,
Max Bolland (opens in a new tab)
ein gewisses Maß an Bewegungstechnik nötig, um die un- sich an kurzen Aufschwüngen mit sicherem
arbeitet als Berg- (opens in a new tab)
terschiedlichen Geländeanforderungen gut und sicher mit Auslauf mit diesen Techniken vertraut zu ma-
führer und Ausbilder in der Trainer- (opens in a new tab)
Schneeschuhen zu bewältigen. Im flachen Gelände ist das chen und entsprechendes Vertrauen in die
ausbildung des DAV (opens in a new tab).
Gehen relativ einfach: Um nicht über die eigenen, deutlich eigenen Fertigkeiten zu gewinnen.
erlebnis-berg.com (opens in a new tab)
6/2024 DAV PANORAMA 59
Andreas Müller-Cyran
Zuständig für die Überlebenden
Dr. Andreas Müller-Cyran gründete 1994 in München das weltweit erste Kriseninterventionsteam zur Betreuung von unverletzten Beteiligten und Angehörigen bei traumatisierenden Unfällen, Notfällen und Katastrophen. Er war federführend bei der weiteren Etablierung und Qualitätssicherung der psychosozialen Erstversorgung durch Kriseninterventionsteams, wie sie auch bei Bergwachteinsätzen seit Langem dazugehört. Der gebürtige Bremer lebt in München, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und geht auch selbst gern in die Berge.
Interview: Malte Roeper
60 DAV PANORAMA 6/2024
Ich glaube, ich habe sehr wenig Angst vor dem Tod. Wäre das eine gute Voraussetzung, um in einem Kriseninterventionsteam mitzuarbeiten, oder eher eine schlechte?
Das kann eine hervorragende Voraussetzung sein – solange Sie Ihre eigene Unerschrockenheit gegenüber dem Tod nicht auch anderen Menschen zumuten. Sie haben es ja mit Menschen zu tun, die über das, was gerade passiert ist, sehr erschrocken sind und Angst haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Sie haben die Kriseninterventionsteams auf den Weg gebracht, später wurden auch Bergunfälle in den Kreis der zu betreuenden Notlagen aufgenommen. In welcher Form unterscheiden sich Bergunfälle hinsichtlich der Krisenintervention? Also die Art und Weise, in der Sie die Einsatzkräfte schulen und vorbereiten? Es gibt ein bundesweites Curriculum für die Ausbildung von Einsatzkräften in der Krisenintervention, das setzen wir auch in der Bergwacht um. Das ist das Gemeinsame. Es gibt aber auch markante Unterschiede. Ein Mitarbeiter aus der Krisenintervention muss die Um-
Das Gelände stellt bei alpinen Einsätzen neben der Rettung oft auch das Kriseninterventionsteam vor Herausforderungen.
Der Überlebens wille ist ja etwas sehr Biologisches, den hat schon ein Regen wurm – und der Mensch erst recht.
MENSCHEN
TRIGGER-WARNUNG Der Text enthält stellenweise Erwähnungen von Suizid. Speziell geschulte Menschen helfen bei der TelefonSeelsorge unter der Nummer
0800-111 0 111
oder
0800-111 0 222
Die TelefonSeelsorge steht kostenlos und anonym 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Sie ersetzt jedoch keine Behandlung von Depressionen.
stände des Einsatzes einschätzen können, die sind natürlich alpin ganz anders als im Tal. Im alpinen Raum müssen wir keine S-Bahn-Fahrer betreuen, wenn ihnen ein Mensch vor den Zug gesprungen ist. Das sind Punkte, die in der Bergrettung nicht geschult werden, weil es einfach nicht relevant ist.
Ich dachte immer, dass Suizid in den Bergen fast unmöglich wäre. Wenn es weit runtergeht und du hast Angst oder dir ist kalt oder du bist erschöpft, da würde ich vermuten, dass die Überlebensinstinkte das Ruder übernehmen und man denkt: Ich lasse es erst mal ganz, oder ich mache es doch lieber unten. Da hat jemand einen Todeswunsch, der stärker ist als dieser Überlebenswille, von dem Sie gerade sprechen. Der Überlebenswille ist ja etwas sehr Biologisches. Den hat schon ein Regenwurm, den haben Vögel und Säugetiere und der Mensch erst recht. Aber der Mensch kann seinen Todeswunsch tatsächlich in die Tat umsetzen, wenn er durch den Trieb zum Leben nicht mehr daran gehindert wird. Wir sprechen in der Psychologie vom aggressiven Potenzial, zur Selbst-
6/2024 DAV PANORAMA 61
tötung gehört ein bemerkenswertes aggressives Potenzial, um eben die Energie zu haben, über den natürlichen Lebenswunsch hinaus den Tod zu suchen. Das ist selten. Die häufigste Art der Selbsttötung in Deutschland ist die Strangulation. Und Strangulation in bewaldeten Gebieten gibt es auch leider im alpinen Kontext, also in
Einsatzgebieten der Bergwacht.
Das mag man sich gar nicht vorstellen ... aber eigentlich waren wir beim Unterschied zwischen der alpinen Krisenintervention und der städtischen, etwa hier in München. Im alpinen Raum sind die Betreu-
In Bayern ha
ungsverläufe oft viel länger. In der städtischen Krisenintervention ben wir vier sind wir in drei von vier Situatio- Personen, die nen im häuslichen Bereich, häufig hauptberuflich sind es Herzinfarkte. Die sind üb- in der Krisen rigens auch am Berg die häufigste intervention Todesursache. Aber dort sind die arbeiten. Ehren Einsätze oft technisch sehr viel
amtlich sind es
komplexer. Das heißt, man hat in
achthundert
aller Regel einen Leichnam, den
bis tausend.
man ins Tal bekommen muss. Diese Einsätze sind in der Krisenintervention oft länger und komplexer als hier in München, wo meist alles unauffällig in der Wohnung stattfindet und man andere Ressourcen hat als zum Beispiel oben auf der Kampenwand.
Angefangen haben Sie neben dem Philosophiestudium als Rettungsassistent. Haben Sie da erkannt, dass die medizinische Seite Sie doch weniger interessiert als der psychosoziale Aspekt: Was ist mit den Angehörigen? Die medizinische Seite interessiert mich sehr, nach wie vor. Das ist ja die wirklich substanzielle Hilfe. Wenn es mir gelingt, dass der Patient überlebt, dann brauche ich keine Krisenintervention. Aber ich habe immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass die Person trotz all unserer Anstrengung nicht überlebt hat, und dann kam für mich die Frage: War’s das jetzt? Ist das alles? Aber das ging erst, nachdem ich Erfahrung gesammelt hatte, Einsatzerfahrung. Die Erfahrung eben, dass die psychosoziale Komponente immer mitläuft und dass wir in der klassischen Notfallmedizin wenig Kapazi-
62 DAV PANORAMA 6/2024
Andreas Müller-Cyran ist inzwischen eher in anderen Bereichen im Einsatz, beim Bundeskriminalamt bei der Identifizierung von Leichen oder bei der Polizei in besonderen Betreuungssituationen. In München ist er etwa einmal im Monat 24 Stunden im Dienst, manchmal begleitet er auch alpine Einsätze. Sein Schwerpunkt aber liegt bei den Einsatzkräften und hinsichtlich der Krisenintervention bei größeren Schadenslagen, Transportmittelunfällen, terroristischen Attentaten oder Naturkatastrophen.
täten und auch wenig Wissen haben, in solchen Situationen angemessen darauf einzugehen.
Wie stelle ich mir einen typischen Einsatz im alpinen Raum vor?
Der typische Einsatz wäre nach einem Herzinfarkt. Hier in München dauert es im Schnitt rund sieben Minuten, bis der Notarzt ankommt oder die ersten Einsatzkräfte. Im alpinen Kontext dauert das sehr viel länger, damit ist die Überlebensprognose von vornherein deutlich schlechter. Hinzu kommt die Zugänglichkeit der Einsatzstelle. Ist das Wetter gut genug, um fliegen zu können? Kann der Hubschrauber landen? Und dann sind da noch die Hinterbliebenen. Das sind diejenigen, die wir bei der Krisenintervention im Blick haben.
Was genau übernimmt das Kriseninterventionsteam?
Wir sind zuständig für die Überlebenden. Vor allem für das, was wir erste emotionale Stabilisierung nennen. Am Berg habe ich ja den An-
Eine Besonderheit bei Krisen im alpinen Raum: Sowohl die verunfallte Person als auch Angehörige müssen in sicheres Gelände gebracht werden – Erstere je nach Gelände per Helikopter oder Trage.
spruch, die Überlebenden erst mal in einen gesicherten Bereich zu bringen. Dazu müssen sie sich selbst noch kontrollieren können, sie müssen „compliant“ sein. „Compliance“ am Berg heißt, dass jemand im absturzgefährdeten Gelände bereit ist, Anleitung anzunehmen.
