Berge in Bewegung
Das Magazin des Deutschen Alpenvereins /// 77. Jahrgang /// 4/2025
Klimawandelfolgen für den Bergsport
ÖTZTALER ALPEN
UNTERENGADIN
VIRGENTAL
KLASSIKER
Auf „neuen Wegen“
Skitouren zum Genießen Reise nach Prägraten
Kampenwand-Überschreitung
MACH MIT (opens in a new tab)!
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FÜR DIE WOHLLEBENS (opens in a new tab)
WALDAKADEMIE (opens in a new tab):
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DIE JUNGEN WILDEN (opens in a new tab)
EDITORIAL
Im Zeichen der Veränderung
Die Tage werden kürzer, dafür rückt die Skitourensaison langsam näher. Vielleicht haben Sie ja Ihre Tourenski schon aus dem Keller geholt, in Hoffnung auf einen weißen Winter. Doch dieser ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Klimawandel verändert in den Bergen nicht nur die Jahreszeiten, sondern auch die Landschaft. Seit 2000 haben sich die Gletscher in Europa um alarmierende 39 Prozent zurückgezogen (Quelle: The GlaMBIE Team. Community estimate of global glacier mass changes from 2000 to 2023 (2025)). Im Themenschwerpunkt Berge in Bewegung (S. 26) beleuchtet Christine Frühholz, wie die steigenden Temperaturen sich auf die Natur, die alpine Infrastruktur und den Bergsport auswirken. Außerdem war Julia Behl mit Forschenden des Projekts ReHike am Gletscher unterwegs und erklärt, wie diese neue Lösungsansätze entwickeln, um den Klimawandelfolgen am Berg zu begegnen (S. 32).
Besonders deutlich sieht man die Veränderungen zum Beispiel am Rotmoosferner im Ötztal. Hier kann man nicht nur den Gletscherrückgang erkennen, sondern auch auf den neuen, eisfreien Übergängen den Spuren der Vergänglichkeit folgen (S. 10). Auch für mich stehen einige große Veränderungen an: Mein zweijähriges Volontariat im Kommunikationsbereich der DAV-Bundesgeschäftsstelle liegt nun hinter mir und ich mache mich auf zu neuen Abenteuern. Umso schöner, dass ich als Abschluss dieser Zeit als Autor*in bei der aufwendigen Produktion unserer drei Filme zum Thema Klimawandelfolgen in den Alpen mitwirken durfte. Alle drei Filme sind auf Youtube verfügbar. Meine Zeit in der Panorama-Redaktion mag zu Ende sein, doch letztendlich ist es wie auf vielen Hüttenwanderungen: Man sieht sich immer zweimal. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Wintersaison. Auf ein baldiges Wiedersehen in den Bergen!
Jo Godt Redaktion DAV Panorama
4/2025 DAV PANORAMA 3
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Explorer Hotels Entwicklungs GmbH, An der Breitach 7, 87538 Fischen (opens in a new tab), GF: K. Leveringhaus (opens in a new tab)
Inhalt
Editorial
Augenblicke
Klassiker
Kampenwand-Überschreitung
Berg & Tal
Thema
Klimawandelfolgen für den Bergsport
Auf einen Blick Berge in Bewegung
Skitouren im Sarntal Tage wie diese
Wie funktioniert das? Leichtsteigeisen
Fitness & Gesundheit Diagnose: Kreuzbandriss
Knotenpunkt Into the wild
Posteingang
So geht das!
Klettern an der Sturzgrenze
Sicherheitsforschung Tourenplanung mit Skitourenguru
Promotion Reisenews Produktnews Outdoorworld
Alpenverein aktuell
Vorschau und Impressum
Titelbild:
Das Magazin des Deutschen Alpenvereins /// 77. Jahrgang /// 4/2025
DAV/Julian Rohn. Auch dem Schla tenkees in der
Berge in
Venedigergruppe Bewegung
Klimawandelfolgen für den Bergsport
setzt die Klima erwärmung zu.
ÖTZTALER ALPEN
UNTERENGADIN
VIRGENTAL
KLASSIKER
Auf „neuen Wegen“
Skitouren zum Genießen Reise nach Prägraten
Kampenwand-Überschreitung
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10 Ötztaler Alpen – Wer hier unterwegs ist, kann den Klimawandel und seine Folgen wirklich begreifen.
38 Gabi Schieder-Moderegger – 62 Prägraten am Großvenediger –
Mit viel Herzblut und Humor widmet
Das Virgental begeistert mit unverbauter
sich die Berchtesgadenerin ihren
Natur und vielfältigen Gipfelmöglich
zahlreichen Aufgaben in der Sektion.
keiten.
alpenverein.de
Klimalehrpfad – Der neue Klima lehrpfad vermittelt Wissen rund um Gletscher, Bergwald, Moore u.v.m (opens in a new tab). alpenverein.de/klimalehrpfad (opens in a new tab)
Jetzt anmelden! – Inspiration und wichtige Infos rund um die Berge direkt ins Postfach (opens in a new tab). alpenverein.de/magazin-newsletter (opens in a new tab)
78 Bergurlaub:
Unterengadin – Die
– Im Interview spricht Kultur (opens in a new tab)
Bergsteigerdörfer Lavin,
Geograf Professor Werner Bätzing (opens in a new tab)
Guarda und Ardez sind ein
über seine Sorge um die Alpen (opens in a new tab).
kleiner Geheimtipp.
alpenverein.de/254-1 (opens in a new tab)
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AUGENBLICKE
Wenn der
Gletscher geht
Durch das Abschmelzen des Rotmoosferners in den Ötztaler Alpen hat sich ein Gletschervorfeld mit weit verzweigten Bachläufen ent wickelt. Dank der hervorragenden Wasserqualität bieten sie einen hoch spezialisierten Lebensraum. Dieser ändert sich mit den Hö henmetern drastisch: Weiter oben bietet das zu Eis gefrorene Was ser optimale Bedingungen für faszinierende Arten wie Bärtierchen und Gletscherfloh. Verschwindet der Rotmoosferner in wenigen Jahrzehnten, wirkt sich das also nicht nur negativ auf den Bergsport und die Trinkwasserversorgung aus, es gehen auch diese spezialisierten Lebensräume verloren (opens in a new tab).
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Zentrale Infos
Kampenwand, 1669 m Schwierigkeit: IV+, IV obl., frei zu gehende Passagen bis T5
Kampenwand Hauptgipfel
Klassiker: Kampenwand-Überschreitung
Kletterlänge: ca. 8 Seillängen + Freikletterpassagen,
Zustieg:insgesamt ca. 300 m, 4 Std.750 Hm, 2 Std.
Prominenter Grat im Chiemgau
Abstieg: 850 Hm, 1 ½ Std. Gesamtzeit: 7 ½ Std.
Datencheck
Talort: Aschau im Chiemgau Absicherung: Standplätze und schwierige Stellen sind gut mit Bohrhaken abgesichert. Ausrüstung: Vollständige Alpinkletterausrüstung mit 50 m Einfachseil, 6 Expressschlingen, davon 2 alpin, KK-Grundsortiment, Bandschlingen, Helm Beste Zeit: Mai bis Oktober Exposition: Süd über West bis Nord Erstbegehung: Diverse in den verschiedenen Abschnitten Führer: Klassiker – 50 Klettertouren von Stefan Stadler, tmms-Verlag
Film zur Tour:
8 DAV PANORAMA 4/2025
Entlang der Kampenwand reihen sich bewaldete Hügel sanft aneinander. Eingebettet in die weiten Wälder sind Lichtungen mit Almen im Sommer ein beliebtes Ziel zum Wandern und Mountainbiken. Wie ein Hahnenkamm ist entlang ihres Rückens ein langgezogener Felsgrat aufgesetzt. Auf beiden Seiten bricht er steil ab, hier tummeln sich die Seilschaften. Die Überschreitung der Kampenwand führt in einer spektakulären Klettertour über den Grat mit seinen Gipfeln und Türmen.
Diese klassische Grattour bietet klettertechnische Herausforderungen und prächtige Ausblicke. Auf der einen Seite breitet sich der Chiemsee aus, auf der anderen blickt man bis zum Alpenhauptkamm. Die Tour ist ein wahres Highlight in den Bayerischen Alpen, es gibt nur wenige Überschreitungen dieser Art in der Region. Wer sie meistert, bekommt Lust auf weitere große Grattouren, wie sie etwa in den Hohen Tauern zu finden sind. Gesicherte Kletterstellen wechseln sich mit frei zu be-
gehenden Abschnitten im Auf- und Abstieg ab und mehrfach muss abgeseilt werden. Besonders eindrücklich ist die Ausgesetztheit auf dem scharfen Zapfen des Gmelchturms, der den Höhepunkt der Tour darstellt und ein beliebter Fotospot ist. Da die Tour sehr oft begangen wird, sind einige Abschnitte stark abgeklettert, was aber die nicht immer einfache Orientierung erleichtert. Absolute Schwindelfreiheit ist auf dem teils schmalen Grat unerlässlich. Die Kampenwand-Überschreitung ist eine lohnende Herausforderung für alle,
die den alpinen Gratkletterstil lieben und mit grandiosen Ausblicken belohnt werden möchten. Der Klassiker im Chiemgau eignet sich auch sehr gut für eine Ecopoint-Begehung: Vom Bahnhof in Prien am Chiemsee in die RB 52 umsteigen und bis zum Endbahnhof Aschau im Chiemgau fahren. Die Regionalbahn verkehrt im Zwei-Stunden-Takt. Der Zustieg von Aschau ist ein wenig länger, aber zu Fuß oder auch mit dem Mountainbike gut machbar.
Stefan Stadler
KLASSIKER
Kampenwand-Überschreitung – Stück für Stück
Zustieg
Wir folgen vom sehr großen Wanderparkplatz Hinterschwendt/Aigen dem ausgeschilderten Weg zur Steinlingalm. Im Bereich der Forststraße können wir einige Abkürzungen nehmen, wobei die dritte schlammig und nicht zu empfehlen ist (siehe Track). An der letzten Kehre zur Steinlingalm gehen wir den Weg nach Westen (rechts) Richtung Kampenwandbahn Bergstation. Vorbei am Staffelstein steht rechts ein großes Kreuz, auf dessen Höhe wir auf einen breiten, aber unmarkierten Weg nach Süden (links) einbiegen. Wir lassen die unbewirtschaftete Kampenwandhütte rechts liegen und folgen dem deutlich zu erkennenden Weg nach Osten zum Einstieg.
Alternative 1: Von Aschau mit der Kampenwand bahn nach oben und in zehn Minuten von der Berg station zur Abzweigung Kampenwandhütte. Alternative 2: Mit dem Mountainbike von Hinter schwendt/Aigen auf den Forststraßen in einer weiten Schleife nach Westen, um die Maiswand herum und dann über eine sehr steile asphaltierte Straße zur Gorialm. Die Straße führt uns wieder nach Osten und die Räder bleiben an der Steinlingalm.
Westgipfel
Der Torweg (IV-) ist der klassische und schönste Einstieg zur Kampenwand-Überschreitung. Alternativ kann auch über den Westgrat (Normalweg Westgipfel II-III) eingestiegen werden. Nicht in eine der schwierigeren Sportkletterrouten einsteigen! Nach vier Seillängen am Torweg erreichen wir den Grat, auf dem sichere Bergsteiger*innen den Westgipfel seilfrei überschreiten können.
Gmelchturm
Der Abstieg vom Westgipfel zum Gmelchturm erfolgt auf deutlichem Steig in Kehren auf der Südseite. Der Gmelchturm kann entweder direkt von Westen (VI-) oder in einer Verschneidung auf der Nordseite (III+) erklettert werden. Vom Gmelchturm wird abgeseilt.
Teufelsturm
Nach wenigen Metern auf einem Band erreichen wir den Einstieg zum Teufelsturm. Leicht nördlich vom Grat, um einen markanten Zapfen herum (II), kommen wir wieder auf den Grat (BH, III) und dann geht es flach, aber exponiert nach Osten zum Standring. Wir seilen nördlich 25 Meter auf ein Band ab und gehen auf diesem leicht aufwärts einige Meter nach Osten, um erneut zehn
Meter in einen Kamin (Klemmblock) abzuseilen. Von hier etwa zehn Meter auf einem Band bis unter die schöne, aber leider meist nasse Verschneidung queren.
Hauptgipfel
Diese Verschneidung hinauf und in einer weiteren Seillänge erreichen wir den Hauptgipfel der Kampenwand (1669 m).
Variante: Die meist nasse Verschneidung und der Hauptgipfel können auf der Nordseite umgangen werden. Hierzu vom Klemmblock noch weiter in der Schlucht nach Norden bis auf das nächste Podest abseilen (BH). Von hier auf einem Band schräg auf wärts, bis wir schon östlich vom Hauptgipfel wieder den Grat erreichen (II und Gehgelände).
Ostgipfel
Beim Abstieg nach Osten in die Schlechinger Scharte wird ein Block (5 m, III) am besten an der nördlichen (linken) Kante abgeklettert. Dann deutlich leichter, aber immer noch exponiert bis zur Scharte (II). Weiter auf Steigspuren in östlicher Richtung durch einen Felsspalt, in dem sich im Frühjahr lange der Altschnee hält, erreicht man den Normalweg. Auf diesem durch die Kaisersäle bis auf den Kampenwand-Ostgipfel.
Abstieg
Auf dem markierten Steig hinab zur Steinlingalm und auf bekanntem Weg zurück zum Ausgangspunkt.
Der Mensch zum Berg
Paul Kink (1930-2020) aus Aschau hatte mit seinem kleinen Fuhrbetrieb 1949 das überdimensionale Gipfelkreuz auf die Kampenwand gebracht. Es war ein außerordentlicher Kraftakt, das 54 Zentner schwere Kreuz aus Stahl mit Mulis bis zur Steinlingalm und dann mit Muskelkraft und einer Winde auf den 1669 Meter hohen Gipfel zu ziehen. Das von weitem sichtbare Kreuz auf dem Ostgipfel hat eine Höhe von zwölf Metern und ist das höchste in den Bayerischen Alpen.
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Dauer: 3 Tage
Max. pro Tag:
1470 Hm ↗, 950 Hm ↘, 7-9 Std.
Höchster Punkt: Rotmoosjoch (3055 m)
Ausrüstung:
Grödel, Seil, Klettergurt (unterspülte Firnfelder)
Schwierigkeit:
Alpine Erfahrung, Kondition und Orientierungsvermögen erforderlich
Beste Zeit: Juli - August
ls wir hoch über Obergurgl die Seilbahnstation verlassen und zur Lang-
A
talereckhütte aufsteigen, blicken wir
taleinwärts zum Gurgler Ferner, der so weit geschrumpft ist, dass man ihn in den Arm nehmen und trösten möchte. In der Hütte hängt eines dieser Schwarz-Weiß-Fotos, bei denen man am Farbstich schon aus der Ferne erkennt, dass es uralt ist. Die Langtalereckhütte wurde 1929 errichtet, das Bild dürfte also um die hundert Jahre alt sein: Es zeigt den Gurgler Ferner mit einer
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surreal wirkenden Ausdehnung und Mächtigkeit, dick und breit wie umgestülpter Pudding schaut er da in die Gegend. Jetzt ist nicht nur die weiße Haube verschwunden, sondern stattdessen ist dort jetzt eine Hohlform. Irre.
Die Erwärmung hier oben ist rund doppelt so stark wie im Flachland und hat auch das Eis auf Pässen und Übergängen schmelzen lassen. Zwei davon wollen wir morgen und übermorgen ausprobieren. Das jetzt frei liegende Gelände ist ja quasi Neuland, Erdoberfläche, die es vorher
ÖTZTAL
Einsame Wege in den Ötztaler Alpen
Von Schönheit und Vergänglichkeit
Die Ötztaler Alpen verändern sich. Das schmelzende Eis legt Übergänge und Gletscherbetten frei, Flüsse trocknen aus, der schwindende Permafrost begünstigt Felsstürze. Klar, die Berge sind immer noch überwältigend schön. Doch wer hier unterwegs ist, kann den Wandel und
seine Folgen wirklich begreifen.
Text: Malte Roeper, Fotos: Bernd Ritschel
Wandern auf „Neuland“: Bis vor Kurzem war die Blockhalde
nicht gab, ein bisschen wie eine Vulkaninsel:
zwischen der
Das wollen wir probieren. Morgen übers Langta-
Zwickauer Hütte und
lerjoch zur Zwickauer Hütte und übermorgen
dem Rotmoosjoch
übers Rotmoosjoch zurück Richtung Obergurgl.
noch vergletschert.
Bernd hat wie immer alles ausgetüftelt und vorbereitet. Als Bergfotograf will er beim allerersten Licht immer an einer vorher definierten, besonders schönen Passage die ersten Bilder machen. Aufbruch also prinzipiell zu grausamen Uhrzeiten. Es gibt ein Missverständnis, ich stelle den Wecker eine Stunde zu spät. Er überspielt,
wie angefressen er deswegen ist, und bald schlägt seine nie versiegende, immer ansteckende Begeisterung durch, die ich so sehr an ihm liebe. Er jubelt über Wolken im Gegenlicht, über glitzernden Tau, die scharf geschwungene Linie einer Randmoräne. Und er hat recht, es ist wirklich verdammt schön hier.
Der Weg durchs Langtal ist, das kann nicht überraschen, lang. Herrlich einsam aber, Schafe und Gämsen sind unsere einzige Gesellschaft. Friedlich grasen sie Seit’ an Seit’, Gipfel schim-
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mern im Morgenlicht. Murmeltiere rufen, bevor wir sie verschwinden sehen, was für ein Idyll. Wo der Anstieg früher über den Gletscher lief, leiten Markierungen durchs Blockgelände, bis es zu einer kompakten Platte aufsteilt, die zum Joch hinaufleitet. Früher lief man auf dem Gletscher über das Joch. Dann hat der Gletscher sich verabschiedet und sie haben vom Resteis aus eine Steiganlage gebaut. Diese Metallstufen beginnen jetzt jedoch in unerreichbaren fünfzehn Meter Höhe, vom Resteis ist auch nichts mehr übrig. Links davon hängt eine Strickleiter, zu der man aber auch schon wieder ein Stück hinaufklettern muss, weil – richtig geraten – der allerletzte Schnee am Einstieg jetzt noch weiter unten liegt.
