RisikoamBerg
Image: Person mit Rucksack und Tourenski steht an einem schneebedeckten Berghang vor einer Kulisse aus verschneiten Gipfeln unter klarem Himmel, links davon die Abrisskante einer Schneebrettlawine
Image: DAV Panorama, das Magazin des Deutschen Alpenvereins, 77. Jahrgang, Ausgabe 4/2025
Das Magazin des Deutschen Alpenvereins /// 78. Jahrgang /// 1/2026
Wissen – Können – Eigenverantwortung
MATSCHER TAL (Ski-)Touren im Vinschgau
STEINERNES MEER Auf Tour mit der Sektion
TECHNIK & TAKTIK Sicher Winterwandern
DAV-EXPEDKADER Auf Abschlussexpedition
EDITORIAL
Sorgenfrei am Berg
Mit ein paar Freunden (alles Skispinner) habe ich neulich beim abendlichen Getränk ein Gedankenexperiment diskutiert: „Stellt euch vor, es gäbe keine Lawinen. Schnee könnte keine Bretter bilden, abgleiten und jemanden verschütten. Glaubt ihr, Skifahren und Skitourengehen hätten für uns dieselbe Faszination, wie das jetzt der Fall ist?“ Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich: Von „weiß ich nicht, kann ich mir nicht vorstellen“ bis „vermutlich nicht“ und „wär natürlich schon ganz geil …“ war alles dabei. Ich habe für mich eine Antwort darauf: Nein, die Faszination wäre nicht dieselbe. Das Eintauchen in die Materie Schnee, das Beschäftigen mit Schneedecke, Wetterbericht und Lawinenlagebericht, das konstante Beurteilen von Hängen und Können sind für mich essenzieller Bestandteil des Skifahrens im Gelände. Sonst kann ich ja auch Badminton spielen. Macht vermutlich auch Spaß. Und ist eher ungefährlich. Aber hat für mich nicht ansatzweise dieselbe Faszination.
Der Themenschwerpunkt dieser Ausgabe ist „Risiko“ (ab S. 26). Gefahr, Risiko, Eigenverantwortung, das gehört zum Bergsport unvermeidlich dazu. Auch sonst haben wir wie immer Themen im Heft, die hoffentlich helfen, sicherer im Gebirge unterwegs zu sein: In der Rubrik „Technik & Taktik“ (S. 56) geht es ums Winterwandern, die Sicherheitsforschung hat sich der Problematik „Unterkühlung am Berg“ angenommen (S. 38) und auch die JDAV beschäftigt sich im Knotenpunkt mit dem Thema „Risiko und Verantwortung“ (S. 47).
Zurück zum Gedankenspiel „Berge ohne Lawinen“: Wie Hanns Guck-in-die-Luft völlig sorgenfrei zum Powdern gehen … das hätte schon was! Vielleicht rede ich mir auch nur ein, dass das Risiko(-management) für mich einen Teil der Faszination ausmacht. Denn mir ist durchaus klar, dass die Physik nicht zu hintergehen ist und Lawinen nun mal Realität sind im winterlichen Gebirge. Von daher: Deal with it!
Noch einen sicheren Winter, mit viel Faszination und dem exakt richtigen Maß an Risiko.
Foto: Baschi Bender
Image: Eine Person wandert mit Rucksack und Trekkingstöcken über einen flachen, ausgeaperten Gletscher. Im Hintergrund ragen schroffe Gipfel unter einem teils bewölkten Himmel empor. Rechts steht eine hölzerne Berghütte auf einem felsigen Vorsprung.
Philipp Radtke
Redaktion DAV Panorama
1/2026 DAV PANORAMA 3
Inhalt
Editorial 3
Augenblicke 6
Klassiker Über Herzogstand und Heimgarten 8
Berg & Tal 18
Thema Risiko im Bergsport 26
Auf einen Blick Typische Bergunfälle vermeiden 34
Patagonien Abschlussexpedition des DAV-Expeditionskaders 36
Sicherheitsforschung Unterkühlung und Erfrierung am Berg 38
Fitness & Gesundheit Mikronährstoffe beim Bergsport 44
Knotenpunkt Risiko und Verantwortung 47
Posteingang 53
Materialkunde Leichtbergstiefel 54
Technik & Taktik Winterwandern 56
Promotion Reisenews 67 Produktnews 70 Outdoorworld 72
Alpenverein aktuell 82
Vorschau und Impressum 90
10 Bergurlaub: Matsch – Das Bergsteigerdorf im naturbelassenen Matscher Tal bietet spannende Tourenmöglichkeiten ohne großen Ansturm.
Image: Eine Frau steht lächelnd mit verschränkten Armen vor einem Gebäude mit Holzschindeln. Sie trägt ein schwarzes Tanktop und hat eine Sonnenbrille auf dem Kopf.
Image: Gruppe von Wandernden auf einem alpinen Pfad mit Blick auf schneebedeckte Berge und einen türkisfarbenen Bergsee.
Titelbild: Lukas Ruetz. Lawinenabgang am Pirchkogel nördlich von Kühtai
4 DAV PANORAMA 1/2026
Image: Alt-Text: Eine Person läuft auf einem schmalen, felsigen Grat in einer verschneiten Hochgebirgslandschaft auf einen hohen, teils schneebedeckten Gipfel unter klarem blauem Himmel zu. Die Person trägt einen Rucksack und hat Ski auf der Schulter. Links und rechts des Grats fallen steile Schneehänge ab.
alpenverein.de
Garantiert einsam – Traumhafte Skitouren im ursprünglichen Valle Maira im Piemont (opens in a new tab). alpenverein.de/261 (opens in a new tab)
Winterräume – Während viele Hütten im Winter geschlossen haben (opens in a new tab), machen sie mehrtägige Bergtouren möglich (opens in a new tab). alpenverein.de/winterraeume (opens in a new tab)
Fotos: Simon Schöpf, Michael Faber, DAV/Moritz Sonntag
Skitourenguru – DAV-Lawinenexperte Markus Fleischmann über das digitale Tool für die winterliche Tourenplanung (opens in a new tab). alpenverein.de/skitourenguru (opens in a new tab)
Image: Drei Personen steigen mit Tourenski und Rucksäcken eine verschneite Bergflanke hinauf, umgeben von sonnigen, schneebedeckten Gipfeln.
1/2026 DAV PANORAMA 5
Image: Schneebedeckte Berghänge mit eng gestaffelten Lawinenverbauungen aus Holz, die sich in parallelen Linien den Hang hinaufziehen. Zwischen den Verbauungen stehen kleine, mit Schnee bedeckte Nadelbäume. Die gesamte Landschaft ist weiß und wirkt winterlich, mit leichtem Nebel im oberen Bereich des Bildes.
AUGENBLICKE
Foto: Jürgen Winkler
1/2026 DAV PANORAMA 7
Zentrale Infos
Gipfel: Herzogstand (1732 m), Heimgarten (1791 m)
Zustieg: 770 Hm, 2 ½ Std.
Kammüberschreitung bis Osterfeuerkopf: 5 Std.
Abstieg zum Bahnhof Eschenlohe: 720 Hm, 1 ½ Std.
Geamtzeit: 1 bzw. 2 Tage, 9 Std.
Schwierigkeit: bis T3 (anspruchsvoll)
Klassiker: Über Herzogstand und Heimgarten
Laufsteg der Extraklasse
Nicht zuletzt wegen der sensationellen Tiefblicke Richtung Kochelsee und Walchensee ist die Kammüberschreitung vom Herzogstand zum Heimgarten einer der ganz großen Klassiker in den Bayerischen Alpen. Wenn man die Tour etwas verlängert, dann ist sie zudem die Blaupause einer perfekten Gebirgsdurchquerung mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Auf dem Weg von der gut erreichbaren Bushaltestelle am Walchensee bis zum Bahnhof in Eschenlohe lassen sich nicht weniger als fünf Gipfel mitnehmen.
Die Plattentektonik hat zwischen Walchensee und Loisachtal einen wie mit dem Lineal gezogenen Gebirgszug in die Münchner Hausberge gezau bert, dessen Überschreitung in der ganzen Länge sich lohnt. Das gilt umso mehr, wenn man vom Gipfelkreuz des Buchrain nicht direkt zum Bahn hof Ohlstadt absteigt, sondern die Tour über den Ölrain zum Osterfeuerkopf hin verlängert. Auf die sem waldreichen, dafür sogar an Wochenenden oft einsamen Abschnitt biegt die Kammlinie als kleine Kurve ein wenig nach Süden ab. In der Sum me ergeben sich zwischen der Bushaltestelle am Walchensee und dem Bahnhof Eschenlohe mehr als zwanzig spannende Bergkilometer. Wem das als Tagestour zu viel ist, der kann die Tour mit einer Übernachtung auf dem Herzogstandhaus auf zwei Tage aufteilen.
Die beste Aussicht der ganzen Durchquerung bie tet definitiv der Gratabschnitt zwischen Herzog stand und Heimgarten: Im Norden der dunkle Kochelsee und das grüne Alpenvorland. Im Süden der türkisfarbene Walchensee und die bis in den Frühsommer weißen Karwendel Nordwände. Bei klarer Sicht lässt sich ganz hinten am Stubaier Alpenhauptkamm sogar der markante Lüsener Fernerkogel ausmachen, dessen Gletscherflächen in der Sommersonne glänzen. Aufgrund der sen sationellen Lage und der schnellen Erreichbarkeit vor allem von München aus gibt es echte Bergein samkeit weder am Herzogstand noch am Heim garten. Michael Pröttel
Image: Luftaufnahme einer Bergkette mit markiertem Wanderweg in Rot, umgeben von bewaldeten Hängen, Wolkenmeer im Hintergrund und einem See rechts im Bild.
Foto: Jörg Bodenbender
Datencheck
Startpunkt: Bushaltestelle Talstation Herzogstandbahn, 804 m
Endpunkt: Bahnhof Eschenlohe, 639 m
Anreise: Mit dem Zug nach Kochel und mit Bus 9608 bis Haltestelle Herzogstandbahn. Zurück stündlich vom Bahnhof Eschenlohe.
Hütten: Herzogstandhaus, 1575 m, berggasthausherzogstand.de (opens in a new tab); Heimgartenhütte, 1775 m (keine Übernachtung)
Führer: Feiner u.a., „Natürlich mit Öffis!“, Bergverlag Rother. 2. Auflage 2025
Karte: Alpenvereinskarte BY 9 „Estergebirge, Herzogstand, Wank“, 1:25.000
Beste Zeit: Mai bis Oktober
Besondere Ausrüstung: Bergwanderausrüstung
Frequentierung: Hoch
Film zur Tour:
8 DAV PANORAMA 1/2026
HerzogstandHerzogstand
1732 m1732 m
KLASSIKER
HeimgartenHeimgarten
1791 m1791 m
Herzogstand-Heimgarten-Überschreitung – Stück für Stück
1 Walchensee – Herzogstandhaus 2 ½ Std., 770 Hm ↗, 4 km, T2
Am großen Parkplatz der Talstation geht es an dessen nordöstlicher Ecke in den Wald (fast direkt neben der Straße) und bestens beschildert in etwa gleich bleibender Steigung bergan. Im Mittel teil wird der Weg etwas flacher und führt in Rich tung Nordwesten, wobei er eine manchmal was serführende Rinne quert. Dann geht es im lichten Wald wieder etwas steiler bergan zum Herzog standhaus.
Taktiktipp: Wer die Tour auf zwei Tage aufteilen möchte, kann im Herzogstandhaus übernachten. Dann bietet es sich an, vor dem Abendessen noch den Martinskopf zu besteigen.
2 Herzogstandhaus – Herzogstand – Heimgarten 2 Std., 360 Hm ↗, 150 Hm↘, 4 km, T3
Zunächst führt der breite Weg zum GipfelPavillon (1732 m) hinauf. Westlich unterhalb des königli chen Bauwerks beginnt die wunderschöne Kamm überschreitung zum Heimgarten. Ab jetzt ist gute Trittsicherheit und auch etwas Schwindelfreiheit erforderlich. Es geht zunächst ein Stück bergab, wobei erste Stahlseile erodierte Wegpassagen er leichtern. Im weiteren Verlauf wandert man mit tollen Tiefblicken sowohl zum Kochelsee als auch zum Walchensee im leichten Auf und Ab (teils Stahlseile) nach Westen weiter. Zum Schluss führt ein knapp 200 Höhenmeter langer Gegenanstieg zum Gipfelkreuz des Heimgartens hinauf.
Taktiktipp: Diese sehr beliebte Etappe sollte man möglichst an einem Wochentag unternehmen. Zudem müssen für die Überschreitung stabile Wetterverhältnisse herrschen.
3 Heimgarten – Rauheck – Osterfeuerkopf 3 Std., 280 Hm ↗, 700 Hm ↘, 7 km, T2
Nach der optionalen Einkehr auf der Heimgarten hütte führt zunächst ein breiter Weg nach Westen bergab. An einer Gabelung geht es geradeaus dem Wegweiser folgend auf schmalerem Weg zum Gipfelkreuz des Rauhecks (1590 m). Hier immer dem Kamm entlang nach Westen leicht bergab bis zum Holzkreuz am Buchrain (1456 m), der keinen eigentlichen Gipfel, sondern eine letzte Schulter des langgezogenen Kammes darstellt. Nun folgt man dem Steig nach links hinab in das Tälchen zwischen Buchrain und Ölrain. Man stößt auf eine Fahrstraße, folgt ihr kurz nach links und verlässt sie sogleich wieder, um eine große Wiese nach Süden zu überqueren. Auf der gegenüberliegen den Hangseite ist der Steig zum Ölrain (1542 m) schon zu erkennen, der zuletzt wieder nach Wes ten zum unspektakulären Waldgipfel führt. Von dort geht es (zunächst wieder weglos) immer dem Bergkamm nach Westen folgend weiter. Bald wird wieder ein schmaler Pfad sichtbar, der dem an schließenden Waldrücken erst nach Westen, dann nach Südwesten zum Osterfeuerkopf (1357 m) folgt.
Taktiktipp: Eine Pause am Gipfelkreuz des Rauhecks lohnt sich, da man von dort aus noch einmal einen umfassenden Panoramablick genießen kann.
4 Osterfeuerkopf – Bhf. Eschenlohe
1 ½ Std., 720 Hm ↘, 5 km, T2
Das Gipfelkreuz des Osterfeuerkopfs steht zwar fast im Bergwald, bietet aber dennoch eine sehr schöne Aussicht auf das Loisachtal. Nach einer letzten Pause führt ein immer deutlicherer Pfad nach Süden im lichten Wald über angenehme Ser pentinen zum Wanderparkplatz hinab. Von dort folgt man der Teerstraße nach Eschenlohe und hält sich gleich nach der Loisachbrücke rechts. Dann folgt man nach links einem Fußweg, der eine gro ße Wiese überquert. Über die Murnauer Straße geht es zum Bahnhof.
Taktiktipp: Mit entsprechender Erfahrung und bei trockenen Verhältnissen kann man alternativ über das Heldenkreuz nach Eschenlohe absteigen. Dabei sind ausgesetzte sowie erodierte Passagen (T4) zu meistern und man muss an manchen Stellen auch Hand anlegen.
Der Mensch zum Berg
König Ludwig II. (1845-1886) Die Serpentinen auf den Herzogstand ließ König Maximilian anlegen, sein Sohn Ludwig II. ließ 1865 das so genannte Königshaus erbauen. Damit er das Panorama noch besser genießen konnte, wurden nach und nach kleine Pavillons auf Herzogstand, Fahrenberg und Martinskopf errichtet. Blitzschlag und ein technischer Defekt führten dazu, dass das Königshaus und zwei der drei Pavillons niederbrannten, der dritte wurde abgetragen. Der Pavillon auf dem Herzogstand wurde wieder aufgebaut.
Foto: Wikimedia Commons
Image: Karte mit eingezeichneter Route der Kampenwand-Überschreitung.
1/2026 DAV PANORAMA 9
Image: Skifahrer mit Rucksack steigt bei Sonnenschein durch verschneite Berglandschaft unter klarem, blauem Himmel.
Anreise: Mit der Bahn nach Mals und mit dem Citybus nach Matsch. Im Sommer geht es mit dem Wandertaxi weiter bis zum Parkplatz am Talschluss.
Region: Das Bergsteigerdorf Matsch liegt im Westen Südtirols. Das gleichnamige Tal zieht von Schluderns im Vinschgau Richtung Nordost in die Ötztaler Alpen.
Übernachtung: 9 Partnerbetriebe (Hotels, Höfe und Privatvermieter) mit Ermäßigung für AV-Mitglieder
Skitouren in Matsch
Einsame Spitzen
Text und Fotos: Stefan Herbke
Das Tal naturbelassen, die Landwirtschaft nachhaltig und überwiegend Bio, dazu unzählige Dreitausender mit spannenden Tourenmöglichkeiten. Das Bergsteigerdorf Matsch bietet viel – und trotzdem bleibt der große Ansturm aus.
MATSCHER TAL
Eisige Weiten: traumhaftes Skigelände beim Anstieg zum Nördlichen Saldurferner, nur einige Blankeisstellen erfordern Aufmerksamkeit.
WW eiß ist die dominierende Farbe, doch dabei handelt es sich nicht um Schnee, sondern um einen Teppich aus weißen und lila Krokussen, die die braunen Wiesen in ein Blütenmeer verwandeln. Normalerweise herrscht Anfang April im hochgelegenen Talschluss von Matsch Hochsaison und es liegt mehr als genug Schnee, um vom Parkplatz aus mit Ski zu starten. Doch der April 2025 ähnelt eher einem Frühsommermonat. Weit und breit kein Schnee, so wie schon den ganzen Winter nicht. „Vor zwei Jahren war es noch schlechter“, erinnert sich Manfred Heinisch vom Almhotel Glieshof, das gleichzeitig beliebter Stützpunkt zum Skitourengehen ist. „Da konnte man bei uns den ganzen Winter keine Skitour machen.“
Die neue Realität ist ernüchternd, auch wenn es zwischendurch immer wieder Winter gibt, die man so nennen darf. Doch die machen um das Matscher Tal immer häufiger einen großen Bogen. Klar, das Seitental des Vinschgaus ist ein Trockental, abgeschirmt vom Alpenhauptkamm im Norden und den hohen Dreitausendern der Ortlergruppe im Süden. Sichtbares Zeichen für den Wassermangel sind die heute noch funktionierenden Waale zur Bewässerung der Wiesen im Talboden. Andererseits gab es früher einfach zuverlässig Schnee und das Matscher Tal genoss einen ausgezeichneten Ruf zum Skitourengehen.
„Du hast irre Möglichkeiten hier“, schwärmt Ludwig Gorfer. „Früher waren die Skitourengruppen mit Bergführer im März und April oft eine Woche im Glieshof.“ Der Bergführer aus Naturns im Vinschgau kennt und schätzt die Skitourenauswahl im Matscher Tal mit zahlreichen Dreitausendern, auch wenn es hier nichts unter tausend Höhenmeter gibt. „Für den Hochwinter geeignet sind nur wenige Ziele, doch im Frühjahr findest du mehr als genug lohnende Touren“, erzählt er. „Aber die meisten sind anspruchsvoll, abenteuerlich und eher einsam.“
Selbst die Weißkugel als höchster Gipfel wird von Matsch aus eher selten begangen,
MATSCHER TAL
BERGKULTUR
Landwirtschaft, Handwerk, Tradition
Matsch ist eine Fraktion der Gemeinde Mals, die vor einigen Jahren die erste pestizidfreie Gemeinde Europas werden wollte. Die Initiative ist zwar gescheitert, dennoch wird Wert auf eine nachhaltige, biologische Landwirtschaft gelegt. Ein Vorzeigebetrieb ist die Gondaalm mit ihren 85 Milchkühen, die seit dem Sommer 2019 als Bio-Betrieb bewirtschaftet wird. Die Alm befindet sich oberhalb von Matsch auf rund 2000 Meter Höhe. Die Milch fließt durch eine Leitung direkt in die Sennerei im Dorf und wird dort zu Käse und Butter verarbeitet.
Im Jahr 2018 gründete Stefan Weisenhorn auf seinem Hof im Talschluss des Matscher Tals – quasi als zweites Standbein neben seinem Betrieb mit sechzig Stück Jungvieh – die erste bäuerliche Fischzucht Südtirols. In einem Teich auf 1800 Meter Höhe züchtet er Saiblinge. Neben dem Hofverkauf von Frisch- und Räucherfisch beliefert er auch Gastbetriebe und Hotels sowie Lebensmittelgeschäfte.
Am ersten Sonntag in der Fastenzeit findet im Vinschgau zur Austreibung des Winters das traditionelle Scheibenschlagen statt. Dabei werden Holzscheiben in einem offenen Feuer zum Glühen gebracht und begleitet von Reimgesängen und Glückwünschen ins Tal geschleudert.
Am Herz-Jesu-Sonntag (zweiter Sonntag nach Fronleichnam) werden mit Einbruch der Dämmerung auf Bergen und Anhöhen Bergfeuer entzündet. Die Tradition aus dem 18. Jahrhundert erinnert an ein Gelöbnis, als Tirol von den Franzosen bedroht wurde. Der eigentliche Brauch ist älter und geht auf frühere Sonnwend- bzw. Johannisfeuer zurück. Viele Feuer haben die Form eines Herzens oder eines Kreuzes.
Früher gab es zuverlässig Schnee und das Matscher Tal genoss einen ausgezeich neten Ruf zum Skitouren gehen.
Image: Skifahrer in orangefarbener Jacke fährt bei klarem Himmel eine verschneite Bergflanke hinab, umgeben von alpiner Landschaft.
Perfektes Skigelände: Abfahrt vom Nördlichen Saldurferner zu den verschneiten Saldurseen, im Hintergrund die Traumhänge Richtung Oberettesspitze.
12 DAV PANORAMA 1/2026
Zu Gast im Bergsteigerdorf (opens in a new tab)
Als „Bergsteigerdörfer“ zeichnen die Alpenvereine Orte aus, die ihre alpinistische Seele pflegen und neben Erlebnis- und Bergsportmöglichkeiten auch authentischen Charme bieten (opens in a new tab), naturorientiert und ohne intensive Erschließung. Klein, fein (opens in a new tab), einfach gut (opens in a new tab). bergsteigerdoerfer.org (opens in a new tab)
Ackerwaal
BERGSPORT
Wandern, Skitouren, Schlitteln
Im Matscher Tal gibt es genug Wander- und Skitouren für mehrere Aufenthalte, wobei für viele eine gute Kondition erforderlich ist. Mit Ortskenntnis und einem Gespür für den richtigen Weg lassen sich im Sommer überaus einsame Unternehmungen durchführen.
Nur im Sommer geöffnet hat die Oberetteshütte. Eine beliebte Einkehr im Rahmen einer Wanderung zu den Saldurseen und wichtiger Stützpunkt für den Anstieg auf die Weißkugel.
Die Unterengadiner Dörfer Guarda, Ardez sowie Lavin (vgl. Panorama 4/2025) und das Obervinschgauer Dorf Matsch verbindet vieles – das Rätoromanisch, die ursprüngliche Bergwelt und jetzt auch die erste länderübergreifende Mehrtagestour von Bergsteigerdorf zu Bergsteigerdorf. Die sechstägige Weitwanderung vom Engadin in den Vinschgau kann sowohl individuell geplant als auch als Angebot mit Gepäcktransfer gebucht werden.
Bergsteigerdorf Matsch
Das Matscher Tal ist ein Seitental des Vinschgaus. Im ersten Bergsteigerdorf Südtirols ist es das ganze Jahr über sehr sonnig. Zahlreiche Dreitausender überragen den hochgelegenen Talboden, höchster Berg ist die Weißkugel (3738 m), der zweithöchste Gipfel der Ötztaler Alpen. Zahlreiche Touren locken im Sommer und im Winter, die meisten davon überwinden große Höhenunterschiede. Leider fährt das Wandertaxi nur im Sommer – im Winter sind die Ausgangspunkte der Touren nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
BERGNATUR
Wasser und Seen
Der Vinschgau zählt zu den trockensten Gebieten im Alpenraum. Daher findet man auch hier wie in vielen Regionen Südtirols ein traditionelles Bewässerungssystem mit Waalen. Im Matscher Tal gibt es heute noch den Ackerwaal und den Leitenwaal. Beide ziehen an der Westseite des Tales hinaus bis in die Gegend von Tartsch. Entlang des Ackerwaals gibt es seit einigen Jahren einen bequemen Wanderweg, auf dem man von Matsch bis zum Glieshof spazieren kann.
Zwischen 2750 und 3100 Meter Höhe verstecken sich oberhalb des Matscher Tals mehrere kleinere und sechs größere Seen – ein siebter ist mittlerweile verlandet. Einige faszinieren mit Sandstrand und einer Farbe, die eher an die Karibik erinnert. Statt Palmen prägen endlose Schuttfelder und Moränen diese Bilderbuchlandschaft – Reste der Gletscher, die sich längst in die obersten Winkel der Kare zurückgezogen haben. Die Saldurseen zählen zu den schönsten Bergseen Südtirols.
Image: Steinerne Berghütte in alpiner Landschaft, umgeben von grünen Hängen und felsigen Gipfeln unter teils bewölktem Himmel.
zu lang ist der Zustieg. Etwas beliebter sind dagegen die Touren, die direkt am Glieshof auf beiden Seiten des Tales in die Höhe ziehen – ohne zeitaufwendigen Hatscher durch das schier endlose Matscher Tal. Gipfel wie die Portlesspitze oder der Upikopf, der Skitourenklassiker schlechthin. Eine kurzweilige Tour mit schönem Anstieg durch das breite Upital und einem sonnigen Finale – der Schlussanstieg führt direkt über die gefühlt endlose XXL-Südflanke. Eine beliebte Tour, auf der man eigentlich nie allein unterwegs ist.
Doch mit den schneearmen Wintern kommen immer weniger Gäste ins Matscher Tal. Daran ändert auch die Auszeichnung als Bergsteigerdorf nichts, die Matsch 2017 verliehen wurde. Mit der Ausweitung der im Jahr 2008 vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) gestarteten Initiative von Österreich hin zu einem alpenweiten Netzwerk suchte man auch im touristisch doch recht stark erschlossenen Südtirol passende Orte – und fand mit Matsch das erste Bergsteigerdorf der Region. Mit weniger als fünfhundert Einwohner*innen ein kleiner Ort in einem stillen, naturbelassenen Seitental. Statt touristischer Anlagen in Form von Skiliften, großen Hotels oder Chalet-Dörfern gibt es hier gemütliche Waalwege entlang der in Südtirol typischen Bewässerungskanäle, viele einsame Dreitausender, mit den Saldurseen eine einmalige Seenplatte und im Talschluss mit der vergletscherten Weißkugel den vielleicht schönsten Dreitausender der Ötztaler Alpen.
„Wir in Matsch wurden damals gefragt, ob Interesse besteht“, erinnert sich Ramona Telser vom Kartatschhof an die ersten Gespräche zum Thema Bergsteigerdorf. „Und nachdem die Rückmeldung der Bevölkerung sehr positiv war, haben wir uns dafür entschieden.“ Durch die abgeschiedene Lage sah man die Auszeichnung auch als Werbung an, um sich nach außen zu präsentieren. „Das Ziel der Bergsteigerdörfer ist aber nicht, dass sie groß beworben werden und nachher dreimal mehr Leute kommen“, schränkt Ramona Telser die Erwartungen ein. Zusammen mit Karin Thöni von der Oberetteshütte, der einzigen Alpenvereinshütte im Matscher Tal, gehört sie zur Arbeitsgruppe Bergsteigerdorf Matsch. „Es geht auch um die Innenwirkung. Ich denke, dass die Bevölkerung immer mehr schätzt, was wir haben.“
Infrastruktur bietet Matsch eher wenig. Dafür gibt es unberührte Natur im Überfluss. „Das ist mittlerweile eigentlich wertvoller – und damit können wir auch Werbung machen“, so Karin Thöni. Die Menschen hier jedenfalls fühlen sich
Image: Gipfelkreuz mit Inschrift „2011 UPIKOPF 3175m“ auf schneebedecktem Berggipfel vor klarer Sicht auf alpine Berglandschaft unter blauem Himmel.
Im Talschluss lockt mit der vergletscherten Weißkugel der vielleicht schönste Drei tausender der Ötztaler Alpen.
Image: Nahaufnahme blühender Krokusse mit weißen und violetten Blüten vor schneebedeckten Berggipfeln und blauem Himmel in alpiner Frühlingslandschaft.
sehr verbunden und verwurzelt – und sind stolz auf ihre Heimat und die Dorfgemeinschaft mit einem aktiven Vereinsleben. Die Auszeichnung als Bergsteigerdorf bestätigt im Grunde nur das, was vielen vorher schon wichtig war. Natürlich geht es auch um eine positive Entwicklung beim Tourismus. „Aber wir wollen das so miteinander verzahnen, dass die Bevölkerung was davon hat“, erzählt Karin. „Nicht nur das Hotel, die Hütte und die Ferienwohnungen, sondern vielleicht auch Handwerksbetriebe und Bauernhöfe.“ Und dort geht man mittlerweile andere Wege als noch die Vorfahren. Statt auf Milchviehhaltung setzen etwa Karoline und Peter Telser auf Gemüseanbau. Die Nachfrage ist groß, so dass sie mittlerweile auf sechs Hektar Rohnen (Rote Bete), Blaukraut, Karotten oder auch Blumenkohl in Bioqualität anbauen.