Das heißt, die Leute vom Kriseninterventionsteam nehmen den ersten Impact auf. Und stehen in den folgenden Tagen bereit, bevor eventuell eine Psychotherapie oder Selbsthilfegruppe oder Ähnliches beginnt. Das hat sicherlich auch technische Gründe, auf eine Psychotherapie muss man ja meistens lang warten. Genau, das sind die ersten stabilisierenden Gespräche, die man führt. Von der Begrifflichkeit her ist mir das wichtig, dass wir zwei Gruppen von Bedarfsträgern unterscheiden. Die Krisenintervention ist ausschließlich für Überlebende und Betroffene da, also nicht für Einsatzkräfte. Für Einsatzkräfte haben wir ein anderes Vorgehen, das trennen wir deutlich von der Krisenintervention, weil es nicht gut ist, das zu vermischen.
Wie sieht es da denn generell aus? Brauchen und bekommen die Rettungs- und Einsatzkräfte auch Unterstützung?
Da gibt es eine andere Ausbildung. Das eine ist, sich um überlebende Hinterbliebene zu kümmern. Das andere, sich um eigene Einsatzkräfte und Kolleginnen und Kollegen zu kümmern. Die Grundidee, Einsatzkräfte als Ansprechpartner für traumatisierte, belastete Kolleginnen und Kollegen auszubilden, haben wir aus den USA übernommen. Das macht Sinn, denn Einsatzkräfte wenden sich häufig an einen Kollegen oder eine Kollegin.
Aber es gibt eine große Gemeinsamkeit: Bergwacht, Krisenintervention, Unterstützung der Einsatzkräfte selbst – das leisten fast alles Ehrenamtliche.
Das ist leider wahr.
MENSCHEN
Malte Roeper durchstieg die Eiger-Nordwand solo und lebt als Buchautor und Filmemacher in Traunstein. Er schreibt regelmäßig für DAV Panorama.
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Dauer:
Tagestouren
Max. pro Tag: Ca. 700 Hm
Höchster Punkt: Ricovero Casera Canin (1443 m)
Schwierigkeit:
Leichte bis mittelschwere Bergwanderungen
Beste Zeit: Mai bis Oktober
Benečija – Julische Voralpen
Wandern zwischen Natur und Kultur
In den Bergtälern Resia, Torre und Natisone in der Region Friaul-Julisch Venetien ist eine grenzüberschreitende Initiative für sanften Tourismus entstanden. Sie hat das Ziel, den Naturschatz wie das Kulturerbe des „Benečija“ genannten Gebietes bekannter zu machen.
Text: Georg Hohenester
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m Friaul gibt es einige Ecken, Dörfer und Gebirgsstöcke, die bei uns kaum bekannt
I
sind. Die Berge sind oft wild und wenig begangen, während die Talschaften auf eine bewegte Geschichte zurückschauen. Ob das auch für die Julischen Voralpen gilt, soll eine Recherchereise klären, die das Tourismusbüro „Benečija“ ausgearbeitet hat. Was unter diesem klingenden Namen zu verstehen ist, lässt sich auf der Webseite benecija.eu nachlesen: „Das Gebiet zwischen den Tälern Natisone/Nediške doline, Torre und Resia ist auch unter dem Namen Benečija/Benecia bekannt, einer Kurzform von Beneška Slovenija, was ins Italienische mit
JULISCHE VORALPEN
Von der Selbstversorgerhütte Ricovero Casera Canin blickt man weit über das Resia-Tal; rechts die Ausläufer des Monte Sart, links hinten die Kette Monte Plauris-Monte Musi.
Slavia Veneta übersetzt wird …“ Der Name Benečija greift also die weit verbreitete Zweisprachigkeit auf, mit der slowenische und friaulische Sprachminderheiten hier seit Jahrhunderten leben und die Kultur prägen. Und er erinnert an die Rolle der Republik Venedig, die über 350 Jahre lang (bis 1797) die Region beherrschte, den örtlichen Gemeinden aber Selbstverwaltung ermöglichte.
Reist man von Kärnten ins Kanaltal, zweigt bei Resiutta eine schmale Straße ins Val Resia ab, führt entlang des Resia-Flusses nach San Giorgio/Na Bili und erreicht Prato/Ravanca. Dort treffe ich Antonietta Spizzo, die den Kontakt vermittelt hat und dolmetschen wird, und Sandro Quaglia. Der stammt aus Resia, ist der operative Kopf von Turismo Benečija und, wie sich schnell zeigt, ein wandelndes Lexikon in Sachen Geschichte und Kultur des Tales. Auf die zweisprachigen Ortsschilder angesprochen, erklärt er: „Wir haben slawische Wurzeln und sprechen einen alten slowenischen Dialekt, der von Ort zu Ort variiert. In San Giorgio, dem ältesten Dorf im Tal, ist er anders als hier in Prato. Das Leben in Resia war stets hart, unsere Vorfahren mussten viel arbeiten und sich mit wenig begnügen.“ Trotzdem stieg die Bevölkerungszahl an. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts an die sechstausend Menschen das Tal bevölkerten und eine starke Abwanderung einsetzte. Heute leben noch gut neunhundert Menschen hier.
Die Bergmassive des Monte Plauris (1958 m) und des Monte Musi (1869 m) begrenzen Resia im Süden. Nach Osten folgt dem Pass Sella Carnizza (1086 m) der Höhenzug vom Monte Nische bis zum Monte Guarda (1720 m), bevor es nördlich davon deutlich hochalpiner wird: Nach Baba
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Der Fontanone Barman ist ein „Kraftort“ und spielt auch in Legenden und Liedern des Val Resia eine Rolle.
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Piccola und Baba Grande (2160 m) erreicht der Monte Canin eine Gipfelhöhe von 2587 Metern. Seit 1996 bilden diese Bergketten den Naturpark Julische Voralpen, dessen Besucherzentrum mit Ausstellung zu Geographie, Geologie, Flora und Fauna gegenüber der Kirche von Prato steht. Den Park kennzeichnen üppige Wälder, weitläufiges Hochgebirgsgrasland und eine unglaublich vielfältige Flora: Über 1200 Pflanzenarten kommen vor, was auch daran liegt, dass die Julischen Voralpen zu den niederschlagsreichsten Orten Europas zählen.
Vom Örtchen Lischiazze aus unternehmen wir einen kleinen Spaziergang. Durch prächtigen Buchenwald geht es zum „Fontanone Barman“, einem großen Wasserfall, über dem sich die tausend Meter hohe Nordwand des mehrgipfeligen Monte Musi aufbaut. Sein oberer Teil ist verkarstet, und die Niederschläge fließen oberirdisch in Steilrinnen ab oder sammeln sich in unterirdischen Höhlen, wo zahlreiche Quellen entspringen. Der Fontanone Barman ist die wichtigste und stürzt über siebzig Meter Fallhöhe in ein blaues Becken – ein beeindruckendes Schauspiel und „ein Kraftort, der auch in unseren Legenden und Liedern eine wichtige Rolle spielt“, wie Sandro erklärt.