Vom Joch auf 3030 Metern geht es südöstlich steil abwärts auf die Südtiroler Seite, grüne Hochmatten und die Rufe der Murmeltiere begrüßen uns. Nebel kommt auf, das ist einerseits angenehm, weil die Sonne nicht so brennt, andererseits findet man so den Weg nur schwer. Laut App wären wir genau richtig, tatsächlich befinden wir uns ein paar Mal im Nirgendwo. Wenn das Handy in einem solchen Gelände behauptet, der Weg sei schnurgerade, vergiss die App und vertrau auf dein Gefühl! Aber wer so alt ist wie wir, hat halt auch Erfahrung: Ohne größere Probleme finden wir hinab auf den Wanderweg Nr. 44, der hinüber führt Richtung Zwickauer Hütte. Ein gewaltiger Bartgeier bricht aus dem Nebel, dann taucht keine zwanzig Meter vor uns ein Steinadler auf – Menschen dagegen sind wir noch nicht begegnet.
12 DAV PANORAMA 4/2025
Schafe und Gämsen sind unsere einzige Gesellschaft. Friedlich grasen sie Seit’ an Seit’, Gipfel schimmern im Morgenlicht.
„So hoch war früher das Eis“ – Hüttenwirt Heinz beschreibt die Veränderungen um die Zwickauer Hütte in den letzten Jahrzehnten.
Mehr Infos und Bilder (opens in a new tab)
DURCH DIE EINSAMEN ÖTZTALER ALPEN Die Runde durch das Lang- und Rotmoostal führt in drei Tagen durch die stillen südlichen Ötztaler Alpen, mit groß-artigen Ausblicken und urigen Hütten.
Schwierigkeit: Schwer, Kondition, alpine Erfahrung und ein gutes Orientierungsvermögen sind erforderlich, der Weg im oberen Rotmoostal ist nicht markiert. Ausrüstung: Grödel sind obligatorisch, Seil und Klettergurt (und entsprechende Erfahrung) ratsam für Schnee- und Firnfelder, die zum Teil unterspült sind (Einbruchgefahr). Aktuelle Bedingungen: bei den Hüttenwirtsleuten erfragen (Langtalereckhütte: +43/664/526 86 55, Zwickauer Hütte: +39/473/786 81 88) und auf alpenvereinaktiv.com (opens in a new tab)
Beste Zeit: Juli/August
Karte: Alpenvereinskarte 30/1, Ötztaler Alpen/Gurgl, 1:25.000. Neuauflage voraussichtlich ab 12/2025. Karten und Apps sind derzeit (10/2025) nicht aktuell! Tag 1: Obergurgl (1910 m) – Mittelstation Seilbahn Hohe Mut (2057 m) – Langtalereckhütte (2480 m). Unschwierig dem beschilderten Weg folgen. 5 km, 360 Hm ↗ (mit Seilbahn), 1 Std. Tag 2: Langtalereckhütte – Langentalerjoch (3030 m) – Zwickauer Hütte (2980 m). Von der Hütte das Langtal hinauf, dann zum Langtalerjoch und südöstlich den steilen Weg hinab. Auf gutem Weg erst leicht ab-, dann ansteigend weiter, bis der Aufstieg zur Zwickauer Hütte steil hinauf abzweigt. 15 km, 1470 Hm ↗, 950 Hm ↘, 7-9 Std. Tag 3: Zwickauer Hütte – Rotmoosjoch (3055 m) – Schönwieshütte – Mittelstation Seilbahn Hohe Mut – Obergurgl. Von der Hütte über die Reste des Planferners ins Rotmoosjoch, im weglosen Gelände links halten hinab ins Rotmoostal: technisch einfach, aber schwierig zu finden. Dann markiertem Weg folgen bis Schönwieshütte und weiter zur Seilbahn. 9 km, 280 Hm ↗, 1160 Hm ↘, 5-6 Std. Wer die Runde andersherum geht, hat es mit der Wegfindung leichter, muss dafür aber gleich am ersten Tag auf der fast 3000 Meter hoch gelegenen Zwickauer Hütte übernachten.
WAS SONST NOCH GEHT
X Gipfeltour: Eine schöne alpine Bergwanderung führt von der Langtalereckhütte aufs Eiskögele (3228 m, 800 Hm, T4). X Klettersteig: Der talnahe Obergurgler Zirbenwald-Klettersteig beginnt mit einer spektakulären Nepalbrücke hoch über der Gurgler Ache (3 Std., B/C). X Erfrischung: Die Obergurgler Seenplatte ist mit einer einfachen Bergwanderung erreichbar (740 Hm, T2).
Auf dem gut markierten, komfortablen Weg geht es zunächst leicht abwärts, dann wieder ansteigend. Wir queren ein paar Schneefelder, Rast an einem Wasserfall, die Beine langsam schwer, jetzt geht es die letzten sechshundert Höhenmeter steil bergauf – Gott sei Dank, so gewinnen wir rasch an Höhe (na ja, relativ ...). Wenn die Sonne in diese südseitige Steiletappe brennt, kann das hier zum Martyrium werden, aber freundliche Wolkenfetzen schirmen uns ab, lassen dabei grandiose Aussichten zu. Ein leichter Wind fächelt Kühlung, dann haben wir es geschafft: Willkommen auf der Zwickauer Hütte auf knapp dreitausend Metern.
Wenn wir nicht ohnehin wüssten, dass wir uns offiziell in Südtirol befinden: Man würde es am Dialekt erkennen, Hüttenwirt Heinz Leitner klingt wie eine entspannte Ausgabe von Reinhold Messner. Heinz sieht aus wie sechzig, ist aber vierundsiebzig. Sechzig war er schon, als er die Hütte übernommen hat. Das muss man sich ja auch erst mal trauen. Als er vor vierzehn Jahren hier anfing, ging es zum Rotmoosjoch über den Planferner noch flach hinüber, es war
ÖTZTAL
Idyll inmitten dramatischer Veränderung:
ein beliebter Skitourenübergang. So beliebt, die Langtalereckhütte dass sich Menschen aus Nord- und aus Südtirol (2480 m). Einst lag sie
am Rand des Gurgler
auf dem waagerechten Gletscher mal zu einem
Ferners.
Fußballspiel verabredet haben. In Heinz’ zweitem Jahr auf der Zwickauer Hütte schaute am Joch dann erstmals ein schmaler Streifen Fels heraus, jetzt klebt vom Gletscher nur noch ein trauriger Rest in der Ecke, so ist es halt.
Ein schwungvoller Hüttenabend mit Ziehharmonika, Obstler und Kartenspiel reißt uns aus den trüben Gedanken, dann heißt es wieder früh aufstehen: Bernd und sein Morgenlicht, wir hatten das schon. Aber auch die freundliche Mitarbeiterin vom Hüttenteam, die für uns ein extra frühes Frühstück macht, steht nicht ganz so früh auf, wie er das gerne hätte. Immerhin liegt’s heute nicht an mir. Im ersten Licht queren wir den Planferner, eine Steiganlage führt – genau wie gestern – zum ausgeaperten Joch. Auf der Rückseite eine nagelneue Steiganlage hinab bis in die Reste des Rotmoosferners (s. auch S. 6/7), nun wird es ernst: Früher ist man auf dem Gletscher hinausgelaufen, der ist verschwunden und hat ein wüstes Gelände hinterlassen. Bernd kennt
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das alles von einst, als es noch ganz anders aussah, er deutet auf einen frischen Bergsturz. Riesige Trümmer, als hätten die Götter mit Bauklötzen gespielt: „Fünfhundert Garagen, Malte! Das sind mindestens fünfhundert Garagen!“ In der Mitte der Scheiberkogel-Südwand muss es einen Pfeiler gegeben haben, hier liegt er jetzt, was für eine Verwüstung. Links liegen Toteisreste, Blockhalden, Schneefelder und Abbrüche, es ist verdammt unübersichtlich. Rechts aber warten frisch ausgeaperte, steile Gletscherschliffplatten. Laut Karte und Handy führt genau dort der Weg drüber und wir stehen mitten auf ihm – aber er verlief auf dem Gletscher, den es nicht mehr gibt und dessen Oberfläche zehn oder zwanzig Meter über unseren Köpfen lag. Heinz hat geraten, uns links zu halten, unser Gefühl sagt genau das Gleiche.
14 DAV PANORAMA 4/2025
Im ersten Licht queren wir den Planferner, eine Steiganlage führt zum ausgeaperten Joch.
Nach dem Abstieg vom Rotmoosjoch führt der Weg über die letzten Reste des Rotmoosferners (o. l.). Früher setzte eine Eisenleiter am Langtalergletscher an
– weil der verschwunden ist, führt nun eine Holzleiter hinauf zu der eisernen (u. l.). Aus der Ferne ist vom Langtalerferner noch etwas zu sehen (o. r.).
Die Altschneefelder sind immer wieder unterspült, man könnte einbrechen – wir seilen uns an. Reinhard Karl beschrieb das Gefühl, in den Eingeweiden des Berges herumzusteigen, genauso fühlt sich das hier an. Um den bestmöglichen Überblick zu behalten, gehen wir versetzt und tauschen uns ununterbrochen aus. Navigieren immer weiter nach links, bis der ganze Verhau aus frischer Oberfläche sich ohne Probleme auflöst und wir wieder die ersten Warnrufe der Murmeltiere hören. Noch eine Stunde durch das wunderschöne Rotmoostal, dann hat die Zivilisation uns wieder.
Wir schauen noch mal zurück, Bernd zeigt auf die kilometerbreiten kompakten Felsplatten westlich unseres Abstiegs: „Da war der Wasserfallgletscher, der floss da runter, alles weg, ich fass’ es nicht!“ Und am Scheiberkogel ist nicht
ÖTZTAL
nur ein Pfeiler kollabiert, die ganze Wand hat sich gehäutet, der helle Farbton lässt keinen Zweifel.
Wenn Gletscher und Schneefelder die Niederschläge nicht mehr speichern, wie viele Täler wird man am Ende aufstauen, um Wasser für das ganze Jahr zurückzuhalten? Wer vom Klimawandel in den Alpen nur Fotos und Statistiken kennt, weiß nur die halbe Wahrheit, und diese wird ja auch noch oft genug geleugnet. Wie oft hört man, mit dem Klimawandel Malte Roeper und sei es halb so wild? Wir haben gerade Bernd Ritschel, be-
freundet seit Ewigkei-
zweieinhalb Tage schönstes Berg- ten, machen jedes Jahr abenteuer erlebt, eine großartige eine gemeinsame Tour.
Bernd Ritschels Schwer-
Runde, unbedingt zu empfehlen.
punkt als Bergfotograf
Aber das übliche Gefühl von Glück, ist aktuell Wasser im
Gebirge, Malte Roeper
Gelöstheit und Dankbarkeit will sich
arbeitet vor allem fürs
einfach nicht einstellen.
Bayerische Fernsehen.
4/2025 DAV PANORAMA 15
Ein Jahr, ein Buch
Jubiläumsausgabe Jahrbuch BERG
Jedes Jahr erscheint das Alpenvereinsjahrbuch BERG mit üppig Text und Bild zwischen festen Buchdeckeln. Während viele digitale Medien schnelles Konsumieren fordern, setzt das „Langzeitgedächtnis der Alpenvereine“ auf Tiefgang, Sorgfalt und Kontinuität – nunmehr in seiner
150. Ausgabe.
Text und Foto: Georg Hohenester
Die Geschichte des Jahrbuchs reicht in die Gründerzeit der Alpenvereine zurück (Oesterreichischer Alpenverein 1862, Deutscher Alpenverein 1869, Fusion beider Vereine zum Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein 1873). Zu-
AVS (Alpenverein Südtirol) hinzu. Mit „Berg ’84“ erhielt das Jahrbuch einen zeitgemäßen Titel und ein offeneres Konzept mit stärkerem thematischem Fokus. Der Anspruch: die alpine Entwicklung spiegeln, mit fundierten Inhalten und ansprechender Gestaltung. Ende der 1990er Jahre verursachten hohe Kosten und stagnierende Auflagen Probleme. Zugleich war das Jahrbuch als „Seele des Schrifttums im Alpenverein“ anerkannt. Nach mehrfach wechselnder redaktioneller Betreuung übernahm 2012 die Tyrolia Verlagsanstalt in Innsbruck die Produktion, und die Redakteurin Anette Köhler prägte in Abstimmung mit dem Jahrbuchbeirat der Alpenvereine die
Jahrbuchausgaben 1865-2018 zum Nachblättern
bibliothek.alpenverein.de (opens in a new tab)
Mitteilungen Ausgaben 1875-1948 zum Nachblättern bibliothek.alpenverein.de (opens in a new tab)
Das Jahrbuch ist das Langzeitgedächtnis der Alpenvereine, ein Blick in die Vergangenheit
ist immer interessant.
nächst erschien das Werk als „Zeitschrift“ der Alpenvereine, mit Tourenberichten, naturwissenschaftlichen wie kulturhistorischen Beiträgen, kartografischen Beilagen und Fotografien. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Erscheinung zeitweise; nach Neugründung beider Alpenvereine setzte der ÖAV die Publikation 1949 fort, der DAV folgte 1950 mit einem „Überbrückungsband für 1943-1951“. Bis Ende der 1960er Jahre produzierten ÖAV und DAV die Jahrbücher getrennt, aber inhaltlich fast identisch. Ab 1970 traten sie als gemeinsame Herausgeber auf, 1983 kam der
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Publikation nach dem Konzept „Evolution statt Revolution“. BERG erschien mit gestrafftem Umfang, sechs fixen Rubriken und einem modernen Layout. Orientierung bieten und die vielfältigen Themen schlüssig und mit Tiefgang verknüpfen, lautete die Zielsetzung.
In die Breite, in die Tiefe
Die Inhalte umfassen alpinistische Reportagen und Porträts, Beiträge zu Natur- und Klimaschutz, Kultur und Wissenschaft. Zudem blicken Artikel über den Tellerrand der Alpenvereine hinaus und beleuchten Entwicklungen anderer Alpenregionen. Beiträge mit historischem Bezug und Gespräche mit Wissenschaftler*innen wie Aktivist*innen bereichern die Bandbreite, ebenso Bildstrecken professioneller Fotograf*innen. Die Kombination aus fundierter Recherche, persönlicher Perspektive und visueller Qualität steht als Markenzeichen für das Jahrbuch. Bei aller Qualität stellt sich die Frage: Wie bleibt das analoge BERG im digitalen Zeitalter relevant? Umfragen zeigen, dass eine treue Stammleserschaft Tiefe und Gestaltung schätzt, doch junge Zielgruppen erreicht das Jahrbuch bisher kaum. Initiativen wie ein Fotowettbewerb auf Social Media, dessen Siegerbilder das Jubiläums-Cover zieren, zeigen neue Wege auf.
Das Jahrbuch der Alpenvereine ist Sammlerstück, Inspirationsquelle und Ort der Reflexion „Das Jahrbuch ist nicht mehr zeitgemäß, aber zeitlos“, fasst der aktuelle Redakteur Axel Klemmer zusammen. Es verzichtet auf PR-Sprache, informiert in freundlichem Ton, durchaus auch kritisch. Als wertvolles Traditionswerk dokumentiert es Zeitgeschichte des Alpinismus: Blättert man durch die Ausgaben, lassen sich Entwicklungen nachvollziehen, von Tourenstilen über Naturschutzdiskurse bis hin zu gesellschaftlichen Fragen, die die Alpenvereine einst und bis heute umtreiben. So soll es bleiben. Dafür braucht es neue Impulse, kluge Ideen – und viele Leser*innen, die sich Zeit nehmen und die Lust haben auf mehr als einen schnellen Klick. Dass gedruckte Alpinliteratur auch im rasanten medialen Wandel relevant ist, als Sammlerstück, als Inspirationsquelle, als Ort der Reflexion, das stellt BERG in seiner 150. Ausgabe unter Beweis.
Aus den Mitteilungen wurde das DAV Panorama, das heute im modernen Gewand daherkommt.
BERG & TAL
Jubiläumsausgabe: das aktuelle Jahrbuch BERG 2026
Notizblatt des DAV
PANORAMA & MITTEILUNGEN – Mit seinem Vorläufer-Heft „Mitteilungen“ blickt auch DAV Panorama 2025 auf 150 Jahre Veröffentlichungsgeschichte zurück. Die ersten „Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein“ erschienen im Januar 1875, damit war „die lange gewünschte Herausgabe eines Notizblattes neben der Vereinszeitschrift (= Jahrbuch) zur Verwirklichung gelangt“, so hieß es in N° 1. Schnell entwickelte sich das „Mitteilungsblatt“ zum Sprachrohr des Alpenvereins und passte sich über die Jahrzehnte den jeweils herrschenden Bedürfnissen/Zeitläufen an. 1938-1943 etwa erschienen „Mitteilungen des (vom Nazi-Regime gleichgeschalteten) Deutschen Alpenvereins“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Publikation ab April/Mai 1948 als „Mitteilungen der Landesarbeitsgemeinschaft der alpinen Vereine in Bayern“ (= Vorläufer des Deutschen Alpenvereins e.V., der 1950 offiziell wiedergegründet wurde) fortgeführt, ab 1951 wieder unter dem Titel „Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins“. In der Folgezeit war das Mitteilungsblatt immer wieder Plattform für Diskussionen um die Ausrichtung des DAV, der sich auch dank engagierter Redaktionsarbeit zu einem erfolgreichen Verband auf der Höhe der Zeit entwickeln konnte. Seit 2009 hat DAV Panorama als Nachfolge-Heft der Mitteilungen diese Aufgabe übernommen. gh
4/2025 DAV PANORAMA 17
BERG & TAL
Starker Partner für mehr
Sicherheit
Kooperation mit der Versicherungskammer Bayern
Seit fast dreißig Jahren ist die Versicherungskammer Bayern Partner des DAV. Für Hütten, Wege und Naturschutz. Seit 2025 ist sie zusätzlich auch offizieller Versicherer des DAV. „Steht nicht nur drauf, ist auch drinnen“, sagt Martin Fleischer, Vorstandsmitglied der Personenversicherung im Konzern Versicherungskammer. Als langjähriges aktives Mitglied der Bergwacht und des Alpenvereins fühlt er sich den Bergen zutiefst verbunden – der Bergsport ist für ihn eine echte Herzensangelegenheit.
Welche Risiken erleben Menschen aktuell besonders häufig bei Bergtouren – und wie wirkt sich das auf die Absicherung aus? „Unsere Auswertungen zeigen: Früher standen klassische Sportunfälle im Vordergrund, heute sind es immer mehr wetterbedingte und gesundheitliche Gefahren. Hitzeperioden führen zu Kreislaufproblemen, Erschöpfung oder Herzbeschwerden,
oft aus heiterem Himmel. Wir reagieren darauf, indem wir neben Unfällen auch medizinische Notfälle absichern – ganz
Vorstandsmitglied Martin
Fleischer
Welche Bedeutung hat die Partnerschaft zwischen dem DAV und der Versicherungskammer Bayern? „Uns verbindet mehr als nur ein Vertrag: Sicherheit, Verantwortung, Nachhaltigkeit und Tradition sind Werte, die wir teilen. Die Versicherungskammer Bayern unterstützt als Sponsor außerdem die Wegesanierung in den Alpen und unsere Trainees arbeiten einmal im Jahr aktiv vor Ort mit. Auch als Versicherer sind wir nah an der Seite des DAV: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben wir 700 Schadenfälle bearbeitet und über eine Million Euro Schadenleistungen ausgezahlt. Hinter jeder Zahl steht eine ganz persönliche Geschichte – oft ein plötzlicher Moment am Berg, bei dem sich alles entscheidet. Das zeigt: Unsere Partnerschaft ist gelebte Sicherheit und bietet echten Rückhalt, wenn es darauf ankommt.“
Welche Leistungen und Services bietet die Versicherung den DAV-Mitgliedern?