Wichtig ist auch das Thema Mobilität. „Wenn der Verkehr zur Belastung wird, dann wenden sich die Leute gegen den Gast und das ist nicht das Ziel, es soll ja ein Miteinander sein“, erklärt Karin. Jetzt gerade ist das Matscher Tal jedoch gefühlt
Image: in Bergsteiger mit Rucksack und Skiern auf dem Rücken steigt bei strahlendem Sonnenschein eine steile, verschneite Flanke in alpiner Landschaft hinauf.
MATSCHER TAL
Unten Frühling, oben Winter: Im Talschluss blühen bereits die Krokusse (M.), während auf den Dreitausendern Upikopf (l.) und Saldurspitze (r.) die Skitourensaison in die Verlängerung geht.
ausgestorben. So wie viele auf der Fahrt durch den Vinschgau das sehenswerte Glurns mit seinen Laubengängen – und mit knapp tausend Einwohner*innen eine der kleinsten Städte der Alpen – übersehen, so rauschen sie auch an der Abzweigung nach Matsch einfach vorbei. Rund sieben Kilometer sind es von Tartsch hinauf ins Bergsteigerdorf, eine Fahrt von den im Vinschgau typischen Trockenhängen hinein ins stille Tal. Der kleine Ort befindet sich gleich am Taleingang, dort, wo das Gelände noch steil ist – und auf den ersten Blick ungünstig für die Anlage eines Dorfes. Doch die deutlich sanfteren Hänge im Anschluss nutzte man lieber für die Landwirtschaft. Hinter Matsch wird die Straße schmal und führt aussichtsreich durch die Wiesen, die sich im Spätwinter in ein Meer aus Krokussen verwandeln, bis zum Glieshof – weiter geht es nur noch zu Fuß.
Mehr Infos und Wandertouren auch für den Sommer und Herbst (opens in a new tab)
SKITOURENZIELE
Upikopf (3174 m)
Eine der leichteren Skitouren mit kurzweiligem Zustieg und langem, südseitigen Gipfelhang
Anforderungen: mittel, 1375 Hm Aufstieg und Abfahrt
Aufstieg: 4 Std., Exposition: Süd, Südwest, Nordwest
Ausgangspunkt: Parkplatz beim Glieshof (1824 m)
Route: Am Glieshof vorbei ins Upital zur Upialm (2225 m). Ist der folgende Felsriegel überwunden, geht es über einen Rücken an den Fuß des großen Gipfelhanges. Von dessen östlichem Rand geht es über den Südostrücken auf den höchsten Punkt. Abfahrt wie Aufstieg.
Portlesspitze (3074 m)
Sonnseitige Skitour mit schönem Ausblick bis zum Ortler
Anforderungen: mittel, 1265 Hm Aufstieg und Abfahrt, Aufstieg: 3 ½ Std., Exposition: Südost, Süd
Ausgangspunkt: Wanderparkplatz unterhalb vom Glieshof (1814 m)
Route: Vom Parkplatz talauswärts zu den Wiesen bei den Thaneihöfen. An diesen vorbei weiter zu den Eisawiesen, dann Richtung Nordwest in eine Mulde und zu einer ebenen Fläche (ca. 2850 m). Links haltend über die sehr steilen Hänge auf den Kamm und weiter zum Gipfel. Abfahrt wie Aufstieg.
Südl. Oberettesspitze (3296 m)
Abwechslungsreiche Tour mit steilem Zustieg zu den Saldurböden und schön kupiertem Gelände oben
Anforderungsprofil: schwer, 1580 Hm Aufstieg und Abfahrt, Aufstieg: 5 ½ Std., Exposition: Süd, Südwest, Nord, Nordwest
Ausgangspunkt: Wanderparkplatz unterhalb vom Glieshof (1814 m)
Route: Vom Parkplatz zur Inneren Matscher Alm, dann steil hinauf zu den Saldurböden und entspannter weiter Richtung Saldurseen. An diesen vorbei und zum südseitigen Gipfelhang. Oben links haltend auf den Kamm und rechts zum Gipfel. Abfahrt wie Aufstieg.
Unterkünfte:
� Neun Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe mit Ermäßigung für AV-Mitglieder, darunter der Kartatschhof, der Ausserglieshof und der bei Bergsteigerschulen gern genutzte Glieshof, glieshof.it (opens in a new tab)
� Oberetteshütte (2670 m), AVS-Sektion Obervinschgau, oberettes.it (opens in a new tab) (nur im Sommer geöffnet)
Karte: Alpenvereinskarte, 1:25.000, Blatt 30/2, Ötztaler Alpen – Weißkugel; Tabacco, 1:25.000, Blatt 043, Vinschgauer Oberland
Literatur: Jan Piepenstock, Martin Schwienbacher: Skitourenführer Südtirol Band 3 – Vinschgau, Ortler, Cevedale, Sarntaler Alpen, Panico Alpinverlag 2023
Info: ferienregion-obervinschgau.it (opens in a new tab)
WAS SONST NOCH GEHT
� Schneeschuhwandern: Markierte Route vom Glieshof über die Eisawiesen zur Matscher Alm. Bei lawinensicheren Verhältnissen lohnt sich auch eine Tour vom Glieshof zur Upialm. Meist schneefrei und daher auch gut im Winter zu machen ist der Waalweg zwischen Matsch und Glieshof.
� Skifahren: Der einzige Skilift in Matsch steht auf der Wiese neben den Glieshöfen. Betrieben wird er von Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit opfern, damit der Skinachwuchs im Tal ein paar Schwünge ziehen kann.
� Rodeln: Auf dem Forstweg von der Matscher Alm hinunter zum Parkplatz unterhalb der Glieshöfe.
� Panoramatour: Eine aussichtsreiche Wanderung mit traumhaften Blicken auf Ortler und Königspitze und in den Obervinschgau führt von Matsch auf die Spitzige Lun (2324 m, 730 Hm, T2, 4 Std.), durch die südliche Exposition auch im Winter oft schneefrei.
� Stadtbesichtigung: Einen Besuch wert ist das mittelalterliche Glurns mit seiner vollständig erhaltenen Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert und der liebevoll restaurierten Laubengasse.
Kilometerlang zieht das Matscher Tal vom Vinschgau bis an den Fuß der Weißkugel, der zweithöchste Gipfel der Ötztaler Alpen.
Image: Alpines Tal mit Kirche und verstreuten Häusern, eingebettet in grüne Hügel vor schneebedeckten Bergen unter blauem Himmel mit Schleierwolken.
Wenigstens im Sommer kommen genug Gäste, die die faszinierende Berglandschaft erkunden, einen Ausflug zu den einmaligen Saldurseen unternehmen oder zur Oberetteshütte wandern. Die wurde im Jahr 1883 durch die Alpenvereinssektion Prag als Karlsbader Hütte errichtet, 1902 umbenannt in Höllerhütte und brannte 1945 bis auf die Grundmauern ab. Erst ab den Jahren 1984 und 1985 trieb der Alpenverein Südtirol den Wiederaufbau voran und 1988 konnte schließlich die Oberetteshütte eröffnet werden, die heute von Karin Thöni und ihrem Mann Edwin bewirtschaftet wird. Seit dem letzten Sommer ist auch der Übergang ins Schnalstal wieder möglich, der aufgrund eines Erdrutsches lange Zeit unpassierbar war – die neue Route über das Langgrubjoch wurde bereits im Jahr 1300 vor Christus genutzt.
„Das Matscher Tal ist ein perfektes Ziel für alle, die im Winter ein paar Tage mit Höhenluft auf 1800 Meter genießen wollen“, meint Manfred Heinisch, der auf deutlich mehr Gäste hofft. Die Auszeichnung als Bergsteigerdorf sieht er positiv, doch seine Erwartungen wurden bisher nicht erfüllt. „Das im letzten Jahr neu gebaute Hallenbad hat mehr gebracht.“
Im Winter hängt alles vom Schnee ab, zumindest auf den ersten Blick. „Ohne Schnee hast du keine Anfragen, keine Nächtigungen“, lautet das ernüchternde Fazit von Manfred Heinisch. Dabei sind die Entfernungen im Vinschgau überschaubar. Falls die weiße Unterlage einmal wirklich nicht ausreicht, dann fährt man halt nach Rojen oder Sulden, irgendwo geht immer was. Andererseits haben sich auch einige Skitourengeher*innen umgestellt und berühren das Matscher Tal nur noch im Rahmen einer Skidurchquerung. „Viele machen mittlerweile eine Skitourenrunde Schnalstal – Langtaufers – Glieshof – Schnalstal“, beobachtet Ludwig Gorfer, wobei der Startpunkt natürlich beliebig gewählt werden kann. Besonders schön ist beim Übergang von Matsch ins Schnalstal der Bereich um die Saldurseen Richtung Südliche Oberettesspitze – ein weißes, schön kupiertes Wintermärchen mit vielen Möglichkeiten.
„Und wenn wenig Schnee ist, dann muss man was draus machen und geht halt schattseitig“, grinst Ludwig Gorfer und meint damit den Klassiker Upikopf. Oder man sucht sich andere Aktivitäten. So locken ein Winterwanderweg mit Rodelbahn zur bewirtschafteten Matscher Alm, Möglichkeiten für Schneeschuhwanderungen, ein genussreicher Spaziergang entlang des Ackerwaals – und natürlich zahlreiche Wanderungen unten im sonnenreichen und meist schneelosen Vinschgau.
Ein Winter wanderweg zur Matscher Alm oder ein Spazier gang entlang des Ackerwaals empfehlen sich bei wenig Schnee.
Image: Porträt einer lächelnden Person mit Sonnenbrille und Basecap vor weißem Hintergrund, aufgenommen als kontrastreiches Schwarz-Weiß-Foto.
Ob Sommer oder Winter, für Stefan Herbke ist das Matscher Tal eine große Schatztruhe, in der man immer wieder spannende Touren und Geschich ten entdecken kann.
Skimo steht in den Startlöchern
Olympische Winterspiele 2026
Ein ständiger Wechsel aus Kraft, Ausdauer und taktischem Gespür, der das Publikum den Atem anhalten lässt. Das macht die Faszination des Wettkampf-Skibergsteigens aus. Im Februar erlebt die Sportart ihre Olympia-Premiere – und mit ihr das deutsche Team, das eine beeindruckende Entwicklung hinter sich hat.
Text: Laura Pickl
Die Bindung wird blitzschnell umgestellt, die Felle routiniert abgezogen und verstaut, für einen tiefen Atemzug bleibt kaum Zeit, bevor sich die Skibergsteiger*innen in die Abfahrt stürzen. Die Wechselzone ist beim Skibergsteigen eine Schlüsselstelle: „Die kleinsten Kleinigkeiten entscheiden über Sieg oder Niederlage“, erklärt der sportliche Leiter des DAV-Skimo-Teams, Hermann Gruber.
Für den 23-jährigen Athleten Finn Hösch von der Sektion Bergland München ist diese Saison etwas ganz Besonderes: „Es klingt oft kitschig, aber es ist tatsächlich ein Kindheitstraum. Dass man seinen Weg findet, die richtige Sportart, und dann tatsächlich bei den Olympischen Spielen für sein Land an den Start gehen darf.“ Aus dem Skimo-Kader für Olympia qualifiziert haben sich neben Finn Hösch auch Tatjana Paller (s. Interview) und Helena Euringer (Sektion Berchtesgaden).
Dass Deutschland bei Olympia im Skimo vertreten ist, hätte auch beim DAV vor wenigen Jahren keiner zu träumen gewagt: „2018 gab es vier Athlet*innen und einen Busfahrer – hättest du mir damals gesagt, dass wir zu Olympia fahren, hätte ich dich ausgelacht“, beschreibt Hermann Gruber seine Anfänge beim DAV. Seitdem hat sich im Leistungssport viel getan: Nachwuchsportler*innen werden in Deutschland nun systematisch gefördert. „Skimo hat eine unglaubliche Professionalisierung erfahren, die ohne Olympia wahrscheinlich zehn Jahre länger gedauert hätte“, freut sich Gruber.
Bei den Olympischen Spielen werden sich die Athlet*innen gegenseitig siebzig Höhenmeter auf der berüchtigten Stelvio-Piste in Bormio hinauf- und wieder hinunterjagen. Der Ablauf der Sprint-Disziplin gleicht einer „Skitour im Schnelldurchlauf“. Die Strecke ist in vier Phasen unterteilt, wobei jeder Abschnitt an das klassische Skitourengehen angelehnt ist: Zunächst geht es auf den Fellen durch einen Parcours bestehend aus den so genannten Diamanten – eine Anlehnung an die Spitzkehren, die Hobbysportler*innen vom Skitourengehen kennen. Danach folgt eine Tragepassage. Der letzte Anstieg wird
Image: Skitourenrennläuferinnen in Rennanzügen, Startnummern und mit Helmen im Aufstieg bei einem Wettkampf.
Foto: ISMF Media
Kurz und knackig: Bei der leistungssportorientierten Variante des Skiberg steigens – hier die Disziplin Sprint – heißt es: schnell bergauf, Felle ab und noch schneller bergab. Rund drei Minuten brauchen die Profis dafür.
SKIMO-WETTKÄMPFE BEI OLYMPIA (opens in a new tab)
19.2. Sprint ab 9.50 Uhr Finals ab 13.55 Uhr (opens in a new tab)
21.2 (opens in a new tab). Mixed-Staffel ab 13.30 Uhr (opens in a new tab)
Mehr Infos zu den Wettkämpfen (opens in a new tab), Live-Übertragungen und Hintergründe unter (opens in a new tab): alpenverein.de/skimo (opens in a new tab) noch mal auf Ski zurückgelegt, bevor es in der Abfahrt, die über Tore vorgegeben ist, möglichst schnell zurück ins Tal und über die Ziellinie geht. Für eine gemütliche Jause am Gipfel bleibt im Wettkampfsport keine Zeit – in gerade einmal drei Minuten absolvieren die meisten die gesamte Sprint-Strecke.
In der zweiten olympischen Disziplin, der Mixed-Staffel, treten ein weibliches und männliches Mitglied im Team an und absolvieren je zwei Runden des Kurses: zwei Aufstiege, eine Strecke zu Fuß, bei der die Ski am Rucksack befestigt sind, und zwei Abfahrten. Das Ziel für Olympia ist nach Gruber, in beiden Sprint-Finalen deutsche Beteiligung anzufeuern. In der Mixed-Staffel gibt es nur ein Rennen, da ist die Finalteilnahme schon mal sicher und es gilt, einen möglichst guten Platz zu erlaufen. Und was kommt danach? Da Skimo in Milano-Cortina 2026 als „additional sport“ auf Vorschlag des Ausrichters aufgenommen wurde, muss das lokale Organisationskomitee für die Spiele 2030 in Frankreich über eine erneute Aufnahme entscheiden. In welcher Form und mit wie vielen Athlet*innen man dort an den Start gehen wird, ist momentan zweitrangig. Jetzt zählt vor allem, in Bormio einen perfekten Tag zu erwischen.
Sportgroßveranstaltung und Alpenverein (opens in a new tab): Wie passt das zusammen (opens in a new tab)?
Als DOSB-Mitglied und zuständiger Fachverband für Skimo, der sich einer nachhaltigen Entwicklung seiner Sportarten verpflichtet fühlt (opens in a new tab), betrachtet der Alpenverein die olympische Premiere auch aus diesem Blickwinkel. Für die Wettkämpfe wird eine bereits bestehende Infrastruktur weiterverwendet, die Anpassungen erfolgen ausschließlich innerhalb des vorhandenen Pistengeländes. Die Organisation der Skimo-Rennen liegt beim internationalen Verband ISMF, dessen verbindliche Natur- und Umweltstandards bei der Planung und Durchführung angewandt werden (opens in a new tab).
Im Hinblick auf künftige Sportgroßveranstaltungen hat die Dachorganisation der europäischen Alpenvereine CAA Ende 2025 eine gemeinsame Position zur nachhaltigen Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen verabschiedet (opens in a new tab). Darin setzen sich die Alpenvereine mit Nachdruck dafür ein, dass diese Veranstaltungen in Zukunft nachhaltiger und transparenter gestaltet werden. Unter anderem sollte künftig auf bereits bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden, um die Auswirkungen auf Natur und Landschaft der Alpen durch weitestgehenden Verzicht von Neubauten kleinstmöglich zu halten. Weitere Punkte der Position: ein nachhaltiges Verkehrskonzept, tiefgreifende Umweltverträglichkeitsprüfungen und der vollumfängliche Ausgleich der Beeinträchtigungen für Natur und Landschaft mit dem Ziel der Verbesserung („Überkompensation“ (opens in a new tab)).
club-arc-alpin.eu (opens in a new tab)
Image: Porträt von Tatjana Paller
INTERVIEW: TATJANA PALLER (SEKTION TÖLZ)
„Das extreme Pushen – das mag ich einfach“
Die Lenggrieser Skibergsteigerin zählt zu den großen deutschen Hoffnungen für die Olympischen Spiele. Im Interview beschreibt die ehemalige Profi-Radfahrerin, warum sie sich gegen die Klickpedale und für die Skitourenbindung entschieden hat.
DAV: Du bist vom Radsport zum Skibergsteigen gewechselt. Wie kam das?
Tatjana: Ich wollte eine neue Challenge. Dann habe ich herausgefunden, dass Skibergsteigen ein richtiger Wettkampfsport ist. Ich wusste das gar nicht. Und dann war klar: Jetzt versuche ich das. Aber dass es dann alles so aufgeht, auch mit der Sportfördergruppe der Bundeswehr, dass ich wirklich davon leben kann, daran hatte ich in dem Moment nicht gedacht.
Welche ist deine Lieblingsdisziplin?
Ganz klar Sprint und Mixed – das Olympische. Das Kurze, auf einer Höhe mit dem Gegner zu sein, das extreme Pushen – das
mag ich einfach super gern und das liegt mir auch am meisten.
Was bedeutet es für dich, bei den Olympischen Spielen selbst an den Start gehen zu können?
Viel natürlich. Wir haben da sehr lang darauf hintrainiert. Unser ganzes Leben richtet sich nach dem Training. Deswegen bedeutet mir das sehr viel.
Apropos Training – welche ist denn die verrückteste Trainingsmethode, die du als Skibergsteigerin ausübst?
Ich glaube, für Außenstehende ist es immer komisch, dass wir wirklich im Hochsommer schon üben, unsere Ski auf den Rücken zu schnallen und wieder anzuziehen.
Mit Kindern und Jugendlichen auf Skitour
Tipps, Tricks und Erfahrungen
Unser Autor Claus Lochbihler geht mit seinen Kindern seit einigen Wintern auf Skitour. Auf Tour und in Gesprächen mit anderen Vätern ist er folgenden Fragen nachgegangen: Was motiviert Kinder, auf Skitour zu gehen? Was hat sich als Ausrüstung bewährt? Wie gehen wir mit Risiken um?
Text: Claus Lochbihler
Alter und Motivation
Meist ab acht bis neun Jahren, entscheidend ist weniger das Alter als sicheres, kontrolliertes Skifahren auch im Gelände. Abfahrten unter skitourenähnlichen Bedingungen lassen sich vorher am Pistenrand im Pulver-, Locker- oder Haufenschnee üben. Wichtig ist außerdem die eigene Motivation. Kinder sind verschieden, Lust und Interessen müssen respektiert werden.
Allererste Touren sollten kurz (200 - 400 Hm) und im einfachen Gelände stattfinden, gern mit Hütte als Ziel. Pistenaufstiege empfinden die meisten Kinder – so jedenfalls unsere Erfahrung – als unnötig („warum aufsteigen, wenn es Lifte gibt?“) und oft als hektisch. Spiele, kindgerechte Spurvarianten, kein Rucksack für kleine Kinder und eine gemütliche Pausenplanung helfen. Früh aufstehen ist meist ein Stimmungskiller, Frühjahrstouren passen deshalb nicht zu jeder Familie.
Ausrüstung
Es gibt inzwischen preisgünstige Kindertourensets, bestehend aus Ski, Bindung und Fellen. Kostenpunkt: ab 350 Euro. Auch leichte, sehr gute Pin-Bindungen sind seit ein paar Jahren auf dem Markt – mit Auslösewerten speziell für Kinder. Skitourenschuhe für Kinder kosten neu zwischen 250 und 350 Euro. Gebraucht kaufen lohnt sich, da Kinder schnell herauswachsen, Wiederverkaufen auch. Normale Skikleidung reicht, sofern sie nicht zu warm für den Aufstieg ist. Wichtig sind leichte Handschuhe für den Aufstieg, Ersatzhandschuhe, eine Isolationsjacke und ein Helm. Kinder tragen zu Beginn möglichst wenig, gehen also ohne Rucksack – außer, auch das gibt es, sie bestehen darauf.
Tourenwahl und Risikomanagement
Sobald man Pisten verlässt, braucht jedes Kind ein LVS-Gerät. Schaufel und Sonde meist erst ab etwa 12 Jahren, wenn Rucksackgröße und Kraft ausreichen. Touren müssen dann so gewählt sein, dass Kinder niemanden ausgraben müssen – Erwachsene sind verantwortlich. Spielerische LVS-Übungen fördern Kompetenz und zeigen deutlich, warum das Gerät nötig ist. Touren mit geringem Basisrisiko lassen sich mithilfe der DAV-SnowCard oder skitourenguru.ch auswählen und planen (s. DAV Panorama 1/2025, S. 56 ff.).
- Skitouren mit Kindern nur bei niedriger Lawinengefahrenstufe bzw. generell nur bis 30° Hangneigung unternehmen, um potenzielles Lawinengelände von vornherein auszuschließen.
- Aufgelassene oder noch nicht geöffnete Skipisten nutzen – aber nur wenn das erlaubt ist.
- Touren, die den Eltern bereits vertraut sind, bieten sich besonders an.
- Auf Tour flexibel und umkehrbereit bleiben, gegebenenfalls auf Gipfel und steilere Abschnitte verzichten; Entlastungsabstände im Aufstieg sind keine Option für Touren mit Kindern!
- Touren wählen, auf denen man jederzeit abbrechen und umkehren kann.
- Schwierigkeit der Tour dem Können des Kindes und auch an Schneeverhältnisse anpassen, z. B. Vermeiden von Bruchharsch.
Image: Zwei Erwachsene und zwei Kinder auf Ski im winterlichen Gebirge, es scheint die Sonne, alle haben gute Laune.
Fotos: Markus Stadler
Kurze, einfache Touren, eine sichere Fahrtechnik und Freude an der gemeinsa men Unternehmung sind wichtige Voraussetzungen auf Skitour mit Kindern.
- Geländehindernisse (z. B. schwierige Bachquerungen, Gräben) und exponiertes Absturzgelände meiden und keine steilen, engen, dicht bewachsenen Waldschneisen abfahren.
- Touren mit langen Talhatschern und Gegenanstiegen in der Abfahrt meiden.
Abfahrt
Ideal ist es bei der Abfahrt, wenn eine erwachsene Person dem Kind voraus- und eine hinterherfährt. Der vorausfahrende Erwachsene gibt dem Kind Orientierung und weist auf Hindernisse hin. Wer allein mit dem Kind unterwegs ist, fährt in der Regel vor – aber nur so weit, dass es möglich ist, auch ohne Felle jederzeit und schnell zum Kinde aufzusteigen, um ihm im Sturzfall zu helfen. Die Spur des Erwachsenen gibt die Richtung der Abfahrt vor. Fortgeschrittene Kinder kann man bei guten Bedingungen und in einfacherem Gelände auch vorfahren lassen – aber nur, nachdem vorab besprochen ist, wie weit und bis zu welchem Haltepunkt. Bei schwierigen Schneebedingungen oder hohem Pulver und wenig Hangneigung fährt das Kind in der Abfahrtsspur des Erwachsenen nach („in der Spur fahren“).
Wetter, Gruppe & Pausen
Ideale Bedingungen: gute Sicht und einfach zu fahrender Schnee. Kinder lieben Pulver – aber nicht zu tiefen (max. ca. 20 cm). Bruchharsch, vereiste Hänge, Sturm oder große Kälte sind Ausschlusskriterien. Mit Geschwistern, allein mit einem Elternteil oder mit anderen Familien: alles hat Vor- und Nachteile. In größeren Gruppen geben die Kinder den Takt vor, motivieren sich im Idealfall gegenseitig. Größere Pausen sollten gemeinsam geplant und angekündigt werden. Dazwischen lassen sich kleinere Trinkpausen einlegen. Kinder essen auf Skitour deutlich mehr als sonst – zu wenig Proviant ist einer der häufigsten Anfängerfehler. Tee wirkt Wunder, selbst bei Kindern, die sonst keinen Tee mögen. Und ein Stück Gipfel-Schoki auch.
BERG & TAL
Image: Ein Erwachsener und drei Kinder auf Ski im winterlichen Gebirge, sie stehen mit dem Rücken zur Kamera und schauen in die umliegenden Berge, im Tal ist eine geschlossene Wolkendecke, die Gipfel sind in der Sonne.
Unterwegs auf familien tauglicher Skitour rund um Roß und Buchstein in den Tegernseer Bergen.
Claus Lochbihler war im Gespräch mit Führerautor Markus Stadler, Jan Wördenweber und Bernhard Ziegler von tourentipp.de, der 2013 den ersten Führer „Skitouren mit Kindern“ herausgegeben hat.
1/2026 DAV PANORAMA 21
BERG & TAL
Olympia in Deutschland
SO STEHT ES UM DIE BEWER-BUNG – Deutschland träumt von Olympischen Spielen – und ringt gleichzeitig um den besten Weg dorthin. Vier Städte und Regionen bewerben sich, der DAV hat klare Forderungen.
Olympische Spiele „vor der Haustür“ – für viele ein Traum, der jetzt in Erfüllung gehen könnte: Deutschland will sich nämlich für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Vier Regionen mit vier Konzepten stehen dafür im nationalen Wettbewerb: Berlin, Hamburg, München und die Rhein-Ruhr-Region. Der DOSB prüft sie in einem dreistufigen Verfahren und will im Herbst 2026 entscheiden, mit welchem Standort Deutschland ins Rennen geht.
Weil die Menschen vor Ort mitentscheiden sollen, laufen aktuell die Beteiligungsprozesse in den Bewerber-Regionen: München hat beim Bürgerentscheid im letzten Oktober bereits mit deutlicher Mehrheit „Ja“ zu Olympia gesagt. In der Rhein-Ruhr-Region und in Hamburg stimmen die Menschen im April und Mai 2026 in zahlreichen Kommunen und per stadtweitem Referendum ab. Berlin setzt statt eines Volksentscheids auf eine „Volksinitiative“, die bereits mehr als 20.000 Stimmen vorzuweisen hat, und auf andere Beteiligungsformate wie Kuratorien, Beteiligungsforen und einen breiten Dialogprozess.
Und der DAV? Der Deutsche Alpenverein unterstützt als Mitglied im DOSB und Fachverband für Klettern grundsätzlich eine deutsche Bewerbung – aber nur unter klaren Bedingungen. Die Spiele müssen nachhaltig und klimafreundlich organisiert werden: mit konsequenter Nutzung und Modernisierung bestehender Sportstätten, nachnutzbaren oder temporären Neubauten, kurzen Wegen mit öffentlichem Verkehr, strengen Umweltstandards, transparenter Planung und fairer Finanzierung. Zugleich fordert der DAV, dass ein olympisches Dorf später als bezahlbarer Wohnraum genutzt wird. Fazit: Olympia ja – aber nur, wenn das Spektakel nachhaltig ist und auch für Stadtentwicklung und Gesellschaft einen echten Gewinn bringt. red
Image: Motiv zur Olympiabewerbung, eine Kletterin macht einen dynamischen Kletterzug an einer künstlichen Kletterwand.
NEUES SKITOURENVIDEO – Der DAV hat zusammen mit seinem Partner Vaude das Skitourenvideo „(un)perfect line“ produziert und auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht. Aline Bock (Freeride Worldtour Champion und Mama von Zwillingen) hat die perfekte Linie für sich selbst längst abseits von maximalem Adrenalin gefunden. Katharina Heisch ist zwischen Winterräumen und Alpenvereinshütten noch auf der Suche nach ihrer ganz eigenen Herangehensweise. Im Rahmen einer landschaftlich beeindruckenden Skitour entsteht ein Dialog zwischen Generationen und Lebenswelten. red
AM KLETTERSTEIG BLOCKIERT?
KURZUMFRAGE – Klettersteiggehen ist eine beliebte, spannende und herausfordernde Bergsportdisziplin. Aus Statistiken geht hervor, dass die häufigste Notsituation beim Klettersteiggehen nicht die Verletzung aufgrund eines Sturzes ist, sondern aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr aus eigener Kraft weiter zu können („unverletzt“) und damit auf Hilfe von außen angewiesen zu sein. Grund genug für die DAV-Sicherheitsforschung, mit einer neuen Studie ausgiebig Systematiken und Muster von Blockierungserfahrungen am Klettersteig zu untersuchen. Deine Mithilfe ist gefragt! Hast du schon einmal eine Grenzsituation am Klettersteig erlebt, konntest nicht mehr vor oder zurück, und möchtest uns mehr über das Erlebte berichten? Dann melde dich gern über folgende Kurzumfrage bei uns:
Foto: DAV/Julian Rohn
Image: Ein Bergsteige mit Helm und Rucksack an einer ausgesetzten, steilen Stelle, im Hintergrund weiter Blick zu einem felsigen Gipfel.