Zurück am Parkplatz nehmen wir das kurvige Bergsträßchen zur Sella Carnizza und kehren fürs Abendessen in der „Baita al Botton d’Oro“
im Almdorf Stavoli Gnivizza ein. Früher verbrachten die Familien mit ihrem Vieh den Almsommer hier oben. Heute sind viele der massiv gebauten Häuschen schön hergerichtet. Im kleinen Innenraum genießen wir Gerichte der regionalen Küche und bekommen zum Abschluss einen musikalischen Live-Act serviert: Der Wirtssohn greift seine Geige (Citira), Sandro das dreisaitige Cello (Bunkula) und beide spielen im Duo einige traditionelle Lieder. Die Musik klingt eigentümlich, hat keltische Wurzeln, wobei die Geige die Melodie vorträgt und dabei mit einem Bein der Takt geschlagen wird, während das Cello den Bass und Gesangspart beisteuert. „Die Liedtexte kreisen um Natur, um Tiere und besondere Plätze im Tal“, erklärt Sandro. „Normalerweise spielen und singen mehr Personen und es wird dazu getanzt. Besonders zu Festen oder zum ‚Püst‘ (Karneval). Die Musik ist Hunderte Jahre alt und ein wichtiger Teil unserer Kultur. Sie wird in der Schule unterrichtet, und auch die Instrumente werden im Tal gebaut.“ Am nächsten Vormittag führt Ivan, ein Kollege von Sandro, die geplante Wanderung im Canin-Gebiet. Und aus dem Val Aupa kommt Kaspar Nickles dazu, um uns zu begleiten. Der Schafzüchter und Touren-Guide betreibt mit seiner Frau Marina im Weiler Drentus oberhalb Dordolla den Hof „Tiere Viere“. Er, Antonietta und ich kennen uns von früheren Friaul-Recherchen. Von Coritis (651 m) führt Weg 642 durch den jungen Bergwald hinauf, zieht über die Hänge in der Südwestflanke des Canin, quert Wasserläufe und Geländeeinschnitte und leitet nach guten zwei Stunden durch grüne Matten zum Ricovero Casera Canin (1443 m) auf einer Wiesenfläche. Das als Selbstversorgerhütte hergerichtete Gebäude ist stets offen, hat Platz für sieben Personen und bietet einen herrlichen Blick über das Resia-Tal. Die übliche Wolkenbildung um den Canin hat eingesetzt, Regen ist angesagt. So steigen wir nach kurzer Pause zügig in südöstlicher Richtung ab bis zur Alm Berdo di sopra. Hier kreuzt Weg 731 und leitet zur Biwakschachtel Costantini hinauf, von der sich Baba Grande und Canin besteigen lassen – beides anspruchsvolle Touren am Grenzkamm zu Slowenien und auch Teil der Alta Via Resiana, die in einer weiten Schleife über die Gipfel des Tales führt. Wenig später ist die Malga Coot (1190 m) erreicht, wo wir etwas verspätet mittagessen. Das restaurierte große Almgebäude mit schöner Terrasse ist auf engem Sträßchen von Coritis bis auf 20 Minuten Fußweg anfahrbar. So können auch weniger wanderaffine Gäste die ruhige Lage im Talschluss genießen.
Von Prato aus wechseln wir ins Val Torre. Wegen des sturzflutartigen Regens ist das Sträßchen über die Sella Carnizza keine Option. So geht es talauswärts, einmal um die Berge herum und von Tarcento wieder in die Berge hinein,
JULISCHE VORALPEN
durch Pradielis/Ter, an der Quelle des Torre-Flusses vorbei zum Rifugio Pian dei Ciclamini (795 m), das wir nach eineinhalbstündiger Fahrt erreichen. Die stattliche Hütte liegt im Alta Val Torre – und Luftlinie keine acht Kilometer von Prato entfernt, zwischen der Musi-Kette und dem Monte Briniza/Gran Monte (1636 m), dem nächsten Massiv im Süden. Sie ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge und Exkursionen im Naturpark, und wer gerne klettert, findet in fußläufiger Entfernung zwei Klettergärten. Uns bleibt leider nur der Abend, den wir im Gespräch mit Hüttenwirt Simone Gonano verbringen.
Anderntags steht nach dem Transfer nach Montemaggiore/Brezje südlich des Gran Monte die letzte Wanderung an. Wir packen unser Regenzeug ein, starten die Tour entlang der Quellflüsse des Natisone ins Dorf Prossenicco/Prosnid und steigen auf dem wirklich rutschigen Weg 744 steil zum Lemagna-Fluss hinab, den die „Ponte Napoleone“ überspannt. Jenseits
Kristallklar: Der Rio Bianco ist einer der Quellflüsse des Natisone; Kostprobe: Die Musik aus dem Val Resia wird mit Geige und Cello gespielt. Üppiges Grün unter kargem Kalk: Wegpassage zur Malga Coot, weit oben wabern Wolken um den Gipfel der Baba Grande.
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Tourenvorschläge und weitere Bilder (opens in a new tab)
WANDERN IN DEN JULISCHEN VORALPEN In den Tälern Resia, Torre und Natisone kann man leichte bis anspruchsvolle Touren in einer großteils wenig slowenischsprachigen Dörfer mit ihrem gelebtenerschlossenen Bergwelt unternehmen, während die kulturellen Erbe bestechen. Diese Kombination ist außergewöhnlich und macht den Besuch im Gebiet der Benečija besonders reizvoll. Künftig sollen noch weitere grenzüberschreitende Angebote für einen sanften Tourismus folgen. Beispielsweise ist ein neuer Radweg geplant.
Unterkünfte:
Einen Überblick über Unterkünfte in den drei Tälern bietet benecija.eu (opens in a new tab), darunter Hotels, Agriturismo-Betriebe, Gästehäuser und viele private B&B etc. X Agriturismo Malga Coot, Alta Val Resia, 0039/334 909 26 13, Facebook-Auftritt, während der Almsaison Übernachtungsmöglichkeit X Berghütte Rifugio dei Ciclamini, Alta Val Torre,
rifugiopiandeiciclamini.it (opens in a new tab)
X Agriturismo Brez Mej, Prossenicco/Taipana,
agriturismobrezmej.com (opens in a new tab)
Weitere Infos:
X benecija.eu (opens in a new tab) – die Seite bietet Informationen zu Angeboten und Services, was auch Aktivitäten wie Radfahren, Klettern oder Wassersport umfasst. X parcoprealpigiulie.it (opens in a new tab) – Informationen zum Naturpark Julische Voralpen
TIPPS FÜR DEN BERGURLAUB X In Stolvizza/Resia informiert das Scherenschleifer-Museum „Museo dell’arrotino“ über die Männer, die früher als wandernde Handwerker durch Europa zogen, um das karge Leben ihrer Familien zu sichern, Voranmeldung empfohlen: arrotinivalresia.it (opens in a new tab) X Das SMO – Slovensko Multimedialno Okno in San Pietro al Natisone bietet als „Museum der Landschaften und Geschichten“ einen multimedialen Zugang zum Leben und zur Geschichte der slowenischen Minderheit im Friaul: mismotu.it (opens in a new tab) X Im Vorland der Julischen Alpen wird ausgezeichneter Wein produziert. In Faedis kann man z.B. im Weingut Ronc dai Luchis den lokalen Qualitätswein Refosco di Faedis verkosten; der Agriturismo bietet auch Gästezimmer an: roncdailuchis.com (opens in a new tab)
68 DAV PANORAMA 6/2024
geht es durch naturbelassene Wälder zum Rio Bianco weiter, einem Quellfluss des Natisone, der mit einigen Schritten überquert ist. Bald wird der Steig zum Wirtschaftsweg und führt an verlassenen Höfen vorbei. Noch einmal durchwaten wir den jetzt deutlich breiteren Rio Bianco, dann mündet von Norden der Rio Nero ein. Ab hier bilden beide Flüsse den Natisone/Nadiža, der für einige Kilometer auch den Grenzverlauf markiert. Auf der Straßenbrücke Ponte Vittorio stehen wir schließlich direkt an der Grenze und fahren die letzten Kilometer in Ivans Wagen nach Prossenicco, wo wir im Agriturismo Brez Mej einchecken.
Nachmittags folgt eine Führung durch das beschauliche Dorf. Wir besichtigen die zum Hostel umgebaute ehemalige Dorfschule, die Kirche mit ihrer außergewöhnlichen Madonna-Figur, spazieren durch die Gassen, an sanierten wie verfallenden Häusern vorbei, und nehmen einen Aperitivo in der Osteria Al Centro. Deren Wirt erzählt, dass in den 1960er Jahren neunhundert Menschen im Dorf lebten, während es heute noch fünfzehn sind. Zu ihnen gehört auch Alan Cecutti, der Chef unserer Unterkunft. Seine Mutter stammt aus Prossenicco und arbeitet tatkräftig in der Küche mit. Abends setzt sich Alan an den Tisch und erzählt, dass er schon als Kind gerne in Prossenicco war. „Irgendwann beschloss ich dann, hier in den Bergen leben und den Agriturismo aufbauen zu wollen – Brez Mej, das heißt ‚ohne Grenzen‘.“ Seit 2017 ist Alan auch Bürgermeister der Comune Taipana: „Dazu gehören neben Prossenicco acht weitere Fraktionen mit insgesamt sechshundert Menschen. Ich bin viel unterwegs von Dorf zu Dorf – es gibt immer etwas zu tun“, schließt er, entschuldigt sich und bricht auf zu einer Abendveranstaltung.
So viel unaufgeregtes Engagement ist beeindruckend und es scheint in den Tälern der Benečija ziemlich verbreitet zu sein. Früher, in Zeiten des Eisernen Vorhangs, mag dieses Grenzgebiet am Ende der Welt gelegen haben. Heute ist die Trennung längst überwunden und die Menschen können wieder vom Reichtum ihrer Kulturkreise profitieren. Dazu bieten die Julischen Voralpen ein unglaubliches Potenzial für alle, die es lieben, eine naturbelassene Bergwelt zu erkunden.