„Unser Alpiner Sicherheitsservice (ASS) sorgt dafür, dass niemand allein gelassen wird – bei Rettung nach Unfall, plötzlicher Erkrankung oder in Bergnot, und auch beim Transport ins Krankenhaus. Jedes Mitglied kann den Schutz individuell erweitern und wer gemeinsam mit seinem Hund unterwegs ist, kann auch diesen umfassend absichern. Bei unserer rund um die Uhr erreichbaren Notfall-Hotline gingen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 2250 Anrufe ein, über tausend davon konnten wir binnen dreißig Sekunden beantworten. Das mag technisch klingen – aber für Betroffene bedeutet das, schnell eine Lösung zu bekommen.“
18 DAV PANORAMA 4/2025
gleich, ob durch Verletzung, Krankheit oder Erschöpfung. Die Kosten für Rettung
und Rücktransport sind dabei ebenso abgedeckt.“
Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft – für die Menschen in den Bergen und für die Partnerschaft zwischen DAV und Versicherungskammer Bayern? „Mein Wunsch ist, dass wir alle die Berge genießen und sicher wieder nach Hause kommen – mit einem Rucksack voller schöner Erlebnisse. Das klappt am besten, wenn wir Verantwortung übernehmen: für uns selbst, für andere und die Natur um uns herum. Für die Partnerschaft wünsche ich mir, dass unser gemeinsames Vertrauen weiterwächst. Uns eint der Anspruch, wirklich für die Menschen da zu sein. Unsere Versicherung ist wie ein gutes Seil im Rucksack: verlässlich, wenn es darauf ankommt.“ Umfassende Infos zum DAV-Versicherungsschutz:
alpenverein.de/versicherungen (opens in a new tab)
Mehr Infos zur Unterstützung des DAV mittels Spenden (opens in a new tab): alpenverein.de/spenden (opens in a new tab)
BERG & TAL
DAV Panorama
Weihnachtsgewinnspiel
Unter anderem gibt es diese Preise zu gewinnen:
DIGITALE RÄTSELREISE – Für das alljährliche Weihnachtsge- 1 Übernachtung (für zwei Personen) winnspiel geht es auch dieses Jahr wieder auf digitale Rätsel-
im Hotel „DAS TEGERNSEE“ gesponsert von der Versicherungskammer Bayern
reise. Unter alpenverein.de/weihnachtsraetsel (opens in a new tab) gilt es, ein paar
Wert € 500,-
knifflige Fragen zu beantworten. Ein paar Klicks, ein wenig
Tagesrucksack von Mammut,
Spürsinn und Bergwissen sowie Stift und Papier sind gefordert,
Wert € 150,-
um das Lösungswort herauszufinden!
Festtags-Bundles von Seeberger,
Über vierzig Gewinne werden unter den richtigen Einsendun-
Wert je € 30,-
gen verlost, welche die Partner des DAV stellen. Einkaufs- und
Handschuhe von Mountain Equipment,
Reisegutscheine, Hotelübernachtung, Ausrüstung, Genuss-
Wert € 110,-
pakete – es lohnt sich, mitzurätseln!
1 x 2 VIP-Tickets „Bergader Best Seats“ für EHC Red Bull München am
11. Januar 2026 von Bergader,
Wert € 516,-
3-Personen-Zelt von VAUDE,
Wert € 400,-
DER DAV UND SEINE PARTNER (opens in a new tab)
Alle Infos (opens in a new tab)
und Teilnahme- (opens in a new tab) Sponsoren nicht zu realisieren (opens in a new tab). bedingungen (opens in a new tab) Mehr Infos zu den Partnern und (opens in a new tab)
gibt es unter (opens in a new tab)
wie der DAV sicherstellt, dass (opens in a new tab)
alpenverein.de/ (opens in a new tab)
deren Firmenphilosophie zum (opens in a new tab)
weihnachtsraetsel (opens in a new tab)
weltgrößten Bergsport- und (opens in a new tab)
Einsende- (opens in a new tab)
schluss ist der (opens in a new tab) Naturschutzverband passt (opens in a new tab):
Alpines Museum vollendet
MUSEUMSGARTEN ERÖFFNET – Seit diesem Sommer hat das Alpine Museum auf der Praterinsel ein weiteres Highlight zu bieten: Der Außenbereich ist fertiggestellt. „Der Garten ist ein wichtiger Teil des Museums
und ein beliebter Aufenthaltsort – besonders im Sommer, wenn man unter den alten Bäumen direkt an der Isar verweilen kann. Ein Highlight ist das Alpenrelief, das die Dimensionen des gesamten Alpenbogens erlebbar – und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar – macht“, sagt Ein neuer Lieblingsort in München: der Garten DAV-Vizepräsidentin Melanie Grimm.
red des Alpinen Museums auf der Praterinsel.
20 DAV PANORAMA 4/2025
Für Naturliebhaber und Genießer (opens in a new tab)
Wandern (opens in a new tab)
Saarland (opens in a new tab)
Als nachhaltig zertifiziertes Reiseziel ist das Saarland perfekt zum Eintauchen in die Natur (opens in a new tab). Ausgezeichnete Premiumwanderwege führen auf naturbelassenen Pfaden mit abwechslungsreicher Wegeführung durch unterschiedlichste Naturräume (opens in a new tab).
UNESCO Biosphärenreservat Bliesgau (opens in a new tab)
Der Bliessteig – Deutschlands schönster Wanderweg 2025 (opens in a new tab)
Der Bliessteig wurde als Mehrtagestour vom Wandermagazin zum Sieger „Deutschlands schönster Wanderweg 2025“ gekürt. Der Fernwanderweg ist als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zertifiziert und trägt das Gütezeichen „Leading Quality Trails – Best of Europe“ (opens in a new tab). Auf 108 Kilometern durchquert der Steig das UNESCO Biosphärenreservat Bliesgau (opens in a new tab). Der (opens in a new tab)
Wandern m (opens in a new tab)
Naturbelassene Pfade u Wegeführung in schöns (opens in a new tab)
Sbunte Streuobstwiesen odeoll es durch urige Buchenw wilder Bäche gehen? Nirgendwo so Wanderer so abwechslungsreiche P nen Wanderwegen setzt das Saarlaauf so kleinem Raum wie im Saarla und mit großem Erfolg auf die Umse Wer sich auf so ausgezeichnete PfadQualitätskriterien des Deutschen Wa erlebt Natur pur. Erde und Gras statt und Stress. Und gerade das macht deund Asphalt, Stille und Erholung stat einem „Premiumweg“ (opens in a new tab). Kompass können Sie getrost zu HausIst der Wanderrucksack schon gepack Denn Premiumwege zeichnen sich au fach den Symbolen zu einem ganz beseine lückenlose Markierung aus. Folge und naturverbundenen Wandererlebni (opens in a new tab)
Anz_SaarlandCard_A5.qxp_Layout 1 12.02.25 16:19 Seite 1 (opens in a new tab)
Wo bin ich denn hier (opens in a new tab)?
Die Karte „Wandern“ mit allen Premiumwegen (opens in a new tab), Tafeltouren (opens in a new tab), grenzüberschreitenden Touren und Tipps kann kostenlos bei der Tourismus Zentrale Saarland bestellt werden (opens in a new tab).
Weg insgesamt über 415 km durch einzigartige (opens in a new tab)
© M. Gloger (opens in a new tab)
Mit der digitalen Saarland Card genießen Sie (opens in a new tab)
die „Saarland Tafeltouren“.Eine besondere Variante der Prem (opens in a new tab)
Entdecken Sie die schönsten Wan mit einem Streifzug durch die her (opens in a new tab)
Neugierig (opens in a new tab)?
und Informationen rund um die Saarland Card findenAlle teilnehmenden Gastgeber*innen (opens in a new tab), AttraktionenNationalpark (opens in a new tab)
Sie unter www.card.saarland (opens in a new tab)
samkeit. Unter dem Motto „Wandern und Schlemm (opens in a new tab)
Hunsrück-Hochwald reizvollen Wegen landschaftliche Hochgenüsse, u (opens in a new tab)
Restaurants mit kulinarischen Leckerbissen verwöh auf den Schildern (opens in a new tab)!
Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald treffenWandernd Kultur erleben (opens in a new tab)
Auf 10.200 Hektar findet sich Natur mit Buchen-Gräfinthaler Klosterpfad (opens in a new tab)
Die Saarschleife (opens in a new tab)
Saar-Hunsrück-Steig & die Traumschleifen (opens in a new tab)
Wer ein Abenteuer sucht und Ausdauer hat (opens in a new tab), der kann durch Wein- und Flusslandschaften an Saar und Mosel oder über waldreiche Höhenzüge in der Mittelgebirgsregion Hunsrück auf dem Premium-Fernwanderweg Saar-Hunsrück-Steig Kilometer machen. Von Perl an der Mosel bis nach Boppard am Rhein führt der (opens in a new tab)
bis zu den Vogesen sind vom Heidenkopfturm nach Metz (opens in a new tab)
wie der Wildkatze. Bereits die Kelten ließen sichLochfeld kann der Garten mit seinen für denaus möglich. Im Kulturlandschaftszentrum Haus Im Zeichen der Muschel kann auf dem Jakobs-Bliesgau typischen Pflanzen betrachtet werden (opens in a new tab). weg von Hornbach nach Metz gepilgert oder hier nieder: am Keltischen Ringwall Otzenhau-Geschichten zu dem kulturhistorischen PunktAm Brudermannsfeld können an einer Tafel die auch einfach nur gewandert werden (opens in a new tab).
nachgelesen werden, ehe es dann durch den (opens in a new tab)
Mystisch, zauberhaft, einzigartig – seit mehr (opens in a new tab)
Wald an den ehemaligen Weinbergsmauern zu- als 1000 Jahren lockt der Jakobsweg Pilger und Wandern mit der g sen und am Nationalparktor „Keltenpark“ kannrück zur Klosteranlage in Gräfinthal geht (opens in a new tab). Reisende aus aller Welt über die europäischen (opens in a new tab)
Routen zur Grabesstätte des Apostels Jakobus in So weit die Kinderf (opens in a new tab)
man die mystischen Zeit dieser VolksstämmeTIPP Santiago de Compostela (opens in a new tab). Damit es Kindern bei der Wanderung m (opens in a new tab)
langweilig wird, ist vor allem Abwechsl (opens in a new tab)
Jahr Anziehungspunkt für Besucher, die lustige erleben.Theaterstücke für Kinder und Erwachsene lieben (opens in a new tab). sche und lothringische Kulturlandschaft (opens in a new tab). Vonvon Hornbach nach Metz durch die saarländi- (opens in a new tab)
ichts ermüdet schneller als kilometer- (opens in a new tab)
wählen. Die Nordroute führt von Hornbach über (opens in a new tab)
Nlange, breite Forstwege entlangzustapfen (opens in a new tab).
TOURINFOS (opens in a new tab)
Daher sind Premiumwanderwege aufgrund ihres (opens in a new tab)
das barocke Blieskastel und Saarbrücken und die (opens in a new tab)
* Länge (opens in a new tab): 12 km (opens in a new tab)
hohen Pfadanteils eine gute Basis, um Kindern (opens in a new tab)
Südroute von Hornbach durch den idyllischen (opens in a new tab)
* Start (opens in a new tab): Wanderparkplatz Gräfinthal (opens in a new tab),
das Wandern schmackhaft zu machen. Wenn (opens in a new tab)
Bliesgau über Sarreguemines nach Hérapel, wo (opens in a new tab)
Saarland – Frankreich – Luxemburg66399 Mandelbachtal sich die beiden Routen wieder treffen (opens in a new tab). dann noch Abwechslung durch Spielstationen (opens in a new tab),
Ruheinseln, einen gluckernden Bach oder silbrig (opens in a new tab)
* Charakter:Einkehrmöglichkeiten auf der Streckekürzere Anstiege, Rast- und (opens in a new tab)
glänzenden Badesee geboten wird, steht dem (opens in a new tab)
gelungenen Familienausflug nichts mehr im (opens in a new tab)
Im Saarland kann es durchaus passieren, dass* Länge (opens in a new tab): Nordroute ca. 130 km (6 EtappenTOURINFOS Wege. Die „Traumschleifchen“ z.B. rund um (opens in a new tab)
im GrünAussic (opens in a new tab)
den Stausee Losheim und an der Saarschleife (opens in a new tab)
bis nach Metz), Südroute ca. 135 km (7 (opens in a new tab)
(Aussichtspunkt „Cloef“) mit ihrer kürzeren (opens in a new tab)
gehegeganz Kl (opens in a new tab)
Wanderungen mit Kindern (opens in a new tab).
Metz, Kathedrale (opens in a new tab)
* weitere Infos unter: www.sternenweg.net (opens in a new tab)
Abstecher über die Grenze zu den NachbarnAngebote unter: wandern.saarland (opens in a new tab)
ErlebeErlebe (opens in a new tab)
Mehr Vorschläge finden Sie in (opens in a new tab)
© F. Wessel (opens in a new tab)
- Start
- CharaNohfe
einen traumhaften Ausblick über die Reben (opens in a new tab)
des Moseltals und schaut auf die zwei Nachbarregionen Lothringen und Luxemburg (opens in a new tab).
Info (opens in a new tab): www.wandern.saarland Tourismus Zentrale Saarland Tel. 0681/ 927 20 – 0 · info@tz-s.de (opens in a new tab)
Neues Angebot in Kletter- und Boulderhallen
DAV-Boulderschein
das Verständnis für Sicherheit vermittelt, die Initiative unterstützt die erfolgreiche Wettkampfkletterin Lucia Dörffel (u.a. Olympiateilnehmerin 2024) als Botschafterin. Der DAV-Boulderschein ist zweistufig aufgebaut: Indoor Boulder-Check 1 und Indoor Boulder-Check 2. Der Indoor Boulder-Check 1 ist für Boulderneulinge im Alter
von etwa sechs bis zehn Jahren zum gemeinsamen Bouldern mit mindestens einem Elternteil gedacht. Es erfolgt keine Prüfung. Das Ziel ist Bouldern unter Kontrolle, das
Vermitteln von Wissen über richtiges Verhalten in
der Boulderhalle sowie Kenntnisse über grundlegende Regeln und Gefahren beim Bouldern. Der Kurs eignet sich auch für Boulderneulinge im Erwachsenenalter, die den
Für mehr Sicherheit in Klet-
Bouldersport kennenlernen wollen.
terhallen startete der DAV
Der Indoor Boulder-Check 2 richtet
2005 die „Aktion Sicher
sich an Kinder und Jugendliche im Alter von
Klettern“.
etwa zehn bis vierzehn Jahren und alle, die
Der DAV-Boulderschein fördert
bereits Bouldererfahrung gemacht haben,
sicheres und stressfreies Bouldern
Wesentlicher Bestandteil sind bisher die in der Halle.
zum betreuten Bouldern unter Aufsicht von
DAV-Kletterscheine Toprope und Vorstieg.
mindestens einem Elternteil und selbst-
Ab 2026 werden Besucher*innen von Klet-
ständigem Bouldern. Es erfolgt eine Prü-
ter- und Boulderhallen die Möglichkeit haben, den DAV- fung im Rahmen eines moderierten, gemeinsamen Boul-Boulderschein zu erwerben. Das Ziel der DAV-Boulder- derns. Auch Erwachsene, die
Mehr Informationen zum (opens in a new tab)
scheine ist ein standardisierter Nachweis für die Kompe- bereits den Indoor Boulder-
DAV-Boulderschein (opens in a new tab):
tenz von Kindern mit ihren Eltern beim Bouldern. Über den Check 1 absolviert haben,
alpenverein.de/ boulderschein (opens in a new tab)
Boulderschein werden grundlegende Verhaltensregeln und können teilnehmen. red
BERGE FÜRS GANZE JAHR
KALENDER UND JAHRBUCH Alle Jahre wieder: Der DAV-Kalender
Ein besonderes Jubiläum feiert das Alpenvereins-
„Welt der Berge“ bringt auch für 2026
jahrbuch BERG: Es erscheint 2026 zum 150. Mal.
fantastische Bergpanoramen, von beliebten
Seit dem ersten Band im Jahr 1865 begleitet das
bayerischen Voralpen-
traditionsreiche Werk die Entwicklung des Alpi-
gipfeln bis zum fernen
nismus, hält die Geschichte der Alpenvereine fest,
Alaska, ins heimische
dokumentiert wissenschaftliche Erkenntnisse und
Wohnzimmer, wie ge-
reflektiert gesellschaftliche Strömungen rund um
wohnt im Großformat
die Berge. Thematisch beschäftigt es sich dieses
von 57 x 45 Zentime-
Jahr unter anderem mit dem BergFokus Wandel,
ter und gedruckt auf
mit interessanten BergMenschen und BergWissen
hochwertigem Kunst-
zur Gams.
red
druckpapier.
Preis für DAV-Mitglieder inkl. der AV-Karte 36 Venediger-
Preis für Mitglieder:
gruppe als Bündel: 25 Euro
32,90 Euro
Kalender und Jahrbuch gibt es unter dav-shop.de (opens in a new tab)
22 DAV PANORAMA 4/2025
Hoch-Geh-Nuss (opens in a new tab)
Gemeinsam setzen Seeberger und der DAV ein Zeichen für Genuss mit Haltung (opens in a new tab). Wir feiern 20 Jahre Partnerschaft (opens in a new tab).