Grenzsituation am Klettersteig – Formular ausfüllen (opens in a new tab)
Warum gerade Blockierungen immer wieder zu Notsituationen im Klettersteigen führen, un tersucht jetzt die DAV Sicher heitsforschung.
Fotos: Ramona Waldner, John Thornton
Image: Ein Kletterer in einer glatten, steilen Felswand die grau und gelblich gefärbt ist.
Image: Eine Kletterin sichert ihre Seilpartnerin in einer steilen Felswand, im Hintergrund sind Meer und Gletscher zu erkennen.
LERNEN UND ERNTEN
Großer Alpinismus lebt von „alpiner Erfahrung“. Mentoringteams wie der DAV-Expedkader helfen auf dem Weg dahin – der ein Leben lang weitergehen kann und über viele Höhepunkte führt.
Nicht nur der DAV hat einen Expedkader (s. S. 36 f.); ähnliche Teams gibt es in allen Alpenländern. Die Frauen des französischen ENAF, mit Lise Billon als Trainerin, krönten ihre Abschlussexpedition in Indien mit der Neutour „Bhalu and the biscuit“ (250 m, 6a) an der Pointe Walkers (5400 m). Caro North aus dem ersten DAV-Frauenteam war als Trainerin mit dem Schweizer Frauenkader „by fair means“ nach Grönland gefahren, wo ihnen fünf Erstbegehungen von 6a bis 7a, C1 und mit 600 bis 1000 Metern Wandhöhe gelangen (Foto links). Janina Reichstein und Luisa Deubzer gehörten zum DAV-Frauenteam 2023; gemeinsam kletterten sie „Headless Children“ (250 m, 8b, Foto rechts) im Rätikon. Ihre Ex-Teamkollegin Rosa Windelband beteiligte sich an einer „team free“-Begehung des Überklassikers „Eternal Flame“ (650 m, 24 SL, 7c+) am Trangoturm (6251 m). Und James Price und George Ponsonby, zusammen mit drei weiteren Mitgliedern der britischen „Young Alpinist Group“ in Nepal, konnten am Aikache Chhok (6673 m) in neun Tagen die Neutour „Secrets, Shepherds, Sex and Serendipity“ (3000 m, M7, AI5, A2+) eröffnen.
Einer der Allerbesten derzeit ist Benjamin Védrines; bei den Piolets d’or 2025 bekam er für seine letzten drei Jahre eine „besondere Erwähnung“. Nun gelang ihm „die größte Leistung meiner Bergsteigerkarriere“: zusammen mit Nicolas Jean die Erstbesteigung des Jannu Ost (7468 m) über die 2300 Meter hohe Nordwand, die als „das letzte große Problem im Himalaya“ bezeichnet wurde. An Achttausendern ist echter Alpinismus selten; der Normalweg des Manaslu wurde beispielsweise von 600 zahlenden Kunden erreicht, darunter dem 86-jährigen Carlos Soria. Das russische Team Natalia Belyankina, Andrey Vasilyev, Sergey Kondrashkin, Kirill Eyserman und Vitaly Shipilov eröffnete nun in elf Tagen im Alpinstil und ohne Hilfssauerstoff eine neue Route durch die bisher unbegangene Südwestwand. Ein weiteres Highlight kommt von Colin Haley: die erste Winter-Alleinbesteigung des Cerro Torre über die Ragniroute; anschließend klettert er noch „Exocet“ an der Aguja Standhardt. Und Matteo Della Bordella und Marco Majori machen die erste Winterbegehung des Gorettapfeilers (1250 m, 35 SL, 5.11b) am Fitz Roy (3405 m). Kilian Jornet bestieg derweil alle 72 „Vierzehntausender“ (Berge über 14.000 Fuß = 4267 m) der USA im Schnelldurchgang: 31 Tage, 123.000 Höhenmeter, 5145 Kilometer per Rad.
Im Bouldern ist eine neue Schwelle gefallen: Elias Iagnemma schlägt erstmals den Grad 9A+ vor für sein „Exodia“, für das er 211 Sessions in viereinhalb Jahren brauchte. Deutlich schneller ist ein Flash: Adam Ondra ist mit „Foundations Edge“ (8C) der dritte Mensch, dem diese Schwierigkeit auf Anhieb gelingt; den Tradklassiker Greenspit (8b+) flasht er ebenfalls.
Die Frauen sind den Männern knapp auf den Fersen: Laura Rogora klettert mit „La ligne claire“ in St. Leger ihre zweite 8c+ onsight; in Lourmarin onsighted sie zwei 8c-Routen an einem Tag; oft packt sie sogar drei oder vier High-End-Begehungen in einen Tag. Damit erreichte sie Platz 1 in der Rangliste auf 8a.nu, noch vor allen Männern. Janja Garnbret setzte vielleicht noch eins drauf: Für ihren Flash von „Puro Dreaming“ in Arco hatte sie kaum Infos und kletterte so quasi onsight, ohne Kneepads und ohne einen wesentlichen Rastpunkt zu nutzen – im Führer steht die Route mit 9a. Ihre Begehung des Boulderklassikers „Dreamtime“ (8c) sieht im Video souverän, fast entspannt aus.
Stark unterwegs ist Pietro Vidi: Mit Alessandro Larcher klettert er „Joy Division“ (800 m, 8b) im Val di Mello, mit Camilla Moroni die „Pre-Muir Wall“ (900 m, 8b/+) am El Capitan – wobei alle Seilschaftsmitglieder die schwersten Längen vorsteigen. Dann holt er sich die sechste Begehung von „Meltdown“ (8c+ trad) im Yosemite. Connor Herson macht am El Capitan die „Nose“ (900 m, 8b+) in neun Stunden und klettert dann erstmals „Triple Direct“ (900 m, 8b+) frei, die die schwersten Längen mit der Nose teilt.
Stimmen aus der Wand
„Für große Erfolge muss man große Träume haben.“ Lise Billon. „Alles was wir bisher getan haben, führte zu diesem Moment.“ Benjamin Védrines auf dem Gipfel des Jannu Ost. „Das verrückteste Eisgewürge meines Lebens.“ Colin Haley presste sich durch eine Eisspalte auf den Cerro Torre.
Highlights des modernen Bergsports präsentiert von Andi Dick
24 DAV PANORAMA 1/2026
Foto: BR/Timeline Production
NEUE STAFFEL: DOKUSERIE „IN HÖCHSTER NOT“ – Die erfolgreiche ARD-Dokuserie „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ geht mit der zweiten Staffel online. Die erste Staffel zeigte die anspruchsvollen Einsätze der Bergwacht Grainau und Ramsau. Gedreht wurde unter teilweise extremen Bedingungen mit Bodycams und 360-Grad-Kameras, die die Rettungskräfte während ihrer Einsätze bei sich trugen. Kamerateams begleiteten zudem regelmäßig den Alltag in den Bereitschaftswachen. Die Dokumentation hat sich als echter Publikumsrenner erwiesen, sie wurde bereits sechs Millionen Mal abgerufen. In den neuen Folgen ist auch die Bergwacht Bad Reichenhall mit dabei. Gedreht hat übers ganze Jahr 2025 erneut die Bad Reichenhaller Produktionsfirma Timeline Production im Auftrag des BR. Alle Folgen gibt es online unter ardmediathek.de (opens in a new tab). red
Image: Werbemotiv für die Doku in höchster Not mit Bergrettern und einem Rettungshubschrauber
Neuer Lawinen-Layer
ALPENVEREINAKTIV.COM – Wer die Karte in alpenvereinaktiv.com nutzt, sollte immer auch die verschiedenen Layer im Blick haben, die über die Schaltfläche unten rechts aktiviert werden können. Dort lassen sich wertvolle Informationen für die Tourenplanung einblenden. Beispielsweise können so Standorte von Webcams, Hangsteilheit oder Hangexposition angezeigt werden. Als neuer Layer kann jetzt die Lawinengefahr eingeblendet werden.
Basis des Lawinenlage-Layers sind die tagesaktuellen Lawinenlageberichte der Lawinenwarndienste. Diese offiziellen Berichte sind als Text für alle verfügbaren Lawinenregionen eingebunden. Zusätzlich wurden die Kernelemente aus dem Bericht grafisch in die Karte integriert.
Beim Aktivieren des Layers wird jede Lawinenregion anhand ihrer aktuellen Gefahrenstufe(n) eingefärbt. Diese flächenhafte Darstellung liefert bereits einen wichtigen Überblick: So können Tourengebiete gewählt oder ausgeschlossen werden. Zoomt man weiter in die Karte, lässt sich der offizielle Lawinenlagebericht einer Region durch Klicken auf das Icon öffnen. Zudem lassen sich spezifische Lawinenprobleme wie beispielsweise Triebschnee oder Nassschnee optisch hervorheben. Der neue Layer ist für alle, auch ohne Abo, nutzbar. red
Buchtipps
ALPEN IN GEFAHR UND LÖCHER ZIEHEN IN FRANKEN
Der Alpenappell
Der Autor Georg Bayerle, vielen bekannt aus der Sendung „bergauf bergab“ im Bayerischen Fernsehen, hat diese glühende Streitschrift verfasst. Er analysiert in seinem Buch den Zustand eines immer fragiler werdenden Ökosystems und hinterfragt die oft ausbeuterische Alpenökonomie. Er zeigt aber auch Wege für die Zukunft auf, wie wir das großartige Gebirge inmitten des Kontinents doch noch vor uns retten können.
Der Alpenappell, Georg Bayerle, Tyrolia Verlag, 20 Euro
Die Alpen
Seit 50 Jahren beschäftigt sich Geograf Prof. Dr. Werner Bätzing schon mit der Geschichte und der Zukunft der Kulturlandschaft Alpen. Zeit, sein Standardwerk „Die Alpen“ einer Überarbeitung zu unterziehen. Die grundlegenden Fragen sind aktuell wie nie: Ist die Zerstörung der Alpen noch aufzuhalten? Degenerieren sie zu einem Erlebnispark, zu Transiträumen oder zu einer Entsiedlungsregion? Und sorgt die Klimaerwärmung dafür, dass die Alpen unbewohnbar werden? Die vielen Fotos und Karten des Buchs machen die oft komplexen Zusammenhänge besser verständlich.
Die fünfte, vollständig überarbeitete Auflage erscheint am 20. März 2026.
Die Alpen, Werner Bätzing, Verlag C. H. Beck, 39,90 Euro
Frankenjura: Ein halbes Jahrhundert Löcher ziehen
Zum fünfzigjährigen Jubiläum des Rotpunktkletterns ist dieses Buch erschienen, das 50 Impressionen von 50 Kletter*innen in 50 Frankenjura-Fels-Klassikern präsentiert. Die fränkische Kletterszene feiert sich und die Geschichte des Rotpunktkletterns gebührend, viele der Namen (der Menschen und der Touren) sind einem geläufig, wenn man sich öfter einmal im Frankenjura die Finger in besagten Löchern langgezogen hat. Vor allem die Bilder sind sehr ansprechend und lassen einen gedanklich gleich an der nächsten Zugfolge arbeiten. red
Frankenjura: Ein halbes Jahrhundert Löcher ziehen, 50 Euro, bestellbar unter imschatten.photo/50rp (opens in a new tab)
Image: Buchcover Der Alpenappell
Image: Ausschnitt aus der Alpenvereinaktiv Karte, auf der die aktuelle Lawinensituation farblich dargestellt wird.
Bei aktiviertem Lawinenlayer werden die aktuellen Gefahrenstufen farb lich dargestellt.
Foto: alpenvereinaktiv.com
Image: Buchcover Die Alpen
Image: Buchcover Frankenjura, ein halbes Jahrhundert Löcher ziehen
Image: Eine Dreierseilschaft steigt einen steilen, vereisten Gletscher hinauf. Die Menschen tragen Rucksäcke und sind mit Steigeisen und Eispickeln ausgerüstet. Im Hintergrund ist ein felsiger Gipfel zu sehen.
Foto: DAV/Jens Klatt, DAV/Tobias Hase, privat
Risiko im Bergsport
Schön gefährlich
Bergsport birgt alpine Gefahren und ein gewisses Risiko, dass aus der Gefahr ein Notfall werden kann. Das gehört am Berg dazu – genauso wie Freude und Erfolg. Und bedeutet für den Alpenverein eine große Aufgabe: seinen Mitgliedern ein entsprechendes Risikobewusstsein zu vermitteln und damit die Eigenver antwortung am Berg zu fördern.
Text: Philipp Radtke
Foto: DAV/Franz Güntner
Das Begehen von Gletschern erfordert neben Kenntnis der Seil und Sicherungs technik auch einen guten Blick für Gelän de und Routenwahl, Wissen über typische Risiken sowie eine versierte Taktik.
26 DAV PANORAMA 1/2026
Roland Stierle, DAV-Präsident
Die Berge sind ein besonderer Ort – wild, schön und manchmal gefährlich. Wäre es angesichts steigender Unfallzahlen nicht sinnvoll, die gefährlichsten Stellen zu sichern, zu sperren oder den Zugang dorthin an Kompetenznachweise zu koppeln? Denkbar wäre es, denn im Flachland gehen wir aus guten Gründen in dieser Form mit den Gefahren um. So wild und so schön, wie wir die Berge lieben, sind sie aber nur, weil wir sie eben nicht zähmen. Bleibt also nur ein anderer Weg, mit dem Bergsportrisiko sinnvoll umzugehen: eigenverantwortlich handeln. Die Haltung, die dahintersteckt, bereichert uns als Bergsteigerinnen und Bergsteiger und als Menschen.“
Image: Porträt eines grauhaarigen Mannes mit Bart in dunklem Sakko und hellblauem Hemd vor neutralem, grauem Hintergrund.
Der Bergsport ist eine gute Gelegenheit, sich mit Gefahr bewusst aus einanderzu setzen.
SS ubjektive Gefahren [...] liegen im Menschen selbst, in seiner geistigen und körperlichen Unzulänglichkeit“ – klingt nach einer modernen Abhandlung zum Thema Risiko und Sicherheit im Gebirge? Nicht ganz. Dieses Zitat und die bis heute gebräuchlichen Begriffe der subjektiven und objektiven Gefahren beim Bergsport stammen von Emil Zsigmondy, aus seinem Buch „Die Gefahren der Alpen“ (1885). Als objektive Gefahren nennt er ausdrücklich Steinfall, Eis-, Schneelawinen und schlechtes Wetter. Daran hat sich bis heute wenig geändert. „Wie bei vielen Themen, sind auch beim Risiko die Diskussionen im Alpenverein praktisch dieselben wie schon vor hundert Jahren“, sagt Max Wagner, Historiker im Alpinen Museum in München.
Wir leben in einer Umgebung von großer Sicherheit, vor allem, was elementare Gefahren angeht. Es gibt überall Lebensmittel und Trinkwasser, unsere Transportmittel sind sicher, die medizinische Versorgung ist gut und wenn doch mal etwas schiefgeht, springt die Versicherung ein. Echte, unmittelbare Gefahr erlebt man nur noch selten. Der Bergsport ist eine gute Gelegenheit, sich mit Gefahr bewusst auseinanderzusetzen. Selbst bei einfachen Wanderungen gilt es aufmerksam zu gehen, um sich nicht den Fuß zu verstauchen, und genug Wasser dabeizuhaben, um nicht mitten am Berg zu dehydrieren. Beim Klettern ist die Gefahrenexposition recht offensichtlich: Ist der Knoten falsch oder unvollständig geknüpft, kann das beim Sturz fatal enden. Und wer im winterlichen Gebirge unterwegs ist, ist mit einer auf den ersten, ungeübten Blick unsichtbaren und tückischen Gefahr konfrontiert: Lawinen.
Hier kommt einer der Grundpfeiler des Alpenvereins ins Spiel, in seinem Leitbild ist das so formuliert: „Wir ermutigen Menschen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und vermitteln die Fähigkeit, mit Gefahren und Risiken bewusst umzugehen.“ Die Ausbildung der Mitglieder durch die ehrenamtlichen Trainer*innen in den Sektionen ist eine der zentralen Aufgaben des DAV. Und in diesen Ausbildungen sind Inhalte wie Tourenplanung und Risikomanagement fundamental. Sie dienen allesamt dazu, Bergsport so sicher wie möglich zu machen und das Risiko so weit wie möglich zu reduzieren.
Welche Risiken gesellschaftlich akzeptiert und welche schlicht als „hirnlos“ angesehen werden, das bietet regelmäßig Anlass für große Diskussionen, besonders in den Kommentarspalten der sozialen Medien. Auch das ist nichts Neues, die Diskussion ist so alt wie der Alpenverein, ja vermutlich so alt wie der Bergsport selbst. Beispiel gefällig? Als um 1880 das Bergsteigen ohne Bergführer begann, wurde das,
Roland Ampenberger, Pressesprecher Bergwacht Bayern
Ohne Risiko keine Sicherheit. Ohne Risiko kein Wachstum. Ohne Risiko kein Leben. Zur Dialektik des Lebens gehört das Wagnis – das Risiko ist kein Störfaktor, sondern ein Motor. Wir brauchen Menschen, die mit Unsicherheiten umgehen können, die nicht verharren, sondern ins Wagnis gehen, Risiken annehmen und Entscheidungen treffen – in Verantwortung für sich selbst und andere. Die Berge fordern und fördern diese Haltung. Sie lehren Demut vor dem Aufstieg, vor den eigenen Fähigkeiten – und die Bedeutung von Vorbereitung. Doch Risiko verlangt mehr als Mut: Es braucht Risikobewusstsein. Dieses Bewusstsein entsteht nicht aus Sehnsuchtsträumen vom Display, von Hochglanzbildern in den sozialen Medien. Es wächst aus Erfahrung, Schritt für Schritt, aus Wissen und aus der ehrlichen Einschätzung der eigenen Grenzen. Nicht jedes Ziel ist zu jeder Zeit für jeden erreichbar. Ob beim Bergsteigen, in der Bergrettung oder im Leben im Tal: Risiko gehört dazu. Und es macht uns lebendig – wenn wir es verstehen und verantwortungsvoll gestalten.“ auch in den Mitteilungen des Alpenvereins, als viel zu gefährlich angeprangert. Es könne das Bergsteigen in Gänze in Verruf bringen, vielleicht würde es deswegen sogar verboten werden! Die Führerlosen schimpften dagegen zurück, mit Bergführer ließen sich keine alpinistischen Leistungen von Wert erbringen.
Auch die beliebte These, dass verbesserte Ausrüstung, heutzutage etwa ein Lawinenairbag, zu erhöhter Risikobereitschaft führt, gibt es seit mehr als hundert Jahren. Was der Bergführer und Psychologe Martin Schwiersch heute dazu sagt, ist im Interview auf der rechten Seite nachzulesen. Genauso alt ist das Bestreben des Alpenvereins, das Bergsteigen sicherer zu machen: Schon in den 1920er Jahren gab es in den Alpenvereinsmitteilungen eine Bergunfallrubrik, die Unfälle nachskizzierte – immer schon mit dem Ansatz, aus Fehlern anderer zu lernen. Bis heute ist das eine der vielfältigen Aufgaben der Sicherheitsforschung des DAV (s. S. 33). Und auch wenn dank ausführlicher Berichterstattung die eigene Wahrnehmung häufig eine andere ist: Trotz des Bergbooms bleibt die Zahl der Toten auf verhältnismäßig niedrigem Niveau, auch wenn absolute Unfallzahlen und vor allem auch Unfälle durch Stein- und Eisschlag im Hochtourengelände zunehmen (Quelle: DAV-Bergunfallstatistik – erfasst werden Unfälle von DAV-Mitgliedern).
Wer selbst einmal am Berg in ein Gewitter oder auch nur in die Dunkelheit geraten ist, wer einmal Steinschlag am Helm vorbeisausen hat hören oder die Wucht einer Lawine erlebt hat (s. S. 31), wird im Alltag, der ja keine solche Gefahren birgt, vielleicht tatsächlich ein wenig entspannter durchs Leben gehen. „Der elende Mensch, der die Furcht nicht mehr kennt – die Todesangst, diesen wundersamen Nervenpfeffer, dessen stimulierende Kraft auch der Stumpfsinnigste fühlt“, so formulierte es der österreichische Alpinist Eugen Guido Lammer 1893. Bis zur Todesangst muss man es wahrlich nicht treiben, aber ein klein wenig „Nervenpfeffer“ im Leben ist vermutlich dennoch nicht das Schlechteste.
Anna Gomeringer, Bergführeranwärterin, Psychologin, Mitglied im DAV-Expeditionskader 2024-26
Risiko Gruppendynamik: Brenzlig wird es am Berg, wenn es in der Gruppe ‚holpert‘ – also wenn Konflikte oder Unklarheiten entstehen. Problematisch ist zum Beispiel, wenn Rollen sehr starr verteilt sind und eine Person ständig das Ziel vorgibt. Schwierig wird es auch, wenn unklar bleibt, wer welche Rolle einnimmt und wie zufrieden alle damit sind. Wichtig ist der Blick von außen auf die Gruppe: Was passiert gerade? Wo können Risiken entstehen? Wenn eine Situation angespannt ist oder es ein großes Kompetenzgefälle gibt, ist es oft sinnvoll, wenn eine Person die Leitung übernimmt. Viel Demokratie trägt zu einem positiven Klima in Gruppen bei, in der Ausbildung zur Bergführerin schätze ich es aber auch zu lernen, klare Ansagen zu machen.“
Foto: DAV/Philipp Abels
Image: Porträt einer lächelnden Person mit hochesteckten Haaren vor weißem Hintergrund.
Philipp Radtke hat lange als Trainer Kurse für seine Sektion gegeben. Das hat sein Risikoverhalten auch für seine privaten Touren nachhaltig geprägt.
Foto: Philipp Radtke
Image: Eine Skifahrerin steht in der steilen Abfahrt des Canale Holzer in den Sella-Dolomiten. Links und rechts ragen senkrechte Wände auf, unten sind sonnenbeschienene Hänge und Felsen zu erkennen.
Gefahr Risiko
Beispiel: Ein Löwe ist grundsätzlich eine Gefahr, er kann mich fressen. In einem Gehege im Zoo stellt er für mich kein Risiko dar. Fahre ich aber mit dem Fahrrad durch Namibia, setze ich mich der Gefahr (dem Löwen) sehr wohl aus und gehe damit ein Risiko ein.
Ein Risiko einzugehen heißt, zwischen der Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses und dessen möglichem Schaden abzuwägen. Den Sturz in der Kletterhalle nehmen wir in Kauf, auch wenn wir eine mögliche Prellung nicht ausschließen können; eine steinschlaggefährdete Rinne würden wir hingegen nicht im Gruppenverband, sondern einzeln queren oder noch besser umgehen. Viele Risikosituationen lassen sich einfach entscheiden, es bleiben jedoch oft Unwägbarkeiten und damit Unsicherheit. Hier helfen Faustregeln, wie „frühe Rückkehr zur Hütte bei nachmittäglicher Gewitterneigung“ und Systematiken wie das „Lawinenmantra“ zur Entscheidung, ob ein bestimmter Hang begeh- oder befahrbar ist.
Für klar definierte Schadensfälle sind deren Eintrittswahrscheinlichkeiten das Risiko. Sie sind über lange Beobachtungen berechenbar: Statistisch gesehen kann eine Person rund dreihundert Jahre lang einmal pro Woche in der Halle klettern oder bouldern, bis sie einen Unfall erleidet, der einen Rettungseinsatz erfordert. Beim Skitourengehen erlaubt mittlerweile die Verbindung von Unfalldaten und digitalen Skitourentracks, das Risiko, von einer Lawine erfasst zu werden, statistisch zu bestimmen; das wird veranschaulicht im Planungstool „Skitourenguru“.
Zu einem guten Umgang mit Risiken gehören: Gefahrenwissen, Können, gute Selbsteinschätzung und die Nutzung von Hilfsmitteln, um sich zum Ausmaß eines Risikos zu orientieren: vom Wetter- über den Lawinenlagebericht bis zum Schneedeckentest. Sicherheit und Eingehen eines Risikos schließen sich aus. Aber eine bewusste und informierte Entscheidung für oder gegen Risiko ist möglich. Martin Schwiersch
Panorama: Würdest du sagen, Bergsteigen in der Breite ist heute sicherer als vor fünfzig oder sechzig Jahren?
Martin Schwiersch: Das glaube ich auf jeden Fall. Es ist zumindest sicherer gestaltbar geworden, denn schlussendlich entsteht Sicherheit ja durch das Handeln der Leute. Aber würde ich mich jetzt sechzig Jahre zurückversetzen, denke ich mir „oh Gott, oh Gott“ – da habe ich heute ganz andere Möglichkeiten, es besser zu machen. Allein schon der Wetterbericht ist mittlerweile so gut, dass man richtig gut planen kann. Und bei der Einschätzung der Lawinengefahr hat man zumindest eine gute Datengrundlage und auch das entsprechende Verständnis ist da, da hat sich schon viel getan.
Es kommt immer wieder die Kritik auf, neuartige Sicherheitsausrüstung wie der Lawinenairbag verleite dazu, mehr Risiko einzugehen. Was hältst du von der These?
Im Grunde kann man diese Hypothese bei jedem Ausrüstungsgegenstand, der etwas sicherer machen will, ansetzen. Das hat man beim ABS im Auto gedacht, beim Sicherheitsgurt ebenso. Und jetzt halt beim Lawinenairbag. Es gibt vage Hinweise aus Online-Studien, dass an der These auch was dran ist. Andere Studien jedoch, wie zum Beispiel unsere große Skitourenstudie, können das nicht belegen. Ich würde behaupten: Wenn sich eine neue Sicherheitsausrüstung etabliert und zum allgemein üblichen Gebrauchsgegenstand wird, kann er keine individuelle Risikobereitschaft mehr erzeugen.
Bei Unfallanalysen geben Beteiligte oft an, dass sie eigentlich schon vor dem Unfall wussten, dass das, was sie gerade tun, nicht ganz richtig ist. Trotzdem kehren die Leute nicht um. Wie kommt es zu diesem Phänomen?
Man muss sich da in die jeweilige Entscheidungssituation hineinversetzen. Dieser Umgang mit Unsicherheit ist ja nichts Tolles, es ist unangenehm. In dem Moment kann der Mensch im Gebirge nur weitergehen oder umdrehen. Situativ ist die Entscheidung aber dreiwertig, neben „sicher“ und „unsicher“, oder „grün“ und „rot“, wenn man sich eine Ampel vorstellt, gibt es auch einen Bereich „gelb“: Ich weiß es nicht genau. Alle Hilfestellungen, die man dann zur Verfügung hat, sind dazu da, dieses „Gelb“ in „Rot“ oder „Grün“ zu verwandeln. Um damit ins Handeln zu kommen.
Im Prozess entscheidet man dann zum Beispiel „Ich kann ja noch bis zur nächsten Scharte gehen, das ist auf jeden Fall machbar, da kann ich immer noch umdrehen“. So ein Vorgefühl oder ein schlechtes Gefühl ist im Grunde ein Kennzeichen, dass man gerade in einer solchen Entscheidungssituation unterwegs ist. Das spürt man auch körperlich. Und eigentlich hofft man immer, durch ein Ereignis eine Entscheidungssicherheit zu bekommen. Rein abstrakt unter Unsicherheit zu entscheiden, ist extrem schwierig. Als Hilfe bräuchte es dann im „gelb“ eine weitere Entscheidungsebene wie „Wir wollen nicht länger als eine Stunde im Nebel unterwegs sein“. Im Grunde ist das dann ähnlich wie Umkehrzeiten, die wir schon lange kennen beim Bergsteigen. Wenn man ein solches Kriterium hat, eine rote Linie, dann würde das helfen. Dass man solche roten Linien auch mal überschreitet, das kennt man aus vielen Lebensbereichen. Aber man weiß dann zumindest, dass man es tut.
Drei Fragen an Martin Schwiersch
Sicherheit entsteht durch Handeln
Martin Schwiersch ist Diplompsychologe, staatlich geprüfter Berg und Ski führer und Psychotherapeut. Er unterstützt seit vielen Jahren die Sicherheitsfor schung des DAV, entwickelte unter anderem Entscheidungsstrategien im Lawi nengelände und macht sich viele Gedanken, warum Menschen im Gebirge tun, was sie tun. Panorama hat ihn zum Thema Risiko und Sicherheit interviewt.
Interview: Christine Frühholz
Foto: Peter Brunnert
Dr. Martin Schwiersch unterstützt seit vielen Jahren die DAV-Sicherheitsforschung.
Beim Bergsteigen untrennbar verbunden: Risiko und Sicherheit
1/2026 DAV PANORAMA 29
Image: Eine Person mit gelbem Rucksack wandert auf einem steinigen Bergpfad zwischen großen Felsen. Im Hintergrund sind schroffe Berggipfel zu sehen, teilweise mit Schneefeldern. Über der Szenerie hängen dunkle, bedrohliche Gewitterwolken, die eine dramatische Stimmung erzeugen.
Lernen aus (Beinahe-)Unfällen
Fast wäre es passiert ...
Am Berg in eine brenzlige Lage zu geraten – das wünscht man niemandem. Trotzdem bieten solche Situationen auch wertvolle Lernchancen: Wer reflektiert, was falsch gelaufen ist oder beinahe hätte schiefgehen können, gewinnt wichtige Erkenntnisse und kann zukünftige Touren sicherer gestalten. Ein paar Beispiele.