In den 1960er Jahren lebten neunhundert Menschen im Dorf Prossenicco, heute sind es noch 15.
Als Friaul-Fan war Georg Hohenester schnell interessiert daran, auch die Julischen Voralpen kennenzulernen. Das kulturelle und bergsportliche Angebot vor Ort hat ihn überzeugt.
Ausgabe 6/2024
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Der Bora trocknet ausschließlich mit Umluft, es ist keine (opens in a new tab)
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Heizung erforderlich. Langsames, schonendes Trocknen (opens in a new tab)
Kann denn Woll.Lust Sünde sein? Dank feiner (opens in a new tab)
mit Warmluft von innen schont die Schuhe und befördert (opens in a new tab)
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selbst hartnäckigen Schweiß hinaus. Der Trage- (opens in a new tab)
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komfort danach ist unvergleichlich und sorgt für (opens in a new tab)
wollig weich und betörend anschmiegsam. Eine (opens in a new tab)
Wohlbefinden. Durch diese Art der Trocknung (opens in a new tab)
Sünde wäre es, sich dieser Verführung nicht hin- (opens in a new tab)
bleiben Schuhe formstabil und ihre Lebensdauer (opens in a new tab)
zugeben. In den Alpen erdacht, in der EU ge- (opens in a new tab)
verlängert sich. Das ist speziell für maßgeschnei- (opens in a new tab)
macht. Nachhaltig und fair … genau wie wir (opens in a new tab).
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Dauer: 3 ½ Std.
Max. pro Tag: 350 Hm
Höchster Punkt:
1550 m
Schwierigkeiten:
leicht
Beste Zeit:
November bis Februar
Bis ganz ans Ende des Tals führt der Flusslauf der Lutz. An ihrem Bachbett entlang bietet sich eine Schneeschuhtour an.
80 DAV PANORAMA 6/2024
Großes Walsertal
Enges Tal, weiter Horizont
Wer weder Ski fährt, noch den Zirkus drumherum sucht, wird sich in der eindrucksvollen Kulturlandschaft des Großen Walsertals besonders wohlfühlen.
Text und Fotos: Christine Frühholz
igentümlich ist die Lichtstimmung an Ob das am Ende an der Übernachtung in der Bediesem frühen Nachmittag, als wir nediktinerpropstei in St. Gerold lag, die ihre
E
unsere Schneeschuhe anschnallen. Gäste zum Innehalten und Aufatmen einlädt?
Von der Gemeinde Sonntag geht es ab der Frak-
Der frische, lockere Schnee knirscht unter
tion Buchboden am Ende des steilen Kerbtals den Schuhen, zwischen längeren Abschnitten hinunter zum Oberlauf der Lutz. Der Hauptfluss des Schweigens und Genießens erklärt der des Großen Walsertales entspringt oberhalb Wanderführer Franz Ferdinand Türtscher, was von Buchboden auf über zweitausend Metern, es mit dem Biosphärenpark und dessen Kernmündet in den Rhein und liegt bis Raggal in der zone Lutz auf sich hat. Biosphärenparks sind streng geschützten Kernzone des Biosphären- Modellregionen für nachhaltiges Leben und parks Großes Walsertal. Dunkel, fast schwarz Wirtschaften und werden von der UNESCO ausfließt das Wasser neben uns ruhig dahin. Die gezeichnet. Weltweit gibt es über siebenhun-Sonne lässt sich an diesem Tag Zeit, Hochnebel dert Modellregionen in 134 Ländern. Das interumwabert die oberen Bereiche der bewaldeten nationale Konzept soll außergewöhnliche Na-Steilhänge. Über Nacht hat es kräftig geschneit tur- und Kulturlandschaften schützen, wobei und wir tauchen ein in die gedämpfte Stille ei- die Menschen eine besondere Rolle spielen: Sie ner geheimnisvollen Winterlandschaft.
werden aktiv am Schutz und an der Erhaltung
Dabei waren bei der Ankunft in Bludenz am ihres Lebensraumes beteiligt. Vortag die Temperaturen frühlingshaft und der
17 Prozent des Biosphärenparks Großes Wal-
gelbe Landbus, mit dem sich das ganze Tal äu- sertal machen die Kernzone aus, in der sich ßerst komfortabel erreichen lässt, fuhr hinein Ökosysteme möglichst ohne Eingriffe entwiin ein praktisch schneefreies Tal. Sehr schön, ckeln sollen. Neben der Lutz gibt es weitere doch wenig winterlich, dabei sollte das Haupt- Kernzonen wie den Moorkomplex Tiefenwald augenmerk der Recherchereise doch auf Aktivi- oder die Rote Wand, den höchsten Berg des Tatäten im Schnee liegen! Nur gut, dass das Große les, die allesamt bereits vor der Gründung des Walsertal so viel mehr zu bieten hat – land- Biosphärenparks Naturschutzgebiet waren. schaftlich wie kulturell. Und dass am Ende Knapp siebzig Prozent der Fläche sind Bergwäldann doch eine höhere Kraft punktgenau die der, Alpen und Bergwiesen, die restlichen gut perfekten Rahmenbedingungen geschaffen hat. 13 Prozent sind Lebens-, Wirtschafts- und Erho-
VORARLBERG
Ursprünglichkeit, Tradition und Kultur: Das Große Walsertal ist eines von vierzig Bergsteigerdörfern im Ostalpenraum (opens in a new tab), einer Initiative der Alpenvereine. Vom Großen Walsertal aus können im Sommer u.a. die Biberacher Hütte, die Göppinger und die Freiburger Hütte erreicht werden – alle drei Hütten haben auch einen Winterraum für Touren auf Selbstversorgungsbasis im Gebiet (opens in a new tab). Mehr (opens in a new tab): bergsteigerdoerfer.org (opens in a new tab)
6/2024 DAV PANORAMA 81
Weitere Infos und Bilder (opens in a new tab)
GROSSES WALSERTAL
Anreise und Mobilität: Nach Bludenz mit der Bahn und weiter mit dem Landbus. Alle Orte und Ausgangspunkte für Touren sind gut erreichbar. In den Bussen ist meistens auch Platz für die Schneeschuh- oder Skiausrüstung. Ab drei Nächten kann man mit der Gäste-Card Großes Walsertal die Busse kostenlos nutzen.
Unterkünfte:
X Propstei, St. Gerold: Kirchliche Begegnungs- und Bildungsstätte, Tagungsstätte und Gästehaus mit eigenem Restaurant. propstei-stgerold.at (opens in a new tab) X Gasthof Krone in Sonntag: kronesonntag.at (opens in a new tab)
Tourentipps:
X Schneeschuhtour entlang der Lutz: Ausgangspunkt ist das Besucherzentrum (biosphärenpark.haus) in Sonntag, vom Ziel Buchboden Rückfahrt mit dem Bus nach Sonntag; ca. 200 Hm, 2 ½ - 3 Std. X Winterwanderung zur Alpe Unterpartnom: Ausgangspunkt: Seilbahnstation Sonntag-Stein, ab der Bergstation führt ein markierter Winterwanderweg auf die Alpe. Auf gleichem Weg zurück, den man mit einem mitgebrachten Rodel abkürzen kann.
ca. 350 Hm, ca. 3 ½ Std.
TIPPS FÜR DEN BERGURLAUB
X Abfahrten und eine Skitourenroute im NordhangSkigebiet Sonntag-Stein: zwei gemütliche
X Skitouren:
Glatthorn (2133 m) – mittel, oberer Teil schwer, ab Faschina, 640 Hm Kunkelkopf (2100 m) – leicht bis mittel, ab Sonntag-Buchboden, 1100 Hm X Langlaufen: Übungsloipe in Raggal X BERGaktiv Großes Walsertal: In dem Verein sind Wanderführer*innen organisiert, die Schneeschuh- und Winterwanderungen anbieten. Gäste, die in einem der vielen Mitgliedsbetriebe übernachten, können kostenlos teilnehmen. grosseswalsertal.at/bergaktiv (opens in a new tab) X Kultur: Museum Großes Walsertal in Sonntag, biosphärenpark.haus – Infozentrum, Sennerei und Laden mit regionalen Erzeugnissen.
grosseswalsertal.at (opens in a new tab)
82 DAV PANORAMA 6/2024
Dass selbst das Bushäuschen stilgerecht aus dem heimischen Rohstoff Holz gebaut ist, tut dem Auge und der Seele gut.
lungsraum für die Menschen. Das klingt nach wenig, allerdings ist das Große Walsertal mit seinen 25 Kilometern Länge auch eines der am dünnsten besiedelten Täler Vorarlbergs. Nur rund dreieinhalbtausend Menschen verteilen sich auf sechs Gemeinden: Thüringerberg, St. Gerold, Blons, Sonntag und Fontanella-Faschina liegen nördlich der Lutz an den sonnigen Hängen, nur die Gemeinde Raggal-Marul liegt auf der gegenüberliegenden Talseite.