BERG & TAL
technisch (A5) erstbegangene „Lafaille-Auch in den Alpen warten große Ziele: Die WO DIE WILDEN WÄNDE WARTEN
Route“ am Petit Dru erhielt ihre erste freie Begehung durch Leo Billon und Enzo
Wild, steil, schwer – und weitab der Zivilisation: Das ist der Stoff, aus dem Alpinismusträume
Oddo: 1100 Meter mit Schwierigkeiten
gemacht sind. Im Sommer bieten dafür die Gipfel Asiens und Südamerikas viele Ziele.
bis 8b+. François Cazzanelli fand mit seinem Bruder Michele und Cousin Stefano Stradelli eine weitere Linie am Matterhorn: „Il nodo infinito“ (480 m, 7b). „Beeindruckend, welche Dynamik, Beziehung und Emotion in einer Seilschaft entstehen können“, stellt auch Marcello Bombardi fest, nachdem er und Edu Marin die ersten Wiederholungen von „Ego Land“ (410 m, 8c/+) an der Marmolada gemacht haben. Marin hatte zuvor die
„Spanische Trilogie“ vollendet: Die erste freie Begehung von „Donec Perficiam“ (310 m, 8b+/c) ergänzte seine früheren Erfolge in „Orbayu“ (500 m, 8c) und „Arco Iris“ (220 m, 8c+). Die „Alpine Trilogie“ ist das Ziel von Lara Neumeier; „Silbergeier“ (240 m, 8b+) und „End of silence“ (360 m, 8b+)
konnte sie diesen Sommer klettern. Und die legendäre „Yosemite Triple Crown“ – Mount Watkins Südwand, Nose am El Cap, Half Dome Nordwestwand (2450 m, VII, A1, 30 km Laufen) – kletterten Laura Pineau und Kate Kelleghan als erste Frauenseilschaft, in 23:36 Stunden; Ehrensache, die neun nen blieben auch alleMännerteams vor ihunter 24 Stunden. Zwei Topleistungen gibt es von den kleineren Felsen zu vermelden: Yannick Flohé flasht als erster Mensch einen 8c-Boulder (Jules Marchaland tut es ihm kurz danach gleich) – und Laura Rogora steigt als erste Frau
Highlights des eine 8c+ onsight; nur eine modernen Berg- Stufe weniger als die beste
sports
präsentiert männliche Leistung.
von Andi Dick
24 DAV PANORAMA 4/2025
„Die Essenz des Engagements“ (3000 m, 6c+, M6+ 95°) nennen Bru Busom, Rubén Sanmartin und Marc Toralles ihre Neutour durch die Ostwand des Yerupajá (6634 m, Foto links). Auf dem wächtengespickten Gipfelgrat war an Rückzug nicht mehr zu denken; in sechs Alpinstiltagen gelang ihnen die erste Überschreitung des zweithöchsten Gipfels von Peru mit Abstieg durch die Südwand. Eine andere Facette reizte das Allstarteam Alexander Huber, Simon Gietl und Dani Arnold in der Ostwand des Jirishanca-Ostgipfels (6028 m, Foto rechts) aus: Ihre Route „Kolibri“ (1030 m, VIII, A2) ist „hochanspruchsvoll“ abzusichern.
Volle Wildnis-Exposition erlebten Erik Boomer und Ky Hart auf Baffin Island: 23 Tage bei Durchschnittstemperaturen um -15° C brauchten sie für ihre Route „Sikunga Express“ (975 m, WI 3, M7, 5.10 A3+); drei Seile gingen durch Steinschlag drauf. Und das Frauenteam Kelly Fields, Heather Smallpage und Shira Biner machte den 250-Kilometer-Anmarsch zum Torre Eglington, auch auf Baffin Island, mit Packrafts, Ski und Pulkas; dann entstand die Route „Lemnos in the Clouds“ (600 m, 5.11+, A0).
Zwei weitere Piolet d’Or-trächtige Erstbegehungen gab es in Pakistan: „Shooting the Moon“ (3100 m, WI 4, M5) von Ethan Berman, Sebastian Pelletti und Maarten van Haeren führt über den raketenartigen Südostpfeiler auf den Ultar Sar (7388 m). Und das „Opferfest“
(„Eid al-Adha“, 2300 m, V+, WI 5, M6+) in der Südwestwand des Hunza Peak (7300 m) trägt die Signatur der Könner Radoslav Groh und Zdeněk Hák. Eher klassisch, mit Fixseilhilfe, führt die „Abdul Joshi Route“ auf den Tirich Mir (7708 m); der Clou: Die fünf Erstbegeher stammen alle aus Pakistan. Einen lang gehegten Traum erfüllte sich David Göttler: Im fünften Anlauf gelang in drei Alpinstiltagen die Schellroute durch die Rupalflanke des Nanga Parbat (8125 m), zusammen mit Tiphaine Duperier und Boris Langenstein. Die beiden Franzosen fuhren erstmals mit Ski über die Route ab, wofür sie weitere drei Tage brauchten; David flog von 7700 Metern mit dem Gleitschirm in 30 Minuten ins Basislager. Eine zumindest in großen Teilen neue Route legte der Altstar Denis Urubko mit seiner Frau Maria Cardell auf den „nackten Berg“, über technisch anspruchsvolles Gelände (80°, M4) und mit 90 km/h Wind am Gipfel. Der Routenname „Vergissmeinnicht“ gilt seiner Frau.
Stimmen aus der Wand
„Beim Klettern geht es mir um Kameradschaft, Respekt und das geteilte Erlebnis.“ Edu Marin – „Für uns drei bedeutet das Symbol des unendlichen Knotens die Brüderschaft, die uns vereint.“ François Cazzanelli – „Unser persönlicher Traum hat sich erfüllt; jetzt ist es wieder Zeit für den Alltag.“ Maria Cardell nach dem Nanga Parbat.
Über 70 pflanzliche Zutaten und 22 Vitamine und Spurenelemente (opens in a new tab)
„Viel drin“ wäre die Untertreibung des (opens in a new tab)
Wer die Berge liebt, weiß: Energie, Leistungsfähigkeit und ein gutes Immunsystem sind wichtig – die Basis dafür ist die richtige Ernährung. Doch gesund essen ist oft leichter gesagt als getan. Zum Glück gibt’s LaVita. Das Mikronährstoffkonzentrat hilft dir, deine Ernährung im Alltag zu optimieren (opens in a new tab): unkompliziert, wissenschaftlich fundiert und ganz nah an der Natur (opens in a new tab). Einfach jeden Tag einen Löffel in ein Glas Wasser rühren, fertig (opens in a new tab).
Ganz viel Natur und Wissenschaft in einer Flasche (opens in a new tab)
LaVita ist ein Konzentrat aus über 70 pflanzlichen Lebensmitteln wie frischem Obst (opens in a new tab), Gemüse und erlesenen Kräutern – ergänzt mit 22 wertvollen Vitaminen und Spurenelementen in wissenschaftlicher Dosierung. Ganz ohne Konservierungsstoffe, Farbstoffe (opens in a new tab), Aromastoffe oder Süßungsmittel. Für unterwegs gibt es auf Wunsch die praktische Edelstahlflasche mit 100 ml Volumen zum Abfüllen (opens in a new tab).
Sehr gut 4.94/5.00 (opens in a new tab)
Wissenschaftlich bestätigt & Top-Bewertungen (opens in a new tab)
Eine Studie* hat bewiesen: Bei täglicher Anwendung von LaVita, verbesserten sich alle gemessenen Vitaminwerte im Blut. Die Mikronährstoffe gelangen direkt dorthin, wo sie gebraucht werden – in die Zellen. Mehr als 50.000 Top-Bewertungen bestätigen die Ergebnisse der Wissenschaft: Über 80 Prozent der Anwender** berichten von mehr Energie1 (opens in a new tab), einem guten Immunsystem2 oder äußern sich positiv über Haut, Haare oder Nägel.3 (opens in a new tab)
1 Energie (opens in a new tab): LaVita liefert reichlich Eisen, Folsäure, Magnesium, Niacin, Vitamin C, Vitamin B2, B12 und B6, die zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung beitragen (opens in a new tab). 2 Immunsystem (opens in a new tab): LaVita enthält mit Eisen, den Vitaminen C, A, D (opens in a new tab), B6, B12, Folsäure, Kupfer, Selen und Zink alle relevanten Mikronährstoffe, die die normale Funktion des Immunsystems unterstützen (opens in a new tab). 3 Haut, Haare und Nägel (opens in a new tab): Biotin, Niacin und Zink tragen zur Erhaltung normaler Haut bei. Selen und Zink tragen zur Erhaltung normaler Haare und zur Erhaltung normaler Nägel bei. *Neuroendocrinology Lett. 2015 Sep 12 (opens in a new tab); 36(4): 337–347, Leitung Prof. Mosgöller, Universität Wien **Ergebnisse einer von der LaVita GmbH durchgeführten Umfrage mit 1053 LaVita Anwendern aus dem Jahr 2022. Es handelte sich um eine freiwillige Teilnahme ohne Vergütung (opens in a new tab).
„Ob Alltag oder Tour: Für uns (opens in a new tab)
Magdalena Neuner, die Brüder Johannes Thingnes und Tarjei Bø (opens in a new tab), mehrfache Biathlon Weltmeister und Olympiasieger (opens in a new tab)
Deine Routine beginnt – mit dem LaVita Startpaket (opens in a new tab)
Mehr dazu auf lavita.com oder unter 0871 / 972 170 (opens in a new tab)
Klimawandelfolgen für den Bergsport
Weiterentwickeln statt Weitermachen
Die durch den Klimawandel verursachten steigenden Durchschnittstemperaturen führen in den Alpen zu erschwerten Bedingungen: für die Natur, für die Bergsportler*innen, für die alpine Infrastruktur und damit für den gesamten Alpenverein. Gefragt sind Prävention und Anpassung.
Text: Christine Frühholz
er Rückblick auf die Schlagzeilen des
D druck, dass die Berge immer mehr inSommers 2025 verfestigt den Ein-
Bewegung geraten: Im Mai zerstörte eine durch Gletscherabbruch ausgelöste Schutt- und Eislawine das zuvor evakuierte Dorf Blatten im Wallis. Im Juli wurden zwei Wanderinnen auf dem Pfaffenferner Richtung Hildesheimer Hütte bei Sölden durch einen Felssturz verletzt. Weitere Felsstürze gab es im August am Stüdlgrat des Großglockners und am Zuckerhütl in den Stubaier Alpen. Am Südende des Watzmann-Massivs donnerten schätzungsweise viertausend Kubikmeter Fels und Geröll aus ungefähr 1700 Metern Höhe talwärts. Die Bergwacht flog zwanzig Personen aus, die sich oberhalb der verschütteten Stelle befanden und nicht weiterkamen. Und im September stürzte die Eiskapelle am Fuß der Watzmann-Ostwand ein; dass sie im Zuge des Klimawandels verschwinden würde, war klar. Dass das bereits jetzt passiert ist, überraschte selbst Expert*innen.
THEMA: BERGE IN BEWEGUNG
DAV-Präsident Roland Stierle
„Wir müssen Infrastrukturen anpassen – oder sie verschwinden“
Die Folgen des Klimawandels in den Bergen sind unübersehbar. ner gebracht: Wir müssen Infra-Wo steht der Alpenverein besonders unter Druck?
strukturen anpassen oder sie ver-
In der Ausbildung brauchen wir eine den Verhältnissen an- schwinden, das ist ein Fakt. gepasste hohe Flexibilität bei der Wahl von Ausbildungsstützpunkten. Und besonders wichtig ist das Risikomanagement, Wie wird Bergsport 2050 aussehen?
Dem DAV-Präsidenten und
das wir noch stärker in die Ausbildungsinhalte aufnehmen Wir werden weiterhin zum Klet-
Bergsteiger Roland Stierle ist
müssen. Das schlägt direkt durch auf das Tourenwesen: Auch tern, Wandern, Mountainbiken in
wichtig, Klimawandelfolgen so
wenn wir im Alpenverein das Prinzip der Eigenverantwor- die Alpen gehen. Ziele für den Win- zu gestalten, dass auch in Zutung hochhalten, kommt den Leitungen von geführten Tou- tersport wird es weniger geben, kunft Bergsport im Naturraum ren wie den Organisator*innen von Gemeinschaftstouren Skitouren werden wir sehr situativ Alpen möglich ist. verstärkt die Aufgabe zu, Maßnahmen zur Risikominimie- auswählen müssen. Grundsätzlich rung, insbesondere eine sensible Auswahl des Tourenziels, wird der alpine Bergsport 2050 ein Bergsport mit gestärkter zu ergreifen.
Eigenverantwortung und ausgeprägter Risikominimierung
Wenn Wege durch große Steinschlaggefahr nicht mehr zu sein – es wird kritische Gebiete und Gipfel geben, die wir begehen oder durch Murenabgänge nicht mehr zu repa- grundsätzlich meiden müssen. Gleichzeitig werden wir dem rieren sind, heißt es: verlegen oder sperren? Betrifft das urbanen oder wohnortnahen Bergsport wie Sportklettern, Hüttenzugänge, stellt sich die Frage nach der alternativen Bouldern oder MTB einen wichtigen Platz einräumen. Und Versorgung – gegebenenfalls per Helikopter – oder einem der DAV als Organisation wird selbstverständlich auch 2050 eingeschränkten Betrieb. Und bei kritischer Wasserversor- die alpinen Naturräume und Ökosysteme vor weiterer Ergung gilt es, den Verbrauch zu reduzieren. Auf einen Nen- schließung schützen.
DAV-Sektionen un-
Ute, DAV Konstanz
terhalten Hütten und
Ich war mit einer Gruppe unterwegs im
Fakt ist: Die Berge sind nicht statisch, sondern
Wege als wichtige
Lechtal auf Wanderwegen, Einstufung
bewegen sich immer. Fakt ist aber auch: Der Kli-
alpine Infrastruktur
T3. Normalerweise kein Problem. Durch die
mawandel beschleunigt diesen Prozess deutlich
und bieten Tou-
sehr starken Regenfälle in der Zeit davor waren
ren und Kurse an.
und vielfältig. Vegetationszonen verschieben
die Wege jedoch teilweise weggespült oder so
Mit verschärften
verschlammt, dass das Gehen im abschüssigen
sich nach oben, der Lebensraum für Tiere und
Bedingungen müssen Gelände eine echte Herausforderung war. Für
Pflanzen im Hochgebirge wird knapper. Ziehen
sie an vielen Stellen
mich als Tourenleiterin und Tourenreferentin
sich Gletscher, Permafrost, Eis und Schnee zu-
heißt das, dass ich Wetterextreme bei der Tou-
umgehen.
rück, gelangt schottriges und brüchiges Material
renplanung verstärkt mit einbeziehen muss.
an die Oberfläche. Das Gelände wird schwieriger oder auch nicht mehr begehbar. Kommt dann extremer Regen dazu, können ganze Hänge insta-
Michael Turobin-Ort, DAV Allgäu-Kempten
bil werden. Daraus folgende massive Wegeschä-
Viele Touren, insbesondere (Ski-)Hoch-
den ziehen neben hohen Kosten einen hohen
touren, geraten zunehmend an ihre
Aufwand für die meist ehrenamtlich arbeiten-
Grenzen – Übergänge und Schlussanstiege sind
den Teams der Sektionen nach sich. Auf der
oft nicht mehr sicher begehbar oder unmöglich.
anderen Seite leiden viele Hütten unter Was-
Parallel dazu nehmen Steinschlag und andere alpine Gefahren spürbar zu, während Extrem-
sermangel. Schwindende Gletscher, zu wenig
wetterlagen sichtbare Spuren an Wegen und In-
Schnee im Winter, ein trockenes Frühjahr und
frastruktur hinterlassen. Schneesicherheit ist
heiße Sommertage machen Wirtsleuten wie Gäs-
kaum mehr planbar – Flexibilität und schnelle
ten zu schaffen. Denn die allermeisten Hütten
Entscheidungsfähigkeit werden zur Schlüssel-
beziehen das Wasser aus Niederschlägen oder
kompetenz bei der Tourenplanung.
Schmelzwasser.
4/2025 DAV PANORAMA 27
Interview Hans Hocke, DAV-Bundeslehrteam Bergsteigen
MEHR INFOS UND HINTERGRÜNDE
Angepasst auf Hochtouren
Welche Beobachtungen hast du über die Jahre im Gebirge gemacht?
Ich bin seit dreißig Jahren regelmäßig auf der Franz-Senn-Hütte (2147 m, Stubaier Alpen). Allein von Sommer 2023 auf Sommer 2024 gab es mindestens fünfzig Höhenmeter Eisverlust
– erschreckend. Gleichzeitig kann man gut beobachten, wie die Natur nachzieht. Wo es vor dreißig Jahren noch Gletscher gab, findet man jetzt die Pionierpflanzen, das ist Ökologie-Ausbildung live.
Was bedeutet das für die alpine Ausbildung? In wenigen Jahren werden wir eisfrei auf die Gipfel um die Franz-Senn-Hütte gehen können. Wir müssen wohl irgendwann in die Viertausenderregion fahren, um Spaltenausbildung zu machen. Auch ist eine Reihe klassischer Hochtouren gar nicht mehr machbar. Unbegehbar, zu gefährlich.
Wo müssen wir also umdenken, uns anpassen oder sogar verzichten? Auf die Wunschtour, weil die aktuellen Bedingungen oder das Können nicht passen? Auf den steinschlag- oder murengefährdeten Wanderweg, dessen Unterhalt auf Dauer zu aufwendig ist? Oder bei kritischem Standort auf eine bewirtschaftete Hütte, die aufgrund der erschwerten Wasser- und Energieversorgung – rund sechzig Prozent der DAV-Hütten werden per Wasserkraft mit Strom versorgt! – nur noch schwer aufrechtzuerhalten ist?
Zugegeben: Dieses Szenario mag düster erscheinen. Und doch gehören auch solche schmerzhaften Fragen zur Gesamtschau auf das, was in den kommenden Jahren auf uns zukommt. „Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere“, lautet eine alte Lebensweisheit. Einige Türen hat der Alpenverein bereits geöffnet, etwa mit seinem ambitionierten Klimaschutzprojekt. Oder mit neuen Wegen bei der Ausbildung: Neben der Sensibilisierung für anspruchsvolleres Gelände und eine detaillierte, tagesaktuelle Tourenplanung, gibt es Anpas-
28 DAV PANORAMA 4/2025
„Zukunft Alpen“ – Sonderausstellung
Welche Anpassun-
im Alpinen Museum
gen bei den Kursen
München
gibt es?
alpenverein.de/ museum (opens in a new tab)
Aktuell wird eher mit zeitlicher An-
DAV-Dokuserie Klimawandelfolgen
passung reagiert,
in den Alpen –
wir führen die glet-
Hans Hocke ist als Bergführer
Was tun, wenn der
scherlastigen Kur-
und DAV-Ausbilder seit Jahrzehn-
Gletscher verschwin-
se also zu einem
det? Was tun, wenn
ten im Hochgebirge unterwegs.
deutlich früheren
das Wasser fehlt?
Zeitpunkt durch.