Ohne Sicht und Akku – Skitour im Blindflug
Anne Zeller, Trainerin C Bergsteigen, Sektion Wolfratshausen Quelle: bergundsteigen.com, Dezember 2023
Ende März: Nach Neuschnee und Sturm auf der Kasseler Hütte wollten wir trotz Lawinengefahrenstufe 3 und null Sicht „nur kurz“ Richtung Magerstein aufbrechen. Die Route war bekannt, unter dreißig Grad steil, ein GPS-Track sollte helfen. Doch nach einer halben Stunde im eisigen Wind: Mein Smartphone – das einzige mit dem Track – schaltete sich ab, Akku leer. Ich sagte nichts. Wir stiegen weiter, bis die Sicht völlig verschwunden war. Beim Abfellen war die Spur kaum noch erkennbar, die Abfahrt wurde zum Blindflug, Stürze inklusive. Orientierung nur noch über eine grobe Karte. Am Ende erreichten wir die Hütte – mit dem Gefühl: Das war unnötig riskant.
Was sind die Learnings?
� Handy bei Kälte am Körper tragen – sonst ist der Akku schnell leer.
� GPS-Tracks sind hilfreich, sollten aber nie alleinige Orientierungsquelle sein.
� Bedenken sofort kommunizieren – im Zweifel umdrehen.
� Besondere Vorsicht bei Skitouren ohne Sicht: Geländefallen und Steilheit bleiben unsichtbar.
Die DAV-Sicherheitsforschung ergänzt:
(Ski-)Touren ohne Sicht sind auch mit elektronischen Orientierungsmitteln kritisch. Für die Orientierung ist nicht nur die Position auf der Karte, sondern die Verortung im Gelände notwendig. Bei Lawinengefahrenstufe 3 ist auch der Einzugsbereich relevant – wer ohne Sicht von der „optimal“ geplanten Route abkommt, kann schnell im Auslaufbereich eines Steilhangs stehen.
Mehr Geschichten (opens in a new tab), Learnings und ver tiefende Infos (opens in a new tab)
Foto: BerkahStock/Adobe Stock
Plötzlich mitten im Gewitter
Jochen Weiner, Jugendreferent, Sektion Bremen
Bei Arbeiten zur Hütteneröffnung im Juni wollten wir an einem Seilbahnmast eine Funkanlage installieren. Der Arbeitsort lag über eine Stunde von der Hütte entfernt auf über zweitausend Metern in der Nordflanke des Alpenhauptkamms. Wir waren zu viert, das Wetter schien stabil, nur geringe Gewitterneigung war angekündigt. Während wir die Antenne montierten, begann es plötzlich zu donnern. Das Gewitter kam von Süden. Zunächst für uns nicht sichtbar, brachten wir dann schleunigst Abstand zwischen uns und die Seilbahn. Blitz und Donner folgten fast ohne Abstand, Regen prasselte, wir waren durchnässt. Der Rückweg über einen exponierten Rücken war zu gefährlich. Wir kauerten uns in sicherer Entfernung zum Mast in eine Senke und warteten unter einem Regencape, bis das Gewitter abzog. Erst dann traten wir den kalten Rückweg an.
Was sind die Learnings?
� Wissen, aus welcher Richtung das Wetter kommt und die Entwicklung regelmäßig prüfen, besonders bei verdeckter Sicht.
� Mobilfunk nutzen: Regenradar checken!
Die DAV-Sicherheitsforschung ergänzt:
Unsere Bergwanderstudie zeigt, dass viele Personen bereits ein oder mehrere Male am Berg in ein Gewitter gerieten. In den meisten Fällen geht dies glimpflich aus, es kann aber lebensgefährlich werden. Daher sollte besonders auf Anzeichen einer erhöhten Gewitterwahrscheinlichkeit geachtet werden: sich rasch auftürmende Quellwolken, eine heranziehende Wolkenfront oder schwüle, feuchte Luft und Dunst am Morgen.
Achtzig Höhenmeter mitgerissen
Frederico Göpelt, Jugendreferent, Sektion Berlin
Die letzte Abfahrt auf unserer Skidurchquerung bei einer Fortbildung für Jugendleiter*innen im Rätikon. Laut LLB bestand mäßige Lawinengefahr (Stufe 2), vor allem durch älteren Triebschnee an Schattenhängen sowie mögliche Nassschneelawinen im späteren Tagesverlauf. Den südexponierten Hang erreichten wir bereits um elf Uhr. Ich fuhr als Letzter hinein. Über mir löste sich eine Lawine und riss mich etwa achtzig Höhenmeter mit. Ich wurde teilverschüttet, aber zum Glück ist nicht viel passiert – nur meine Skibrille, ein Stock und ein Ski wurden vergraben. Der Weiterweg auf neuer Route war sehr entkräftend. Wir vermuteten, dass oben am Rand des Einstiegs eine Wechte abbrach und den Hang mitnahm. Diese war östlich ausgerichtet und musste deutlich früher durch die Sonne durchfeuchtet worden sein.
Was sind die Learnings?
� Sonniges Wetter, ausgelassene Stimmung und eine große Gruppe können ein bestehendes Risiko geringer erscheinen lassen.
� Gut abwägen: Mehr Risiko wegen eines höheren Erlebniswerts eingehen?
� Kritische Situationen in der Gruppe im Nachhinein reflektieren.
Die DAV-Sicherheitsforschung ergänzt:
Die Lawinengefahrenstufen sind Zahlen, die die Komplexität der Schneedecke zusammenfassen. Auch bei der zweitniedrigsten Gefahrenstufe 2 („mäßig“) besteht an bestimmten Hängen eine erhöhte Auslösewahrscheinlichkeit. Und: Auch ein kleines Schneebrett kann eine Person mitreißen, verletzen und unter Umständen komplett verschütten.
Völlig ungesichert über dem Abgrund
Ingo Röger, Trainer C Bergsteigen, Sektionen Leipzig und Chemnitz
2012 kletterten wir in den Wiener Bergen unsere erste gemeinsame Mehrseillängen-Route. Oben angekommen, seilte ich die erste Länge ab, dann folgte meine Partnerin. Auf dem schmalen Felsband nahm sie sich wie selbstverständlich aus dem Abseilgerät und stand plötzlich völlig ungesichert auf dem winzigen Absatz. Ich drückte sie zur Wand und hielt sie fest. Sie schaute ungläubig, dann verstand sie und klickte ihre Selbstsicherung ein. 13 Jahre später im Tessiner Maggiatal: Mein junger Partner kletterte noch nicht lange. Beim Abseilen beobachtete ich ihn kritisch von oben. Er meisterte alles bestens. Ich folgte nach, gab ihm dabei Ratschläge und war so versunken, dass ich mich am Stand aus der Abseile nahm und den Prusik entfernte. Mein (vermeintlich) unerfahrener Kletterpartner machte mich sofort auf den Fehler aufmerksam und ich fixierte mich mit der Selbstsicherung.
Was sind die Learnings?
� Routine schützt nicht vor Unaufmerksamkeit – gerade in Momenten der Entspannung oder Ablenkung heißt es, wachsam zu bleiben.
� Die eigene Sicherung hat Vorrang – dies sollte immer bewusst sein.
Die DAV-Sicherheitsforschung ergänzt:
Abseilfehler können schwerwiegende bis tödliche Konsequenzen haben. Deswegen sollte auch hier ein Partnercheck unten und oben selbstverständlich sein. Sicherheitsrelevante Vorgänge sollten bewusst und ohne Ablenkung durchgeführt werden.
Image: Eine Person klettert auf einem felsigen Steig in den Bergen und hält sich mit einer Hand an einem Stahlseil fest. Im Hintergrund ist eine weitere Person sichtbar, ebenfalls auf dem Steig. Die Umgebung besteht aus grauem Kalkgestein.
Foto: DAV/Julian Rohn
Schaffe ich das? Ob allein, mit Freund*innen oder geführt: Diese Frage muss man vor jeder Tour klären.
KK lar sein dürfte: Bergsport birgt Risiken. Und vor jeder Tour muss man sich fragen: Bin ich den Anforderungen gewachsen? Bringe ich genug Erfahrung mit? Habe ich die richtige Ausrüstung? Wie ist die Wetterlage? Und das gilt sowohl bei eigenen Unternehmungen mit der Familie oder im Freundeskreis als auch auf einer Tour mit der DAV-Sektion.
Gemeinschaftstouren, Führungstouren – wo liegt der Unterschied?
Verabreden sich DAV-Mitglieder zu einer Bergtour, ohne dass eine Person dabei ausdrücklich als „Tourenführer*in“ benannt ist, spricht man von einer Gemeinschaftstour. Dabei geht man davon aus, dass die Teilnehmer*innen die Tour selbstständig und eigenverantwortlich durchführen können. Alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Auch Trainer*innen oder Fachübungsleiter*innen können eine Gemeinschaftstour organisieren, ohne dass sie dadurch automatisch eine besondere Verantwortung für andere übernehmen. Zu einer faktischen Verantwortung kann es nur dann kommen, wenn der*die Trainer*in oder Fachübungsleiter*in einen Unfall aufgrund der absolvierten Ausbildung (Stichwort Garantenstellung) hätte voraussehen müssen.
Bei Führungstouren hingegen übernimmt eine Person die sicherheitsrelevante und damit auch die rechtliche Verantwortung für die Gruppe. Diese Person wählt als Tourenführer*in die Route aus und trifft die wesentlichen Entscheidungen, zum Beispiel zu den Sicherungsmaßnahmen oder ob die Tour abgebrochen werden muss. Sie hat dabei bestimmte Sorgfaltspflichten. Passiert ein Unfall, wird geprüft, ob diese „in vorwerfbarer Weise“, wie man es juristisch formuliert, verletzt worden sind. Hätte die führende Person es besser wissen müssen?
Unfälle durch Steinschlag oder unvorhersehbare Lawinenabgänge, Stolperstürze in Gelände, in dem eine Sicherung nicht möglich war, gehören zum „alpinen Restrisiko“ – und sind damit Gefahren, mit denen man selbst umgehen muss. Hat die gerichtliche Prüfung aber ergeben, dass bei einem Unfall „sorgfaltswidrig“ gehandelt wurde, kann das sowohl zivil- als auch strafrechtliche Folgen haben.
Rechtliche Folgen eines Bergunfalls
Wo endet die Eigenverantwortung?
Um die Antwort vorwegzunehmen: Sie endet gar nicht. Wer wieweit und wofür auf einer Bergtour verantwortlich ist und welche rechtlichen Folgen ein Bergunfall nach sich ziehen kann, betrachten wir etwas genauer.
Text: Jonas Kassner, Georg Schmidt
Zivilrechtliche Folgen
Wer übernimmt die Krankenhaus- und Behandlungskosten? Wer bezahlt die von der Lawine verschüttete Ausrüstung? Und – schlimmstenfalls – bei tödlichen Unfällen: Wer trägt den so genannten Unterhaltsschaden und das Hinterbliebenengeld? Diese finanziellen Folgen fallen unter das Zivilrecht (oder auch Privatrecht). Wenn festgestellt wird, dass eine Tourenleitung „schuldhaft“ oder „fahrlässig“ gehandelt hat, können Teilnehmende (und die Hinterbliebenen) den Schaden unter bestimmten Voraussetzungen – auch gegenüber der DAV-Sektion – geltend machen.
Strafrechtliche Folgen
Angenommen, jemand bricht sich auf einer geführten Tour bei einem Sturz ein Bein oder kommt ums Leben: Wenn vor Gericht festgestellt würde, dass der*die Führer*in zuvor in vorwerfbarer Weise fahrlässig gehandelt hat, weil er*sie die erforderliche Sorgfalt pflichtwidrig außer Acht gelassen hat – und dieses Verhalten kausal für den Sturz war –, kann dies neben den oben geschilderten zivilrechtlichen Folgen (Schadenersatz) auch eine Geld- oder Freiheitsstrafe nach sich ziehen.
Während es im Zivilrecht um den finanziellen Ausgleich eines Schadens geht, der entstanden ist, weil eine Person die Sicherheitsstandards nicht eingehalten hat, die die Teilnehmer*innen erwarten durften, geht es im Strafrecht um die Frage, ob ihr das Verhalten auch persönlich zum Vorwurf gemacht werden kann.
Alle haben Pflichten
Ganz wichtig: Die Eigenverantwortung endet auch bei einer geführten Bergtour nicht vollständig. Rechtlich und praktisch betrachtet tragen beide Seiten Verantwortung: Die Tourenleiter*innen mit einer professionellen Sorgfaltspflicht, die Teilnehmenden mit einer Pflicht zur Eigenverantwortung und Mitwirkung. Erstere haften bei Fehlentscheidungen, mangelnder Aufklärung oder Organisation. Letztere bei selbst verschuldeten Fehlern, zum Beispiel wenn sie Anweisungen missachten oder unzureichende Angaben zur Fitness gemacht haben.
Image: Eine Person mit grünem Kletterhelm und Handschuhen steht vor einer künstlichen Kletterwand. An der Wand sind bunte Klettergriffe befestigt sowie ein Prüfgerät mit Metallhalterungen und einem angeschlossenen orangefarbenen Seil. Die Person hält ein Notizbuch und schreibt etwas auf, während die Vorrichtung mit Karabinern und Seilen gesichert ist.
THEMA: RISIKO
Foto: DAV-Sicherheitsforschung
Die DAV-Sicherheitsforschung
Wissen kann Leben retten
Ob an der Kletterwand, im tief verschneiten Berghang, im Labor oder am Schreibtisch: Die Sicherheitsforschung des Deutschen Alpenvereins (SiFo) gibt alles, um das Risikobewusstsein beim Bergsport zu schärfen und optimale Voraussetzungen für sichere Touren zu schaffen. Das Team besteht aktuell aus drei Expert*innen, die ihre Liebe zum Bergsport, ihr wissenschaftliches Know-how und ihr Studium verbinden, um für mehr Sicherheit in Schnee/Eis, Fels und in der Halle zu sorgen. Je nach Forschungsgegenstand bildet die SiFo Arbeitsgruppen mit externen Personen aus Bergsportsicherheit, Forschungsinstitutionen sowie Universitäten und DAV-Lehrteams.
Ein Unfall in der Kletterhalle? Das Team der SiFo untersucht Unfallursachen und leitet aus den Erkenntnissen Handlungsempfehlungen fürs Indoorklettern ab. Neue LVS-Geräte auf dem Markt? Die Kolleg*innen verbuddeln die Neuheiten, testen die Funktionen und informieren anschließend über Stärken und Schwächen der Modelle. Offene Fragen zum sicheren Sichern? Im Labor prüfen sie, welche Aspekte beim Sichern mit Bremsassistenten zu beachten sind oder wie zuverlässig Bohrhaken sind. Auch Verhaltensforschung ist Teil der Arbeit: Bergsportler*innen werden im Gelände beobachtet und zu sicherheitsrelevanten Themen befragt. Laufend wird auch das Unfallgeschehen der DAV-Mitglieder analysiert; dies ist Grundlage für die regelmäßig veröffentlichten Berg- und Kletterhallenunfallstatistiken. Die aufbereiteten Ergebnisse stellt die Sicherheitsforschung Herstellern, Kletterhallen und natürlich allen Interessierten zur Verfügung.
Klar ist: Hundertprozentige Sicherheit bei sportlichen Aktivitäten insbesondere in einer wilden Landschaft wie den Alpen gibt es nicht. Doch wer die zur Verfügung stehenden Informationen und Hinweise beherzigt, kann das Risiko eines Unfalls deutlich reduzieren.
Wie alles begann
Ein Name, der schnell fällt, wenn es um die Entstehung der DAV-Sicherheitsforschung geht, lautet: Pit Schubert (1935 - 2024). Der „Sicherheitspapst“ war einer der Gründer und Leiter des DAV-Sicherheitskreises von Beginn im Jahr 1968 an, zuerst ehrenamtlich, später hauptberuflich. Der Maschinenbauingenieur brachte ingenieurwissenschaftliche Maßstäbe in den Bergsport und prägte die hohen Qualitätsstandards heutiger Bergsportausrüstung damit entscheidend.
Generell liegen die Wurzeln der SiFo allerdings in der Normen-Arbeit. Bis heute ist sie in den Normenausschüssen DIN, CEN und UIAA vertreten. Die Erkenntnisse aus Material-, Unfall- und Verhaltensforschung fließen in Vorträge und schriftliche Publikationen sowie die DAV-Ausbildung der Lehrteams, um Bergsportler*innen möglichst gute Tools für Entscheidungen auf Tour und den Umgang mit Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Julia Behl
Alle Ergebnisse der Arbeit der DAV Si cherheitsforschung (opens in a new tab).
Image: Illustration mit Bergsport-Szenen: Personen beim Wandern, Skitourengehen, Mountainbiken und Klettern in alpiner Landschaft. Die Szenen zeigen typische Gefahren wie Sturz, Gewitter, Stein- und Eisschlag sowie Ausrutschen.
Typische Bergsportunfälle vermeiden
Bergwandern ist die beliebteste Disziplin unter DAV-Mitgliedern – 95 Prozent schnüren zumindest ab und zu die Wanderschuhe. Jeweils 34 Prozent gehen Mountainbiken und Hallenklettern, 23 Prozent sind auf Skitouren unterwegs (Quelle: Mitgliederumfrage 2025). Doch mit der Beliebtheit steigen auch die Unfallzahlen: Beim Wandern passieren die meisten Unfälle. Während bei Sportarten wie Mountainbiken, Klettern oder Skitourengehen Stürze dominieren, spielen beim Wandern mehrere Faktoren eine Rolle. Hinzu kommen Bergwachteinsätze aufgrund von Blockierungen, das heißt Rettungen unverletzter Personen, die sich über- oder die Tour bzw. die Verhältnisse unterschätzt haben. Mehr Infos: alpenverein.de/unfaelle-am-berg (opens in a new tab)
DAV-Angebote für sichere Touren
Die nötigen Fähigkeiten, um sicher am Berg unterwegs zu sein, erlangen DAV-Mitglieder z.B. in Ausbildungskursen der Sektionen. Dort lernt man, wie man Touren plant, das Wetter interpretiert, sich per Karte oder App orientiert. Auf geführten Touren oder in Gruppen profitiert man vom Wissen erfahrener Personen. Theoretische Hintergründe vermitteln der DAV und seine Sicherheitsforschung in Panorama sowie über die Webseite und Social-Media-Kanäle.
Sturz auf Skitour
Die Hauptunfallursache beim Skitourengehen ist der Sturz, Lawinen spielen bei nicht tödlichen Unfällen eine untergeordnete Rolle – adäquates Wissen zum Thema ist im Gelände unverzichtbar! Unfall vermeiden durch: solide Skitechnik (nicht nur auf der Piste, auch im Gelände, wo die Schneebedingungen sehr unterschiedlich sein können), an die Verhältnisse angepasste Fahrweise sowie Geschwindigkeit.
Sportverletzungen beim Klettern
Das größte Risiko in der Kletterhalle ist der Sturz mit verschiedenen Auswirkungen: „Grounder“ (Bodensturz), an die Wand oder mit einer sichernden/kletternden Person (zusammen-) prallen und von herabfallenden Gegenständen (oder Personen) getroffen werden. Besonders drastische Auswirkungen hat er, wenn die kletternde Person sich aufgrund von Blackout nicht oder falsch eingebunden hat (in den letzten Jahren gehäuft beim Klettern an Selbstsicherungsautomaten). Unfall vermeiden durch: gute Ausbildung sowohl was Klettern als auch Sichern angeht, regelmäßiges Sturztraining und hohe Aufmerksamkeit in der Halle.
Sturz beim Mountainbiken
Wenig überraschend sind Stürze die häufigste Unfallursache beim Mountainbiken – meist mit schmerzhaften Folgen. Unfall vermeiden durch: Fahrtechnik und Gleichgewicht trainieren (mountainbiken ≠ radfahren), Schutzausrüstung nutzen, Tourenwahl und Geschwindigkeit an Können anpassen.
34 DAV PANORAMA 1/2026
AUF EINEN BLICK
Gewitter
Selbst bei sorgfältiger Tourenplanung und Wetterbeobachtung geraten Menschen in Gewitter. Unfall vermeiden durch: seilversicherte Steige und exponiertes Gelände verlassen, Waldmitte oder Mulden in Wiesen aufsuchen, Abstand zu anderen Personen einhalten, Schutzposition einnehmen (mit geschlossenen, angezogenen Beinen auf eine Unterlage kauern, möglichst wenig Kontaktfläche zum Boden).
Ausrutschen oder Stolpern
Zu den typischen Stolper- und Ausrutschstellen gehören feuchte Wiesenhänge, nasse Wurzeln und Steine, lehmig-erdige Wegpassagen, feiner Kiesel auf glatten Felsplatten, Laub und Schneefelder. Unfall vermeiden durch: angemessenes Schuhwerk, aufmerksam sein, motorische Fähigkeiten/ Trittsicherheit schulen.
Stein- und Eisschlag
Das Auftauen des Permafrostes und die starke Gletscherschmelze infolge steigender Null-Grad-Grenze und Hitzewellen führen zu mehr Stein- und Eisschlag. Unfall vermeiden durch: entsprechende Tourenauswahl und -planung, Zeichen im Gelände (Schotterhalden, unbewachsene Steine am Wegesrand) erkennen.
Herz-Kreislauf-Störungen
Herz-Kreislauf-Störungen stellen einen großen Anteil der Unfallursachen beim Bergwandern, häufig mit Todesfolge. Insbesondere vorbelastete Personen sollten sich regelmäßig ärztlich checken lassen und Warnsignale ernst nehmen. Unfall vermeiden durch: regelmäßigen Sport auch abseits der Bergtour, langsame Steigerung der Intensität mit Beobachtung der Pulswerte.
Verirren/Versteigen
Eine vermeintliche Abkürzung zu nutzen oder sich zu verlaufen, kann verschiedene Notsituationen nach sich ziehen. Man gerät in schwieriges Gelände und kommt nicht weiter (Stichwort: Blockierung) oder stürzt im schlimmsten Fall ab. Unfall vermeiden durch: Ruhe bewahren, Gelände – soweit möglich – einschätzen, im Zweifel umdrehen und ursprünglichen Weg aufsuchen.
Illustration: Marmota Maps
Mehr über die Alpen gibt es in unserem neuen (opens in a new tab), aktualisierten Alpenbuch (opens in a new tab): dav-shop.de (opens in a new tab)
Image: Ein Bergsteiger klettert eine senkrechte Eiswand hinauf. Tief unter ihm befinden sich spitze Felsen.
Abschlussexpedition des DAV-Expeditionskaders
Vom Quäntchen Glück in Patagonien
Erst hatte das DAV-Expedkader-Männerteam kein Glück bei der Wahl ihres Expeditionsziels, dann kam auch noch Pech beim Wetter hinzu. Am Ende steht die Erkenntnis, dass sich manche Dinge nicht beeinflussen lassen, man aber trotzdem gemeinsam eine gute Zeit haben kann.
Text: Luis Funk, Florian Frank, Leon Schaake
Fotos: Luis Funk, Sebastian Brutscher
Nachdem das übrige Team bereits abgereist ist, hat Luis doch noch Glück mit dem Wetter. Zusammen mit zwei Argentiniern besteigt er in einer Sechs-Tages-Aktion den Cerro Torre.
Image: Zwei Bergsteiger tragen große Rucksäcke auf einem schmalen Pfad über eine weite Ebene. Am Horizont befinden sich hohe, schneebedeckte Berge.
PATAGONIEN
UU rsprünglich waren wir uns in der Expeditionsplanung schnell einig. Es sollte nach Nepal in die Changla-Himal-Region gehen. Neun Monate bereiteten wir uns sportlich vor und planten die Expedition intensiv, um vor Ort einen möglichst reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Entsprechend groß war unsere Enttäuschung, als zwei Wochen vor dem geplanten Abflug in Nepal politische Unruhen ausbrachen und unsere Expedition unmöglich machten. Nun standen wir vor der Herausforderung, innerhalb von zwei Wochen ein neues Ziel zu finden. Patagonien schien uns eine super Alternative. Die Berge rund um El Chaltén sind zwar nicht so hoch wie in Nepal, jedoch erwarteten uns dort mit Cerro Torre und Fitz Roy zwei der schönsten Berge der Welt. Allerdings ist das Wetter in Patagonien oft von extremen Stürmen geprägt, Windgeschwindigkeiten von 150 Stundenkilometern sind nicht außergewöhnlich.
Unsere Hoffnung auf gutes Wetter wird dann nach drei langen Reisetagen im patagonischen El Chaltén schnell zerschlagen: Regen, Wind und tief hängende Wolken empfangen uns. Aber gegen Ende der Woche kündigt die Wetterprognose ein kleines, stabiles Wetterfenster an.
Wir, das sind Luis und Florian, beschließen, die Aguja Guillaumet in Angriff zu nehmen. Und weil die Zustiege zu den Touren in Patagonien meist lang und kräftezehrend sind, machen wir uns bereits am Vortag mit schwerem Rucksack auf den Weg zum Biwak. Dort stellen wir unsere Zelte auf, schmelzen Schnee für Wasser und kriechen nach dem Abendessen erschöpft in die Schlafsäcke. Nach einer windigen Nacht zeigt sich Patagonien am Morgen von seiner besten Seite, windstill und mit blauem Himmel. Unser Ziel ist die Mixed-Route „Coqueugniot-Guillot“ an der Ostwand der Guillaumet. Wir machen uns früh auf den Weg und stehen zwei Stunden später am Fuß der Wand. Steiles Gelände bringt uns zu einem Eisschlauch, der großartige Kletterei bietet und zu einer anspruchsvollen Verschneidung führt. Nach einigen weiteren Mixedlängen stehen wir unter dem, vom ständigen Westwind stark überwechteten, Gipfelgrat. So wird die bei guten Bedingungen einfache Passage zur Schlüsselseillänge. Flo steigt trotzdem ein, wird weiter oben langsamer. Kurz vor dem Gipfelgrat ist mit „normalem Eisklettern“ kein Weiterkommen mehr möglich und Flo buddelt sich mit der Lawinenschaufel durch die steile Wechte. Erschöpft, aber glücklich stehen wir beide kurze Zeit später am Ausstieg der Tour. Der eigentliche Gipfel liegt von dort noch eine knappe Stunde entfernt, weil es aber schon zu spät ist, entscheiden wir, nichts zu riskieren und auf den Gipfel zu verzichten.
Zur gleichen Zeit machen sich Josef, Hannes, Leon und unser Trainer Sebastian auf den Weg zur entgegengesetzten Seite der Fitz-Roy-Gruppe. Sie wollen sich ein Bild von den Verhältnissen und der Kletterei an der Aguja de la S machen. Vor Ort wartet ein langer, steiler Hang mit tiefem Schnee auf sie. Endlich auf dem Gletscher unterhalb des geplanten Ziels angekommen, zeigt sich, dass alle Risse und Verschneidungen mit lockerem Neuschnee gefüllt sind – an Klettern ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Also weichen die vier schweren Herzens auf den Nachbargipfel Mojón Rojo aus. Dort erwartet sie nach einer Seillänge und einigen Metern Kraxelei ein versöhnlicher Abschluss: der phänomenale Blick auf Cerro Torre, Torre Egger und Cerro Standhardt bei völliger Windstille.
In den folgenden Wochen spielt das Wetter nicht mehr mit. Und so vertreiben wir uns die Zeit mit Laufen, Sportklettern und beim Bouldern an den umliegenden Boulderblöcken von El Chaltén. Obwohl wir eine gute Zeit in El Chaltén haben, hoffen wir doch bis zuletzt vergeblich auf besseres Wetter, um doch noch Bergsteigen zu können – dafür sind wir ja eigentlich nach Patagonien gekommen. Und so werden unsere Erwartungen an die gemeinsame Abschlussexpedition, trotz vieler positiver Eindrücke, enttäuscht. Letztendlich braucht man, neben guter Planung und viel organisatorischer und sportlicher Vorbereitung, eben vor allem auch das nötige Glück. Luis, der zwei Wochen länger in Patagonien bleibt, hat dann doch noch dieses nötige Glück. Er besteigt mit den Argentiniern Ema und Jere den Cerro Torre über die Ragni-Route.
In Patagonien sind lange Zustiege von 20 Kilometern nicht selten.
Der DAV-Expeditionskader Männer 2023-2025 wurde unterstützt von:
Image: Lächelnde Person mit Mütze, Skibrille und Winterjacke vor verschneiter Bergkulisse – Schwarzweißaufnahme im Hochformat.
Image: Lächelnde Person mit Mütze, Skibrille und Winterjacke vor verschneiter Bergkulisse – Schwarzweißaufnahme im Hochformat.
Image: Lächelnde Person mit Mütze, Skibrille und Winterjacke vor verschneiter Bergkulisse – Schwarzweißaufnahme im Hochformat.
Auch wenn nicht alles lief wie geplant. Luis, Florian und Leon haben in Patagonien viel gelernt und konnten in einem tollen Team wertvolle Erfahrungen sammeln.
Die ausführliche Reportage gibt es online (opens in a new tab).
Image: Zwei Personen sitzen in warmer Kleidung auf einem felsigen Berggipfel mit österreichischer Markierung, denken an das Absetzen eines Notrufs mit der Nummer 112, im Hintergrund ist ein Gipfelkreuz im Nebel zu sehen.