Die Walserkultur ist überall sichtbar, die traditionell geschindelten Bauernhäuser wechseln sich mit neuen, schlichten Holzgebäuden ab, die Baukultur im Biosphärenpark ist preisgekrönt. Und die Tatsache, dass selbst das Bushäuschen stilgerecht aus dem heimischen Rohstoff besteht, tut dem Auge und der Seele gut. Im 14. Jahrhundert aus dem Wallis eingewandert, siedelte sich die Bevölkerung auf Geheiß des Grafen von Montfort im steilen und unwegsamen Gelände des Großen Walsertals an. Das schwäbische Adelsgeschlecht Montfort gehörte zum Hochadel des damaligen Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) und hatte einen entscheidenden Einfluss auf die territoriale Entwicklung der Region. Das Walservolk kontrollierte die Pässe und übernahm die Verteidigung der Grafschaft im Kriegsfall, im Gegenzug waren sie ein freies Volk und hatten sogar ihre eigene Gerichtsbarkeit.
Freiheitsliebend und etwas eigen sein, vor allem aber etwas Eigenes auf die Beine stellen und zusammenhalten: Das scheint das Erfolgsrezept dafür zu sein, dass ein entlegenes Tal mit sechs kleinen und weit verstreuten Gemeinden eine erstaunlich gute und moderne Infrastruktur hat. Das fängt mit dem „Landbus Großes Walsertal“ an, der sich selbst bei winterlichen Straßenverhältnissen zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk fast stündlich zwischen Thüringerberg am Taleingang und Fontanella-Faschina am Übergang zum Bregenzerwald den Weg talauf- wie talabwärts bahnt. Und wer doch einmal abseits des Fahrplans von einem Ort zum anderen muss, der kann mit einem Handgriff die Bushaltestelle zum „Mitfahrbänkle“ umfunktionieren: Einfach die gelbe Fahne hissen und darauf warten, dass ein Auto anhält. Was nicht allzu lange dauern dürfte, denn mit den Menschen im Großen Walsertal kommt man schnell ins Gespräch. Vor allem, wenn man eben gerade nicht separiert im eigenen Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.
Was ebenfalls recht schnell ins Auge sticht, wenn man an der einen oder anderen Haltestelle steht oder sich auf den Weg dorthin macht: Jede (!) Gemeinde hat eine eigene Dorfschule, ein Gemeindeamt, einen Lebensmittelladen und sogar eine Bibliothek! Es gibt 180 landwirtschaftliche Betriebe, fast die Hälfte in Biolandwirtschaft, und im biosphärenpark.haus, dem
Das winterliche Große Walsertal lädt nicht nur zum Schneeschuhgehen und Winterwandern ein. Es gibt zahlreiche Skitourenrouten und zwei kleinere Skigebiete. Das biosphärenpark.haus in Sonntag bietet neben vielen Informationen auch regionale Spezialitäten.
Panorama-Redakteurin Christine Frühholz freut sich darauf, den Natur- und Kulturraum Großes Walsertal weiter zu erkunden.
VORARLBERG
Besuchszentrum in Sonntag, stellt die gläserne „Winter-Sennerei“ von Mitte September bis Ende Mai regionalen Heumilchkäse her – mit dem passenden Namen „Walserstolz“. Das Tal ist außerdem bereits seit 2009 Klima- und Energiemodellregion mit dem erklärten Ziel, bis 2030 eine hundertprozentige Selbstversorgung mit regionaler erneuerbarer Energie beim Strom wie auch bei der Wärmeversorgung zu erreichen.
Leben und arbeiten im Einklang mit der Natur, das gilt auch für Julian Martin, den Berufsjäger im Jagdgebiet „Wald und Wild“ im Großen Walsertal, den ich tags darauf bei der Rotwildfütterung in seinem weitläufigen Revier in der Umgebung der Ortschaften Raggal und Marul begleiten darf. Der Jagdbetrieb umfasst neun Reviere mit einer Gesamtfläche von rund siebentausend Hektar und ist für das nachhaltige Wald- und Wildmanagement in Teilen des Biosphärenparks Großes Walsertal zuständig. In einer Kulturlandschaft müssen die Bedürfnisse von Wild, Wald und Mensch unter einen Hut gebracht werden. Die Zufütterung im Winter ist ein Bestandteil davon. Weshalb? Ohne menschlichen Einfluss würde das Rotwild im Winter die talnahen sonnigen Hänge nutzen. Doch die sind besiedelt und die Bereiche darüber als Schutzwälder ausgewiesen, wo ein Verbiss unerwünscht ist. Etwa neunzig Prozent der Waldfläche im Großen Walsertal haben wegen der steilen Berghänge eine wichtige Schutzfunktion gegen Elementargefahren wie Lawinen und Hangrutsche. 1954 ereignete sich im Tal ein verheerendes Lawinenunglück mit siebzig Toten, seitdem gibt es zahlreiche, weithin sichtbare Lawinenverbauungen und Schutzwaldaufforstungen. Und damit die Tiere dort fernbleiben, erhalten sie an mehreren Futterständen in der Kernzone Faludriga-Nova, die gleichzeitig Großwildschutzgebiet ist, Heu.
Zwischendurch lohnt sich auch der Weg nach etwas weiter oben: Wer von Sonntag mit der kleinen Gondelbahn nach Sonntag-Stein fährt, kann von dort auf einem abwechslungsreichen Winterwanderweg bis zur Alpe Unterpartnon wandern und dort gemütlich einkehren. Oder ab Fontanella, dem höchstgelegenen Dorf des Tales, einen Spaziergang zum winterlichen Seewaldsee unternehmen. Oder …
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DAV-Initiative mit weitreichender Wirkung
30 Jahre „Skibergsteigen umweltfreundlich“
Oft wird im bayerischen Alpenraum über Overtourism geklagt und Besucherlenkung gefordert. Im Bereich Wintersport koordiniert der Alpenverein dort bereits seit dreißig Jahren eine flächendeckende und wirkungsvolle Lenkung.
Text: Manfred Scheuermann und Simon Eisele
So fing alles an: Angesichts leidvoller Sperrungen in Klettergebieten der deutschen Mittelgebirge Anfang der 1990er Jahre wollte der DAV ähnliche Entwicklungen in den Wintertourengebieten der Bayerischen Alpen nicht auch erleben
und beschloss, vorausschauend selbst aktiv zu werden. Zwar war der heutige Boom bei Skitouren damals kaum vorstellbar, doch eine Zunahme der Beliebtheit zeichnete sich bereits ab. So rief der DAV 1994 auf der Naturschutztagung den Arbeitskreis „Skibergsteigen umweltfreundlich“ ins Leben, der bis heute unter diesem Namen als Kommission fortbesteht. 1995 schuf er eine Stelle zur Bearbeitung der Thematik in der Münchner Bundesgeschäftsstelle und etwa zeitgleich begann das Bayerische Umweltministerium mit der Untersuchung „Wildtiere und Skilauf im Gebirge“. Beide
84 DAV PANORAMA 6/2024
Initiativen verschmolzen bald zu einem gemeinsamen Projekt, das schrittweise von Ost nach West die gesamten Bayerischen Alpen mit angrenzenden Teilen Österreichs (rund 5000 km2), später auch Teilbereiche des Bayerischen Waldes und des Südschwarzwaldes erfasste.
180 Exkursionen zwischen Watzmann und Bodensee Schlüssel zum Erfolg war, dass von Beginn an pro Region neben den zuständigen DAV-Sektionen Vertreter*innen aller betroffenen Verbände, Behörden sowie Grundeigentümer einbezogen wurden und man jeden Tourenberg gemeinsam
Das Konzept für die Ostallgäuer Tourengebiete wurde 2023 grundlegend überarbeitet. Besonders beliebtes Tourenziel ist der Breitenberg bei Pfronten (im Bild), auch dort gibt es Neuerungen.
besuchte. Nach vorab erfolgter wildbiologischer Begutachtung galt es, vor Ort mögliche Konflikte zwischen Naturschutz und Wintertouren zu erkennen, einvernehmliche Lösungen zu finden und die Ergebnisse in der Folge umzusetzen. So fanden zwischen Watzmann und Bodensee etwa 180 Exkursionen statt, rund fünfhundert Ski- und 250 Schneeschuhrouten wurden auf Naturverträglichkeit geprüft
DAV-PRÄSIDENT ROLAND STIERLE GRATULIERT
„Skibergsteigen umweltfreundlich“ feiert Geburtstag! Manche haben sich vor
dreißig Jahren wohl die Augen gerieben, als der DAV gemeinsam mit dem
Bayerischen Umweltministerium dieses Projekt aus der Taufe gehoben hat.