Was tun, wenn der
Was wiederum zu Problemen bei spätwinterli-
Berg bröckelt?
chem Neuschnee führt, da dann das Eis dick ein-
youtube.com/ alpenverein (opens in a new tab)
geschneit sein kann. Auch weichen wir vermehrt auf andere Hütten als Ausbildungsstützpunkt Themenseite mit
weiteren Artikeln
aus, die noch erreichbares Gletschereis haben.
und Infos:
Was inhaltlich stärker in den Fokus der Ausbil-
alpenverein.de/ (opens in a new tab)
dung rückt, sind die Gefahren der frisch ausge-
klimawandelfolgen (opens in a new tab)
schmolzenen Bereiche und die Steinschlag- und Bergsturzgefahr.
sungen bei der Struktur. Ein Beispiel: Alpinklettern und Klettersteiggehen waren ursprünglich aufbauende Qualifikationen zur Ausbildung Trainer*in C Bergsteigen, mittlerweile stehen die Ausbildungen auch für sich. Die Ausbildung am Gletscher und im kombinierten Gelände entfällt in diesem Fall, da die Zustiege immer häufiger schnee- und eisfrei sind. Und auch bei Hüttensanierungen gibt es richtungweisende Entwicklungen. Beispiele sind der Rückbau der Duschen auf der Kemptner und der Tölzer Hütte oder die Umrüstung auf Trockentoiletten auf der Neuen Prager Hütte, der Hochlandhütte oder dem Stöhrhaus. Einen individuellen Beitrag dazu leisten können wir alle, indem wir Touren noch sorgfältiger planen, unsere Bergsportkompetenz realistisch einschätzen und gegebenenfalls erweitern oder
Christine Frühholz
auch Verständnis zeigen: Zum Beispiel dann,
hat mittlerweile
wenn ressourcenintensive Annehmlichkeiten
deutlich häufiger als
wie eine warme Dusche oder eine aufwendige
früher einen Helm im Tourenrucksack dabei
Speisekarte am Berg entfallen. Damit das, was
– möglichst früh unter-
wir lieben, auch noch in den kommenden Jahr-
wegs ist sie schon immer gern.
zehnten möglich ist.
Ellen Müller-Taschinski, DAV Mainz
Das Trinkwasser auf der Kau-
nergrathütte stammt ausschließlich aus Schneeschmelze, die oberhalb der Hütte in einem Auffangbecken gesammelt wird. Ein bewusster und sparsamer Umgang ist unerlässlich. Duschmöglichkeiten wurden eingeschränkt. Der Cottbusser Höhenweg musste 2024 im letzten Wegabschnitt neu trassiert werden, was die Gehzeit zur Kaunergrathütte verlängert. Die große Kaunergratrunde ist in der ursprünglichen Form nicht mehr machbar: Mehrere Murenabgänge mit der Folge massiver Geländeveränderungen haben den Weg unpassierbar gemacht.
Corina Epp, Gamshütte, Zillertal Obwohl die Quellen normalerweise genügend Nachschub liefern, gelten bei uns während der gesamten Saison Sparmaßnahmen. Geduscht wird ausschließlich unter der eiskalten Außendusche: viel Aussicht, wenig Temperatur, geringer Wasserverbrauch. Die Gäste erfahren, dass alle
– auch das Team – aus gutem Grund auf gewisse Dinge verzichten müssen. Und sind oft richtig dankbar, wenn man sie auf den ‚richtigen Weg‘ bringt. Es ist kein Mangel, aber es ist auch kein Überfluss.
Murenschäden an Alpenvereinswegen nehmen zu, häufig müssen Wegabschnitte neu verlegt werden, wie am Cottbuser Höhenweg, Teil der beliebten „Pitztaler Runde“.
THEMA: BERGE IN BEWEGUNG
WASSERVERSORGUNG NEUE PRAGER HÜTTE: UMBAU UND MONITORING 2023 und 2024 musste die Neue Prager Hütte jeweils
im August die Saison wegen Wassermangel vorzeitig beenden. In einem Pilotprojekt werden nun Wasserressourcen und Verbrauch überwacht, ein zusätzlicher großer Quellwasserspeicher schafft mehr Reserven und Trockentrenntoiletten ersetzen die konventionellen Wasserfresser. Das moderne Örtchen hat nichts mit den alten Plumpsklos zu tun: Beim „Geschäft“ werden flüssige von festen Stoffen getrennt: Flüssiges fließt in eine biologische Kläranlage, Feststoffe werden aufgefangen und zur Nachkompostierung in einen Stufenkomposter geleert. Getestet wird außerdem eine Kompostierung mit Würmern, die die Trockenmasse zu Erde zersetzen. Kosten für die Umbaumaßnahmen auf der denkmalgeschützten Hütte: knapp eine Million Euro.
Moritz Pfeiffer vom DAV-Ressort Hütten & Wege ist Bauingenieur und Projektleiter. Wir haben ihn gefragt:
Wie lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse auch auf andere Hütten übertragen? Wir beraten die Sektionen schon jetzt bei Baumaßnahmen hinsichtlich eines Monitorings zur Wasserversorgung. Damit sie wissen: Wie viel Wasser kommt über den Jahresverlauf, in welchem Monat wird es knapp oder wie viel Einsparung ist nötig, um durch die restliche Saison zu kommen. Müssen Abwasseranlagen saniert werden und ist die Wasserversorgung bereits jetzt oder mittelfristig ein Thema, versuchen wir, Trockentoiletten einzubauen. Das ist der größte Hebel!
Moderne Technik ist das eine, angepasstes Verhalten das andere. Was können Hüttengäste tun? Den Anspruch runterfahren, nicht einfach gedankenlos den Hahn aufdrehen und sich bewusst sein, dass man sich in einer Höhenlage aufhält, wo die Versorgung nur über Schmelz- und Regenwasser möglich ist. Das müssen wir den Gästen natürlich auch entsprechend erklären.
4/2025 DAV PANORAMA 29
DAV-Werkstatt 2025
Klimawandelfolgen: Große Aufgabe, große Chance
Unter dem Motto „Berge in Bewegung“ diskutierten auf der DAV-Werkstatt Ende September in Leipzig rund 170 Engagierte aus den Sektionen über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Bergsport und den Verein. Tenor: Die Folgen sind gravierend, doch die Aufgaben nicht unlösbar.
Text: Christine Frühholz
Über aktuelle Herausforderungen und künftige
ch bin glücklich über diese Veranstal- Chancen und Risiken tung und die Diskussionen, die es gab. für alpine Infrastruktur
I
diskutierten die Teilneh-
Und ich bin erleichtert, dass das Berg-
mer*innen des Forums
steigen und das Engagement der Sektionen in
Hütten & Wege.
den Alpen nicht infrage stehen.“ Dieses positive Fazit zog DAV-Präsident Roland Stierle nach eineinhalb Tagen, in denen die Klimawandelfolgen für Hütten & Wege, Bergsport, Ausbildung, Gesundheit und die Perspektive junger Bergsportler*innen im Fokus standen. Folgen, die so drastisch sind, dass Roland Stierle zu Beginn der Veranstaltung auch provokante Fragen aufwarf: „Wenn unsere Kernsportarten so stark dem Wandel unterworfen sind oder gar in Teilen nicht mehr möglich sein werden: Steht am Ende der Verzicht? Oder steht der urbane
30 DAV PANORAMA 4/2025
Bergsteigerverein, der Indoor-Alpenverein dann an erster Stelle?“ Auf der DAV-Werkstatt 2019 wurde der Grundstein für die im selben Jahr verabschiedete Klimaresolution und das 2021 verabschiedete Klimaschutzkonzept gelegt. Und 2025 wurde deutlich: Klimaschutz und Klimaanpassung sind kein Widerspruch, sondern müssen Hand in Hand gehen. Emissionen vermeiden und reduzieren sind die wichtigsten Maßnahmen, um die Klimakatastrophe abzumildern. Gleichzeitig gilt es, im Verband notwendige Anpassungsstrategien zu entwickeln. Emissionen, Erwärmung und Extremwetterereignisse, Hitze und erhöhte UV-Strahlung, alpine Naturgefahren und die Möglichkeiten von Vorhersagen und Modellierungen: Die jeweiligen Ursache-Wirkungs-Ketten veranschaulichten der Klimaforscher Prof. Dr. Jürgen Kropp, der Bio- und Umweltmeteorologe Prof. Dr. Andreas Matzarakis und der Geograph und Geologe Prof. Dr. Michael Krautblatter. Sie bereiteten damit den wissenschaftlichen Boden für die folgenden Diskussionen und Arbeitsgruppen (siehe Spalte rechts). Dass im Alpenverein bereits einiges an Anpassung unternommen wird, verdeutlichte eine Übersicht mit Beispielen aus dem Bundesverband, die in die Sektionsarbeit hineinwirken: Monitoring der Wasserversorgung mit dem Ziel der Vorhersage der Wasserverfügbarkeit, Prognosen für Hangbewegungen, Anpassungen bei der alpinen Ausbildung (Inhalte, Standorte, Zeiten) und gezielte politische Arbeit für die notwendigen finanziellen Mittel. Ein anschauliches Beispiel, wie Klimaschutz in der Praxis beim Hüttenbau und -betrieb funktioniert, lieferte die Sektion München mit ihrer angepassten Hüttenstrategie: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“ bei den Baumaßnahmen, regionale, überwiegend vegetarische Verpflegung, einfache Sanitärausstattung und möglichst hundert Prozent regenerative Energie beim Betrieb.
In der Schlussrunde waren sich DAV-Präsident Roland Stierle, ÖAV-Präsident Wolfgang Schnabl, AVS-Präsident Georg Simeoni und Bundesjugendleiterin und DAV-Vizepräsidentin Annika Quantz einig, dass die Veranstaltung einen weiteren wichtigen Impuls gesetzt hat, die Zukunft des Bergsports in den Alpen jetzt aktiv zu gestalten und als große gemeinsame Aufgabe der Alpenvereine anzupacken. Dass es dabei allerdings nicht nur um die Wirkung nach innen geht, sondern auch eine starke Stimme in Richtung Politik nötig ist, bekräftigte Annika Quantz zum Abschluss eindringlich: „Es gibt im DAV eine halbe Stelle für die Interessenvertretung von Natur- und Klimaschutz. Wenn wir in München, Berlin oder Brüssel auftauchen, dann sind wir eine halbe Person. Große Automobilkonzerne haben eine Mannschaft von dreißig, vierzig Lobbyist*innen. Nach innen haben wir schon so viel gewirkt, jetzt müssen wir das auch entfalten: Wir haben 1,6 Millionen Mitglieder, die ein Interesse daran haben, die Berge zu schützen und den Klimawandel abzumildern.“
THEMA: BERGE IN BEWEGUNG
Werkstatt-Ergebnisse
Neben wissenschaftlichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen gab es intensive Gruppenarbeiten in sechs verschiedenen Foren mit folgenden Fragen: In welchem Ausmaß treffen die Folgen des Klimawandels den Bergsport, unsere alpine Infrastruktur und damit den Verband? Und wo geht es um Anpassung, wo um weitreichendere Folgen für den Alpenverein, seine Aufgaben und seine Identität? Auch wenn auf der Werkstatt keine Beschlüsse gefasst oder Entscheidungen getroffen werden, ist sie ein wichtiges Stimmungsbarometer und gibt Impulse für die Arbeit in den Verbandsgremien.
KERNBOTSCHAFTEN AUS DEN FOREN:
Krank durch Klima – das muss nicht sein: Hitze muss man bei der Tourenplanung zunehmend mitdenken. UV-Strahlung in der Höhe wird nach wie vor unterschätzt, Sonnenbrand ist eine der häufigsten Verletzungen im Bergsport, Hautkrebs eine mögliche Spätfolge. Wenig bekannt ist, dass Klimawandelfolgen auch auf die Psyche wirken, die Veränderungen in der Natur lösen verschiedene Emotionen aus. Es gilt, die individuelle Resilienz zu fördern.
Alpen 2025: Perspektive junger Menschen Es gibt ein Recht auf Risiko – Risiko braucht Wissen & Ausbildung. Einfache alpine Infrastruktur (Downsizing) und nachhaltige Hüttenpachtverträge (keine Gewinnmaximierung). Landschaft ohne „Inszenierung“ – keine neue Infrastruktur in Gebieten, die an touristischer Attraktivität verlieren, unerschlossene Gebiete erhalten. Die Energiewende erfordert den Ausbau erneuerbarer Energien („DAV-Windrad“?).
Bergsport ohne Berge?
Der Rückgang klassischer Disziplinen macht Anpassungen in der Ausbildung nötig (z.B. alternative Winterangebote, gletscherfreie Hochtouren, Fortbildungen zu Klimawandel). Mehr Flexibilität im Tourenprogramm, disziplinunabhängiges „Gesamterlebnis Berge“. Notwendig ist eine stärkere Bewusstseinsbildung an der Basis zu Sommergefahren.
Ansatz könnte ein „Lagebericht Sommergefahren“ analog zum Lawinenlagebericht sein.
Der Berg steht noch länger – ist das so? Dogma der Unantastbarkeit der alpinen Infrastruktur aufheben.
(Lenkung durch Rückbau oder auch Ausbau bei entsprechendem Einzugsgebiet). Neue Rollen einnehmen und Kooperationen mit weiteren Organisationen eingehen (Alpen und auch Mittelgebirge). Herausforderung der Klimawandelfolgen nicht nur als Problem, sondern auch als Chance begreifen.
Hütten & Wege in Bewegung 1 + 2
Ehrenamt und Solidarität tragen den DAV auch in Zukunft. Mehr Einfachheit bei Bau und Betrieb der Hütten + Definition Einfachheit. Standortanalysen: Welche Infrastruktur können wir langfristig erhalten und finanzieren, welche vielleicht nicht? Moderne Technologien sinnvoll einsetzen: nicht alles, was geht, sondern nur das Notwendige. Hüttengäste und Mitglieder noch besser aufklären und sensibilisieren. Agieren statt Reagieren und mehr Gewicht gegenüber Politik und Gesellschaft.
INFORMATIONSBEDARF
Tourenplanung
1.
- Hüttenbetrieb in Klimawandelzeiten
- Permafrost und Risikoabwägung
Wissenschaftliche Hintergründe
4.
5. Wegeinstandhaltung trotz Extremwetter
In diesen
6. Ausbildungsinhalte
Bereichen
Sichere Hochtouren ohne Gletscher
wünschen sich die
7.
Teilnehmer*innen mehr
8. Muren
Infos für ihre Sektionsarbeit.
4/2025 DAV PANORAMA 31
Florian Albrecht gleicht den Ist-Zustand mit seinen Forschungsergebnissen ab. Der Austausch mit anderen Forschenden ist für das Projekt elementar.
Forschung für den Bergsport
Hilfe aus dem All
Wie können gefährdete Wege erhalten werden? Wann müssen sie umverlegt oder komplett gesperrt werden? Und welche Herausforderungen hält der Klimawandel in den Alpen noch für Bergsportler*innen bereit? Das Forschungsprojekt ReHike will Lösungswege entwickeln, wie die Alpenvereine den Klimawandelfolgen begegnen können.
Text: Julia Behl
erade stehen wir hinter der Neuen
Spatial Services und Dr. Daniel Hölbling von der
Prager Hütte, um das Risiko von
Universität Salzburg sind so genannte InSAR-
G
Felsstürzen aus der Wand oberhalb
Punkte verzeichnet, mit deren Hilfe Verände-
zu bewerten, als uns ein lautes Donnern auf-
rungen an der Erdoberfläche millimetergenau
schrecken lässt. Ein Blick in den Himmel zeigt:
gemessen werden können. Rund um die Kris-
Nach Gewitter sieht es eigentlich nicht aus. Die
tallwand sind sie rot – je röter der Punkt, des-
Staubwolken gegenüber zeigen: An der Kristall-
to stärker bewegen sich Berg und Gestein. Dies
wand hat sich gerade eine ordentliche Menge
passt sehr gut zu unserer Beobachtung an der
Gestein gelöst. Erschreckend und gleichzeitig
Wand, ganz so einfach ist es dann aber leider
faszinierend. Gibt uns dieses Ereignis schon Auf-
nicht, erklären die beiden.
schluss über die Richtigkeit der Ergebnisse, die
Und doch ist genau das erklärtes Ziel unseres
anhand der Fernerkundungsanalysen des For-
Ausflugs in die Hohen Tauern rund um die
schungsprojekts ReHike erhoben wurden? Auf
Neue Prager Hütte auf knapp 2800 Metern: die
der Karte der Forscher Dr. Florian Albrecht von
Daten, die die Forschenden am Schreibtisch er-
32 DAV PANORAMA 4/2025
arbeitet haben, mit den realen Gegebenheiten im Gelände abzugleichen. Das Projekt, an dem neben Spatial Services, einem Unternehmen, das sich mit der Auswertung und Nutzung von Geodaten beschäftigt, auch die Universität Salzburg, das digitale, alpine Dienstleistungsunternehmen LO.LA sowie der Österreichische und Deutsche Alpenverein beteiligt sind, nennt sich ReHike. Es geht um Klimawandelanpassung, Ziel ist es, Antworten auf Fragen wie die folgenden zu erhalten: Wie können die Alpenvereine ihre Infrastruktur in den Bergen, also Hütten und Wege, auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten? Und braucht es künftig zusätzliche Maßnahmen, um Bergsport (sicher) ausüben zu können? Dafür wurden gemeinsam mit Gebietskundigen zwei Untersuchungsgebiete – die Ötztaler Alpen mit Wildspitze und Taschach- sowie Gepatschferner und die Hohen Tauern mit Großvenediger, Großglockner, Pasterze und Schlatenkees – festgelegt. Hier liefert das Projekt Vorschläge und Erkenntnisse, die eine Grundlage für ein verbessertes Risiko- und Wegemanagement schaffen sollen. Dafür nutzen die Forschenden Radar-Satelliten und satellitengestützte Karten, die den Gletscherrückgang und die damit verbundenen Prozesse über die Jahre hinweg sichtbar machen.
Die Informationen stammen unter anderem aus dem europäischen Copernicus-Programm, das Daten zur Überwachung der Erde und ihrer Umwelt bereitstellt. Die am Computer dargestellten Prozesse werden dann hinsichtlich ihres Schadenspotenzials eingestuft, wodurch die Gefährdungsstufe pro Wegabschnitt festgestellt werden kann. Auf der Grundlage dieser Analyse wird untersucht, wo das Schadens- und Gefährdungspotenzial zugenommen hat, wo es gleich geblieben ist und wo es gegebenenfalls schon zu einer Entspannung gekommen ist. Ergänzend stehen Daten zur Verfügung, die bereits vorab durch ortskundige Fachleute wie Alpinpolizei, Beauftragte für Wegebau und Bergführer*innen erhoben wurden. Daraus ist eine Karte mit insgesamt 42 Problem-Hotspots entstanden – Orte, deren Infrastruktur beson-
Zur Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen und für die Abschätzung weiterer Klimawandelfolgen ist der DAV in nationalen und internationalen Forschungsprojekten als Partner involviert oder übernimmt sogar den Lead (AVadapt). Projekt ReHike: Auswirkungen des Gletscherrückgangs auf die alpine Wegeinfrastruktur und alpine Gefahren. Gefördert durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG Projekt AVadapt: Abschätzung der Klimawandelfolgen für alpine Infrastruktur und Bergsport sowie Erarbeitung von Anpassungsmaßnahmen unter Berücksichtigung naturbasierter Lösungen.