Unterkühlung und Erfrierung am Berg
Mit Kälte richtig umgehen
Trotz immer besserer Ausrüstung und zunehmendem medizinischen Wissen dank Ausbildungskursen sterben in den Bergen immer wieder Menschen an oder mit Unterkühlung. In diesem Beitrag beleuchten wir den potenziell lebensbedrohlichen Zustand der Unterkühlung aus medizinischer Sicht, erklären, wie er sich vermeiden lässt und was im Notfall zu tun ist. Zum Thema kälteassoziierte Gefahren am Berg gehören außerdem Erfrierungen und Erste Hilfe nach Lawinenabgängen.
Text: Katharina Grasegger Illustrationen: Georg Sojer
Unterkühlung
Anders als erwartet, tritt dieser Zustand nicht nur im tiefsten Winter, in großen Höhen oder bei Schneesturm auf, sondern unter Umständen schon bei einstelligen Plusgraden. Hierbei spielen vor allem die Kleidung und Faktoren wie Nässe eine große Rolle. Bei einer Lawinenverschüttung kühlt der Körper im Schnee vergleichsweise langsam mit 1 bis 9 °C pro Stunde ab, wohingegen ein Sturz ins kalte Wasser zu einer Abkühlung von 5 bis 10 °C alle zehn Minuten führen kann. Auch der Wind spielt eine entscheidende Rolle: Bei nur 10 km/h Wind können 0 °C schon wie -3,3 °C wirken.
Ab einem Abfall der Körperkerntemperatur unter 35°C spricht man von einer Unterkühlung (Hypothermie), wobei man diese in mild, moderat und schwer unterteilt. Eine milde Hypothermie von 35 bis 32°C wird im Allgemeinen gut toleriert und äußert sich vor allem durch Unruhe, Kältezittern und blasse Haut. Bei einer moderaten Hypothermie von 32 bis 28 °C kommt das Kältezittern zum Erliegen und das Bewusstsein trübt zunehmend ein. Unter 28 °C Körperkerntemperatur tritt häufig Bewusstlosigkeit ein und schwere Herzrhythmusstörungen können zum Atem- und Kreislaufstillstand führen.
Eine Kombination aus Unterkühlung und starker körperlicher Erschöpfung und/oder Verletzungen sind prognostisch besonders ungünstig. So kam es zum Beispiel 2008 beim Zugspitzlauf dazu, dass nach einem Wetterumschwung zwei Trailläufer an Unterkühlung starben. Hier spielte die Kombination aus nasser, nicht dem Wetter angepasster Kleidung und starker körperlicher Erschöpfung wohl die entscheidende Rolle. Ein anderes bekanntes Beispiel ist der Tod einer 33-jährigen Frau am Großglockner im Januar 2025. Die Kombination aus massiver körperlicher Erschöpfung, Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes und Sturm führten vermutlich innerhalb von wenigen Stunden zum Tod durch Erfrieren.
Die Vorbereitung ist entscheidend
Wie können wir uns also bei Unternehmungen am Berg bestmöglich auf genau diese Situationen vorbereiten und uns vor Unterkühlung schützen – insbesondere bei plötzlichen Wetterumschwüngen?
Entscheidend ist neben einer vorausschauenden Tourenplanung unter Einbeziehung eines verlässlichen Wetterberichts (alpenverein.de/bergwetter) die optimale Ausrüstung. Hierzu zählen Wechselkleidung, winddichte Oberbekleidung, warme Getränke, ausreichend Essen und mindestens eine Rettungsdecke und ein Biwaksack je zwei Personen.
Kommt man trotzdem in eine Situation, in der man Kälte ungeplant ausgesetzt ist, sind einfache erste Schritte entscheidend, um eine weitere Auskühlung zu vermeiden. Hierzu zählt primär – sofern gefahrlos möglich –, sich an einen geschützten Ort zu begeben. Dieser sollte vor allem windgeschützt und trocken sein, nasse Kleidung sollte schnellstmöglich durch trockene ersetzt werden. Weitere sinnvolle Hilfsmittel sind Unterlagen, um nicht direkt auf der kalten Unterfläche zu sitzen (Isolation), das Anbringen einer Rettungsdecke in „Windeltechnik“ (reines Auflegen bringt wenig!) und das Verwenden eines Biwaksacks. Hat man keine Sitzunterlage dabei, kann man sich auch auf den Tourenrucksack oder das Kletterseil setzen. Auch das Thema Essen sollte nicht unterschätzt werden, da das Kältezittern bei einer milden Hypothermie zu einem erhöhten Energiebedarf führt. Durch die vorangegangene Wanderung, Berg- oder Skitour ist meist ohnehin ein Kaloriendefizit gegeben, wodurch die körpereigenen Reserven noch schneller aufgebraucht sind – Zucker hat hier ausnahmsweise mal positive Wirkung!
„Windeltechnik“ (s. Abb. 1, S. 40 u.): Bei der modifizierten „Windeltechnik“, der so genannten „Tyrolean Wrap“, wird die Rettungsdecke als „Dampfbremse“ und Reflexionsschicht der körpereigenen Wärme am Rücken auf der untersten Kleidungsschicht eng angelegt und unter einer Jacke von unten nach oben durchgezogen. Der obere Teil wird wie ein Kopftuch über den Kopf gezogen und unter dem Kinn verknotet. Anschließend wird die Folie auseinandergefaltet und der untere Teil (unter der Jacke) auf einer Seite des Körpers unter der Achsel auf die Vorderseite/ Brust hochgezogen. Der Rest wird in die Hose gesteckt.
Kälte am Berg verzeiht wenig Fehler – auch keine kleinen!
Bergungstod
Ab einer moderaten Hypothermie, also einer mindestens bewusstseinsgetrübten Person, besteht die Gefahr des so genannten Bergungstods. Durch das stetige Abkühlen kommt es zu einer Umregulierung der Durchblutung, mit kaltem, sauerstoffarmem Blut in die Peripherie und warmem, sauerstoffreichem Blut in den Körperkern. Durch übermäßige Bewegung der Person kann es zu einer Umverteilung des kalten Blutes in den Körperkern kommen, was zu schweren Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen kann. Beispiele sind ruckartige Drehungen einer bewusstlosen Person mit Verdacht der Unterkühlung als Ursache der Bewusstlosigkeit, oder das schonungslose Bergen eines bewusstlosen Lawinenopfers nach längerer Verschüttungsdauer.
Durch die modifizierte Technik ist der Oberkörper besser eingepackt. Darüber so viele Kleidungsstücke wie möglich anziehen (Zwiebelprinzip).
Insbesondere für Tourenleitungen, aber auch für alle anderen, ist es essenziell, gefährliche und potenziell lebensbedrohliche Situationen bei anderen (und sich selbst) zu erkennen und rechtzeitig Hilfe anzufordern. Gerade ab einer moderaten Hypothermie mit zunehmendem Bewusstseinsverlust ist die Vermeidung einer weiteren Abkühlung mithilfe der oben genannten Maßnahmen durch die Tourenpartner*innen von besonderer Bedeutung. Kommt es trotz allem zu einem Herzkreislaufstillstand, sollte mit sofortigen Wiederbelebungsmaßnahmen im Rhythmus 30:2 (siehe Szenario 3) begonnen werden. Da eine niedrige Körperkerntemperatur schützend für Nerven und Gehirn sein kann, gibt es Fälle, in denen Personen auch nach mehreren Stunden der Reanimation fast unbeschadet das Krankenhaus verlassen konnten. Eine aktive Wiedererwärmung außerhalb eines Krankenhauses ist so gut wie unmöglich, daher muss der Fokus darauf liegen, weitere Auskühlung zu vermeiden und einen schnellstmöglichen Transport in ein geeignetes Krankenhaus zu organisieren.
Erfrierungen
Ein weiterer Aspekt von kälteassoziierten Krankheitsbildern sind lokale Erfrierungen, vor allem der Gliedmaßen. Erfrierungen der Füße sind in nassen Schuhen schon bei +6 °C möglich. Die Symptome sind hierbei abhängig vom Grad der Erfrierung. Es beginnt mit Gefühllosigkeit, weißlicher Verfärbung und geht über Blasenbildung mit blauroter Verfärbung bis hin zu völliger Gefühllosigkeit mit blauschwarzer Verfärbung und möglicher schwarzer Mumifikation. Das vollständige Ausmaß ist erst nach ein bis zwei Wochen erkennbar. Die Heilung kann Monate dauern – im schlimmsten Fall können sogar Amputationen notwendig sein. Auch bei Erfrierungen ist die Prävention der
Tabelle: Wind-Chill-Faktor
V T 0 km/h 10 °C 5 °C 0 °C -5 °C -10 °C -15 °C 10 km/h 8,6 2,7 -3,3 -9,3 -15,3 -21,2 20 km/h 7,4 1,1 -5,2 -11,6 -17,9 -24,2 30 km/h 6,6 0,1 -6,5 -13,0 -19,5 -26,0 40 km/h 6,0 -0,7 -7,4 -14,1 -20,8 -27,4 50 km/h 5,5 -1,3 -8,1 -15,0 -21,8 -28,6 60 km/h 5,1 -1,8 -8,8 -15,7 -22,6 -29,5
Bei den blau eingefärbten Feldern besteht die Möglichkeit, dass es innerhalb von 30 Minuten oder weniger zu Erfrierungen kommt. Quelle: Wikipedia
Image: Illustration zeigt Schritt-für-Schritt, wie eine Rettungsdecke als „Tyrolean Wrap“ um eine Person gewickelt wird: über den Kopf ziehen, am Rücken entfalten, unter der Achsel nach vorne führen und die überstehenden Enden in den Hosenbund stecken.
Abb. 1: Effektives Wärmemanagement mit der Rettungsdecke durch die „Windeltechnik“.
entscheidende Faktor. Trockene und warme Handschuhe und Schuhe, Wärmepads oder Heizsocken können entgegenwirken. Deshalb muss am Berg stets auf Wechselkleidung, inklusive Mütze und Handschuhe, sowie passendes (nicht zu klein!) und der Tätigkeit und Saison angepasstes Schuhwerk geachtet werden (Gletscher: Bergstiefel mit Isolationssohle).
Liegen eine allgemeine Unterkühlung und eine lokale Erfrierung vor, ist die Behandlung der Unterkühlung prioritär, da sie einen lebensbedrohlichen Zustand darstellt!
Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu Erfrierungen, dürfen betroffene Körperstellen initial nicht gerieben oder massiert werden, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Nach Wiedererwärmen von erfrorenen Extremitäten muss ein erneutes Frieren tunlichst vermieden werden. Die Extremitäten müssen vor weiterer Auskühlung unbedingt geschützt werden – hier muss abgewogen werden, ob Bergschuhe ausgezogen werden können oder nicht! Und: Die stationäre Behandlung sollte möglichst in spezialisierten Kliniken stattfinden.
Erste Hilfe bei Lawinenunfällen
Einem Artikel zum Überleben nach einem Lawinenabgang (siehe bergundsteigen #130, Frühling 2025) zufolge haben die Überlebenschancen nach Ganzkörperverschüttung insgesamt um zehn Prozent zugenommen – und auch die Verschüttungsdauer sowohl in der Kameradenrettung als auch in der organisierten Bergrettung konnte dank besserer Technik und Ausbildung über die Jahre verkürzt werden.
Jedoch hat sich auch die Überlebensdauer im Vergleich zu einer der meistzitierten Studien zu diesem Thema aus dem Jahr 1994 von achtzehn Minuten auf zehn Minuten reduziert. Warum das so ist, ist noch nicht ganz klar – eine mögliche Erklärung ist eine durchschnittlich höhere Schneedichte, bedingt durch den Klimawandel.
Image: Illustration zeigt Schritt-für-Schritt, wie eine Rettungsdecke als „Tyrolean Wrap“ um eine Person gewickelt wird: über den Kopf ziehen, am Rücken entfalten, unter der Achsel nach vorne führen und die überstehenden Enden in den Hosenbund stecken.
1/2026 DAV PANORAMA 41
Die Zahlen unterstreichen, wie wichtig eine effiziente Kameradenrettung ist, da innerhalb von zehn Minuten keine organisierte Bergrettung das Lawinenfeld auch nur betreten kann.
Die Ortung mit Lawinenverschüttetensuchgerät und Sonde und das „grobe, schnelle“ Ausschaufeln ist ein eigenes Thema, detaillierte Infos gibt es auf alpenverein.de. Die nächsten Schritte, nachdem einzelne Körperteile freigelegt wurden: das Tempo beim Ausschaufeln etwas drosseln und nun behutsamer vorgehen – mit den Händen statt der Schaufel – um dennoch möglichst rasch, aber sorgsam zum Kopf der verschütteten Person vorzustoßen und deren Atemwege freizulegen.
Kopf und Atemwege freilegen (s. Abb. 2): Rasch, aber sorgsam Zugang zu Kopf und Atemwege schaffen. Ist der Kopf sichtbar, muss darauf geachtet werden, ob Mund und Nase der verschütteten Person frei von Schnee sind. Ist dies der Fall, besteht eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Zunächst muss der Kopf leicht nach hinten überstreckt und bei nicht vorhandener Atemhöhle oder Erbrochenem der Mundraum gesäubert werden. Nun wird durch Hören, Sehen und Fühlen für etwa zehn Sekunden überprüft, ob eine Atmung vorhanden ist.
Szenario 1
Ist eine Atmung vorhanden und die verschüttete Person bei Bewusstsein, muss man trotzdem sehr sorgsam mit ihr umgehen. Ansprechen, auf weitere Verletzungen untersuchen, gegen Auskühlung schützen. Beim leisesten Zweifel die Person nicht unnötig bewegen und lieber auf die organisierte Rettung für den Abtransport warten.
Szenario 2
Ist eine Eigenatmung vorhanden, die geborgene Person aber bewusstlos, sollte sie bis zum Eintreffen der organisierten Bergrettung in die stabile Seitenlage gebracht und auf einen adäquaten Wärmeerhalt geachtet werden.
Szenario 3
Ist keine Atmung vorhanden, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen! Entscheidend sind hier das Entkleiden des Brustkorbes (Daunenjacke öffnen, falls nötig aufschneiden) und ein fester Untergrund – zur Not auch noch in untypischen Positionen, oder wenn der Körper noch nicht komplett freigelegt ist. Im Wechsel 30:2 sollten je dreißig Thoraxkompressionen und zwei Atemhübe durchgeführt werden. Wichtig ist eine Frequenz von 100-120/min, eine Kompressionstiefe von 5-6 cm und ein vollständiges Entlasten zwischen den Kompressionen. Alle zwei bis drei Minuten sollte die „drückende“ Person ausgewechselt werden, da es schnell zu einer Ermüdung kommt und die Herzdruckmassage in ihrer Qualität dadurch stark abnimmt.
Image: Zwei Personen knien vor lawinenverschütteten Person, graben sie aus und legen den Kopfbereich frei.
Abb. 2: Beim Freilegen des Kopfes sind zwei Dinge entscheidend: Behutsam vorgehen und auf freie Atemwege achten!
Physikalische Vorgänge
Abstrahlung
Der menschliche Körper strahlt Wärme in Richtung kälterer Umgebung ab.
Kontakt-Wärmeleitung
Beim Kontakt mit kaltem Untergrund entzieht der Boden dem Körper Wärme. Wasser und feuchte Kleidung verstärken den Effekt, da sie die Wärmeleitfähigkeit verbessern.
Wärmeverlust durch Verdunsten
Beim Atmen, Schwitzen oder bei nasser Kleidung kühlt der Körper durch Verduns tung ab.
Wärmeströmung durch Wind
Durch Vorbeiströmen von kalter Luft (Wind) wird das körpereigene Wärmepolster aufgelöst. Höhere Windgeschwindigkeiten verstärken diesen „Wind ChillEffekt“ erheblich. Die empfundene Temperatur ist tiefer als die gemessene.
Die einzelnen Prozesse können sich aufsummieren und das Kälteempfinden drastisch erhöhen.
Bei einer längeren Verschüttungsdauer und einer dadurch kombinierten Unterkühlung kann die Atemfrequenz deutlich abnehmen und eine längere Überprüfung der Atmung – bis zu dreißig Sekunden – nötig sein.
Ein regelmäßiges Training dieser Erste-Hilfe-Maßnahmen im Sinne des Basic Life Supports ist essenziell, um in Notfallsituationen ruhig und effektiv handeln zu können und möglicherweise Leben zu retten.
FAZIT
- Unterkühlung und Erfrierungen sind lebensbedrohliche Krankheitsbilder, die uns vor allem bei mangelnder Tourenplanung und unzureichender Ausrüstung ereilen können.
- Vor allem Wind, Nässe und Erschöpfung (!) steigern das Risiko einer schweren Unterkühlung – adäquate Tourenplanung und Erkennen der eigenen Leistungsgrenzen sind daher Pflicht.
- Ist man Kälte ungeplant ausgesetzt, sollte man sich vor weiterer Auskühlung schützen. Dies gelingt vor allem durch trockene Kleidung, einen geschützten Ort, Bewegung und warme, gesüßte Flüssigkeiten – frühzeitig ein Notbiwak errichten (siehe Panorama 2/24).
- In gefährlichen oder sogar potenziell lebensbedrohlichen Situationen frühzeitig Hilfe holen – lieber einmal zu früh als einmal zu spät!
- Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung über mehrere Stunden kann bei Unterkühlten mit gutem Ergebnis erfolgreich sein, ganz nach dem Leitspruch „Niemand ist tot, solange er*sie nicht warm und tot ist“.
- Erste-Hilfe-Ausbildung und regelmäßiges Üben sind genauso wichtig wie ein Lawinenkurs.
- „Groupshelter“ (große Biwaksäcke) in den Rucksack von Tourenleiter*innen, Bergführer*innen und allen, die am Berg Verantwortung für Gruppen tragen oder selbst in größeren Gruppen unterwegs sind.
- Bei Erfrierungen an Gliedmaßen eine rasche Wiedererwärmung anstreben, eine spezialisierte Klinik aufsuchen und auf Reiben und Massieren der erfrorenen Körperstellen verzichten.
- Beim Freilegen des Kopfes von Lawinenverschütteten auf freie Atemwege achten.
- Kameradenrettung geht vor organisierter Rettung. Regelmäßige Basic-Life-Support-Kurse sind essenziell, um eine realistische Chance zu haben, Lawinenopfer in der notwendigen Zeit retten zu können.
Katharina Grasegger (34) ist Fachärztin für Anästhesie an der BGU Murnau, Notärztin, Einsatzleiterin und Bergwachtnotärztin bei der Bereitschaft Garmisch-Partenkirchen.
1/2026 DAV PANORAMA 43
Foto: DAV/Julian Rohn
Image: Zwei Personen sitzen auf felsigem Untergrund in einer Berglandschaft. Beide tragen Outdoorkleidung und Wanderschuhe; eine Person hat einen weißen Kletterhelm auf. Eine Person reicht der anderen ein paar Nüsse.
Redakteurin: „Schaut mal, ob das Bild passt - wenn nicht mache ich mich nochmal auf die Suche. Ich habe als Kommentar eine Liste mit Nahrungsmitteln ergänzt, die die verschiedenen Nährstoffe beinhalten und mich gefragt, ob ihr daraus irgendwie ein kleines Schaubild oder eine Tabelle machen könnt, die man noch ergänzt? Bei Fragen gerne. Sonst schon mal vielen Dank
Kleine Helfer – große Wirkung
Mikronährstoffe beim Bergsport
Nach einer anstrengenden Bergtour greifen viele zur Magnesium-Tablette – schließlich soll das Muskelkater vorbeugen. Stimmt das wirklich? Und welche Mikronährstoffe brauchen wir eigentlich sonst noch beim Sport?
Text: Julia Behl
44 DAV PANORAMA 1/2026
A ber erst mal von vorne: Was sind Mikronährstoffe eigentlich? Unter Mikronährstoffen versteht man Vitamine und Mineralstoffe, die der Körper nur in kleinen Mengen benötigt. Sie liefern keine Energie, sind aber für lebenswichtige Stoffwechselprozesse unerlässlich, zum Beispiel für das Immunsystem, für körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und für die Regeneration. Dies legt nahe, dass zum Beispiel Magnesium auch gegen einen Muskelkater helfen könnte. Hinweise darauf gibt es, ein Allheilmittel ist es jedoch nicht, wie Prof. Dr. Gunter P. Eckert von der Justus-Liebig-Universität Gießen in einem Vortrag darlegt. Entscheidend ist, die Speicher kontinuierlich gefüllt zu halten – eine einmalige Einnahme nach dem Sport reicht nicht. Außerdem sollte man zusätzliche Erholungsstrategien nutzen.
Warum steigt der Nährstoffbedarf beim Sport?
Hauptgrund ist das Schwitzen. Klar ist auch: Je schweißtreibender die Sportart, desto mehr Mikronährstoffe gehen verloren. Der Verlust hängt aber auch von individuellen Faktoren wie Geschlecht, Trainingszustand oder Gewicht ab. Weitere Gründe, die eher im Leistungssport relevant sind, sind ein erhöhter Bedarf bei intensivem Training oder Phasen eingeschränkter Ernährung, etwa zur Gewichtsreduktion.
Welche Nährstoffe sind relevant für sportliche Leistungen?
Für (Berg-)Sportler*innen sind bestimmte Mikronährstoffe besonders wichtig, um die Leistung zu unterstützen und gesund zu bleiben.
- Magnesium unterstützt die Muskel- und Nervenfunktion sowie den Energiestoffwechsel. Wer zu wenig zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Muskelkrämpfe und Verletzungen.
- Eisen ist entscheidend für den Sauerstofftransport im Blut – besonders wichtig in größeren Höhen. Ein Mangel kann zu schnellerer Ermüdung und verringertem Leistungsvermögen führen.
- Kalzium und Vitamin D sorgen für gesunde Knochen und starke Muskeln. Körperliche Belastung beansprucht die Knochen besonders – eine ausreichende Versorgung beugt Verletzungen oder Überlastungen vor. X
- Zink fördert die Wundheilung und stärkt das Immunsystem und ist damit gerade in intensiven Trainingsphasen mit erhöhtem Infektrisiko hilfreich.
- Die Vitamine C und E interagieren miteinander; Vitamin C kann verbrauchtes Vitamin E regenerieren. So bekämpfen sie oxidativen Stress, der durch intensive körperliche Aktivität entsteht, und der wiederum zu Zellschädigungen führen kann.
„Die benötigte Menge an Mikronährstoffen ist allerdings von Person zu Person unterschiedlich. Frauen haben bei manchen Nährstoffen einen höheren Bedarf. Eisen etwa ist bei Sportlerinnen ein großes Thema, besonders während der Menstruation oder auch in einer Schwangerschaft“, erklärt der Diplom-Sportpädagoge und Physiotherapeut Dr. Joachim Merk. Auf eine ausreichende Kalziumversorgung sollten Frauen zur Prävention von Osteoporose insbesondere in den Wechseljahren achten, der Bedarf an Zink kann während einer Schwangerschaft und in der Stillzeit erhöht sein.
Wie nimmt man genügend Mikronährstoffe auf?
Grundsätzlich gibt es zwei Wege: eine ausgewogene Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel. Dr. Merk empfiehlt hier den pragmatischen Weg: „Mein ultimativer Tipp ist, den Organismus durch eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung optimal mit Mikronährstoffen zu versorgen. Der Fokus sollte dabei auf frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen liegen, die auch sehr gut als ‚Handfood‘ auf Bergtouren mitgenommen werden können.“ Dabei sollte man die individuellen Vorlieben wie zum Beispiel eine vegane oder vegetarische Ernährung sowie Aktivitätslevel, Alter und allgemeine Gesundheit berücksichtigen, um eine optimale Menge an Mikronährstoffen durch die Ernährung aufnehmen zu können. Unter Sportler*innen gibt es neben der ausgewogenen Ernährung unterschiedliche Strategien: eine präventive Nahrungsergänzung – meist mit Magnesium, Eisen, Kalzium und Vitamin D – oder eine Ergänzung nach Bedarf. Da Symptome für einen Mikronährstoffmangel häufig erst spät auftreten, empfiehlt Dr. Joachim Merk eine frühzeitige und vorbeugende Intervention: „Dies kann helfen, körperliche Leistungseinbrüche oder gesundheitliche Probleme zu vermeiden.“
Woran erkennt man einen Mangel?
Generell gibt es recht konkrete Anzeichen, dass ein Mangel an einem bestimmten Mikronährstoff vorliegen könnte. Oft sind diese Symptome aber unspezifisch – wirkliche Klarheit, ob und welche Mikronährstoffe fehlen, bekommt man nur über individuelle Blutuntersuchungen. So kann man Mängeln gezielt entgegenwirken. Die Tests sind allerdings meist nicht günstig und nur in Ausnahmefällen wirklich nötig.
Wer eine Selbstdiagnose versuchen möchte, kann sich an folgenden Symptomen orientieren: Müdigkeit, Blässe, Schwäche, Haarausfall und eine Anfälligkeit für Infektionen können Anzeichen für einen Eisenmangel sein. Muskelkrämpfe, Knochenschmerzen und eine erhöhte Knochenbrüchigkeit deuten auf zu wenig Kalzium hin. Typisch für den Magnesiummangel – und vermutlich bei vielen bekannt – sind Muskelkrämpfe, Schlafstörungen und Herzrhythmusstörungen. Muskelschwäche und Müdigkeit hingegen deuten eher auf einen Mangel an Vitamin D hin. Gerade in der Winterzeit können häufige Erkältungen eventuell durch eine erhöhte Zufuhr an Zink bekämpft werden. Diese kann auch einer langsamen Wundheilung und Haarausfall entgegenwirken.
Mikronährstoffe sind keine Wundermittel, aber unverzichtbar für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wer regelmäßig in den Bergen unterwegs ist, sollte auf eine abwechslungsreiche Ernährung achten und bei Bedarf ergänzen – für starke Muskeln, stabile Knochen und ein robustes Immunsystem.
Image: llustration verschiedener Lebensmittel wie Brokkoli, Orange, Nüsse und Mandeln, Fisch, Tomate, ein Glas Milch, Walnüsse, Cashewkerne sowie rote Bohnen.
FITNESS & GESUNDHEIT
Illustration: Elisabeth Zacherl
Tipp für unterwegs
„Handfood“ für die Tour:
Obst, Nüsse und Samen, wie sie in Studentenfutter und anderen Frucht-Nuss-Mischungen enthalten sind, versorgen uns mit verschiedensten Nährstoffen. Derartige Snacks sollten auf jeder Bergtour dabei sein.
Image: Person trägt einen Kletterhelm und Kletterausrüstung, seitlich aufgenommen vor hellem Hintergrund.
Nach Blick auf die umfassende Liste an Lebensmitteln ist Julia Behl optimistisch, ihren Mikronährstoffbedarf über einen abwechslungsreichen Speiseplan decken zu können.
Image: Fünf Personen gehen mit Tourenski und Stöcken in einer Schneelandschaft einen Hang hinauf, bei strahlend blauem Himmel und klarer Sicht auf die umliegenden Berge.
DAS MAGAZIN DER JUGEND DES DEUTSCHEN ALPENVEREINS 26/1
WORTSCHATZ
Mugel
Das Wort Mugel aus dem österreichischen/süddeutschen Sprachraum kann zwei unterschiedliche Bedeutungen haben. Entweder bezeichnet es ein großes Stück; Mugel kann aber auch Hügel oder Anhöhe bedeuten. Es gibt auch einen Berg, der so heißt: Er ist 1630 Meter hoch und liegt bei Niklasdorf in der Steiermark. Durch das Mugelschutzhaus hat er eine besondere Bedeutung als Etappenziel bei Fernwanderungen. MH
HAVE FUN
Winter ist’s, die Sonne scheint und gar verlockend ruft der Tiefschnee. Doch nicht nur im Schnee warten Risiken. Welche Rolle spielen Gemeinschaft und Gruppendynamik? Dass Risiko zwar dazugehört, bei der JDAV aber „no risks, more fun“ gilt, könnt ihr gleich zu Beginn nachlesen. Niko macht sich Gedanken zu Risikobewusstsein und Gruppendynamik, während Solveig eine Expertin befragt hat: Was ist Gruppendynamik, welche Rollen gibt es und wie funktionieren Entscheidungsprozesse? Doch bei der JDAV gibt es nicht nur die klassischen Rollenbilder. Nicht jede*r stürzt sich auf Ski die Hänge hinunter. Die Vielfalt der JDAV selbst und die Vielfalt ihrer Themen, wurden bei der Bundesjugendversammlung (BJV) im Oktober deutlich. Ich teile meine Erfahrungen und Neuigkeiten zu den Anträgen in einem Artikel. Vielfalt wird aber nicht nur bei der BJV deutlich, auch in den Sektionen gibt es bei der Jugendarbeit viele Unterschiede. Sepp berichtet von den Erfahrungen in seiner Sektion. Vielleicht könnt ihr euch damit identifizieren, vielleicht habt ihr eine ganz andere Meinung. Ist am Ende aber auch wurscht, Hauptsache ihr habt Spaß. JONATHAN
Image: Maria Holzapfel trägt eine Brille und hat rötliche Haare und lächelt in die Kamera.
Image: Fünf Personen gehen mit Tourenski und Stöcken in einer Schneelandschaft einen Hang hinauf, bei strahlend blauem Himmel und klarer Sicht auf die umliegenden Berge.