„Wozu ist das nötig, wir kennen doch die Anstiege“, war eine weit verbreitete
Ansicht. Heute will man diese Lenkungsmaßnahme, ob auf Ski oder mit
Schneeschuhen im Gelände, nicht mehr missen. Beschilderungen führen
verlässlich an Schon- und Schutzgebieten für Wildtiere vorbei. Ehrenamtli-
che haben unzählige Stunden
für das Projekt aufgebracht, die
erfolgreiche Koordination – vor
allem die Harmonisierung der
unterschiedlichen Interessen
– lag dabei in allen Jahren bei
Manfred Scheuermann aus der
DAV-Bundesgeschäftsstelle.
Die Freude am Skitouren- und Schneeschuhgehen hat sich in den ver-
gangenen Jahren noch verstärkt. Heute wäre es unter diesem Besucher-
druck kaum mehr möglich, Lösungen für naturverträgliche Aktivitäten
zur Freude der Aktiven und zum Schutz der Wildtiere zu finden. Neben
der Wegepflege und Beschilderung für Sommertouren ist diese Lenkungs-
maßnahme für Wintertouren die bedeutendste in unseren Alpen.
Gratulation zu dieser Erfolgsgeschichte!
und in deren Umfeld über dreihundert Wald-Wild-Schongebiete auf Basis der Freiwilligkeit ausgewiesen. Transparent wurden die Ergebnisse ab 2007 durch die Möglichkeit, sie in neuen AV-Karten abzubilden. In Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) und auf Grundlage der Amtlichen Topografischen Karte im Maßstab 1:25.000 haben DAV und LDBV damit ein neues, auch für Sommertouren sehr hilfreiches, analoges und digitales Kartenwerk aus 23 Blättern geschaffen. Die Karten werden im Dreijahresrhythmus aktualisiert, sodass Anpassungen zeitnah erfolgen. 2014 startete der DAV die Kampagne „Natürlich auf Tour“, um die Aktiven verstärkt zu sensibilisieren: digital, durch ansprechende Printprodukte und mit inzwischen etwa 150 neuen Informationstafeln im Gelände, die auf die naturverträglichen Routen und Wald-Wild-Schongebiete hinweisen. Am jährlich bayernweit stattfindenden Aktionstag werden bis zu 2500 Aktive erreicht. Für Führerwerke und Touren-
ALPENVEREIN AKTUELL
portale, die bestimmte Kriterien erfüllen, verleiht der DAV ein Gütesiegel. Das Thema ist zudem fester Bestandteil bei der Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Trainer*innen in den Sektionen. Auch das immer beliebtere Pistentourengehen hat der DAV aufgegriffen. Zusammen mit dem Deutschen Skiverband, dem Verband Deutscher Seilbahnen, dem Bayerischen Innenministerium und dem Lawinenwarndienst Bayern galt es, allgemeine Regeln für Skitouren auf Pisten, einheitliche Beschilderung und auf einzelne Skigebiete zugeschnittene Konzepte zu erarbeiten. Die Initiative des DAV zur Regelung von Pistentouren strahlt bis heute alpenweit aus. Aufgabe war es darüber hinaus, naturschutzfachliche Rahmenbe-
Treffen der Kommission „Skibergsteigen umweltfreundlich“ in München. Gegründet wurde sie zu Beginn des Projekts 1994.
dingungen für Skitouren-Wettkämpfe in Deutschland zu schaffen. Seither gelten für Skitourenrennen des DAV strenge Umweltstandards. Definiert wurde auch, dass Veranstaltungen, wie etwa der beliebte „Jennerstier“ am Königssee, nicht im alpinen Tourengelände, sondern nur im Umfeld von Pistenskigebieten stattfinden dürfen.
30 Jahre „Skibergsteigen umweltfreundlich“ – das wurde erreicht:
X Wichtiger Beitrag zum Arten- und Biotopschutz: Großflächige markante Entlastung der Lebensräume störempfindlicher Tierarten, insbesondere der Auer- und Birkhühner.
X Vielfältige Tourenmöglichkeiten: Keine Routensperrungen, auf etwa ein Fünftel der zuvor genutzten Flächen muss freiwillig verzichtet werden. Dazu kommen ausgewiesene Pistentouren und Tourenabende zur Entlastung des Tourengeländes.
X
6/2024 DAV PANORAMA 85
X Lückenlose dauerhafte Gebietsbetreuung: Arbeitsgruppen auf Landkreisebene aus Vertreter*innen aller betroffenen Organisationen treffen sich, koordiniert vom DAV, regelmäßig zur Erfolgskontrolle. Sie passen die regionalen Konzepte fortwährend neuen Trends und Entwicklungen an.
Aktuelle Herausforderungen und Blick in die Zukunft Selbst nach dreißig Jahren ist das Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ nicht vollendet und für den Alpenverein gibt es weiterhin viel zu tun. Wie das Beispiel vom Massenansturm auf das Zugspitzgebiet im Sommer zeigte, ist der Besucherdruck in den Bayerischen Alpen seit der Corona-Pandemie weiter angewachsen und wirft Fragen nach dem Umgang mit neuen Nutzungsformen wie dem Winterwandern auf. Von behördlicher Seite werden oftmals strengere Betretungsregelungen gefordert, während der DAV das bewährte auf Freiwilligkeit basierende Konzept durch gute Aufklärung fortsetzen will. Bedingt durch den Klimawandel werden außerdem höher liegende Ausgangspunkte besonders stark frequentiert und in tieferen Lagen sowie in schneearmen Phasen sind die Berge auch in der kalten Jahreszeit teils fußläufig erreichbar. Auch die tageszeitliche Nutzung hat sich durch Dämmerungs- oder
86 DAV PANORAMA 6/2024
Informationstafeln der Kampagne „Natürlich auf Tour“ vermitteln die gültigen Regelungen. Auch Tourenportale und die aktualisierten AV-Karten informieren über die naturverträglichen Routen.
Nachttouren ausgedehnt, was sich in den Wald-Wild-Schongebieten speziell im Frühjahr besonders nachteilig auf die vom Aussterben bedrohten Raufußhühner auswirkt. Damit die Informationen zu den empfohlenen Ski- und Schneeschuhrouten sowie den Schutz- und Schongebieten alle Bergsportler*innen erreichen, ist ein ausgeklügeltes Kommunikationskonzept für die verschiedenen Kanäle zu erarbeiten. Zusammen mit dem ÖAV und dem AVS arbeitet der DAV derzeit an einem Skiroutendatensatz für die Ostalpen, der als Informationsgrundlage dienen soll. Großes Lenkungspotenzial bietet die an Bedeutung zunehmende digitale Tourenplanung. Hierzu arbeitet der DAV mit dem Dienstleister „Digitize the Planet“ zusammen und setzt sich dafür ein, dass die Informationen auf allen gängigen Tourenportalen, wie Alpenvereinaktiv und Skitourenguru, angezeigt werden.
Manfred Scheuer-
All das zeigt die Notwendigkeit, dass sich der mann war 30 Jahre im DAV weiter für den naturverträglichen Win- Ressort Naturschutz &
Kartografie für natur-
tersport engagiert, um die bestmöglichen
verträglichen Winter-
Kompromisslösungen zwischen den Inter- sport zuständig und
hat seinen Aufgaben-
essen von Bergsport und Naturschutz aus-
bereich an Simon
zuhandeln und zu kommunizieren.
Eisele übergeben.
NEUE DAV-MITTELGEBIRGSHÜTTE – Dort, wo einst die (opens in a new tab)
Inmitten des Nationalparks Eifel befindet sich eine der größten Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus (opens in a new tab): die ehemalige Ordensburg Vogelsang. Heute ist der Ort ein „Internationaler Platz“ für ein friedliches Miteinander und Vielfalt mit einem Kultur- und Bildungszentrum sowie dem Wanderzentrum des Nationalparks. Vogelsang ist für die Sektion Eifel zentral gelegen, das neue Vereinsheim auf Selbstversorgungsbasis bietet Platz für Veranstaltungen und hat 28 Schlafplätze. Willkommen sind alle, die gern wandern und die Natur im Nationalpark suchen oder sich einfach auch nur mit Vogelsang und seiner Geschichte auseinandersetzen möchten. Und hier schließt sich der Kreis zum Leitmotiv der Sektion (opens in a new tab). Ausgerechnet der DAV mit seiner antisemitischen Vergangenheit – vor hundert Jahren wurde die vorwiegend jüdische Sektion Donauland ausgeschlossen, siehe S. 88 f. – ist in Vogelsang Standortpartner. Und hat hier die Möglichkeit, auf dem ehemaligen Gelände der NS-Ordensburg einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten (opens in a new tab). Das Haus ist zum großen Teil aus dem Gefängnis, den Arrestzellen und Wohnräumen der Soldaten der belgischen (opens in a new tab)
Das Eifeler Haus Vogelsang: Rund 5000 (opens in a new tab) Arbeitsstunden
Armee entstanden (opens in a new tab), die das (opens in a new tab)
haben Sektionsmitglieder für den Umbau (opens in a new tab) geleistet.