Projektpartner im Co-Lead: Club Arc Alpin (CAA). Gefördert wird AVadapt durch das Österreichische Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
Julia Behl durfte das Forschungsteam bei der Geländebegehung begleiten und ist jetzt schon gespannt, wie sich die finalen Ergebnisse auf Bergsport und Tourenplanung auswirken werden.
THEMA: BERGE IN BEWEGUNG
ders relevant für die Alpenvereine und Bergsportler*innen sind.
Im Gastraum der Neuen Prager Hütte erklärt Dr. Celia Baumhoer, Wissenschaftlerin am Earth Observation Center (EOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Vorteile dieser Vorgehensweise, also der Nutzung von Fernerkundungssystemen. Zum einen bietet sie dank kontinuierlicher, konsistenter Zeitreihen und stetig wachsender Archive eine objektive Datengrundlage und somit hohes Potenzial für die Überwachung und Analyse des Klimawandels und seiner Folgen in Gebirgsregionen. Dank der Forschung können durch Gletscherschmelze entstandene Schutt- und Toteisflächen genauso wie Gefahrenstellen durch den Klimawandel automatisiert erfasst werden. Daraus lässt sich für den DAV besser abschätzen, wie sich das Wegenetz verändern wird, mit welchem Mehraufwand für die Instandsetzung zu rechnen ist und wie sich die alpinen Gefahren auf ausgewählten Wegen und Routen entwickeln werden. Zum anderen können (In-)Stabilitäten der Hänge rund um Hütten und entlang vielbegangener Wege flächendeckend ausgewertet werden. Langfristig könnten diese Erkenntnisse in das Kartenmaterial der Alpenvereine sowie das Tourenportal alpenvereinaktiv.com einfließen und so Bergsteiger*innen bei der Tourenplanung unterstützen und für Gefahren sensibilisieren.
Nachdem die Computerarbeit nun mit den realen Gegebenheiten abgeglichen wurde, ist ein nächster Schritt, diese Daten und Informationen mit den Gründen für die Bewegungen im Gelände in Verbindung zu bringen – so wie eben auch das Ereignis an der Kristallwand. Was die Daten der Radarauswertung der letzten zehn Jahre klar zeigen: Die Bewegungen in den Alpen werden mehr, was auch für uns immer spürbarer wird. Darauf müssen wir uns vorbereiten: jede*r Einzelne durch eine solide Bergsportausbildung und gute Tourenplanung, die Alpenvereine unter anderem durch Forschungsprojekte wie ReHike, um rechtzeitig fundierte Lösungen für eine bessere Frühwarnung zu entwickeln.
4/2025 DAV PANORAMA 33
Berge in Bewegung (opens in a new tab)
Die Folgen des Klimawandels in den Alpen sind nicht zu übersehen. Der massive Rückgang der Gletscher, Steinschlag und Felsstürze (opens in a new tab), Wassermangel und gleichzeitig Starkregenereignisse, die zu Murenabgängen und damit erheblichen Schäden führen, erhöhen die Gefahren im Bergsport und gehen mit großen Herausforderungen für die Infrastruktur einher. Unser Überblick zeigt die verschiedenen Auswirkungen (opens in a new tab). Mehr Infos (opens in a new tab): alpenverein.de/klimawandelfolgen (opens in a new tab)
Hänge werden instabil Steinschlag, Feld- oder Bergstürze gefährden nicht nur Bergsteiger*innen, die aus Gefahrensituationen gerettet werden müssen, sondern auch Infrastruktur und Bevölkerung im Tal. Grundsätzlich sind viele kleine und große Felsbewegungen eine normale Erscheinung in den Bergen, doch der Klimawandel führt im Hochgebirge zu einer Zunahme der Häufigkeit sowie der Dimensionen.
Das ewige Eis schmilzt
Gletscher sind die wichtigsten Wasserspeicher der Alpen. Gegen Ende des Jahrhunderts werden die Alpen so gut wie eisfrei sein, es drohen Wasserknappheit und Nutzungskonflikte. Auch die alpinen Gefahren nehmen zu: Vom Gletscher freigegebenes Moränengelände ist instabil, angrenzende Flanken und Wände können durch den fehlenden Gegendruck des Gletschers kollabieren. Größer als die Gletscherfläche ist die Permafrostfläche, doch die Grenze des Dauerfrostbodens verschiebt sich immer mehr nach oben. Das Auftauen von Permafrost hat eine Destabilisierung ganzer Bergflanken oder Wände zur Folge.
Wasser wird knapp Auf den meisten Hütten wird das Wasser aus oberflächennahen Wasservorräten, also aus Niederschlägen oder Schmelzwasser von Gletschern, gewonnen und in Tanks gespeichert. Gletscherrückgang und längere Trockenperioden lassen das Wasser auf Hütten knapp werden. Sehr viel wertvolles Trinkwasser wird für die Toilettenspülung verbraucht. Die Umrüstung auf Trockentoiletten ist eine kostenintensive, aber entscheidende Lösung.
AUF EINEN BLICK
Wegeschäden nehmen zu In den letzten Jahren haben die Schäden am alpinen Wegenetz deutlich zugenommen, Kosten und Aufwand für die überwiegend ehrenamtlichen Einsätze steigen. Durch starke Regenfälle und Murenabgänge oder Felssturz werden Wanderwege zerstört und müssen mit viel Aufwand saniert werden. Einzelne Wege müssen großräumig verlegt oder ganz aufgelassen werden, weil sie dauerhaft durch Steinschlag gefährdet sind oder wiederkehrende Murenabgänge drohen.
Mehr über die Alpen gibt es im neuen, aktualisierten Alpenbuch: dav-shop.de (opens in a new tab)
4/2025 DAV PANORAMA 35
Allein, allein: Schöne Stimmungen beim einsamen Anstieg auf den Pfannspitz – und zum Abschluss wartet eine Einkehr in der neuen Kofeljochhütte.
Skitouren im Sarntal
Tage wie diese
Wer eine große Auswahl an Skitouren sucht und dennoch gerne abseits des Trubels unterwegs sein möchte, sollte ins Sarntal fahren. Im Herzen von Südtirol genießt man trotz der Nähe zu Bozen Ruhe und Ursprünglichkeit.
Text und Fotos: Stefan Herbke
fannspitz heißt der unscheinbare Gipfel in alle Himmelsrichtungen aus – und allein das hoch über dem Durnholzer See, der mit Sarntal bietet ein extrem großes Tourenangebot.
P
wunderbaren Traumhängen lockt. Den-
Sehr schneesicher sind die Touren rund um
noch sind wir an diesem Wintertag wie aus dem Pens. Ein stiller Winkel, denn im Winter ist die Bilderbuch komplett allein unterwegs. Erstaun- Straße über das Penser Joch gesperrt und das lich, denn nur ein paar Kilometer entfernt befin- Sarntal eine Sackgasse. Dafür gibt es hier Natur det sich Bozen. Doch die vielen Tourenbegeister- und Ruhe im Überfluss – und damit genau das, ten aus der größten Stadt Südtirols schwärmen was andere Regionen nicht mehr haben. Auch
36 DAV PANORAMA 4/2025
wenn rund um Pens etwa zwanzig Kilometer Loipen gespurt sind und ein Start quasi in alle Himmelsrichtungen möglich ist. Über Schlagworte wie Overtourism können Einheimische nur müde lächeln.
Wer aufmerksam unterwegs ist, wird früher oder später den Sarner Ski entdecken, mit dem einige im Gelände sind. Ein Klassiker, der seinen Ursprung in der im Jahr 1973 in Sarnthein neu gebauten, damals modernsten Skifabrik Europas hatte – und weltweit verkauft wurde. „Bis zu 100.000 Paar Ski wurden jährlich produziert“, erinnert sich Hans Innerebner, der dort als Lehrling angefangen hat. Doch schon nach ein paar Jahren war der Höhenflug des Sarner Ski vorbei und die Firma musste Insolvenz anmelden. Im Jahr 2017 nutzte Innerebner die Chance und kaufte die Markenrechte – und im September 2020 wurde die erste neue Kollektion mit mehreren Alpin- und einem Tourenski präsentiert. Typisch für das Sarntal sind auch die Federkielstickereien, wo mit Fäden aus Pfauenfedern in zeitaufwendiger Handarbeit Trachten veredelt werden. Zum Glück gibt es mehr als genug Arbeit, denn das Tragen einer Tracht ist wieder modern.
Auch vom kleinen Weiler Weissenbach lassen sich traumhafte Skihänge erreichen. Hier folgt man beim Anstieg auf die Seeblspitze erst einmal einem eher flachen Sträßchen durch ein im Hochwinter sehr schattiges, eisig kaltes Tal, ehe man im Bereich der Ebenbergalm auf die großartigen Skihänge trifft. Wer lieber in der Sonne unterwegs ist, sollte auf den Großen Mittager gehen. Eine gemütliche, bei richtiger Spuranlage nahezu lawinensichere Tour, und mit der an Wochenenden bewirtschafteten Öttenbacher Alm gibt es sogar eine Einkehr. Vom Gipfel genießt man den schönen Blick ins Sarntal und hinüber auf die vielen Gipfel im Bereich von Reinswald und dem Durnholzer See. Dort warten Klassiker wie Kassianspitze oder Hörtlaner, aber auch eher unbekannte Gipfel wie der Pfannspitz. Eine wunderschöne Tour, die alle Klischees einer Traumskitour erfüllt.
Hans Innerebner kam schon als Lehrling mit dem Sarner Ski in Berührung.
Natur und Ruhe im Überfluss – genau das, was andere Regionen nicht mehr haben.
Stefan Herbke war überrascht, wie wenig Menschen im Sarntal auf Skitour unterwegs sind. Hochbetrieb herrscht nur einmal in der Woche beim Skitourenabend im Skigebiet Reinswald.
SARNTAL
Ausführlicher Artikel und Routen beschreibungen (opens in a new tab)
SKITOUREN IM SARNTAL
Anreise/mobil vor Ort: Mit der Bahn nach Bozen und mit dem Bus ins Sarntal. Ausgangspunkte im Tal sind bequem mit dem Bus zu erreichen. Einige Touren starten jedoch bei Höfen weit oberhalb des Talbodens und können nur mit dem Auto erreicht werden. Beste Zeit: Januar bis März.
Info: sarntal.com (opens in a new tab)
Karte: Tabacco, 1:25.000, Blatt 040, Sarntaler Alpen.
Skitourenziele: X Pfannspitz (2620 m)
Genusstour mit weiten Südwesthängen und einer schönen Abfahrtsvariante. Anforderungsprofil: mittel, 865 Hm ↗ ↘, Aufstieg: 2 ½ - 3 Std., Exposition: Südwest, Süd, West. Ausgangspunkt: Parkplatz rund 500 Meter nach dem Obersthof (1755 m), bei ausreichend Schnee Parkplatz kurz vor Durnholz (1510 m).
X Großer Mittager (2422 m)
Aussicht und beliebter Einkehr.Sonnige Genusstour mit weiten XXL-Hängen, schöner
Aufstieg: 2 ½ Std., Exposition: Süd, Südwest, Südost.Anforderungsprofil: leicht, 855 Hm ↗ ↘, Ausgangspunkt: Parkplatz (1680 m) oberhalb von Obermarchen, Zufahrt vom Gewerbegebiet Sarnthein.
X Seeblspitze (2331 m)
Schöne Skihänge und ein Aussichtsgipfel als Lohn für einen langen Zustieg durch das Unterbergtal. Anforderungsprofil: mittel, 1005 Hm ↗ ↘, Aufstieg: 3 ¼ Std., Exposition: Nordwest, West. Ausgangspunkt: Großer Parkplatz (1340 m) am nördlichen Ortsende von Weissenbach.
Was sonst noch geht:
X Das Skigebiet in Reinswald ist überschaubar, begeistert aber mit abwechslungsreichen und sonnigen Pisten. Beim Skiverleih in Reinswald kann man Sarner Ski (sarner.ski (opens in a new tab)) mieten und ausprobieren. Außerdem gibt es Winterwanderwege (u. a.
zur bewirtschafteten Getrumalm), eine Rodelbahn (4,5 km) und eine extra Aufstiegsspur für Skitouren. Ab Januar gibt es donnerstags einen Skitourenabend (17-22 Uhr), die Skihütten sind geöffnet. X Rund um Pens werden 20 km Loipen gespurt. X In Unterreinswald lohnt sich ein Besuch der Latschenölbrennerei Eschgfeller mit Shop und
Natur-Spa (eschgfeller.eu (opens in a new tab)).
X In der Sarner Federkielstickerei (federkielstickerei.eu (opens in a new tab)) in Sarnthein kann man den drei Mitarbeitenden über die Schulter schauen. X Zirbenholz duftet besonders gut, beruhigt nachweislich den Geist und fördert einen gesunden Schlaf. Und so findet man neben Holzschüsseln und -tellern neu im Sortiment der Drechslerei Fritz die Schlaf-Gut-Dose gefüllt mit Zirbenspänen (drechslerei-fritz.com (opens in a new tab)).
4/2025 DAV PANORAMA 37
Gabi Schieder-Moderegger
Gute Laune, voller Einsatz
Sektionsvorsitzende, Hüttenreferentin, Wettkampf-Organisatorin, Förderschullehrerin: Der Berchtesgadenerin Gabi Schieder-Moderegger mangelt es nicht an Aufgaben.
Wie sie alles unter einen Hut bekommt? Mit viel Herzblut und Humor.
Text: Malte Roeper
38 DAV PANORAMA 4/2025
MENSCHEN
ass in Berchtesgaden erstmals eine war die Familie natürlich schon: Das war einer-Frau den Vorsitz der Sektion übernom- seits irgendwie selbstverständlich, anderer-
D
men hat, ist keine so aufregende Nach- seits ganz profan wegen der Ermäßigung auf
richt mehr. Besonders ist aber: Der DAV Berchtes- den Hütten. Am Sektionsleben nahm Gabi erst gaden ist einer der größten Vereine in Südostbay- viel später teil, als sie nach einigen Jahren zuern und vergleichbar mit einem mittelständischen rück nach Berchtesgaden kam. Unternehmen: über 13.000 Mitglieder, fast zwan-
Erst mal folgte nach der Schule ein Praktikum
zig Festangestellte, fünf bewirtschaftete Hütten. in einer Einrichtung für Menschen mit Beein-Wie Gabi Schieder-Moderegger diese Aufgabe trächtigung. Danach ging es zum Studieren nach stemmt? „Ich bin halt Workaholic“, lacht sie, „an- München. In der Stadt in der Kletterhalle Headers würd’ das gar nicht gehen.“
vens Gate und an den Wochenenden am heimi-
Besonders stolz ist sie auf das legendäre Ski- schen Felsen fand sie ihre Liebe zum Klettern. tourenrennen „Jennerstier“. Während der halbe Für ein Jahr ging es noch nach Regensburg, Ort mithilft, geht die andere Hälfte an den Start. dann siegte das Heimweh. Sie musste zurück Deutschlands härtestes Rennen im Skibergstei- nach Berchtesgaden, es ging nicht mehr anders. gen ist komplett ehrenamtlich organisiert. Der Damals, in den Nullerjahren, brummte das Ge-Streckenverlauf hängt vom vorhandenen Schnee schäft mit Outdoorkatalogen. Für die war Gabi ab, da beim Event keine Beschneiung genutzt ein gefragtes Fotomodell, aber das spielt sie nawird. Mittlerweile ist der Jennerstier eine große türlich herunter: „Mei, ich hatte blonde Dread-Veranstaltung – deren Organisation allerdings locks, das war halt einfach auffällig. Aber klar, immer noch in der Sektion liegt. 2024 wurde das Spaß gemacht hat das schon.“ Und der große
Genau wie schon ihr
Organisationsteam mit dem Ehrenamtspreis für Boom des Hallenkletterns begann auch, natür-
Vater sie mit in die Alpen herausragendes Engagement im Verband ausge- lich auch in Berchtesgaden, wo man vorausgenommen hat, teilt Gabi zeichnet. Dass sie mit der Ernennung zur Leis- schauend bereits 1992 die erste deutsche Sektiihre Bergerlebnisse gerne tungssport-Referentin der Sektion auch mitver- onskletterhalle überhaupt eröffnete. Sie machte
mit ihren Kindern.
antwortlich für den Jennerstier sein würde, „das den Trainerschein, wurde Mutter und überhatte ich damals ehrlich gesagt gar nicht so auf nahm, als Söhnchen Elias drei war, die Kinderdem Schirm“, erinnert Gabi sich und lacht schon klettergruppe. Da das Hallenklettern immer weiwieder. „Es ist dann einfach immer größer ge- ter boomte, baute die Sektion eine neue Halle. worden. Und das Schönste ist: Kinder und Ju- Prompt war der Zulauf noch viel größer: „Innergendliche fragen, ob sie mitmachen dürfen.“
halb von einem Jahr sind wir von drei Kinder-
Gabi Schieder-Moderegger wuchs
und Jugendgruppen auf zwölf ge-
in Berchtesgaden als ältere von
wachsen. Da hast du Gute dabei
„Mich hat ein-
zwei Töchtern von bergbegeister-
und sehr Gute und nicht ganz so
fach alles inter-
ten Eltern auf. Ihr Vater war Koch
Gute, das musst du ja irgendwie
essiert, ich
auf dem Matrashaus. Mit acht Jah-
strukturieren. Da bin ich Jugend-
konnte mich
ren stand Gabi bei ihm in der Küche
referentin geworden, aber die Ju-
gar nicht ent-
und half mit. In diesem Umfeld
gendarbeit an sich war nicht meine
scheiden.“
kam die Begeisterung für den Berg-
Aufgabe, sondern das Ganze zu ko-
sport schnell auf. Auch die Liebe
ordinieren. Wir hatten gar nicht ge-
zur Natur, deren Schutz und die Dankbarkeit, in nügend Trainer, also musste man zuerst die den Bergen leben zu dürfen, wurde ihr so ver- Trainerausbildung organisieren.“ mittelt: „Es war naheliegend, dass wir auf unse-
Nach der Arbeit im Jugendreferat wurde Gabi
re Berge auch raufsteigen wollten, weil man von Hüttenreferentin. „Ich wollte alles wissen: Stromoben einen viel schöneren Blick hat und sich versorgung, Abwasser, Haustechnik, Buchungsfreier fühlt.“
systeme. Gerade machen wir ein Pilotprojekt mit
Der Weg an die Spitze der Sektion war dabei Trockentoiletten, auf den Hütten wird das Wasser allerdings nicht vorgezeichnet. Im Alpenverein knapp, da kannst du nicht bei jedem Toiletten-
4/2025 DAV PANORAMA 39
MENSCHEN
gang fünf oder zehn Liter Wasser durchspülen!“ Und da die Hütten zum Teil im Nationalpark liegen, ist ein maximal nachhaltiges Wirtschaften erst recht vernünftig. Wer weiß, wie hoch Gesetzgeber oder EU da irgendwann die Messlatte legen? Lieber vorbeugen und aktiv gestalten, als irgendwann gehorchen müssen, das ist ihr Motto. Im Hüttenreferat ist jetzt der frühere Vorsitzende Beppo Maltan fürs Kärlingerhaus zuständig, um die Baumaßnahmen auf den anderen vier Hütten kümmert sich Gabi. Anschließend kam der Leistungssport dazu. Für den Jennerstier war sie anfangs nicht allein verantwortlich, dazu kamen noch die Disziplinen Klettern und Bouldern.