GEMEINSAM AM BERG
DIE GEFAHR DER GRUPPE
In der Gruppe muss der Anspruch der Unternehmung für alle passen. Solveig Eichner
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Unternehmungen am Berg machen in der Gruppe mehr Spaß und doch kann sich eine Dynamik entwickeln, mit der sich nicht alle gleich wohlfühlen. Entgegenwirken lässt sich mit Rücksicht und Feedbackkultur. NIKO LINDLAR
E y ich hab so Bock!“, sagt Ayla beim Frühstück. Die „Wilden HMS Karabiner“, eine JDAV-Jugendgruppe, möchte den Zwölf-Apostel-Grat klettern. Es ist November, schon ein bisschen kühl und in der Höhe hat es vor ein paar Tagen geschneit. Paul ist sich nicht ganz so sicher, wie gut er den Plan findet – er hat noch nicht so viel Erfahrung mit Kraxelgraten. Ayla macht das schon einige Jahre, sie war auch schon oft mit ihren Eltern in schwierigeren Touren. „Sie wird es schon gut einschätzen können“, denkt Paul.
Die Gruppe zieht also nach dem Frühstück los, der Zustieg ist schnell geschafft. Auch die ersten Apostel sind zügig überklettert und die heikle Abkletterstelle überwunden – Paul war etwas unwohl dabei, rückwärts ins „Nichts“ zu klettern, hat es dann aber gut gemeistert. Gegen Ende der Tour wird es allerdings noch mal interessant: Auf der steilen Wiese des letzten Anstiegs liegen zehn Zentimeter nasser Schnee, das Gras ist spiegelglatt. Steigeisen hat die Gruppe nicht dabei, der Rückweg über den Grat würde sehr lange dauern. „Hä, easy“, sagt Ayla, macht ein paar schnelle Schritte und hüpft flink durch das schneebedeckte Gras. Paul schaut eher skeptisch, möchte sich aber nichts anmerken lassen – Ayla findet er schließlich ganz nett, da möchte er nicht als Feigling dastehen.
Maria, die Jugendleiterin, bespricht sich kurz mit ihrem Kollegen Simon. Beide halten den Weiterweg für prinzipiell gangbar, möchten die Gruppe aber in die Entscheidung einbinden. „Ich habe da eine Idee, lass mich mal kurz was probieren“, sagt Maria zu Simon. Sie ruft die Gruppe in einem Kreis zusammen und bittet alle darum, die Augen zu schließen. „Zeigt bitte mit dem Daumen nach oben vor euch, wenn ihr euch den Weiterweg über das schneebedeckte Gras zutraut. Wenn ihr diesen Abschnitt nicht gehen wollt, dann zeigt mit dem Daumen nach unten“, fordert sie die Gruppe auf, anonym Feedback zu geben. Paul zeigt mit dem Daumen nach unten, er weiß, dass Maria seine Rückmeldung nicht vor der ganzen Gruppe öffentlich machen wird. Maria fasst zusammen, nachdem alle wieder die Hände gesenkt und die Augen geöffnet haben: „Alles klar, wir können den Weg nicht zusammen weitergehen, da manche aus der Gruppe das nicht wollen. Daher drehen wir jetzt um – das wird eine lange Tour zurück, aber wir schaffen das!“
Nach einigen weiteren Stunden Tour und ein paar Schwierigkeiten beim Abklettern hat die Gruppe es dann geschafft: Alle sind wohlbehalten auf dem Forstweg angekommen und schlendern nun gemütlich ins Tal. Paul passt Maria in einem einsamen Moment ab und sagt: „Danke, dass du Rücksicht auf mich genommen hast. Ich weiß, dass ihr da alle – vor allem Ayla – Lust drauf hattet.“ „Klar, Paul. Bei uns kommen immer alle mit.“ Maria legt einen Arm um Pauls Schulter und die zwei laufen gemeinsam ins Tal.
Diese Geschichte könnte so in unzähligen Jugendgruppen der JDAV passieren. Gut, vielleicht sind die Charaktere etwas überzeichnet und die Situation etwas zu eindeutig – aber so oder so ähnlich verhalten sich junge Menschen. Ansehen in der Gruppe ist vielen wichtig, Hormone spielen in der Pubertät eine große Rolle. Das kann Auswirkungen auf Entscheidungen am Berg haben. Spätestens seit Werner Munters Arbeiten zum Lawinen-Risiko spielt der „Faktor Mensch“ eine wichtige Rolle im Risikomanagement. Ein rücksichtsvoller Umgang und ritualisierte Feedbackschleifen, wie von der Jugendleiterin in der Geschichte durchgeführt, können hier gut Abhilfe schaffen. Ein persönliches Statement zum Schluss: In der JDAV erlebe ich fast ausschließlich Situationen, wie hier in der Geschichte beschrieben. Trotzdem sollten wir immer reflektieren, ob Gruppenzwang oder Powder-Neid eine Rolle in unseren Entscheidungen gespielt haben.
Image: Eine Person befindet sich auf einem felsigen Grat mit vereinzeltem Schnee und niedrigen Sträuchern, umgeben von steilen Felsen und einem wolkenverhangenen Tal unter klarem blauem Himmel.
Am Zwölf-Apostel-Grat: Das könnte Jugendleiterin Maria sein. Niko Lindlar
Titelbild
Unterwegs abseits der Piste: Wichtig ist eine gründliche Vorplanung. Jonathan Lidl
GRUPPENDYNAMIK
HIERARCHIE IST NICHT SCHLIMM, SOLANGE ALLE SICH DAMIT WOHLFÜHLEN
Demokratische Entscheidungen oder klare Führung? In Gruppen am Berg ist beides wichtig – aber zur richtigen Zeit. Wie der Balanceakt Gruppendynamik gelingen kann, erklärt Bergführer-Aspirantin und Psychologin Anna Gomeringer im Gespräch. Interview: SOLVEIG EICHNER
Welche typischen Charaktere gibt es in Gruppen?
In jeder Gruppe gibt es bestimmte Rollen, die immer wieder auftauchen. Eine hilfreiche Brille dafür ist für mich das Rangdynamikmodell von Raoul Schindler, das z.B. auch „bergundsteigen“ beschreibt. Dabei gibt es meist eine Person, die besonders motiviert ist, ein Ziel – zum Beispiel einen Gipfel – zu erreichen. Diese Person zieht andere mit. Einige unterstützen diese Position aktiv, andere haben andere Ambitionen oder verfolgen eigene Vorstellungen.
Dann gibt es wiederum Menschen, die sich eher außerhalb dieser „Skala“ bewegen und stärker den Blick aufs Ganze behalten: Wie geht es den Teilnehmenden? Wer hat noch wie viel Energie?
Braucht es immer eine klar definierte Führungsperson?
Auf keinen Fall! Ohne definierte Führung braucht es allerdings mehr Austausch in der Gruppe, um Ziele abzustimmen. Alle müssen mehr mitarbeiten und mitdenken – das kostet Zeit, kann aber sehr bereichernd sein. Wenn eine Situation angespannt ist oder es ein großes Kompetenzgefälle gibt, ist es jedoch oft sinnvoll, wenn eine Person die Leitung übernimmt. Ich finde es spannend, dass in der JDAV Führung oder Leitung oft negativ behaftet ist. Es wird viel Demokratie gelebt, was wiederum zu einem positiven Klima in Gruppen beiträgt, ich fühle mich dadurch sehr wohl. Bei der Ausbildung zur Bergführerin schätze ich es aber auch zu lernen, klare Ansagen zu machen.
Welche Rolle spielen klar definierte Führungen in einer Jugendgruppe?
Besonders in Jugendgruppen ist es wichtig zu klären: Habe ich gerade die Leitung oder arbeite ich zu?
Wenn ein älteres und motiviertes Gruppenkind die Tour vorbereitet hat, kann ich im Hintergrund bleiben. An manchen Punkten muss ich aber eingreifen – und dafür ist der Blick auf die Gruppe entscheidend. Jugendleiter*innen sollten auch immer einzelne Personen gezielt nach ihrer Meinung fragen. So können auch stillere Personen aktiv eingebunden werden.
Worauf sollte ich in privaten Gruppen beim Bergsport achten?
Zunächst ist es kein Problem, wenn spontan jemand den Lead übernimmt. Wo keine Gefahr besteht, kann man es laufen lassen.
In exponiertem Gelände sollten jedoch einige Mitglieder bewusst wahrnehmen: Was passiert hier gerade? Wenn alle in verschiedene Richtungen ziehen, müssen die Ziele neu abgeglichen werden. Eine Leitung, die das organisiert und die Sicherheit im Blick behält, ist dabei sehr sinnvoll. Es ist ein Spannungsfeld zwischen „super demokratisch“, was viel Zeit braucht, und „klar autoritär“, wo sich manche nicht gehört fühlen. Ein gutes Mittelmaß zu finden, ist eine Herausforderung.
Es ist kein Problem, wenn eine Gruppe mal etwas hin- und herwackelt – dabei passiert viel in der Kommunikation. Hierarchie ist nicht schlimm, solange sich alle damit wohlfühlen.
Inwieweit beeinflussen unterschiedliche Leistungsniveaus die Gruppendynamik?
Platt gesagt ist es im Alpinismus und beim Klettern leider oft so, dass der Wert einer Person an ihrer Leistung gemessen wird. Wessen Meinung wird ernst genommen? Wen fragt man? Gerade deshalb gilt: Die Befindlichkeit aller ist gleich wichtig – unabhängig vom Leistungsniveau. Alle müssen gehört werden und es braucht eine Atmosphäre, in der sich alle trauen, sich zu äußern.
Was tun, wenn die Gruppendynamik kippt?
Oft kippt es, wenn unterschiedliche Ziele bestehen: Die einen wollen auf den Gipfel, anderen ist kalt. Als Leitung muss man überlegen: Ist das sicherheitsrelevant und kommen alle Personen mit?
Bei der Skitour kann niemand lange warten, ohne auszukühlen. Dann ist es oft sinnvoll, selbst die „Buhmann“-Position einzunehmen und zu sagen: „Wir drehen um.“ Das entlastet die Gruppe. Man kann auch versuchen, gemeinsame Nenner zu finden – zum Beispiel statt zum Gipfel nur bis zu einer Scharte zu gehen.
Solveig Eichner
Anna Gomeringer war Jugendleiterin und ist Mitglied im DAV-Expeditionskader.
privat
WAS UNS BEWEGT
Meine erste Bundesjugendversammlung
Einige Monate sind inzwischen ins Land gegangen, der Schlaf nachgeholt und der Rausch ausgeschlafen. Grund genug, mit nüchternem Blick auf die Bundesjugendversammlung im Oktober zurückzuschauen. Wie war’s, worum ging’s und was geschieht nun?
Rückblick: Da sitze ich nun, mit lauter wildfremden Menschen in irgendeiner Schulmensa in München. Wir alle sitzen hier, weil wir die JDAV mitgestalten wollen. Der Tag schreitet voran. Draußen scheint die Sonne, drinnen redet jemand. Konzentration zu wahren, ist hart. Warum wir alle trotzdem im Plenum bleiben? Eigentlich nur wegen des Jingles, der während der Abstimmungen für den Groove sorgt.
Und dann kommen auch noch die Anträge. Grund für heiße Diskussionen und genervtes Gähnen. Und doch sind die Anträge das vielleicht Wichtigste an diesem Wochenende. Neben dem Spaß natürlich. Es wird vorgeschlagen, diskutiert, abgelehnt und abgestimmt. Hier wird deutlich, welche Themen die JDAV gerade bewegen.
Während man sich beim Thema internationale Jugendarbeit schnell geeinigt hat (Bestrebungen ausbauen), werden andere Anträge wie „Ehrenamt stärken“ ziemlich in die Mangel genommen. Auch das Thema Leistungssport bewegt die JDAV nicht nur, sondern drängt sich ihr regelrecht auf. Klettern ist olympisch – wie damit umgehen? Unsere Antwort: Verantwortungsbewusster Leistungssport ist definitiv Teil der JDAV.
Nächster Punkt auf der Agenda: Wie kann man das Buchen von Hütten jugendgruppenfreundlicher gestalten (alternative Zahlungsmöglichkeiten zu Kreditkarten, Einhaltung der maximalen Reservierungsquoten)? Und noch vor der Wahl der neuen Bundesjugendleitung war sich die Versammlung schnell einig, Solaranlagen auf Vereinsheimen zu fordern.
Ich sitze immer noch im großen Plenarsaal der JDAV. Hinter mir Gähnen, vor mir Gähnen, müde brösle ich das Salz von meiner Breze. Und dann ist es endlich vorbei! Doch schon am Bahnhof wird dieses „endlich“ zu einem „schon“. Ist diese BJV wirklich vorbei? Ist es einfach so aus?
Es ist natürlich nicht einfach so vorbei, neue Freundschaften bleiben genauso bestehen wie Themen. Um die Beschlüsse aus den Anträgen kümmert sich nun die Bundesjugendleitung (BJL). Ehrenamt soll gestärkt werden, finden die Delegierten. Die BJL bringt das Thema nun weiter in den Jugendring und den „Arbeitskreis Politik“, der darauf aufbauend Lobbyarbeit in der Politik betreibt. Auch an den DAV selbst wurden im Antrag Forderungen gestellt. Die werden nun in die „Kommission Ehrenamt“ eingebracht, die den DAV berät.
Die BJV hat also nicht nur ein Wochenende lang bewegt, sondern wird die JDAV die nächsten zwei Jahre bewegen. JONATHAN LIDL
Image: Eine große Gruppe von Menschen sitzt und steht in einem modernen Hörsaal mit Holzverkleidung und großen Fenstern, einige Personen sind auf den oberen Sitzreihen aufgestanden und heben die Arme, während andere unten sitzen und zuschauen.
Bundesjugendversammlung 2025 Moritz Spiegel
Image: Drei Personen wandern mit Rucksäcken und Trekkingstöcken auf einem schneebedeckten Bergpfad in einer alpinen Landschaft, umgeben von steilen, teils verschneiten Berghängen unter einem wolkenverhangenen Himmel.
Wintereinbruch
Die Klettergruppe der JDAV Jena war in den Sommerferien im Pitztal unterwegs auf der Verpeilrunde – vier Bergtage mit Panoramablicken und Hüttenfeeling. Ein Highlight war der Schnee am letzten Morgen der Mehrtageswanderung.
Die nächste tolle Tour der Jugendgruppe unterstützt der JDAV-Partner Globetrotter mit einem Einkaufsgutschein in Höhe von hundert Euro.
JDAV Jena
Image: Person klettert an einem Felsen im Wald, während andere daneben stehen und sichern; grüne Crashpads liegen darunter, umgeben von herbstlichen Bäumen.
Sepp Hell
WAS UNS BEWEGT
JUGEND AKTIV IN DER SEKTION!?
2025 feierte meine Sektion Mühldorf am Inn ein Jubiläumsjahr: Das Kletterzentrum ist zehn Jahre alt, die Anzahl der Mitglieder hat sich auf über fünftausend verdoppelt. Die Kehrseite der Medaille des schnellen Wachstums: Kinder bleiben jahrelang auf der Warteliste für eine Klettergruppe. Und es gibt nicht genügend (engagierte) Jugendleiter*innen. Aufgefangen wird das über sechsteilige Kurse „betreutes Klettern“, was jedoch wenig mit einer klassischen Jugendgruppe zu tun hat. Da gibt es zurzeit nur eine „Alpingruppe“, die sich aber nicht auf die Kletterhalle beschränkt – außerdem eine Leistungs-Klettergruppe mit gutem Zusammenhalt, die regelmäßig gemeinsam an Wettkämpfen teilnimmt. Für Jugendausfahrten ist es schwierig, sowohl Betreuer*innen als auch Teilnehmer*innen zu finden – alle wollen Kunstgriff-Klettern, raus in die Berge aber eher nicht. Im jungen Erwachsenenbereich (18-27) gibt es alle paar Jahre Bestrebungen, eine neue Gruppe zu gründen. Das schläft allerdings durch z.B. studienbedingten Wegzug der hier Engagierten in der Regel schnell wieder ein. Der Lichtblick: Die Kids, die bei der Hallenöffnung mit dem Klettern begonnen haben, werden nun selbst Jugendleiter*innen, betreuen Klettertrainings oder Ausfahrten und organisieren sich in einem lebendigen Jugendausschuss. SEPP HELL
IMPRESSUM An dieser Ausgabe arbeiteten mit: Solveig Eichner, Sepp Hell, Maria Holzapfel (MH), Jonathan Lidl, Niko Lindlar.
Herausgeber: Jugend des Deutschen Alpen vereins. Bundesjugendleiter*in: Annika Quantz, Raoul Taschinski. Redaktion: Christine Frühholz (verantwortl.), Philipp Radtke in Zusammenarbeit mit dem KNOTENPUNKT-Redaktionsteam. Beiträge in Wort und Bild an den DAV, Redaktion KNOTENPUNKT, Anni-Albers-Str. 7, 80807 München. Die Beiträge geben immer die Meinung der Verfasser*innen, nicht die der Jugend des Deutschen Alpenvereins wieder. Diese Publikation wird gefördert aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Gestaltung und Produktion: Sensit Communication, sensit.de (opens in a new tab). Wir verwenden den Genderstern, um alle Menschen anzusprechen. Mit dem * möchten wir dabei auch Personen gerecht werden, die sich in den Kategorien weiblich oder männlich nicht wiederfinden. Mehr dazu unter jdav.de/gender (opens in a new tab)
Image: Die Illustration vermittelt den Gegensatz zwischen digitaler Welt und echter Naturerfahrung, betont Gemeinschaft und Selbstfindung im Kontext des Deutschen Alpenvereins (DAV).
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Von Schönheit und Vergänglichkeit
DAV Panorama 4/2025, S. 10 ff.
Das passt nicht zusammen – Der Artikel über Schönheit und Vergänglichkeit in den Ötztaler Alpen beschreibt sehr eindrücklich den erschreckend schnellen Schwund der alpinen Gletscher aufgrund der Klimaerhitzung – und ein paar Seiten weiter der Artikel „Wo die wilden Wände warten“: in Asien und Südamerika! Ihr Lieben, das passt nicht zusammen. Das Klima erhitzt sich bekanntlich, weil wir Menschen zu viel fossile Brennstoffe verbrennen. Nach Asien und Südamerika werden die wenigsten mit dem Radl oder sonstwie CO 2 -frei reisen, sondern fliegen. Was wollen wir also? Entweder den Schwund der Gletscher betrauern, die Klimaerhitzung so gut es geht abbremsen und unseren CO 2 -Ausstoß nach Möglichkeit reduzieren? Oder wir machen weiter alles, was möglich ist und fliegen zu unserem Vergnügen um die halbe Welt. Dann sollten wir aber auch so ehrlich sein, auf die letzten Gletscher zu pfeifen und nicht scheinheilige Krokodilstränen vergießen. Vielleicht wäre da mal eine klärende Diskussion sinnvoll. Bettina
Posteingang
DAV Panorama 4/2025, S. 53, Leserbrief J. Hochdorfer
Um die Ecke denken – Straßen gleichen jedes Wochenende einer (Blech-)Lawine, die ausnahmsweise auch mal Berge „hochrollen“ kann, für die Verkehrswende wurde schon zu wenig getan noch bevor ich überhaupt geboren war und jede*r, der*die schon mal Auto gefahren ist, stand wohl schon mal im Stau. Nur J. Hochdorfer hat derlei wohl noch nie gehört. Dass die Tourenvorschläge aus den Mitgliedermagazinen neben der beworbenen öffentlichen Anreise auch mit dem Auto erreichbar wären, scheint wohl ein Schritt des „um die Ecke Denkens“ zu viel zu sein – wie sich an der Fülle der Wanderparkplätze schon vor Ankunft des ersten öffentlichen Verkehrsmittels jedes Wochenende zeigt, allerdings nicht für eine ganze Menge anderer Menschen. Den Kennzeichen nach zu urteilen übrigens genug Menschen aus besagter Isarmetropole, die es ja tatsächlich leichter hätten als manch andere*r. Sehet, „wir Menschen beklagen uns oft […], daß der guten Tage so wenig sind, und der schlimmen so viel, und wie mich dünkt, meist mit Unrecht.“ Liebe*r Frau/ Herr Hochdorfer, „Erquickung hast du nicht gewonnen, // Wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt.“ Ich empfehle mal wieder in die Berge zu gehen – vielleicht hilft das, mit einigen der Emotionen besser umzugehen, die tiefer in diesen brüskierten Aussagen über die Unveränderlichkeit von Sprache zu stecken scheinen. Die Welt liegt bereits seit 2024 über dem Pariser 1,5-Grad-Ziel, in den Alpen ist diese Entwicklung noch einmal potenziert zu spüren. Wenn also ein Bergsportverband, der sich zudem Naturschutz auf die Fahne schreibt, in seinen Forderungen bzgl. CO 2 -Reduktion und Ernährungsweisen Ähnlichkeiten mit einer Partei aufweist, deren Markenkern von Anfang an Naturschutz war, muss man Sie zu dieser scharfen Beobachtung jedoch auch einmal beglückwünschen. Und wenn Ihnen das als Erfolg in Ihrem vermeintlichen Kulturkampf noch nicht ausreicht, empfehle ich bei der nächsten Hüttenwanderung den Kaiserschmarrn aus Prinzip mit Schinkenwürfeln zu bestellen. Das wird’s „den Grünen“ sicher zeigen. F. Grätz
Zwanglos – Jetzt muss ich euch „Grüne Wanderhosen“ doch vor Kritik in Schutz nehmen: Sicher, Zugausfälle und Verspätungen sind ein Ärgernis – nicht nur auf dem Weg in die Berge. Ich habe aber auch schon Stunden im Stau gestanden. Es wird doch niemand gezwungen. Bevormundung bei der Sprache haben wir übrigens, seit es den Duden gibt. Soll doch jede(r) Gendern, wie er/sie/es will. Bergsteiger*innen finde ich gut! Nur bei „Bergbesteigenden“ sträuben sich mir die Haare auf der Zunge 😉 J. Konrad
Tourbewertung in Gedichtform
Ausgesetzt, stellenweise seilversichert
sei versichert, je höher, desto exotischer werden die Nägel, Bügel
Tritte für dein Bergballett mit seinen wohlgesetzten Trippelschritten
pas-de-deux der beiden hier in der Wand urplötzlich jedes auf sich
gestellten Einzelbeine den weiten Spreizschritt une dies- und deux jen-
seits und dazwischen nichts außer dem mauen Gedanken
dass pas-des-dieu der passendere Name wäre denn jemand schaut
dir über die Schulter, zieht an deinem vollgepackten, schweren
Sündenrucksack oder wars der Wind, der dich anpfeift, sich hier oben
aufrichtet wie ein Pfarrer am Ende der Predigt mitgerissen
vom eigenen Wort laut wird an der Kanzel die jetzt ansteht
leicht überhängend der hoffentlich finale
Aufschwung an dir zerrt und natürlich
hängt genau hier die alte Eisenleiter lose
wie ein theologisches Argument aber die Angst
lässt dich zupacken und sie hält und es geht
und es ging und kaum ging es
ging es eigentlich gut
und ist, schreibst du
für Geübte
überhaupt
kein Problem F. Hofner
gesucht/gefundengesucht/gefunden Fundstücke & Suchanzeigen online (opens in a new tab): alpenverein.de/gesucht-gefunden Fundstücke & Suchanzeigen online (opens in a new tab): alpenverein.de/gesucht-gefunden (opens in a new tab)
Hinweis der Redaktion
In Panorama 4/2025 haben wir über Touren rund um die Bergsteiger dörfer Lavin, Guarda und Ardez berichtet. In der Region, wie auch in vielen anderen Teilen der Alpen, ist die Felssturzgefahr ein wieder kehrendes Thema, vor allem im Bereich des Kleinen Piz Buin (Piz Buin Pitschen). Keine der im Beitrag beschriebenen Touren führt direkt in gefährliches Gebiet. Dennoch möchten wir die Situation nutzen, um darauf hinzuweisen, dass in Panorama vorgestellte Touren immer nur zur Inspiration dienen. Eine eigenverantwortliche Tourenplanung in klusive Risikoeinschätzung und Bewertung aktueller Gegebenheiten vor Ort ist Basis jeglicher Aktivität am Berg.
Hinweis: Die Zuschriften geben die Meinung der Einsendenden wieder. Die Redaktion behält sich die Auswahl und das Recht der sinnwahrenden Kürzung vor.
Allez!
Leichtbergstiefel
Wer alpinistisch ambitioniert unterwegs ist, freut sich über jedes eingesparte Gramm – auch an den Füßen. Die leichten Treter unterstützen die flüssige, unbeschwerte Bewegung, sofern Tourencharakter und Gelände passen.
Text: Martin Prechtl Illustrationen: Georg Sojer
Was ist das Besondere an Leichtbergstiefeln?
Wanderschuhe und Bergstiefel lassen sich mit Blick auf ihren Einsatzbereich in verschiedene Kategorien (A bis D) einordnen. Kategorie A beispielsweise umfasst Modelle, die eine weiche Sohle und einen niedrigen Schaft haben. Sie bieten Komfort auf einfachen Wanderwegen. Am anderen Ende der Skala steht Kategorie D. Hierzu gehören Exemplare mit steifer Sohle und hohem, stabilem Schaft für schwierige Westalpentouren oder Expeditionen. Bei der Einführung der Kategorien in den 1970er Jahren gab es noch keine modernen Leichtbergstiefel. Ihre Einordnung fällt schwer, denn sie bilden einen Kompromiss aus Stabilität und Agilität.
Abgesehen von ihrem geringen Gewicht sind folgende Merkmale typisch:
- weicher, mittelhoher Schaft für mehr Beweglichkeit
- bedingt steigeisenfest für halbautomatische Steigeisen (vorne Körbchen, hinten Kipphebel)
- im Vorfuß gebogene Sohle für gutes Abrollverhalten beim Gehen
Leichtbergstiefel sind ideal in weglosem Gelände und auch bei eisigen Abschnitten oder Gletscherpassagen; im steilen Eis kommen sie an ihre Grenzen.
Image: Schematische Darstellung von zwei leichten, bedingt steigeisenfesten Bergschuhen.
Image: Schematische Darstellung von zwei leichten, bedingt steigeisenfesten Bergschuhen.
Wie sind Leichtbergstiefel aufgebaut?
1 Laufsohle mit langlebigem Profil und durchgehendem Gummi im vordersten Bereich für mehr Reibung beim Klettern im Fels
2 Dämpfung
3 Brandsohle mit direkter Verbindung zur Laufsohle an den Rändern
4 Einlage
5 Geröllschutz + Zehenkappe
6 Aufnahme für Kipphebel von halbautomatischen Steigeisen
7 Membran (wasserdicht)
8 Obermaterial aus Synthetik inkl. Schnürungsabdeckung bzw. Gamasche
9 Schnürung mit Tiefenzug für guten Fersenhalt
10 Schaft
10
7
9
6
8
5
4
10
7
1
9
8
3
2
6
5
4
1
3
2
Image: Illustration einer Bergsteigerin, sie geht fröhlich und mit schnellem Schritt über einen Gletscher, sie ist die Seilschaftserste, trägt leichte Bergstiefel, einen Pickel und einen Teleskopstock.
Image: Illustration von zwei Bergsport-Szenen: links eine Person beim Gehen auf verschneitem Gelände mit Pickel, Stöcken und Steigeisen, rechts eine Person beim steilen Eisklettern mit Helm, Rucksack, Pickel und Steigeisen.
Wozu eignen sich Leichtbergstiefel – wozu nicht?
Trotz steifer Sohle ermöglichen Leichtbergstiefel ein weiches und flexibles Laufgefühl. Sie eignen sich für Touren abseits befestigter Wege, für Gletscherbegehungen und für anspruchsvolles Felsgelände bis zum IV. Schwierigkeitsgrad (UIAA).
Ob Weissmies-Überschreitung im Juli, ob Detmolder Klettersteig im August, ob Großvenediger-Normalweg im September oder Jubiläumsgrat im Oktober, die Schuhe tun ihren Dienst. Sobald man aber mit einem sehr schweren Rucksack unterwegs ist, wird es problematisch. Hier geben Leichtbergstiefel wegen ihrer Beweglichkeit im Schaft nur wenig Unterstützung. Bei langen Wanderungen im Sommer auf befestigten Wegen sind Leichtbergstiefel ebenfalls fehl am Platz: zu wenig Komfort!
Auch fürs Eisklettern oder schwere kombinierte Touren in Fels und Eis sind sie nicht besonders gut geeignet. Die erforderlichen Steigeisen mit Zehenbügel lassen sich nicht ordentlich montieren. Außerdem wirkt sich hier die für angenehmes Gehen konzipierte Sohlenkrümmung negativ aus.
Wie finde ich einen passenden Leichtbergstiefel?
Für die Passform entscheidend ist der Leisten – also das dreidimensionale Modell des Fußes, auf das der Schuh zugeschnitten wird. Der Leisten bestimmt nicht nur die Breite eines Schuhs, sondern auch den Platz für den Rist nach oben. Jeder Hersteller verwendet eigene Leisten, die sich von Modell zu Modell unterscheiden können. Um eine ausgiebige Anprobe kommt man daher nicht herum. Leichtbergstiefel dürfen nirgends drücken und sollten dennoch fest sitzen. Anders als bei Wanderschuhen wählt man nicht einfach eine ganze Nummer größer. Denn beim Klettern vermindert zu viel Platz im Zehenbereich die notwendige Sensibilität.
Ein guter Zeitpunkt für den Schuhkauf ist der Nachmittag oder Abend. Im Laufe des Tages werden die Füße nämlich etwas größer. Bei der Anprobe sollte man mindestens zehn bis fünfzehn Minuten mit den Schuhen am Fuß herumlaufen. Nur dann kann man beurteilen, ob die Schuhe wirklich optimal passen.