Weitere Informationen und Buchungen (opens in a new tab): dav-eifel.de/huette/eifeler-haus-vogelsang (opens in a new tab)
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Alpine Infrastruktur unterstützen
DAV-SPENDENAKTION – Ende Oktober startete die Spendenaktion des DAV. 136 der insgesamt 355 Sektionen nahmen teil,
Silvretta: Durch den Felssturz am Fluchthorn mussten Wege verlegt werden.
insgesamt 300.000 Mitglieder wurden mit der Bitte um Unterstützung angeschrieben. Denn die rund 2,4 Millionen ehrenamtlich geleisteten Stunden pro Jahr, die Beiträge
der knapp 1,6 Millionen Alpenvereinsmitglieder, die Zuschüsse der öffentlichen Hand oder auch die finanzielle Unterstützung durch Partner und Sponsoren reichen nicht aus, um alle vielfältigen Vereinsaufgaben zu erledigen. Allein um die Hütteninfrastruktur in den Alpen und Mittelgebirgen sowie das dazugehörige Wegenetz zu erhalten, waren 2023 knapp 18,9 Millionen Euro notwendig, rund 16,6 Millionen Euro waren aus Eigenmitteln des Alpenvereins zu erbringen. Mit ihrer Spende für Bau- und Sanierungsmaßnahmen zur Instandhaltung der sektionseigenen Hütte oder für den großen Beihilfetopf des Bundesverbands helfen DAV-Mitglieder mit, durch Unwetter beschädigte Wege zu erneuern oder auszubessern, Dächer zu reparieren oder auch Photovoltaikanlagen zu installieren. Über die zentralen Beihilfen konnte der Bundesverband dieses Jahr unter anderem die Sektion Schwaben unterstützen, den Weg von der Jamtalhütte zum Fluchthorn in der Silvretta wiederherzustellen. Weitere Unterstützung gab es für das Wegenetz rund um das Rotwandhaus im Mangfallgebirge (Sektion TAK) und die Generalsanierung des Wegenetzes im Wettersteingebiet (Sektionen & Oberland).
red
6/2024 DAV PANORAMA 87
Ausgeschlossen – eine Erinnerung
Sektion Donauland
2024 jährt sich der antisemitische Ausschluss der vorwiegend jüdischen Sektion Donauland aus dem Alpenverein zum hundertsten Mal. Ein Appell gegen das Vergessen.
Text: Max Wagner
„[…] schließlich sanken die Nebel zur Tiefe und wir hatten freien Ausblick. Auf den Bergen ringsum lagen überall noch Wolken; aber das Wandern auf freier Bergeshöhe war jetzt herrlich. Tief sogen unsere Lungen die köstlich frische Bergluft ein und die Sonne trocknete bald unsere durchnäßten Kleider.“ Knapp über hundert Jahre sind diese Eindrücke alt. Olga Weil hat sie 1923 in den Nachrichten der Sektion Donauland veröffentlicht. Über die Autorin wissen wir wenig. Ein
Gruppe vor der Glorer Hütte, 1929. Aus dem Tourenbuch von Rudolf Reif.
Zensusdokument von 1940 belegt, dass sie in die USA ausgewandert ist. Dies hat ihr vermutlich das Leben gerettet. Ihre Schwester Hilda Weil dagegen, eine frühe Tourenführerin der Sektion Donauland (und eine der ersten Tourenführerinnen überhaupt), wurde 1944 im Konzentrationslager Stutthof ermordet. Donauland war eine vergleichsweise junge Sektion. Sie wurde erst 1921 gegründet und war Zufluchtsstätte für vorwiegend jüdische und als jüdisch erachtete Bergsteiger*innen, die aus anderen Sektionen aufgrund von sogenannten „Arierparagraphen“ ausgeschlossen wurden. In ihr sam-
88 DAV PANORAMA 6/2024
melten sich auch diejenigen, die wegen ihrer liberalen Einstellung aus ebenjenen Sektionen ausgetreten waren. Schon die Aufnahme der Sektion Donauland, eigentlich eine Formalität, fiel mit vierzehn zu zwölf Stimmen im Hauptausschuss des DuOeAV denkbar knapp aus. Die Ausgestoßenen und Ausgegrenzten waren nicht wenige, genauso wenig wie die, die sich – wie es im Mitteilungsblatt der Sektion Donauland hieß – „abgestoßen fühlen von der Welle des Hasses“. So wuchs die Sektion rasch auf dreitausend Mitglieder an und war damit die siebtgrößte im DuOeAV. Sie besaß ein Vereinsheim mit Versammlungsraum und Fachbibliothek, hatte eine Ski- und Bergsteigervereinigung und auch als eine der ersten Sektionen eine
eigene, sehr aktive Jugendgruppe. Sie pachtete eigene Hütten und erwarb die Glorer Hütte im Glocknergebiet. Die Hütten standen allen Bergsteiger*innen offen, ganz im Gegensatz zu vielen Alpenvereinshütten. Denn viele Sektionen hatten nach 1920 nicht nur Arierparagraphen eingeführt, sondern setzten alles daran, als jüdisch erachtete Personen von ihren Hütten auszuschließen.
Der Ausschluss und die Folgen Die Alpenvereinsmitgliedschaft Donaulands wurde zum Hauptstreitpunkt der Hauptversammlungen bis 1924, auf einigen Hütten hingen Schilder, die „Juden und Mitglieder[n] der Sektion Donauland“ den Zutritt verweigerten. Im Übrigen ein offener Satzungsbruch, der keine Konsequenzen nach sich zog. 1924 berief der Alpenverein eine außerordentliche Hauptversammlung ein mit dem alleinigen Tagungspunkt, Donauland auszuschließen.
Versuche seitens anderer Sektionen und der Verwaltung, Donauland zum „freiwilligen“ Austritt zu überreden, lehnte Donauland verständlicherweise ab. Knapp neunzig Prozent stimmten am 14.12.1924 in Rosenheim für den Ausschluss, der Alpenverein positionierte sich damit als erster großer Sport- und Tourismusverein völkisch und antisemitisch. Donauland existierte danach als eigenständiger Alpenverein Donauland weiter. Seinem Motto „Freie Bergsteiger in freien Bergen“ versuchte er so gut es ging gerecht zu werden. Während er von Ermäßigungen auf Alpenvereinshütten ausgeschlossen worden war, vereinbarte er Gegenrechts-
Antisemitisches Plakat der Sektion Austria.
abkommen mit den Naturfreunden und auch dem Club Alpino Italiano (CAI). Außerdem wurde er Mitglied der Union Internationale des Associations d’Alpinisme (UIAA), dem der DuOeAV fernblieb, weil es ein internationaler Verband war. Mitglieder ohne größere finanzielle Mittel unterstützte Donauland mit Ausgleichszahlungen für die entfallene Be-
günstigung auf den Alpenvereinshütten. 1938 löste der NS-
100 Jahre Ausschluss Sektion Donauland (opens in a new tab):
Staat Donauland auf und über-
Am 13. Dezember fin- (opens in a new tab)
gab deren Hütten dem DuOeAV
det dazu im Alpinen (opens in a new tab)
und der Wehrmacht. Ein Teil der
Museum eine Veranstaltung statt. Infos unter (opens in a new tab)
Mitglieder floh, nicht wenige
alpenverein.de/museum (opens in a new tab)
wurden ermordet. Im DuOeAV ging es auch nach dem Aus-
schluss Donaulands weiter wie vorher. Sektionen führten Arierparagraphen noch vor 1933 offiziell ein oder praktizierten ihn über geheime Mitgliederaufnahmeausschüsse. Die völkisch-nationalistische Ausrichtung wurde fortgeführt und 1927 wurden satzungsgemäß sämtliche Vereinsziele auf „die Liebe zur deutschen Heimat“ ausgerichtet.