Und dann wollte Beppo Maltan sie als Nachfolgerin im Sektionsvorstand. Eigentlich wollte sie ja auch, doch wie sollte sie aus der Teilzeitstelle in einer Förderschule ihr Leben finanzieren, wenn die Ehrenämter in der Sektion Woche um Woche viel mehr Stunden einnehmen als die wenigen bezahlten? Mutter von mittlerweile drei Kindern ist sie außerdem. Die Lösung war ein Arbeitsvertrag auf Basis einer Halbtagsstelle. Im Prinzip eine einfache Lösung, in der Praxis nicht: Satzungsänderung, Antrag beim Vereinsgericht. Sechs Monate hat es gedauert, bis es durch war: „Es ist ein Probelauf, auf dieser Basis wollen wir es machen. Ich bin für drei Jahre gewählt, jetzt schau’n mer mal.“ Ein für Alpenvereinssektionen neuartiges Modell, das praktische Vorteile hat. Die Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle arbeiten Teilzeit, fast alle am Vormittag, wenn die Kinder in der Schule sind. Wenn die Vorsitzende dann Vollzeit in einer Schule arbeitet und erst danach ins Büro kommt, sind die Kolleg*innen nicht mehr da: „Bis dahin hat man sich Notizen geschickt, die dann dreimal hin und her gingen. Jetzt sieht man sich regelmäßig, da ist viel weniger Reibungsverlust und es ist auch ein viel schöneres Arbeiten.“
40 DAV PANORAMA 4/2025
Namensgebend für das Skitourenrennen am Jenner ist die Bezeichnung „Stier“ im Berchtesgadener Dialekt für eine Person, die körperlich und mental besonders fit ist. Als Leiterin des ehrenamtlichen Organisationsteams muss Gabi beim Jennerstier und den auf der Strecke stattfindenden Rennen den Überblick behalten.
Laut Arbeitsvertrag arbeitet sie zwanzig Stunden für die Sektion, de facto deutlich mehr, dazu Teilzeit in der Förderschule. Ihr Engagement für Menschen mit Behinderung hat sie in die Sektion mitgenommen: Seit 2004 sind alle Klettergruppen inklusiv, Kinder dürfen ohne Wartezeit beginnen. Die Eltern eines ehemaligen Schülers sind seit Kurzem Wirtsleute auf dem Stöhrhaus am Untersberg und wollen dort ein Inklusionsprojekt beginnen – für Gabi ein persönliches Highlight.
Aber werden die vielen Sitzungen nicht irgendwann mühsam? Wenn sie immer noch Referentin
„Solange ich
ist für Leistungssport, fürs Skibergsteigen und das Ostwandlager am Watzmann? „So viele Sit- regelmäßig zungen sind es nicht“, wiegelt sie ab, „viel geht rauskomme in heute einfach per E-Mail oder Videocall. Und so- die Berge, tanlange ich regelmäßig rauskomme in die Berge, ke ich immer tanke ich immer genug Energie. Zwei oder drei genug Energie.“ Stunden reichen da meistens völlig aus.“ Lieblingsdisziplin hat sie keine: Skitouren, Mountainbiken, Mehrseillängenklettern – je nach Saison, Wetter, Form und Lust.
Wenn eine Mutter sich dermaßen dem übergeordneten Thema „Berg“ verschreibt, gibt es für die Kinder eigentlich nur die Möglichkeit, selbst um dieses Thema entweder einen ganz großen Bogen zu machen oder genau dieselbe Richtung einzuschlagen. Gabi hat das Glück, dass die zweite Variante zutrifft, und zwar für alle drei: Ihr Ältester, Elias, bouldert engagiert und hat lange in einer Jugendgruppe mitgeholfen, ihre Tochter Sophia hilft begeistert auf verschiedensten Events und Leo, der Jüngste, ist im Skimo-Bayernkader der Junior*innen.
Was ist ihr sonst noch wichtig? „Dass es den Hüttenwirten gut geht, gute Wirtsleute sind so Malte Roeper wuchs
am anderen Ende
schwer zu bekommen. Da setz ich mich immer
von Deutschland in
mal ganz lang auf die Terrasse und schau zu, wie Schleswig-Holstein
auf. Heute lebt der
alles läuft. Mach ich (und sie lacht schon wieder)
ehemalige Extremberg-
natürlich wahnsinnig ungern.“
steiger im Chiemgau.
AUF TOUR (opens in a new tab)
AACHEN AUGSBURG BAMBERG BAYREUTH BERLIN BIBERACH BRAUNSCHWEIG (opens in a new tab)
BREMEN DARMSTADT DRESDEN DÜSSELDORF ERFURT ESSEN FRANKFURT/MAIN (opens in a new tab)
1 2 . 0 3 (opens in a new tab) . 2 7. 0 2 (opens in a new tab) . 2 3 .03 (opens in a new tab) . 24 .03 (opens in a new tab) . 2 2 .03 (opens in a new tab) . 04.02 (opens in a new tab) . 2 1 . 0 4 (opens in a new tab) . 08.03 (opens in a new tab). 1 4 . 0 3 (opens in a new tab) . 1 3 . 0 4 (opens in a new tab) . 1 9 . 0 4 (opens in a new tab) . 1 4 . 0 4 (opens in a new tab) . 20.04 (opens in a new tab). 1 6 . 0 3 (opens in a new tab) .
1 0 . 0 3 (opens in a new tab) . 2 5 .0 3 (opens in a new tab) . 1 5 . 0 4 (opens in a new tab) . 20.03 (opens in a new tab) . 3 1 . 0 1 (opens in a new tab) . 1 0 . 0 2 (opens in a new tab) . 1 5 . 0 3 (opens in a new tab) . 2 8 .02 (opens in a new tab) . 26 .03 (opens in a new tab) . 1 1 . 0 2 (opens in a new tab) . 1 7 . 0 3 (opens in a new tab) . 08.02 (opens in a new tab) . 03.02 (opens in a new tab) . 1 6 . 0 4 (opens in a new tab) .
2 6 . 0 1 (opens in a new tab) . 2 3 .02 (opens in a new tab) . 0 1 . 0 3 (opens in a new tab) . 26.04 (opens in a new tab). 09.03 (opens in a new tab). 2 5 .0 3 (opens in a new tab) . 1 1 . 0 3 (opens in a new tab) . 02 .02 (opens in a new tab) . 2 3 .03 (opens in a new tab) . 02 .03 (opens in a new tab). 26 .03 (opens in a new tab) . 24 .02 (opens in a new tab) .
SAARBRÜCKEN SCHWÄBISCH- (opens in a new tab)
GMÜND SCHWERTE STUTTGART STUTTGART TÜBINGEN ULM VILLINGEN-SCHWENNINGEN WÜRZBURG (opens in a new tab)
06.03 (opens in a new tab). 23 .04 (opens in a new tab) .
1 5 . 0 3 (opens in a new tab) . 05.03 (opens in a new tab). 24.04 (opens in a new tab). 04.03 (opens in a new tab). 1 9 . 0 3 (opens in a new tab) . 03.03 (opens in a new tab).
VERGÜNSTIGTE (opens in a new tab)
TICKETS FÜR (opens in a new tab)
DAV-MITGLIEDER (opens in a new tab)
PARTENKIRCHEN (opens in a new tab)
Trittsicher
Leichtsteigeisen
Steigeisen einpacken? Wer sich das vor Beginn der Bergtour fragt, ist möglicherweise mit Leichtsteigeisen gut beraten: Sie sind leicht, platzsparend und bieten deutlich mehr Sicherheit als Grödel. Auch bei der Funktion gibt es keine Probleme, solange das Gelände nicht
allzu steil und felsdurchsetzt ist.
Text: Martin Prechtl Illustrationen: Georg Sojer
Wann kommen Leichtsteigeisen zum Einsatz?
� Anspruchsvolle Wanderungen im alpinen Gelände: Besonders nordseitig gibt es im Herbst oder Frühjahr vereiste Passagen. � Gemäßigte Hochtouren mit langen, eher flachen Gletschern und höchstens kurzen, unschwierigen kombinierten Stellen aus Eis und Fels („Gletscherhatscher“). � Technisch einfache Zustiege über harten Firn. � Skitouren mit Abschnitten, bei denen das Gehen mit Ski aufgrund der Steilheit problematisch wird, z.B. im Gipfelbereich.
Achtung
Je härter und steiler der Untergrund, desto massiver muss das Steigeisen sein.
Aus welchem Material bestehen Leichtsteigeisen?
Aluminium:
+ Alu-Steigeisen sind sehr leicht und geben ausreichend Halt auf hartem Firn.
- Auf Blankeis fehlt der Biss, besonders bei zunehmender Steilheit.
- Im kombinierten Gelände verschleißen die Alu-Modelle rasch.
Stahl:
+ Steigeisen aus Stahl geben guten Halt – auch auf Blankeis. + Stahl ist härter: Bei entsprechender Pflege verschleißen die Eisen nicht so schnell.
- Rostgefahr
- Steigeisen aus Stahl sind schwerer als Alu-Steigeisen.
Kombination:
Es gibt Modelle, bei denen das vordere Teil aus Stahl, das Fersenteil aus Aluminium gefertigt ist. Oder: Die Frontzacken sind aus Stahl, die Vertikalzacken aus Aluminium.
42 DAV PANORAMA 4/2025
Wie sind Leichtsteigeisen aufgebaut?
Weniger Zacken – weniger Gewicht: Leichtsteigeisen beschränken sich meistens auf zehn Zacken. Die beiden Frontalzacken 1 sind für steile Stellen gedacht, die übrigen acht Vertikalzacken 2 ermöglichen komfortables Gehen. Die Zacken greifen allerdings nicht ordentlich, wenn sich Schnee oder aufgeweichter Firn an der Unterseite der Steigeisen festsetzt. Um das zu verhindern, werden sowohl Vorder- als auch Fersenteil der Leichtsteigeisen in der Regel mit Antistollplatten 3 ausgestattet. Der Mittelsteg 4 stellt die Verbindung von Vorder- und Fersenteil dar. Lochung und Niete ermöglichen eine Längenanpassung an die jeweilige Schuhgröße. Besonders leichte Modelle ersetzen den metallenen Mittelsteg durch eine Dyneema-Schnur. Die Längeneinstellung erfolgt dann durch das Einhängen der Schnur in übereinander angebrachte Kerben am Vorderteil. Es gibt aber auch ein völlig anderes Konzept: Vorder-, Mittel- und Fersenteil werden auf ein breites, durchlaufendes Textilband 9 (Abb. 2) gefädelt. Die Längenanpassung ist hier etwas aufwendig, das Packmaß jedoch sehr günstig.
1 Frontalzacken 6 Körbchen 2 Vertikalzacken 7 Riemen 3 Antistollplatten 8 Metallbügel 4 Mittelsteg
9 Textilband
5 Kipphebel
5
8
7
6
3
4
Abb. 1: Kombibindung mit Kipp-
hebel hinten und vorn wahlweise Körbchen oder Zehenbügel.
Welche Bindungssysteme gibt es?
Im Wesentlichen lassen sich drei Standardsysteme unterscheiden. Bei der Riemenbindung werden die Steigeisen über ein Riemensystem inklusive Körbchen für Fersen- und Zehenbereich an den Schuh geschnallt. Eine Steigeisenaufnahme am Schuh ist nicht notwendig. Diese Befestigungsart funktioniert auch bei Trekkingstiefeln mit einer durchgehend weichen Sohle. Vorsicht: Dieser Bindungstyp kann sich bei längeren Touren lockern und Druckstellen erzeugen. Empfehlenswert z.B. bei Alu-Steigeisen für Wanderungen mit kurzen Passagen im harten Firn. Eine Kombibindung (Abb. 1) besteht aus einem Kipphebel 5 hinten und einem Körbchen 6 vorne. Beide Bindungselemente werden mittels Riemen 7 verbunden. Damit der Kipphebel gespannt werden kann, muss das Bergschuhmodell eine steife Sohle im Fersenbereich mit ausreichend Sohlenrand haben. Die Sohle unter dem Vorderfuß darf dagegen etwas weicher und gekrümmter sein, was das Gehen erleichtert. Solche Schuhe nennt man „bedingt steigeisenfest“. Auch die modernen Leichtbergstiefel zählen zu dieser Kategorie. Empfehlenswert v. a. bei Leichtsteigeisen aus Stahl für klassische, weite Hochtouren mit gemäßigten Schwierigkeiten. Die Automatikbindung (Abb. 2) besitzt einen Kipphebel hinten 5 und einen Metallbügel vorne 8 . Sie erinnert an eine Skibindung. Voraussetzung für ihre einwandfreie Funktion ist die Kombination mit steigeisenfesten Bergstiefeln oder Skischuhen. Denn Automatikbindungen benötigen eine durchgehend steife Sohle und genügend Sohlenrand an Ferse und Zehen. Empfehlenswert u. a. bei Alu-Steigeisen für den Skitourenbereich.
5
Abb. 2: Automatikbindung mit Metallbügel vorne und verstellbarem Kipphebel hinten.
9
2
3
8
2
2
1
1
2
Kosten und Gewicht von Leichtsteigeisen
Wer sich leichte Zehnzacker anschafft, muss mit ca. 100 bis 150 Euro rechnen. Das Gewicht variiert zwischen ca. 250 Gramm (Alu/Automatik) und ca. 850 Gramm (Stahl/Kipp + Korb). Ein Körbchen ist unter Umständen nämlich schwerer als ein Bügel.
WIE FUNKTIONIERT DAS?
Ursprüngliche Form
Form nach Abnutzung
Zu entfernendes Material
Neue Form
Abb. 3: Beim Schärfen nur so viel Material abtragen wie nötig!
Wie pflegt man Leichtsteigeisen?
� Reinigung: Steigeisen nach jeder Tour säubern. Mit lauwarmer Seifenlauge reinigen und mit einem saugfähigen Tuch trockenreiben. Die Riemen werden zum Trocknen am besten entfernt und bei dieser Gelegenheit auf schadhafte Stellen hin untersucht. � Flugrostentfernung: Mithilfe eines sehr feinkörnigen Schleifpapiers bestmöglich entfernen. Oft hilft schon ein Topfreiniger aus Edelstahl. Anschließend nochmals reinigen und trocknen! � Schärfen: Dazu braucht man eine Schraubzwinge und eine flache, nicht zu grobe Metallfeile: Zunächst zerlegt man die Steigeisen in ihre Einzelteile, auch die Antistollplatten sollten abgenommen werden. Es geht darum, die ursprünglichen Winkel der Zacken wiederherzustellen und dabei nur so viel Material abzutragen wie unbedingt nötig. Das Anzeichnen des gewünschten Winkels mit einem wasserfesten Stift kann helfen. Am besten beginnt man mit der Unterseite der Frontalzacken: Hier führt man die Feile im 90-Grad-Winkel. Danach dreht man die Frontalzacken um. Jetzt ist die Schneide an der Reihe (Abb. 3). Man feilt dabei von oben nach unten, bis die ursprüngliche (angezeichnete) Neigung erreicht ist. Zuletzt werden die Kanten der Schneide angeschrägt. Beim Schärfen der Vertikalzacken konzentriert man sich in erster Linie auf die Wiederherstellung des ursprünglichen Neigungswinkels. � Austausch: Sind die Zacken irgendwann zu kurz (< 2 cm), müssen sie ersetzt werden. Die führenden Hersteller bieten auch die einzelnen Elemente der Steigeisen zum Nachkaufen an.
Achtung
� Wer mit der Feile abrutscht, kann sich an der Hand verletzen. Das ist selbst bei stumpfen Zacken möglich, Arbeitshandschuhe
schützen. � Steigeisen immer von Hand schleifen. Schleifmaschinen erhitzen den Stahl zu sehr. Dadurch kann sich das Metall verändern und an Festigkeit verlieren. � Sind die Steigeisen gesäubert und
Martin Prechtl ist
geschärft, reibt man sie mit etwas
Staatlich geprüfter
Montagefett oder hochwertigem
Berg- und Skiführer
Pflegeöl ein, um Korrosion zu ver-
und Mitglied des
hindern.
DAV-Lehrteams Bergsteigen.
4/2025 DAV PANORAMA 43
Stabil unterwegs?
Diagnose: Kreuzbandriss
Es gibt das Gerücht, dass alle sieben Minuten in Deutschland ein Kreuzband reißt. Doch wie kommt es zu einem Kreuzbandriss? Was sind mögliche Behandlungsmethoden? Und welche Funktion hat das Kreuzband eigentlich?
Text: Laura Knecht
44 DAV PANORAMA 4/2025
FITNESS & GESUNDHEIT
ass mein Sturz beim Skifahren und diese Schmerzen sich der Oberschenkel zum Unterschenkel in solch einem
DOP und einem langwierigen Genesungsprozess. Das mussnichts Gutes bedeuten würden, war klar. Aber das?Die Diagnose Kreuzbandriss assoziieren viele mit Woran erkenne ich einen Kreuzbandriss?Maß, dass das Kreuzband nicht mehr standhält.
nicht so sein – ein wenig Glück und konsequente Nachsor- Das Erste, was ich nach meinem Sturz feststellte: ziemlich ge vorausgesetzt.
starke Schmerzen im Knie. Beim Versuch, den Hang abwärtszugehen, merkte ich, dass mein Bein sich nicht stabil anfühl-
Das Kreuzband als Stabilisator
te, ich konnte es nicht gerade halten und es knickte weg.