Wie pflegt man Leichtbergstiefel?
Reinigen:
- Nach der Tour Schmutz, Sand und Steine schnellstmöglich entfernen. Eine grobe Bürste kann dabei helfen.
- Später Einlegesohlen und Schnürsenkel entfernen. Separat waschen.
- Leichtbergstiefel mit viel lauwarmem Wasser auswaschen. Gerade für die Innenseite empfiehlt sich die Verwendung einer milden Waschlösung.
- Trocknen lassen, dabei mit Zeitungspapier ausstopfen. Zeitungspapier wechseln, wenn es sich vollgesaugt hat. Große Hitze meiden!
Imprägnieren:
- Imprägnierspray in zwei bis drei dünnen Schichten aus ca. zwanzig Zentimeter Entfernung aufsprühen.
- Am besten über Nacht einwirken lassen. Viele Hersteller setzen mittlerweile auf Imprägnierungen ohne umwelt- und gesundheitsschädliche PFAS (PFC).
Image: Lächelnde Person mit gemusterter Mütze, Skibrille und Jacke – Schwarzweißporträt vor neutralem Hintergrund.
Martin Prechtl ist Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und Mitglied des DAV-Lehrteams Bergsteigen.
Wie viel kosten Leichtbergstiefel?
Je nach Ausstattung kosten Leichtbergstiefel ca. zwischen 240 und 520 Euro.
Schneearme Winterfreuden – aber sicher!
Winterwandern
Hohe Nullgradgrenze, kaum Niederschläge und weitgehend schneefreie Berghänge: In milden Wintern ist das Bergwandern an niedrigeren Gipfeln und Bergen wie in den Bayerischen Voralpen oft komplett ohne Schneekontakt möglich. Für ungetrübte Winterwanderfreuden entscheidend sind gute Planung, passende Ausrüstung und die Fähigkeit, flexibel auf aktuelle Bedingungen zu reagieren.
Text: Max Bolland Illustration: Georg Sojer
Tourenwahl und Tourenplanung
Zwei Welten stoßen in schneearmen Wintern aufeinander: apere Hänge und milde Temperaturen an südlich ausgerichteten Bergflanken und in niedrigen Höhenlagen. Schnee, Eis, Lawinengefahr und frostige Temperaturen in Nordexpositionen und höheren Lagen. Wer Schneekontakt weitestgehend vermeiden und durchgängige Schneehänge mit Schneebrettgefahr ausschließen möchte, wählt niedrige (Gipfel-)Ziele mit sonnenexponierten Auf- und Abstiegen (Südost-Südwest-Seite). Rundtouren (Abstieg ist nicht gleich Aufstieg) sind dabei nur möglich, wenn „böse Überraschungen“ im Abstieg ausgeschlossen werden können. Je höher es hinauf geht, umso eher liegt in beschatteten Bereichen sowie in Rinnen und Mulden Schnee. Hier verfestigt sich die Schneedecke auch bei milden Temperaturen den ganzen Winter. Anstiege über breite, waldfreie Rücken und Grate sind dagegen oft bis weit hinauf schneefrei und besonders vorteilhaft.
Ein genauer Blick auf die Karte ist daher unverzichtbar! Dort sind freies Gelände an der weißen Einfärbung und waldige Passagen an der grünen Einfärbung erkennbar. In Lagen bis 1800 Meter sind Waldgürtel selten vermeidbar, idealerweise begeht man diese über breite Forstwege oder Steige. Mit Vereisung, rutschigem Untergrund oder dicker Laubschicht ist immer zu rechnen. Daher: Vorsicht vor steilen Steigen mit Absturz- oder Abrutschpotenzial!
Zeitplanung und Ausrüstung
An kurzen Wintertagen ist es wichtig, einen Zeitpuffer von ein bis zwei Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit einzuplanen. Beim Winterwandern können Probleme mit Gelände und Orientierung, das An- und Ablegen von Grödeln oder Gamaschen den Zeitplan deutlich verzögern. Neben der Standard-Wanderausrüstung inklusive Biwaksack und Erste-Hilfe-Set sind Wanderstöcke, Grödel oder Spikes (alternativ Leichtsteigeisen), Gamaschen, Mütze, Handschuhe, eine isolierende Bekleidungsschicht und eine Thermoskanne mit heißem Getränk unverzichtbar. Eine Stirn- oder Taschenlampe muss ebenfalls mit ins Gepäck! Ist die Begehung längerer, durchgängiger Schneehänge geplant, wird die Beurteilung der Lawinengefahr relevant. Die entsprechende Lawinennotfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) und die richtige Bedienung ebenso wie die Kompetenz in der Beurteilung der komplexen Materie Schnee und Lawine (Lawinenlagebericht lesen und verstehen, Lawinenprobleme, Geländekenntnis) sind dann unerlässlich. Viele DAV-Sektionen bieten LVS-Trainings und Kurse zu Lawinenkunde an.
Technik und Durchführung
Gut geplant ist nur halb gewonnen. Die in der Planung berücksichtigten Tourenbedingungen müs-
Als offizieller Ausrüster stattet Vaude die DAV-Bundeslehrteams aus und unterstützt den Alpenverein dabei, seine Mitglieder für nachhaltigen und sicheren Bergsport zu sensibilisieren.
Image: Illustration eines Berges mit zwei Gruppen, die von gegenüberliegenden Seiten aufsteigen. Links ist der Berg fast schneefrei mit zwei Menschen in leichter Ausrüstung beim Wandern , rechts zwei Personen beim Skitourengehen in hochwinterlichen Bedingungen.
sen mit den realen Verhältnissen abgeglichen werden. Hat es mehr Schnee als angenommen? Ab welcher Höhenlage liegt Schnee? Wie sind die Temperaturen und das aktuelle Wetter? Ist der Verlauf der Route zu erkennen? Ist die geplante Tour realisierbar? Nicht alle diese Fragen lassen sich am Ausgangspunkt vollumfänglich beantworten. Essenziell ist es deshalb, die Annahmen während der Tour weiter zu präzisieren und den eigenen Zeitplan im Auge zu behalten.
Erschwerte Orientierung: Der Wegverlauf von kleineren Steigen kann durch Schnee oder Laub verdeckt und nicht mehr erkennbar sein.
- Auf Wegzeichen (Punkte) und -spuren achten. Überlegen, wie ein logischer Wegverlauf aussehen könnte. Vorsicht: Ist der Weg nicht mehr zu finden, rechtzeitig umkehren!
Vereisung: Vereiste Passagen sind nicht immer gut erkennbar.
- Aufmerksam gehen!
- Darauf achten, ob kleine Wasserläufe oder nasse (dunkle) Passagen neben oder auf dem Weg lauern. Mit den Füßen oder Stöcken solche Passagen ertasten.
- Idealerweise am Rand umgehen oder bei längeren Passagen Grödel anlegen.
Schnee: Lässt sich die Gefahr eines Schneebretts ausschließen?
- Kleine (weniger 10 x 10 m) verschneite Passagen, verschneite Forstwege, Schnee in dichtem Wald oder flache Schneefelder (deutlich unter 30°) sind hinsichtlich Lawinengefahr in der Regel vernachlässigbar.
- Fehlt die Beurteilungskompetenz, dann gilt Verzicht! Schneefelder entweder umgehen (möglich?) oder direkt begehen.
- In hart gefrorenem Firn auf Abrutschgefahr achten (Grödel, Stöcke, Handschuhe).
- Bei weichem Schnee ist bedächtiges Spuren und Komprimieren nötig (Gamaschen, Stöcke, Handschuhe, ggf. Schneeschuhe).
- Bestehende Fußspuren sind oft hart vereist und schlechter zu begehen als eine eigene Spur.
- Skispuren – falls vorhanden – unbedingt vermeiden.
Wer im Winter auf Wandertour unterwegs ist, sollte die Tour auf das eigene Können im Verhältnis zu den herrschenden Bedingungen und komplexen Anforderungen abklopfen: Bin ich dem Gelände gewachsen? Kann ich Passagen auch sicher wieder absteigen? Im Zweifel sollte man auf die Tour verzichten und auf einen Plan B ausweichen. Eine gute Alternative kann sein, auf bekannte, bereits begangene Touren zurückzugreifen. So lassen sich böse Überraschungen leichter vermeiden und Erfahrung und Können schrittweise steigern.
TECHNIK UND TAKTIK
Alles eine Frage der Tourenplanung: Von südseitig sonnig, ohne viel Schneekontakt, bis nordseitig grimmig ist in milden Wintern alles möglich.
Tipps für Wintertouren:
X Defensive Tourenwahl in Anspruch und Länge
X Zeit und Können mit Puffer planen
X Verhältnisse vor Ort und auf Tour beachten
Weitere Artikel zum Bergsport im Winter (opens in a new tab)
Hinweis: Neben der Schneebrettgefahr kann es hin und wieder Situationen geben, in denen größere Nass- oder Gleitschneelawinen aus hohen Einzugsbereichen in schneefreies Gelände vorstoßen. Solche Situationen beschränken sich aber auf wenige Tage pro Saison und werden in den Lawinenlageberichten meist gut und deutlich beschrieben.
Max Bolland arbeitet als Bergführer und Ausbilder in der Trainerausbildung des DAV (opens in a new tab). erlebnis-berg.com (opens in a new tab)
Image: Person in der Hocke im Schottergelände im Gebirge mit aufgebauten Messgeräten. Mehrere große Gesteinsproben liegen auf einem Tisch in einem Labor, mit Etiketten und Messinstrumenten im Hintergrund.
Michael Krautblatter im Interview
Georisiken und steile Lernkurven
Michael Krautblatter ist Professor für Hangbewegungen an der TU München. Seit über zwanzig Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den geologischen Veränderungen im Gebirge – trotz erschütternder Ergebnisse mit ungebrochener Leidenschaft und dem nötigen Optimismus.
Interview: Christine Frühholz
58 DAV PANORAMA 1/2026
Image: Mehrere große Gesteinsproben liegen auf einem Tisch in einem Labor, mit Etiketten und Messinstrumenten im Hintergrund.
Fotos: Georg Bayerle, Geograph. Institut Universität Bonn
Mit deinen grundlegenden wissenschaftlichen Ar beiten bist du einer der international führenden Experten im Bereich Hangstabilität im Perma frost. Wie kamst du zu dieser Spezialisierung?
Die Liebe zur Natur und zu den Bergen hat mich zum Geografie- und Geologiestudium gebracht. Mit etwa dreizehn Jahren habe ich mit dem Klettern in der Fränkischen Schweiz begonnen, da bin ich mit dem Kumpel auf dem Fahrrad zwei bis drei Stunden hingefahren und war froh, als ich den Achtziger-Führerschein hatte, um schneller am Fels zu sein.
Im Studium habe ich während meines Austauschjahres in Nordengland einen Dozenten kennengelernt, der sich mit Hangbewegungen beschäftigt hat. Er hat mich mit nach Taiwan genommen, wo wir Felsgleitungen und Hangbewegungen nach dem großen „Chi-Chi-Erdbeben“ 1999 untersucht haben. Fasziniert von diesem Forschungsfeld habe ich dann bei Prof. Michael Moser in Erlangen studiert, ebenfalls Spezialist auf diesem Gebiet. Wir waren viel unterwegs und gleich im ersten Jahr habe ich dreißig, vierzig große Hangbewegungen gesehen.
Meine Abschlussarbeit hatte das Thema „Steinschlag im Wettersteingebirge“, ich war dafür unter den großen Felswänden im Reintal unterwegs. Das war genau mein Ding, ich habe zwei Sommer lang in der Hütte verbracht und habe Steinschlagmessungen gemacht. Da wusste ich: Das ist das, was ich machen will.
Da schließt sich ein Kreis, denn das Wetterstein gebirge ist eines deiner „Hausgebiete“. Unter dem Gipfel der Zugspitze erforschst du im Kernstollen die Entwicklung des Permafrosts.
Es gab damals die ersten Artikel von Wilfried Häberli zu tauendem Permafrost in den Alpen, trotzdem wurde der Aspekt damals als nicht so wichtig angesehen. Ich war dagegen überzeugt, dass diese ab 2800 Meter gefrorenen Felsen in den Alpen und das Auftauen ein Riesenthema werden. Deswegen habe ich dazu meine Doktorarbeit begonnen und war viel in der Schweiz unterwegs. Ein Jahr später bekam ich einen Anruf vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, ob ich das nicht auch auf der Zugspitze machen könnte – und ich war zurück im Wettersteingebirge.
Gab es da auch Widerstände?
Am Anfang war tatsächlich sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig, dass das Thema wichtig ist und vor allem wichtig wird: bei der Zugspitzbahn und anderen Bergbahnbetrieben, aber auch beim Alpenverein. 2003 gab es die allerersten Stürze, aber es hatte damals noch nicht die Aufmerksamkeit. Erst in den letzten vier bis fünf Jahren, in denen so viele große Stürze passiert sind wie am Cengalo, Fluchthorn oder am Kleinen Nesthorn hinunter nach Blatten, wurde das Thema groß. Davor haben wir viele Jahre um Aufmerksamkeit gekämpft und ich habe viele Anträge abgelehnt bekommen mit der Begründung: nicht wichtig genug.
Ich habe sehr früh versucht, herzuleiten, wie groß solche Stürze werden können. Dadurch, dass sich die Eigenschaften von Fels ändern, war schnell klar, dass auch sehr große Stürze kommen werden. Manche internationale Experten beim Tiroler Geoforum Umhausen haben jedoch damals noch gesagt, Stürze werden nie größer als ein VW-Bus.
Du hast in einem Vortrag deine Messtechnik mit einer Schädel CT verglichen. Wie genau sehen deine Messungen aus?
Um das Jahr 2000 herum gab es eine erste Technik, die Geophysik im Permafrost angewendet hat. Der Inhalt meiner Doktorarbeit war dann, diese Technik, die hauptsächlich im Blockgletscher oder eisreichen Schutt angewendet wurde, auf Felsen zu übertragen. Gelernt habe ich das in meiner Zeit in Großbritannien, in Wales haben wir die ersten Versuche geoelektrischer Messungen mit Elektroden vorgenommen. Was ich dort in Zentimeter-Abständen gemacht habe, habe ich in den Alpen in Meter-Abständen gemacht, um dreißig, vierzig Meter tief in den Felsen hineinzuleuchten und zu erforschen, welche elektrische Leitfähigkeit wir im Felsen bei welcher Temperatur haben.
Murenforschung im Gebir ge gehört zum Tätigkeits schwerpunkt von Michael Krautblatter (l).; am Geo graphischen Institut der Uni Bonn führte er erste geoelektrische Messun gen der Leitfähigkeit von Zugspitzgestein durch.
„Experten haben damals noch gesagt, Stürze werden nie größer als ein VW-Bus.“
In vielen Nächten habe ich dann zusammen mit einem Freund ein Kühlaggregat gebaut – es steht heute noch bei uns im Keller. Damit konnten wir den Fels herunterkühlen und die Versuche sehr genau bis auf 0,2 Grad durchführen. Mittlerweile haben wir ein komplettes Gefrierlabor, in dem zwei mechanische Testgeräte stehen, die Veränderungen von Felsfestigkeiten bei erwärmenden Temperaturen messen können.
Ihr bringt die Gesteinsproben also in den Keller der TU und testet die Festigkeit unter verschiede nen Temperaturen?
Ja, wir können bei minus vier, minus drei und minus zwei Grad die gleichen Gesteine messen. Die Bruchfestigkeit von Felsbrücken und Druck sowie die Zugfestigkeit von solchen Gesteinen können sich um zwanzig bis vierzig Prozent verändern. Es gibt sehr anfälliges Gestein, da passiert viel. Wir haben noch nicht ganz verstanden, welche das sind. Die nächsten Proben, die wir durchgehen, sind wahrscheinlich von Blatten. Und dann könnten wir wirklich analysieren: Warum ist gerade das Kleine Nesthorn heruntergekommen und nicht der Gipfel nebenan, welche Gesteine sind besonders anfällig, und gilt das für das gesamte Lötschental?
Also liegt es nicht nur an der Gesteinsart an sich, wie anfällig oder stabil Fels grundsätzlich ist, sondern man muss es sehr kleinteilig und lokal betrachten?
Genau. Es gibt den unglaublich stabilen Wettersteinkalk und es gibt sehr porösen Kalk. Genauso ist es bei den Schiefern und bei den Gneisen. Seit drei, vier Jahren erst können wir dazu zuverlässig Versuche machen und sind damit so gut wie die einzige Forschungsgruppe, die das gerade tut. Uns schwebt vor, dass wir in drei bis vier Jahren in der Lage sind, eine „Hotspot-Karte“ für die Alpen zu machen.
Solche „Hotspots“ zu identifizieren, ist das eine, ein Frühwarnsystem für mögliche Felsstürze zu entwickeln, das andere.
Das ist unser zweiter Forschungsbereich: Bereiche, die gefährlich sind, intensiv mit Frühwarnsystemen auszustatten und damit die Voranzeichen, die uns der Berg gibt, gut lesen zu können. Solche Systeme haben wir aktuell am Hochvogel oder auch in der Partnachklamm und Höllentalklamm installiert. Dort lernen wir sehr intensiv, welche Signale der Berg wie lange im Voraus abgibt. Oft sind das nur Tage und Stunden. Solche Systeme werden fürs Hochgebirge sehr wichtig, denn dort wird sich unglaublich viel ändern – und zwar jenseits dessen, was wir als Erfahrungswissen haben. Unsere Großeltern können uns nicht sagen, was da wirklich passiert. Wir haben nur die Wissenschaft. Und wenn wir hier enger zusammenarbeiten mit den Alpenvereinen, mit den Seilbahnen, dann bekommen wir eine steile Lernkurve, wir lernen dann gemeinsam viel schneller. Wir sind damit nicht im Elfenbeinturm, sondern arbeiten zweigleisig: Wir haben die Grundlagenforschung im Labor und diese Erkenntnisse werden dann vor Ort angewendet. Und unsere Frühwarnsysteme können uns vielleicht helfen, die Alpen trotzdem nutzbar zu
Fotos: Georg Bayerle
Image: Forschende bewegen sich man einem eil entlang durch einen Tunnel mit Blankeis in der Zugspitze.
Image: Mehrere Personen stehen an einem Berghang auf Schottergelände und betrachten Unterlagen.
Michael Krautblatters Modelle von Murgängen leisten einen wertvollen Beitrag zum Gefahren schutz (l.); schwierige Fortbewegung auf Blank eis im Permafroststollen auf der Zugspitze.
PROJEKT ALPFUTUREPATHS
Worum geht es? Mit dem DAV als Projektpartner soll die TU München Modellierungen erstellen, damit die Alpenvereine ihre Hütten- und Wegeinfrastruktur im Zuge der Klimawandelfolgen besser planen können.
Projektpartner: Deutscher, Italienischer und Slowenischer Alpenverein, Land Tirol/Landesgeologie, TU München, Bayerisches Umweltministerium und weitere.
Ende Februar soll entschieden werden, ob das Projekt gefördert und umgesetzt wird.
halten und ganz gezielt zu sagen: In diesem Tal wird es in den nächsten zwei Wochen gefährlich, hier kann niemand mehr rein.
Was trifft unsere Alpenvereinsstruktur am meisten?
Bei hoch gelegenen Hütten wie im Ötztal geht es sicher auch um Permafrost. Und doch gibt es nicht nur schlechte Nachrichten, wie unser Gutachten am Hochwildehaus zeigt: Die Hütte ist seit 2016 geschlossen, weil nicht klar war, ob sie auf Permafrost steht und es Setzungen gibt. Wir haben geophysikalische Messungen gemacht: Unter der Hütte gibt es keinen Permafrost.
Auf der anderen Seite nehmen Muren und Steinschläge in Verbindung mit Starkniederschlägen in gewissen Bereichen deutlich zu. Gut messen können wir das am Plansee: Hier konnten wir nachweisen, dass die Murfracht sich dort in den letzten fünfzig Jahren im Vergleich zu der ganzen Zeit davor um den Faktor zehn erhöht hat. Das betrifft gerade die Nördlichen Kalkalpen enorm, wo viel Schutt transportiert wird. Hier wird man manche Wege verlagern und Hüttenzugänge neu gestalten müssen.
Wie erforscht ihr Murgänge?
Wenn wir Modelle von Murgängen machen, die gerade passiert sind, interessiert uns vor allem das, was am schlechtesten abzuschätzen ist: Wie viele Meter erodiert der Murgang? Viele Murgänge starten mit zweitausend Kubikmetern und kommen unten mit 15.000 Kubikmetern an. Das Material, das sie aufnehmen, ist manchmal sechs bis sieben Meter in den Untergrund eingefräst. Bislang konnte man das nur sehr schlecht einschätzen,ineinemProjektderForschungsgemeinschaft versuchen wir nun, Modelle zu erstellen, die auch solche Erosionsleistungen berechnen können. Überrascht hat uns das Ereignis 2020 in der Höllentalklamm: Dort ist ein etwa 60.000 Kubikmeter fassender, bis zu acht Meter hoher, so genannter hyperkonzentrierter Strom durch die Klamm gerauscht – zurückgeblieben sind weiße Felswände, die bis zu vierzehn Zentimeter abgetragen wurden. Der größte Block, der mittransportiert wurde, war zwanzig Kubikmeter groß. Das geschah nach einem kurzen, einstündigen Starkniederschlag im Bereich der Höllentalangerhütte, unten im Tal saßen die Menschen bei schönem Wetter im Garten.
Wie begegnest du Menschen, die sagen, Klima wandel und Klimaerwärmung gab es schon im mer, das ist nicht so schlimm?
Vor zehn Jahren habe ich Fragen dazu noch mit großer Geduld beantwortet, inzwischen ist die Faktenlage so, dass ich nicht mehr in die Zukunft projizieren muss. Seit 1980 haben wir mehrere Dekaden mit 0,5 Grad Erwärmung im Jahrzehnt. Und die Erwärmung, die wir in Österreich und in der Schweiz seit 1880 gemessen haben, liegt bei 2,9 und 3,1 Grad. Wenn ich das jetzt auf die Vorhersagen vor zehn Jahren „plotte“, sind wir sogar noch leicht darüber. Wir reden um den heißen Brei herum, wenn wir diskutieren, ob es den Klimawandel gibt oder nicht, die wichtige, vielleicht auch positivere Frage lautet: Wie passen wir uns richtig an? Wir haben eine große Verantwortung der Natur und der nächsten Generation gegenüber. Die Antwort heißt für mich daher rapide Anpassung, weil wir dann vielleicht der nächsten Generation eine Umwelt übergeben, an die wir uns zumindest gut angepasst haben.
Da klingt eine hohe Motivation heraus. Dein Beruf ist für dich definitiv mehr als nur ein Job, richtig?
Ja, das geht meinem gesamten Team so. Klar, wir sind viel in den Bergen, aber wir sind eben bei jedem Wetter unterwegs. Wir schleppen auch mal vierzig Kilo auf der Kraxe im Regen und bei null Grad hoch, um eine Messung zu machen, das kann schon auch körperlich hart sein. Was ich genieße: Dann unterwegs zu sein, wenn nicht viel los ist, wie neulich beim Aufstieg im Regen zur Landshuter Europahütte. Ich war komplett allein. Drei, vier Stunden Ruhe, niemand will etwas von mir. Auch bei den Messungen bin ich oft an total abgelegenen Orten wie neulich am Plansee, wo ich die Spur eines Braunbärs entdeckt habe. Meine Arbeit verstärkt sogar noch den Bezug zu den Bergen. Ich sehe die Zugspitze so oft und bei jedem Wetter, aber wenn die letzte Seilbahn unten ist und die Wolken reinziehen, da bleib ich schon mal zwanzig Minten stehen und schaue mir das einfach nur an. Als Mensch ist man dort unglaublich klein, und diese Demut, die von einer solchen Umgebung ausstrahlt, tut mir unglaublich gut. Denn exponiert sein und zu merken, wo die eigenen Grenzen liegen, das haben wir im „normalen“ Leben ein Stück weit verlernt.
Viele Murgänge starten mit 2000 Kubikmetern und kommen unten mit 15.000 Kubikmetern an.
Image: Schwarzweißporträt einer älteren Person mit kurzem Haar und neutralem Gesichtsausdruck vor weißem Hintergrund.
Christine Frühholz ist nicht erst seit diesem Interview von Michael Krautblatters Forschung zu Frühwarnsystemen nachhaltig beeindruckt.
Dauer: 5 Tage
Max. pro Tag: 800 Hm ↗, 200 Hm ↘, 8 ½ km + Gipfeloptionen
Höchster Punkt: Schönfeldspitze (2653 m)
Ausrüstung: Wanderkleidung, feste Wanderschuhe, Klettergurt, Helm und Klettersteigset
Schwierigkeit: Hüttenübergänge größtenteils unschwierig. Gipfeloptionen teils mit ungesicherten Kletterstellen (I-II) und Klettersteigpassagen (Schwierigkeit bis B/C)
Beste Zeit: Juni - September
Image: Drei Personen klettern gesichert an einem steilen Felsabschnitt mit Klettersteigseilen. Im Hintergrund weite Berglandschaft unter blauem Himmel.
BERCHTESGADENER ALPEN
Eine Sektionstour durchs Steinerne Meer
Zurück zu den Wurzeln
Manche Orte vergisst man nicht – besonders, wenn dort die Leidenschaft für die Berge geweckt wurde. Die Route durchs Steinerne Meer ist ein Klassiker unter den Hüttentouren der Berchtesgadener Alpen. Und so kehrt Ingo Röger Jahrzehnte später zurück, mit einer Männergruppe seiner Sektion.
Text und Fotos: Ingo Röger
MM eine allererste Hüttentour im August 1991 führte mich in Jeans und mit hingekritzelter Skizze statt Wanderkarte ins Steinerne Meer. Inzwischen bin ich seit über zwanzig Jahren ehrenamtlich Trainer C Bergsteigen im Alpenverein und habe seither viele Hochgebirgstouren mit Chemnitzer und Leipziger Sektionsmitgliedern unternommen. Bei der Planung der Tour 2024 erinnere ich mich an meine ersten Schritte im Hochgebirge. Schnell steht die Entscheidung fest: „Back to the roots!“ Mit sieben Teilnehmern geht es nun wieder im August zur Peter-Wiechenthaler-Hütte, am Südabfall des Steinernen Meeres gelegen. So etwas gab es noch nie auf meinen Sektionstouren: Ich bin ausschließlich mit Männern unterwegs. Ein Teilnehmer gibt daraufhin augenzwinkernd das Motto für die kommenden Tage aus: „Harmonisch, aber niveaulos“ – ich bin gespannt.
Grauer Himmel und wolkenverhangene Gipfel am nächsten Morgen erzwingen eine Planänderung: Schweren Herzens lassen wir den Klettersteig übers Persailhorn (2347 m) aus und machen uns ohne Diskussion auf den direkten Weg via Weißbachlscharte (2259 m) zum Ingolstädter Haus. Das karge Hochplateau des Steinernen Meeres wirkt im Nebel besonders geheimnisvoll. Pünktlich bei unserer Ankunft an der Hütte setzt Regen ein. Alles richtig gemacht! So stehen am Nachmittag vor allem kulinarische Höhepunkte auf dem Plan. Bei unseren Gesprächen rund um die Lebensräume von Luchsen, Füchsen und Wölfen und die Frage, wie man Gänse- und Bartgeier unterscheiden kann, glänzt derweil Dennis, der zum ersten Mal auf Hüttentour unterwegs ist, mit Fachwissen. „Niveaulos“ sieht anders aus.
Als ich vor 33 Jahren zum ersten Mal im Ingolstädter Haus übernachtete, mussten wir uns in ein völlig überfülltes Lager mit 24 anderen Schlafgästen zwängen. Dieses Mal bekommen wir Vierer-Zimmer zugeteilt und können uns auf zwei erholsame Hüttennächte freuen. Gut, denn morgen wollen wir den Großen Hundstod (2593 m) besteigen – eine nicht lange, aber im Mittelteil ordentlich steile Tour. Als wir aufbrechen, liegen die Täler unter einer geschlossenen Wolkendecke, hier oben ist die Sicht jedoch recht gut. Am Gipfel angekommen, blicken wir auf das Steinerne Meer und die geplanten Gipfelziele der kommenden Tage. Besonders beeindruckend ist der Blick nach Norden. Zum Grei-
Manche Orte vergisst man nicht – besonders, wenn dort die Leidenschaft für die Berge geweckt wurde.
1/2026 DAV PANORAMA 63
fen nah stehen die markanten Felsgestalten von Hochkalter (2607 m) und Watzmann (2713 m) vor uns, dessen Silhouette aus dieser Perspektive völlig ungewohnt ist.
Tags darauf steht der Übergang zum Kärlingerhaus am Funtensee auf dem Programm. Die Hütte gilt aufgrund ihrer Lage in einer tiefen Karstsenke als Kältepol Deutschlands. Minus 45,8 Grad wurden hier im Januar 2000 gemessen. Davon merken wir nichts, als wir nach einer entspannten Halbtagesetappe hier eintreffen, denn inzwischen ist das Hochsommerwetter endgültig zurückgekehrt. Das Schutzhaus ist während der Saison mit seinen über zweihundert Schlafplätzen nahezu permanent ausgebucht. Besonders die Fernwanderroute vom Königssee zu den Drei Zinnen in den Dolomiten ist derzeit en vogue. Weit weniger angesagt sind die Gipfelziele rund um die Hütte. Bei bestem Wetter stehen wir am Nachmittag allein auf dem Viehkogel (2158 m). Der Grenzberg zwischen Bayern und dem Land Salzburg erhebt sich direkt hinter der Hütte und ist ohne größere Schwierigkeiten zu erreichen. Die Fern- und Tiefblicke sind seinen berühmten Nachbarbergen jedoch ebenbürtig.