Geschichte nach 1945
Mit dem Ende des NS-Staates 1945 wurde der Alpenverein Donauland wiedergegründet, kam jedoch nie mehr über hundert Mitglieder hinaus. Der geringen Zahl Überlebender und Zurückgekehrter gelang es nicht, an das vormalige Vereinsleben anzuknüpfen und die drei wiedererhaltenen Hütten zu verwalten. 1976 löste sich Donauland auf. Der Alpenverein wurde aufgrund seiner Rolle im NS-Staat 1945 verboten und 1950 wiedergegründet. Von der eigenen Schuld wollten die meisten nichts wissen und sahen sich
- wie ein Großteil der damaligen deutschen Gesellschaft
- selbst als Opfer von „Hitler und dessen Clique“. Es hat lange gedauert, bis sich der Deutsche Alpenverein mit sei-
ALPENVEREIN AKTUELL
Vertreter*innen der Sektion Eichstätt-Neuburg, der JDAV und des Bundesverbands bringen Replika alter Wegeschilder rund um die Glorer Hütte an.
ner Vergangenheit auseinandergesetzt hat. Nach zaghaften Anfängen in den 1980er Jahren begann er erst in den letzten knapp dreißig Jahren, sich seiner Verantwortung bewusst zu werden. In Erinnerung an die Sektion Donauland haben diesen Sommer Vertreter*innen der Sektionen Eichstätt-Neuburg und Berlin gemeinsam mit Vertreter*innen der JDAV und des Bundesverbands Replika ihrer alten Wegeschilder rund um die Glorer Hütte und das Friesenberghaus (beide ehemals im Besitz der Sektion Donauland) aufgestellt. Sie waren das ganze Jahr im Gelände zu sehen, versehen mit der Mahnung und dem Aufruf: Gegen Intoleranz, Hass, Antisemitismus und Rassismus. Für Akzeptanz, Offenheit und Vielfalt. Heute, morgen, hier und überall.
Max Wagner ist Historiker und als Mitarbeiter im Alpinen
Mehr Infos gibt es in der Broschüre
Museum in München
„Ausgeschlossen. Jüdische Berg-
für das Ausstellungs-
steiger*innen und der (opens in a new tab) Alpenverein“:
programm verant-
alpenverein.de/bergkultur (opens in a new tab)
wortlich.
6/2024 DAV PANORAMA 89
VORSCHAU & IMPRESSUM
Im nächsten DAV Panorama ab 11. Februar:
Bildung im Alpenverein Nicht nur die Ausbildung zum selbstständigen Bergsteigen, auch Persönlichkeitsentwicklung und Motivation fürs Ehrenamt gehören zum DAV-Bildungskonzept.
Magazin des Deutschen Alpenvereins
76. Jahrgang, Nr. 6, Dezember 2024/Januar 2025 ISSN 1437-5923
Inhaber und Verleger Deutscher Alpenverein e.V. Anni-Albers-Str. 7, 80807 München Tel.: 089/140 03-0 Fax: 089/140 03-98 dav-panorama@alpenverein.de alpenverein.de/panorama (opens in a new tab)
Redaktion
Georg Hohenester (verantwortlich, Adresse siehe oben)
– gh (Mach’s einfach, Knotenpunkt, Reportage) Christine Frühholz – cf (Reportage, Alpenverein aktuell, Fitness & Gesundheit, Posteingang) Philipp Radtke – pr (Reportage, Berg & Tal, Klassiker, Wie funktioniert das, So geht das, Sicherheitsforschung, Knotenpunkt) Franz Güntner – fg (Auf einen Blick) Julia Behl – jb (Reportage, Menschen, Panorama-Magazin auf alpenverein.de) Hauke Bendt – hb (Panorama-Magazin auf alpenverein.de) Jonas Kassner – jk (Reportage, Panorama-Magazin auf alpenverein.de) Johanna Godt – jo (Berg & Tal, Reportage, Panorama-Magazin auf alpenverein.de)
90 DAV PANORAMA 6/2024
Bayerische Bergsteigerdörfer
Weitere Themen:
Schöne Ziele für den Berg-
Skitouren: Durch die Julischen Alpen
urlaub in Oberbayern zwischen
Notfallausrüstung: Schaufel und Sonde
Tegernsee und Königssee.
Porträt: Top-Bergsteigerin und Bergführerin Lise Billon
Schneeschuhtouren: Dolomiten Ab 15. Januar online – alpenverein.de/251-1 (opens in a new tab)
Umgezogen (opens in a new tab)? Mitgliedschaft kündigen (opens in a new tab)? Panorama digital statt print (opens in a new tab)?
Die Redaktion des DAV redigiert und produ-
An dieser Ausgabe wirkten mit:
ziert DAV Panorama. Inhalt, Layout und The-
Alexandra Bachmann (B.Sc.),
menauswahl von „Knotenpunkt.“ obliegen Bitte wenden Sie sich direkt an (opens in a new tab) Michaela Brugger, Andi Dick (ad), dem JDAV-Redaktionsteam in Zusammenar-
Ihre Sektion oder nutzen Sie (opens in a new tab)
Norbert Eisele-Hein (neh), Lukas
mein.alpenverein.de (opens in a new tab)
beit mit der Redaktion des DAV (s. Impressum
Fritz, Markus von Glasenapp, Lena
„Knotenpunkt.“).
Güldner, Florian Hellberg, Stefan
Die Beiträge geben die Meinung der Verfasser*innen, nicht des Herbke, Christoph Hummel, Prof. Dr. Claudia Miersch, Deutschen Alpenvereins wieder. Die Zeitschrift und alle in ihr
Martin Prechtl, Malte Roeper, Martin Schwiersch,
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind geschützt. Verwertung Dr. habil. Bernhard Streicher, Max Theißen (mth) ohne Einwilligung des Verlags ist strafbar. Die Redaktion behält sich die Kürzung und Bearbeitung von Beiträgen und Zuschriften Verantwortlich für Anzeigen vor. Für unverlangt eingesandte Unterlagen jeglicher Art wird keine Ad Alliance GmbH Haftung übernommen.
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Für in Panorama/auf alpenvereinaktiv.com im Rahmen von Touren- Verantwortlich für Anzeigen (v.i.S.d.P.): vorschlägen gemachte Angaben kann trotz sorgfältiger Bearbeitung Daniela Porrmann, Head of Brand Print + Cross Media keine Haftung übernommen werden. Eine Haftung wird insbeson- Tel.: 040/28 66 86 40 59 dere für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Angaben Anzeigentarif Nr. 59 (ab 1.1.2025) (z.B. Dauer, Verlauf, Schwierigkeitseinstufung, örtliche Gegeben-
Es gilt die jeweils gültige Anzeigenpreisliste unter
heiten, Zugänglichkeit von Wegen) ausgeschlossen.
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Bergtouren und andere Outdooraktivitäten sind mit Gefahren verbunden, die Sie eigenverantwortlich einschätzen müssen, bevor
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Sie einem Tourenvorschlag folgen. Informieren Sie sich vor allem
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über Wetter, örtliche Gegebenheiten, die aktuelle Situation vor Ort,
Verbreitete Auflage, IVW Quartal 3/2024: 931.895,
aktuelle und rechtliche Zugänglichkeit usw. und berücksichtigen
davon ePapers: 285.054
Sie bei allen Angaben u.a. die eigene Verfassung und Fähigkeiten,
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Erfahrung, Kenntnisse und Ausrüstung. Bitte berücksichtigen Sie
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mögliche Fehler von etwaigen GPS-Trackings.
Erscheinungsweise: sechsmal jährlich
Gestaltung und Produktion von DAV Panorama
(ab 2025 viermal jährlich)
Sensit Communication GmbH, 81543 München, sensit.de (opens in a new tab). Gestaltung und Layout des JDAV-Magazins „Knotenpunkt.“ sind eine Der Bezugspreis ist für A-Mitglieder, Kinder/Jugendliche Eigenentwicklung der JDAV; es wird getrennt von DAV Panorama mit Einzelmitgliedschaft, Junioren und bestimmte produziert (s. Impressum „Knotenpunkt.“).
B-Mitglieder durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten.
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Eine Partnerschaft mit Weitblick (opens in a new tab).
Seeberger und der DAV (opens in a new tab).
Seit 2008 ist Seeberger Touren-Partner des DAV und wir konnten seitdem bereits eine ganze Reihe von Projekten umsetzen (opens in a new tab). Gemeinsam engagieren wir uns für den Schutz der Alpen und die Förderung nachhaltiger Bergsportaktivitäten. Mit unserer Partnerschaft setzen wir auf Weitblick – für kommende Generationen, die auch in Zukunft die Natur in ihrer vollen Pracht erleben sollen (opens in a new tab).