Einen dieser Nachbarberge, den Funtenseetauern (2578 m), nehmen wir uns als Nächstes vor – wieder einmal mit leichtem Tagesgepäck. Auch bei dieser Tour strahlt die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel. Der bislang anspruchsvollste Aufstieg hat es in sich. Besonders eine lange Querung durch eine steile Schrofenflanke unter dem Stuhljochgrat stellt einige von uns auf eine Bewährungsprobe. Auf manchmal nur fußbreiten Tritten heißt es: Ruhe bewahren. Das Gipfelpanorama wird von den üblichen Verdächtigen
Image: Bergsee mit grünen Uferflächen, umgeben von steilen Hängen und bewaldeten Bergen. Im Hintergrund ragen hohe Gipfel unter blauem Himmel auf.
Image: Berghütte mit beleuchteten Fenstern in felsiger Hochgebirgslandschaft bei Abenddämmerung. Umgeben von steilen, schroffen Felswänden unter blauem Himmel.
Image: Zwei Wanderer auf einem schmalen, felsigen Gebirgspfad bei Nebel. Beide tragen Outdoor-Kleidung und Rucksäcke, umgeben von grauen Felsen und spärlichem Gras.
Image: Nahaufnahme einer Edelweiß-Blüte mit weißen, sternförmigen Blättern und kleinen gelblich-braunen Blütenköpfen, umgeben von unscharfem Grün im Hintergrund.
Image: Zackige, graue Felsgipfel ragen aus einer Wolkendecke in einer alpinen Landschaft. Die Wolken füllen die Täler zwischen den steilen Bergwänden.
bestimmt. Am Watzmann sind die Graterhebungen von Watzmannfrau und den fünf Watzmannkindern zu erkennen. Zu unseren Füßen liegt erstmals auf dieser Tour in voller Pracht der Königssee. Auf dem Hochkönig, mit 2941 Metern höchster Punkt der Berchtesgadener Alpen, sieht man deutlich das Matrashaus. Und im Süden steht die kühne Pyramide der Schönfeldspitze (2653 m). Wie wir da in zwei Tagen ohne weitere Kletterausrüstung hinaufsteigen wollen, bleibt aus dieser Perspektive ein Rätsel.
Weiter geht es zum Riemannhaus und damit zurück nach Österreich. Der Weg führt durchs zentrale Steinerne Meer und einmal mehr ist die Hütte bereits gegen Mittag erreicht.
Das Steinerne Meer gleicht einer riesigen Schüssel, an deren bogenförmigem Südrand ein Gipfel neben dem anderen in den Himmel ragt. Mehr als ein halbes Dutzend davon kann man vom Riemannhaus aus besteigen. Als Nachmittagstour wollen wir zum Breithorn (2504 m) aufbrechen und, wenn das Wetter mitspielt, die anspruchsvolle Überschreitung von Mitterhorn, Äulhorn und Achselhorn anschließen. Laut Prognose sind Gewitter am Nachmittag nicht auszuschließen. Gerade als wir am Breithorngipfel eintreffen, tauchen die Kumuluswolken über den Südwänden auf. Ob sie sich bald zu gefährlichen Ambosswolken auftürmen werden oder wieder in sich zusammenfallen, lässt sich beim besten Willen nicht erkennen. Weitergehen oder umkehren? Ich bin ob der anstehenden Entscheidung nervös. So kann ich den Moment, nach über 33 Jahren zu meinem ersten Zweitausender zurückgekehrt zu sein, kaum würdigen. Wir finden einen Kompromiss. Mit Ulli, Bert und Michael geht es bis zum nahen Mitterhorn wei-
Mehr Infos zu Gipfeloptionen und Hütten (opens in a new tab)
Auf manchmal nur fußbreiten Tritten heißt es: Ruhe bewahren.
DURCHS STEINERNE MEER
Charakter der Tour, Länge und Schwierigkeiten: Die Tour am Südrand der Berchtesgadener Alpen führt durch hochalpines Gelände. Bei den direkten Hüttenübergängen handelt es sich um weitestgehend unschwierige Halbtagesetappen. Ein gewisses Maß an Trittsicherheit ist im rauen Karstgestein dennoch erforderlich. Achtung: bei Nebel anspruchsvolle Orientierung, auch auf markierten Wegen.
Die vorgeschlagenen Gipfelziele sind in der Regel als Tages- oder Halbtagestour mit leichtem Gepäck machbar. Sie reichen von einfachen Wanderungen bis zu anspruchsvollen Bergtouren mit ungesicherten Kletterstellen (I-II) und Klettersteigpassagen (Schwierigkeit B/C am Persailhorn, sonst leichter).
Ausrüstung: Neben Wanderkleidung und festen Wanderschuhen sind Klettergurt, Helm und Klettersteigset erforderlich.
An-/Abreise: Anreise mit Zug via Rosenheim und Wörgl nach Saalfelden, von dort Busverbindung nach Pabing/ Bachwinkl, Rücktransfer vom Parkplatz Sandten/Griesbachwinkl zum Bhf. Saalfelden mit Taxi (aufgrund hoher Nachfrage rechtzeitig reservieren).
Karte: AV-Karte Steinernes Meer 10/1, 1:25.000
Die Hüttenübergänge:
1. Parkplatz Sandten – Steinalm – teilweise versicherter Steig zur Peter-Wiechenthaler-Hütte, 800 Hm ↗, 200 Hm ↘, 8,5 km, 3 ½ Std. oder Parkplatz Bachwinkl – Peter-Wiechenthaler-Hütte, 830 Hm ↗, 4,5 km, 2 ¾ Std.
2. Peter-Wiechenthaler-Hütte – Weißbachlscharte – Ingolstädter Haus, 680 Hm ↗, 250 Hm ↘, 7,2 km, 3 ½ Std.
3. Ingolstädter Haus – Kärlingerhaus, 100 Hm ↗, 550 Hm ↘, 5,7 km, 2 ¼ Std.
4. Kärlingerhaus – Riemannhaus, 580 Hm ↗, 50 Hm ↘, 6,1 km, 3 Std.
5. Riemannhaus – Parkplatz Sandten (steiler, aber gut ausgebauter Felssteig), 1060 Hm ↘, 4,5 km, 2 Std.
Morgens blicken wir noch zurück auf das Kärlingerhaus am Funtensee, abends bewundern wir das Riemannhaus vor der Silhouette des Breithorns. Der Weg zum Ingolstädter Haus wird trotz Nebel mit guter Laune gemeistert – Nebel verleiht auch der wilden Felsszenerie im Talschluss des Wimbachtals einen mystischen Touch.
TIPPS FÜR DEN BERGURLAUB
- Besuch der Einsiedelei am Palfen zu Saalfelden (am Weg zur Peter-Wiechenthaler-Hütte)
- Bademöglichkeit Zeller See, u.a. Strandbad Erlberg (Eintritt frei)
- Lamprechtshöhle, Seisenbergklamm, Vorderkaserklamm bei Weißbach bei Lofer
- Sommerrodelbahnen, z.B. am Biberg in Saalfelden oder am Alpengasthof Hochlenzer bei Berchtesgaden
ter. Dort wollen wir umkehren und mit den anderen, die derweil ausgiebig auf dem Breithorn rasten, gemeinsam zur Hütte zurückkehren. Für die luftige Querung unter den so genannten „Drei Docken“ sind Gurt, Helm und Klettersteigset angebracht. Ein Drahtseil hilft nur an ein paar einzelnen Stellen, dazwischen sind Konzentration und Trittsicherheit vonnöten.
Der Sommerstein (2308 m) ist der Hausberg des Riemannhauses. Es gibt deutlich höhere Berge im Steinernen Meer. Dennoch ist diese Berggestalt eine der markantesten weit und breit. Durch die steile Südwand führen kühne Kletterrouten. Ein kurzer Steig leitet hingegen in wenigen Minuten von der Hütte hinauf zum Gipfel. Ein perfektes Ziel also für den Sonnenuntergang. Herrlich ist der Blick über den Zeller See hinweg auf den Alpenhauptkamm mit Großem Wiesbachhorn, Großglockner und Großvenediger. In der Hütte sind derweil schon die Lichter angegangen. Die abendlichen Diskussionen kreisen um Fotografie und Hydrauliksysteme, von Niveaulosigkeit weiterhin keine Spur. Dafür stimmt die Chemie in unserer kleinen Gruppe und wir freuen uns auf die Königsetappe zur Schönfeldspitze.
Am nächsten Tag geht es über den Gratweg. Aus der Ferne versuche ich den logischen Aufstiegsweg zur Schönfeldspitze zu erkennen, doch es fällt mir schwer. Die Lösung ist verblüffend: Zunächst geht es, gespickt mit leichten Kletterstellen, durch die Nordwestflanke hinauf auf einen breiten Rücken. Dann wird es luftig: Eine Mischung aus Rinne und Band leitet relativ sicher, aber mit ordentlich Luft unter den Schuhsohlen, auf der Südseite unterm Gipfel vorbei. Dann erwartet uns die Schlüsselstelle: Sehr ausgesetzt geht es über eine kompakte Felsplatte hinüber – dank Drahtseil und einzelner Eisenbügel jedoch eine sichere Angelegenheit. Nun schwenkt die Route über eine gleichbleibend steile Schrofenflanke hinauf zum gut besuchten Gipfel mit beeindruckendem Gipfelkreuz; es wurde von einem einheimischen Holzbildhauer geschaffen und stellt die Jungfrau Maria dar, die Jesus mit der Dornenkrone trägt. Für den Rückweg wählen wir die gleiche Route und nehmen noch den Abstecher auf das Streichenbeil mit. Kaffee und Kuchen auf der sonnigen Hüttenterrasse haben wir uns nun redlich verdient und die Gedanken schweifen zu den Erlebnissen der vergangenen Tage. Harmonisch war sie, die Zeit. Und alles andere als niveaulos, wie ich finde.
BERCHTESGADENER ALPEN
Die Peter-Wiechenthaler-Hütte am Südabfall des Steinernen Meeres bietet ein tolles Fotomotiv im Abendlicht; unten grüßt der Watzmann beim ruhigen Aufstieg zum Viehkogel.
Image: Berghütte auf einem bewaldeten Grat, umgeben von tiefen Tälern und hohen Gipfeln. Sonnenstrahlen brechen durch Wolken und beleuchten die Landschaft.
Image: Grüne alpine Landschaft mit Felsen und Sträuchern, dahinter steile graue Berggipfel unter blauem Himmel. Rechts steht eine kleine Hütte am Weg.
„Schreiben, Fotografieren und die Freude an den Bergen mit anderen teilen“ ist das Motto von Ingo Röger. Seit über zwanzig Jahren ist er als Trainer C Bergsteigen mit Chemnitzer und Leipziger Bergfans im Hochgebirge unterwegs.
Image: Mehrere Personen fahren auf einer sonnigen, verschneiten Langlaufloipe, umgeben von hohen Bergen und schneebedeckten Bäumen.
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Ausgabe 1/2026
Slowenien
Geheimtipp für nordischen Wintersport
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Auf den folgenden Seiten finden Sie attraktive Produkte, Reiseangebote und Kleinanzeigen unserer Kunden
Foto: Nordic Center Planica
Image: Zwei Personen fahren mit Mountainbikes auf einem sonnigen Bergweg durch grüne Landschaft.
Image: Gruppe von Menschen sitzt auf einem Felsgipfel und blickt auf eine weite Berglandschaft
IN DIE STILLE EINTAUCHEN
Körper, Seele und Geist in Einklang bringen auf den Touren von Roman Mueller. FREITAG WEISS 0,0 PROZENT
Duftig, fruchtig und saftig kann der Genuss sein – und das ganz ohne Alkohol.
TRANSTIROL BIKERALLYE
2026 startet das beliebte
Mehretappen-Event in einem
völlig neuen Format.
Image: Drei Personen langlaufen auf einer sonnigen, verschneiten Loipe zwischen hohen, schneebedeckten Tannen.
In Love with S-LOVE-NIA
Geheimtipp für nordischen Wintersport
Foto: Daniel Hug
Slowenien mag klein sein – aber wenn es um den nordischen Wintersport geht, spielt das Land in der ersten Liga. Zwischen Alpenvorland und mediterranen Einflüssen ist die Langlauftradition hier tief verwurzelt. Das Revier gilt vielerorts noch als „weißer Fleck“ auf den Reise-Landkarten. Und genau das macht den Reiz aus: 24 professionelle Langlaufzentren, schneesichere Loipen zwischen 400 und 1500 Metern und eine Authentizität, wie man sie andernorts sucht. Slowenien ist unverbraucht, herzlich, natürlich – ein echter Geheimtipp für alle, die abseits des Trubels auf schmalen Brettern unterwegs sein wollen.
Wer hier ankommt, merkt schnell: Langlaufen ist in Slowenien keine Randsportart. Direkt in den Ortszentren starten Loipen, gelaufen wird bei Tag und Nacht, im Winter und sogar im Sommer. Klassisch oder Skating? Flach, hügelig oder alpin? Egal – alle finden hier ihre perfekte Linie. Und Hoteliers und Guides mit nordischem Know-how. Die Langlaufleidenschaft der slowenischen Landsleute ist einfach ansteckend. Denn hier reicht die nordische Tradition weit zurück. In Slowenien gab es bereits Langlauf- und Biathlon-Wettkämpfe, lange bevor der alpine Skisport in Mitteleuropa populär wurde. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten.
Ideal für den Einstieg
Das idyllische Logartal ist bestens geeignet, um erste Loipenerfahrungen zu sammeln. Die rund zehn Kilometer gespurten Loipen sind ideal für Familien sowie Neulinge und führen dennoch bis auf 1200 Meter Seehöhe. Hier lassen sich Ziele von Beginn an höherstecken! Gleich nebenan bietet das Langlaufzentrum Rogla weitere zwanzig Loipenkilometer – perfekt präpariert und abwechslungsreich. Auch der slowenische Skiverband trainiert hier, kein Wunder, die Weltcupstrecken bieten die ganze Saison lang professionelle Bedingungen. Kleine Runden, große Schleifen – alles ist möglich.
Der Herzschlag des nordischen Sports
Im oberen Savatal wird’s richtig legendär: Kranjska Gora, Planica und Tamar bilden das nordische Zentrum Sloweniens – und eines der modernsten der Welt. Rund dreißig Loipenkilometer schlängeln sich durch die höchsten Gipfel des Landes bis auf 1300 Meter Höhe. Planica, der „Tempel des Skispringens“, bietet imposante Schanzen und ein zeitgemäßes, teilweise überdachtes Langlaufzentrum. Sogar im Sommer wird im Indoor-Langlaufbereich weitertrainiert. Das nordische Herz schlägt sozusagen im Zwölf-Monats-Takt. Bohinj war 1986 Austragungsort des ersten Skilanglauf-Weltcups. Mehr als siebzig Kilometer präparierte Loipen ziehen sich hier durch die Julischen Alpen. Besonders beliebt sind die Höhenloipen über aussichtsreiche Hochebenen rund um Goreljek und Gorjuše.
REGIONSINFO
I feel Slovenia slovenia.info (opens in a new tab)
Slovenia Outdoor slovenia-outdoor.com (opens in a new tab)
Stille Wälder, weite Hochweiden und Biathlon-Flair
Wer abseits des Trubels gleiten will, findet auf der Pokljuka-Hochebene sein Paradies: Dreißig Kilometer Loipen führen durch stille Fichtenwälder und über weite Hochgebirgsweiden, stets zu sehen ist das Panorama der Julischen Alpen. In Rudno polje liegt außerdem das berühmte Biathlonzentrum, Austragungsort des Weltcups. Für Menschen, die eher genussvoll unterwegs sind, bietet sich die Region mit den Almen Konjšica oder Planina Javornik ebenso an wie für Ambitionierte, die ihre Technik und Ausdauer unter besten Bedingungen perfektionieren wollen.
Ob Höhenloipe, Weltcup-Flair oder stille Naturspur – in Sloweniens Loipen verliebt man sich schneller als gedacht. Zeit also, die Ski zu wachsen und auf Entdeckungsreise zu gehen: Slow down and fall in S-LOVE-nia.
Info: langlauf-urlaub.com (opens in a new tab)
Image: Zwei Langläufer von oben auf einer verschneiten Spur gesehen.
Langlaufen ist in Slowenien keine Randsportart. Gelaufen wird bei Tag und Nacht, im Winter und sogar im Sommer.
Foto: Nordic Center Planica
Die TransTirol BikeRallye ist zurück!
Echte Dolomiten-Momente und sportliche Herausforderungen
Die BikeRallye erfindet sich neu! 2026 startet das beliebte Mehretappen-Event in einem völlig neuen Format. Eine neue Route, derselbe Spirit, drei neue Varianten – diese Rallye ist eines der entspanntesten Bike-Events der Alpen. Auf 350 Kilometern und in sechs eindrucksvollen Etappen führt die TransTirol BikeRallye vom 28. Juni bis 4. Juli 2026 durch das Herz der Dolomiten – über alpine Übergänge, Dolomitenpässe und flowige Almwege. Das Besondere: Drei Streckenvarianten pro Tag machen das Abenteuer perfekt, abgestimmt auf sportliche All-Mountain-Rider, E-Mountainbiker und erstmals auch Gravelbiker. Gemeinsam starten, individuell erleben – und abends beim gemütlichen Dinner wieder vereint: Genau deshalb ist die Rallye so einzigartig. Neben professionellem Guiding, Gepäcktransport, Bike-Service und hochwertigen Unterkünften sorgt das Rundum-sorglos-Paket dafür, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann: Staunen, Strampeln, Genießen. Neue Wege, aber keine Hektik. Die TransTirol BikeRallye bleibt das, was sie immer war – ein Bike-Abenteuer für alle, die mehr wollen als Rennstress: echte Dolomiten-Momente, sportliche Herausforderungen und eine Community, die von Höhenmeter zu Höhenmeter weiter zusammenwächst. Save the Adventure-Date: TransTirol BikeRallye 2026: 28. Juni bis 4. Juli 2026.
Info: transtirol-bikerallye.com (opens in a new tab)
Image: Zwei Personen auf Rennrädern vor markantem Felsmassiv in sonniger Berglandschaft.
Magische Dolomiten
Den Drei Zinnen kann man nicht entrinnen
Der imposante Gebirgsstock Drei Zinnen ist nicht nur Wahrzeichen der Dolomiten, sondern auch schroffe Landmark der Gegend. Denn auf den 200 täglich frisch präparierten Loipenkilometern sind die weißen Berge stete Begleiter – und von Dezember bis März die perfekte Kulisse für alle panoramasüchtigen Langlaufenden. Mitten im Herzen der Dolomiten wartet in der Region Drei Zinnen ein Paradies für Wintersport-Begeisterte. In diesem Loipennetz zwischen 1130 und 2200 Meter Höhe begeben wir uns auf die Spuren der Profis oder gleiten genussvoll durch die idyllischen Täler: etwa auf die Höhenloipe Plätzwiese, ins Höhlensteintal oder auf die hauseigenen Loipen der Nordic Arena in Toblach. In Italiens Langlaufdestination Nummer eins schlägt das Herz für den nordischen Sport! Immerhin liegt die Gegend im Zentrum des Langlaufkarussells Dolomiti NordicSki, das den Aktionsradius auf zwei Brettln im Handumdrehen auf gleich acht abwechslungsreiche Gebiete mit knapp tausend Loipenkilometern erweitert.
Info: langlauf-urlaub.com (opens in a new tab)
Foto: Josef Laickner
Image: Eine Person auf Langlaufski vor steilen, verschneiten Berggipfeln.
REGIONSINFO
Dolomitenregion Drei Zinnen: dreizinnen.com (opens in a new tab)
Hotel-Tipps: Apparthotel Germania*** Toblach, apparthotelgermania.com Hotel Union***S Toblach, hotelunion.it (opens in a new tab) Hotel Laurin’s**** Toblach, hotel-laurin.com (opens in a new tab) Eco-Apparthotel HIRBEN Naturlaub**** hirben.it (opens in a new tab)
Foto: Alex Moling
REISENEWS
Wandern und genießen
In die Stille eintauchen
Es ist ein besonderes Erlebnis, in die Stille der Gebirgswelt einzutauchen. Schritt für Schritt bewegt man sich aus dem Alltag heraus in die vielfältige Bergwelt hinein und genießt dabei die Schönheit des Augenblicks. „Dabei tun wir etwas, was uns Spaß macht, womit wir uns lebendig fühlen können und wobei wir gleichzeitig unsere körperliche Fitness steigern“, sagt der Veranstalter Roman Mueller Treks & Meditation. Hier bietet sich die Möglichkeit, Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen. Die Naturerfahrungen und eine persönliche Gruppenatmosphäre machen diese Bergwander- und Meditationskurse sowie Trekkingreisen zu einem besonderen Bergurlaub. 2026 werden drei Alpenkurse angeboten: Beim Kurs Genusswandern im Ahrntal (28.6. bis 5.7.) finden Tagestouren mit leichtem Gepäck statt. Kosten: € 890,- mit Vollpension. – Anspruchsvoller sind die Zwei-Hütten-Wanderkurse: Alpenüberquerung Teil 1 (31.7. bis 11.8.) sowie „Unterwegs auf dem GTA Nord im Piemont“ (21.8. bis 5.9.). Kurskosten: € 1300,- bzw. € 1650,- inklusive Halbpension. – Die Pilgerreise zum Mt. Kailash in Tibet, über das abgelegene Limital, ist für viele Menschen ein Lebenstraum. Zum 25. und letzten Mal leitet Roman Mueller diese beeindruckende Reise im Herbst 2026 (21.9. bis 19.10.). Kosten: € 5995,- (inklusive Hotel- und Trekkingkosten, ohne internationalen Flug).
Info: bergwandern-meditation.de (opens in a new tab)
Image: Eine Person in roter Jacke sitzt auf einem Hügel und blickt über eine weite Seen‑ und Berglandschaft unter blauem Himmel.
Foto: Roman Mueller
PRODUKTNEWS
Image: Zwei funktionale Outdoor‑Jacken: vorne eine blaue Kapuzenjacke, dahinter eine grüne Jacke mit Stehkragen.
APIRO HOODED JACKET (opens in a new tab)
Die Apiro Fleecejacke von Mountain Equipment kombiniert ein glattes Außenmaterial mit einer flauschig gebürsteten Innenseite für hervorragende Wärmeleistung und hohen Tragekomfort. Die glatte Oberfläche macht sie ideal zum Tragen unter einer Hardshell (opens in a new tab), während das aus recyceltem Polyester hergestellte Fleecematerial effizient Körperwärme speichert, Feuchtigkeit ableitet und schnell trocknet. Der athletische Schnitt sorgt für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit – auf Tour, beim Klettern oder im Alltag. Erhältlich für Damen und Herren, mit oder ohne Kapuze (opens in a new tab).
PREISEMPFEHLUNG (opens in a new tab): ab € 119,90 (opens in a new tab), mountain-equipment.eu (opens in a new tab)
PERFEKT, UM DRAUSSEN FLEXIBEL UNTERWEGS ZU SEIN (opens in a new tab)
Er vereint sportliche Dynamik und hohen Komfort mit der nötigen Robustheit und der zuverlässigen Wasserdichtigkeit durch die integrierte GORE-TEX Membran. Die optimierte Zwischensohle sorgt für angenehme Dämpfung und spürbaren Rebound, während die stabile Fersenpartie guten Halt bietet – auch auf längeren Strecken. Die griffige Außensohle mit fünf Millimeter tiefen Stollen garantiert hervorragenden Grip: Beschleunigen (opens in a new tab), bremsen, Richtungswechsel – alles gelingt mühelos und kontrolliert. Dank seines ausgewogenen Laufverhaltens und seiner Vielseitigkeit ist der AMPLUX 2 GTX der ideale Begleiter für alle, die einen komfortablen (opens in a new tab), flexiblen Schuh für ihre Aktivitäten an der frischen Luft suchen – bei jedem Wetter (opens in a new tab).
PREISEMPFEHLUNG (opens in a new tab): € 170-, lowa.com (opens in a new tab)
Image: Zwei sportliche Laufschuhe in unterschiedlichen Farbkombinationen nebeneinander.
Image: Packung Biolectra Magnesium 486 mg Intens, Trinkpulver Orange‑Mango, mit Glas und Früchten abgebildet
INTENSIVTHERAPIE BEI MUSKELKRÄMPFEN (opens in a new tab)
Nach langen Touren oder intensiven Trainingseinheiten können schmerzhafte Wadenkrämpfe auftreten – oft ausgelöst durch Magnesiummangel (opens in a new tab). Das neue Biolectra® MA-GNESIUM 486 Milligramm INTENS Trinkpulver von Hermes Arzneimittel bietet eine hochdosierte (opens in a new tab), schnelle Versorgung mit gut löslichem Magnesiumcitrat. Einmal täglich in (opens in a new tab) Wasser eingerührt, deckt es den Bedarf und unterstützt die Regeneration (opens in a new tab). Vegan, frei von Farbstoffen und mit fruchtigem Orangen-Mango-Geschmack (opens in a new tab), apothekenpflichtig (opens in a new tab).
PREISEMPFEHLUNG: € 13,49 (opens in a new tab), biolectra-magnesium.de (opens in a new tab)
Peak Squeeze
DIE FALTBARE TRINKFLASCHE MIT INTEGRIERTEM FILTER
Ob auf langen Wanderungen, beim Trail-Running oder auf Reisen mit wenig Platz – die Kombination aus Trinkflasche und Filter sorgt jederzeit für sicheres Trinkwasser. Gefertigt aus besonders strapazierfähigen, reiß- und stichfesten Materialien, ist der Peak Squeeze extrem langlebig und zugleich kompakt: Mit weniger als 110 Gramm Gewicht passt er in jeden Rucksack. Dank optimierter Filtermembran und Backwash-Zubehör bleibt die Durchflussrate auch bei sandigem oder schlammigem Wasser konstant hoch. Ein automatisches Stoppsystem zeigt zuverlässig an, wenn die Filterleistung erschöpft ist. Mit einer Kapazität von bis zu 2000 Litern garantiert der Peak Squeeze eine Reinigung des Wassers auch auf längeren Touren. Erhältliche Größen: 650 und 1000 Milliliter. Pro verkauftem Produkt stellt LifeStraw übrigens einem bedürftigen Kind ein Jahr lang sauberes Trinkwasser bereit (opens in a new tab).
PREISEMPFEHLUNG (opens in a new tab): € 44,95 bzw. € 49,95 (opens in a new tab), lifestraw.com (opens in a new tab)
RIDE LIKE A PRO (opens in a new tab)
Der beliebte Freerider Pro wurde in Sachen Bequemlichkeit und Funktionalität optimiert. Das Herzstück des neuen Modells ist das innovative deuter LiteSnow-Rückensystem, das höchsten Tragekomfort bei minimalem Gewicht garantiert und sich durch eine besonders geringe Wasseraufnahme auszeichnet. Die neue, benutzerfreundliche Rückenöffnung ermöglicht eine intuitive und einfache Handhabung des Rucksacks. Der deuter Freerider Pro bietet die perfekte Lösung für alle (opens in a new tab), die sicher ausgerüstet mit Leichtigkeit und Komfort in die Berge aufbrechen möchten (opens in a new tab).
PREISEMPFEHLUNG (opens in a new tab): ab € 129,98, deuter.com (opens in a new tab)
Image: Person füllt an einem Bergbach Wasser ab, umgeben von grüner Landschaft und Felskulisse.
Image: Rosa Outdoor‑Rucksack mit mehreren Befestigungspunkten und gepolsterten Trägern.
Image: Gelbe Weinflasche mit farbig gestaltetem Etikett der Marke ‚Freitag‘.
FREITAG WEISS 0,0 PROZENT (opens in a new tab)
PREISEMPFEHLUNG (opens in a new tab): € 6,99 (0,75 Liter), hawesko.de (opens in a new tab)
Image: Braune Flasche des Nahrungsergänzungsmittels LaVita mit goldfarbenem Deckel und hellem Etikett.
FIT FÜR DEN BERG (opens in a new tab)
Ob lange Anstiege oder intensive Trainingseinheiten (opens in a new tab): Der Körper braucht Energie und eine starke Abwehr (opens in a new tab). Dank siebzig natürlicher Zutaten liefert LaVita alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium (opens in a new tab), Eisen und Vitamin D – für weniger Ermüdung, mehr Leistungsfähigkeit und ein stabiles Immunsystem (opens in a new tab). Einfach einen Esslöffel des Mikronährstoffkonzentrats mit Wasser mischen und vital in die Berge starten (opens in a new tab).
PREISEMPFEHLUNG (opens in a new tab): € 50,- (500 Milliliter (opens in a new tab)), lavita.com (opens in a new tab)
Image: Person mit Rucksack und Tourenski steht an einem schneebedeckten Berghang vor einer Kulisse aus verschneiten Gipfeln unter klarem Himmel, links davon die Abrisskante einer Schneebrettlawine
Image: DAV Panorama, das Magazin des Deutschen Alpenvereins, 77. Jahrgang, Ausgabe 4/2025