Jedes Knie besitzt ein vorderes und ein hinteres Kreuzband. „Patienten bemerken in der Regel eine erleichterte Ver-Gemeinsam mit Innen- und Außenband machen sie den Bän- schiebbarkeit zwischen Ober- und Unterschenkel“, bestätigt derapparat des Kniegelenks aus. Die Kreuzbänder liegen hin- Prof. Dr. Christoph Lohmann, Direktor der Orthopädischen ter der Kniescheibe und verbinden – sich gegenseitig über- Universitätsklinik an der Otto-von-Guericke-Universität Magkreuzend – Ober- und Unterschenkelknochen. Ihre spezielle deburg. Abhängig sind die Symptome zudem von auftreten-Funktion: Sie stabilisieren und verhindern eine übermäßige den Begleitverletzungen. Das sind häufig Schädigungen des Rotationsbewegung. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes tritt Meniskus, der Innen- und Außenbänder. Eine zuverlässige wesentlich häufiger auf als einer des hinteren Kreuzbandes, Diagnose erfolgt über ein MRT, das detaillierte Schnittbil- und geschieht meist durch eine gewaltvolle Verdrehung des der von Gewebestrukturen wie Muskeln und Bändern liefert. Knies. Klassische Auslöser-Sportarten sind Fußball und Handball. Durch ruckartige, schnelle Richtungswechsel kann Möglichkeiten der Behandlung es zu einer Ruptur kommen. Oder, wie in meinem Fall, beim Grundsätzlich besteht die Wahl zwischen einer konservativen Skifahren. Bleibt der Ski im Tiefschnee stecken, der Körper und einer operativen Behandlung. Der operative Standard ist und somit auch das Bein drehen sich aber weiter, verdreht eine so genannte Sehnenersatzplastik. Hierbei werden kör-
WUNDUM VERSORGT (opens in a new tab): UNSERE ALL-IN-ONE WUND-DESINFEKTION (opens in a new tab).
BEKÄMPFT 99,9 %* DER RELEVANTEN KEIME 1 (opens in a new tab)
- Desinfiziert Wunden zuverlässig
- Schützt vor Infektionen
- Unterstützt die Wundheilung
* Das Wirkprinzip von Povidon-Iod (opens in a new tab), Betaisodona® Salbe 100 mg/g / Lösung 100 mg/ml, Wirkstoff (opens in a new tab): Povidon-Iod (opens in a new tab). Anwendungsgebiete: Salbe (opens in a new tab): Betaisodona® dem Wirkstoff von BETAISODONA® (opens in a new tab), Salbe ist ein keimtötendes Mittel (Antiseptikum) zur Anwendung auf Haut und Wunden. Betaisodona® Salbe wird wiederbegründet eine umfassende Wirksam- holt zeitlich begrenzt angewendet zur antiseptischen Wundbehandlung bei geschädigter Haut (opens in a new tab), z.B. Druckgeschwüre (opens in a new tab),
keit gegen ein breites Spektrum humanpathogener Mikroorganismen. In vitro, das bedeutet Unterschenkelgeschwüre, oberflächlichen Wunden und Verbrennungen, infizierten und superinfizierten Hauterkrankungen (opens in a new tab). in Untersuchungen im Labor, reduziert Povidon-Iod ausgewählte Erreger (u.a (opens in a new tab). Staphylococcus Lösung (opens in a new tab): Betaisodona® Lösung ist ein keimtötendes Mittel (Antiseptikum) zur Anwendung auf Haut, Schleimhaut und aureus, MRSA, Streptococcus pyogenes, Candida albicans, Escherichia coli und Pseudo- Wunden. Betaisodona® Lösung wird einmalig angewendet zur Desinfektion der intakten äußeren Haut oder Antiseptik der monas aeruginosa) innerhalb von 30 Sekunden um mehr als 99,9 %. Bakteriensporen und Schleimhaut wie z.B. vor Operationen, Biopsien, Injektionen, Punktionen, Blutentnahmen und Blasenkatheterisierungen (opens in a new tab). einige Virus-Spezies werden im Allgemeinen erst nach längerer Einwirkzeit in ausreichen- Betaisodona® Lösung wird wiederholt zeitlich begrenzt angewendet zur antiseptischen Wundbehandlung (z.B (opens in a new tab). Druckdem Maße inaktiviert. Povidon-Iod kann mit Eiweiß und verschiedenen anderen organischen geschwüre, Unterschenkelgeschwüre) bei Verbrennungen, infizierten und superinfizierten Hauterkrankungen sowie zur Substanzen, wie z. B. Blut- und Eiterbestandteilen reagieren, wodurch seine Wirksamkeit chirurgischen Händedesinfektion (opens in a new tab). Warnhinweise (opens in a new tab): Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren (opens in a new tab). Zu Risiken und beeinträchtigt werden kann. | 1 Tan EL et al. GMS Hygiene and Infection Control 2021, Vol. 16 Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. 11-24 (opens in a new tab)
FITNESS & GESUNDHEIT
Schematische Darstellung der Kreuzbänder und Kreuzbandrisse
Oberschenkelknochen
vorderer
Kniescheibe Kreuzbandriss
fahren. Allerdings empfinden Pati-
vorderer
ent*innen mitunter ein Gefühl der
gesunde
Kreuzbandanriss
Kreuzbänder
Instabilität im Knie und entscheiden
vorne + hinten
sich daher für eine OP. „Erst einmal ein paar Monate abwarten und schauen, wie sich das Knie entwi-
hinterer Kreuzbandriss
ckelt“, empfiehlt Markus Pranieß.
Wadenbein
Schienbein
„Ich habe einige Patienten betreut, die – mit Erfolg – eine konservative Behandlung durchlaufen haben.“
pereigene Sehnen entnommen und wieder eingesetzt. Diese Ich entschied, erst mal abzuwarten, wie stabil sich mein Knie Operation wird in Deutschland in vielen Kliniken durchge- bei verschiedenen Belastungen anfühlt. Und es stellte sich führt. Zusätzlich hat sich in den letzten Jahren eine weitere heraus: Nach nur zwei Monaten bin ich das erste Mal wieder Operationsmethode entwickelt, bei der das Kreuzband zu- an der Kletterwand und zum Wandern in den Bergen. Durch sammengenäht wird. „Es werden Füh-
konsequente Physiotherapie, Training
rungsfäden in das Kreuzband eingefügt Tipps zur Vermeidung von
und wohl eine Prise Glück – ich bin ohne
und dadurch die natürlichen Strukturen Kreuzbandrissen:
Begleitverletzungen davongekommen.
Vor der Tour:
des Kreuzbandes erhalten“, erklärt Prof. Lohmann. Diese spezielle Methode kann X Gezieltes Training zur Stärkung der Kann ich vorbeugen?
Muskulatur um das Kniegelenk
jedoch nur bis zu drei Wochen nach dem
Die Frage, die sich viele aktive Berg-
X Realistische Selbsteinschätzung:
Riss durchgeführt werden und nicht alle
Bin ich fit genug für die Tour?
sportler*innen stellen, lautet: Wie kann
Kliniken bieten den Eingriff an.
Auf Tour:
ich einem Kreuzbandriss vorbeugen?
X Geeignetes Schuhwerk tragen
Die Sehnenersatzplastik hingegen kann
„Indem man, bevor man auf den Berg
X Stabilisierende Hilfsmittel
auch Wochen, Monate oder gar Jahre
geht, seine Muskulatur trainiert, so dass
verwenden (z. B. Stöcke)
nach der Verletzung noch mit densel-
sie nicht so schnell ermüdet“, empfiehlt
X Realistische Selbsteinschätzung:
ben Erfolgschancen durchgeführt wer-
Habe ich noch Kraftreserven?
Prof. Lohmann. Denn das Gelenk funk-
den. Die Regeneration bei beiden OP-
Übungsempfehlungen (opens in a new tab)
tioniert vor allem als Kombination aus
Varianten ist jedoch langwierig. „Wann
von Sport-Physiothera- (opens in a new tab)
Gelenkflächen, Bändern und Muskula-
peut und Osteopath (opens in a new tab)
ist es möglich, in den Sport zurückzu-
tur. Er ergänzt: „Die Muskeln sind zu-
Markus Pranieß (opens in a new tab)
kehren? Das wollen die aktiven Men-
sätzliche Stabilisatoren. Sie dämpfen
schen wissen. Im Wettkampfsport nach
und nehmen Belastung von den Gelen-
neun Monaten“, betont Lohmann. Der Sport-Physiothera- ken. Wenn die Muskulatur ermüdet, steigt das Risiko für eipeut Markus Pranieß schätzt zwischen sechs und dreizehn nen Kreuzbandriss.“ Ein wichtiger Aspekt ist die realistische Monaten: „Wichtig ist die Unterscheidung zwischen ‚Return Selbsteinschätzung und die Vermeidung von Überlastung. to sport‘ und ‚Return to competition‘. Leichtes Joggen ist Markus Pranieß erklärt allerdings: „Die Verletzung geschieht viel früher möglich als leistungsorientierter Kontaktsport.“ oft in dem Moment, in dem die Muskeln
nicht angesprochen werden und die Bän-
Kreuzbandriss ohne OP – geht das?
der entsprechend nicht schützen. Daher
„Bei der konservativen Behandlung soll das Kniegelenk ist eine Vorbeugung nur bedingt möglich.“ durch gezieltes Muskeltraining so stabilisiert werden, dass die Gezieltes Training hilft übrigens auch im Funktion des Kreuzbandes zum großen Teil übernommen wer- Falle eines Kreuzbandrisses. Denn die Laura Knecht ist Texterin, den kann“, erläutert Prof. Lohmann. Das Training wird in einer Regeneration verläuft in der Regel schnel- Bauingenieurin und Berg-
sportlerin. Sie hat sich
Physiotherapie erarbeitet, die so bald wie möglich nach der ler, wenn die Muskulatur trainiert ist.
2024 bei einer Skitour das
Verletzung beginnt. Sofern die Therapie erfolgreich ist, kann Also: Krafttraining lohnt sich! Das gilt Kreuzband gerissen und
ließ sich davon nicht
man nach wenigen Monaten wieder Sport machen – mit zu- auch für mich – ohne Kreuzband, um um-
lange von der Kletter-
nächst knieschonender Belastung wie Schwimmen und Rad- liegende Strukturen zu schützen.
wand fernhalten.
46 DAV PANORAMA 4/2025
DAS MAGAZIN DER JUGEND DES DEUTSCHEN ALPENVEREINS
25/4
INTO THE WILD
ÜBER WILDNIS
Wildnis – laut dem Bundesamt für Naturschutz ein ausreichend großes und nutzungsfreies Gebiet, das natürliche Prozesse dauerhaft gewährleistet. Hier wird Wildnis als konkreter Ort beschrieben. Für mich ist Wildnis ein Gefühl – all die Dinge, die mich sonst herumtreiben, sind plötzlich egal, ich fühle mich frei. Ich persönlich empfinde das nicht nur am unberührtesten Gipfel, sondern auch beim Übernachten auf dem eigenen Balkon, wenn ich in den weiten Nachthimmel blicke, die Grillen zirpen höre und eine Fledermaus entdecke. Was bedeutet Wildnis für
euch? Ziemlich sicher kann euch diese Knotenpunkt-Ausgabe zum Thema Wildnis dabei helfen, an eurer Definition zu feilen. Niko stellt die Frage, wie viel Wildnis wir überhaupt wollen. Ein ziemlich spannendes Projekt des DAV, bei welchem eine Wiese zu einem Moor renaturiert wird, und ein Interview mit Dominik vom DAV-Klimaschutzteam präsentiert Solveig. Sepp erklärt alles zum Thema Übernachten im Freien und Jonathan findet heraus, was Wildnis überhaupt ist und wo sie noch zu finden ist. Viel Spaß beim Lesen und Entdecken der eigenen Wildnis! MARIA
WORTSCHATZ
Wilderer, der
So manchen Steig in den Alpen prägten ortsansässige Jäger. Dieser stellte nicht nur den Wildtieren nach, sondern verfolgte teilweise auch den Wilderer (auch Wildschütz oder Schwarzgeher), der teils aus Armut, teils aus Widerstandsmotiven gegen die Obrigkeit verbotenerweise ebenso auf die Pirsch ging. Der „Wildschütz Jennerwein“ oder „der bayerische Hiasl“ wurden zu Lokalhelden stilisiert und ihr Mythos über Generationen weitergegeben. SH
Annehmlichkeiten der Zivilisation in wilder Bergkulisse.
Stephanie Maria Lohmann
DIE ALPEN
WILDNIS AUF WISH BESTELLT?
Klare Bergseen, dunkle Wälder, sanfte Auen. Schroffe Grate, weite Gletscher, hohe Gipfel. So stellen wir uns die Alpen vor. Warme Duschen, bequeme Betten, gemütliche Gaststuben. Gute Straßen, schnelle Züge, breite Wege. So sind die Alpen allerdings auch. NIKO LINDLAR
ir Bergsteiger*innen sagen gerne: „Wir gehen
Alpen kaum noch was.W würde sagen, so wirklich wild ist an denin die Berge, weil es da noch wild ist!“ Ich
In nahezu jedem Tal ist eine breite Straße, in jedem Seitental eine Hütte. Als „einfa che“ Unterkünfte gelten diese nur, weil wir zu Hause schon im Luxus leben. Fast alle Routen auf die Gipfel sind in diversen Füh rern detailliert beschrieben, Erstbegehun gen muss man eigentlich erzwingen. Und sind wir auf Tour unterwegs, haben wir die Gewissheit, dass uns im Notfall die Berg wacht immer helfen wird, den Weg aus der
Wildnis zu finden.
Mich wundert nicht, dass es Engländer wie Edward Whymper waren, die im 19. Jahr hundert begonnen haben, die Alpen zu er schließen. Die Industrialisierung war in England schon fortgeschritten, immer mehr Menschen lebten hier in verhältnismäßi gem Wohlstand. Sie suchten dann wieder die Einfachheit in den Bergen und sprachen über deren „Wildheit“. Die Alpen wurden als „Playground“, also als Spielplatz, bezeichnet
– auch, weil zu Hause alles schon reguliert, schon zivilisiert war. Hier wurde auch viel romantisiert – dieses Muster kennen wir nicht nur aus den Alpen. Auch in der Kolonialzeit beschrieben Reisen de ferne Länder gerne als „unberührt“ und „wild“ – ob wohl dort seit Jahrtausenden Menschen lebten, Felder bewirtschafteten und Städte bauten. „Wildnis“ war dabei oft mehr Projektion als Realität, ein Bild, das man brauchte, um Abenteuer zu erleben oder Geschichten erzählen zu können. In den Alpen war es ähnlich: Was für die Städter ungezähmt wirkte, war für die Bergbau ern längst Kulturlandschaft.
So ähnlich wie damals ist es auch heute, glaube ich: Wer es richtig schwer hat im Leben, im Alltag viele Heraus forderungen bewältigen muss und mit dem schieren
Überleben beschäftigt ist, wird eher nicht bergsteigen gehen. Das liegt sicher auch daran, dass man den Wunsch nach Wildnis erst dann verspürt, wenn das nor male Leben keine Wildnis mehr bietet.
Und genau hier liegt die Crux. Unser Anspruch an Un terkünfte ist gewachsen, die Anzahl der Bergtou rist*innen stark gestiegen. Gleichzeitig ist die Sehn sucht nach wilder Romantik nicht zurückgegangen.
te“ Wildnis doch gar nicht mehr. Im Regen draußenAber: Hand aufs Herz, die meisten von uns wollen „echschlafen, sich mit einer kratzigen Rosshaardecke in der
Draußen wild, innen kuschelig. Stephanie Maria Lohmann
Hütte zufriedengeben, das Essen selbst hinauftragen – das ist den meisten dann doch zu unbequem.
Und doch steckt in dieser Sehnsucht nach Wildnis et was Grundlegendes. Wir Menschen brauchen Heraus forderungen, wir brauchen Gelegenheiten, uns auf Un sicherheit einzulassen, ein Wagnis einzugehen. Früher war das Alltag – ein Winter mit knappen Vorräten, ein Fluss ohne Brücke, ein Weg ohne Markierung. Heute suchen wir es uns gezielt: beim Klettern, auf der Skitour, in der Hütte ohne WLAN. Wildnis ist Luxus und Bedürf
Titelbild
nis zugleich. Luxus, weil wir sie uns leisten können Biwaktour mit der müssen. Bedürfnis, weil wir ohne sie nicht ganz wir Jugendgruppe.
Niko Lindlar
selbst sind.
EIN MOOR FÜRS KLIMA
DAV/Dominik Birnbacher
„VERNÄSSTE MOORE
SIND WIE EIN CO2-SAFE“
IHR HIER NACHLESEN (opens in a new tab).
Dominik Birnbacher (33) ist Teamleiter für den Klimaschutz beim DAV. Was ist die „beste“ Klimaschutz-Ausrede, die du gehört hast? „Das mit dem Klimaschutz hat nicht funktioniert, wir müssen uns jetzt auf die Anpassung konzentrieren.” Ja, Klimawandelanpassung wird immer wichtiger, aber das heißt nicht, dass wir unsere Bemühungen zum Klimaschutz einstellen dürfen. Was hat dich beim Besuch des Moores besonders fasziniert?
Die Mächtigkeit des Torfbodens von bis zu sechs Metern und die darin enthaltenen Schichten, die wie eine Dokumentation der Zeitgeschichte sind. Wir durften einen Tag lang mithelfen, Bohrungen durchzuführen und Pegel zur Wasserstandsmessung in den Boden zu setzen. Das war sehr spannend.
Der Deutsche Alpenverein will bis 2030 klimaneutral werden – unter anderem vernässt er dafür ein Stück Moor im oberbayerischen Brucker Moos. Der Leiter des Klimaschutzteams im DAV, Dominik Birnbacher, erläutert die Hintergründe des Projekts – und warum Moore dem Klima helfen, ihm aber auch schaden können. Interview: SOLVEIG EICHNER
Was hat den DAV dazu bewogen, ein Stück Moor zu betreuen? Wir wollen unsere Klimaschutzstrategie umsetzen, also bis 2030 klimaneutral werden. 2021 haben wir uns auf den Ansatz geeinigt: vermeiden vor reduzieren vor kompensieren. Wir wis sen aber auch, dass wir gewisse Restemissionen haben werden, die wir für den gesamten DAV ausgleichen müssen. Moore sind eine Möglichkeit, CO2 zu binden – mit diesem Pilotprojekt wol len wir herausfinden, welchen Beitrag die Wiedervernässung
von Mooren leisten kann.
In welchem Zustand befindet sich das Moor? Vor über hundert Jahren wurde das Moor durch menschliche Eingriffe entwässert und anschließend landwirtschaftlich ge nutzt. Die Idee bei dem Projekt ist, dass trotz Vernässung die Landwirtschaft bestehen bleiben kann, sich allerdings um stellt von Intensivgrünland mit mehrmaliger Mahd und Gülle auftrag auf eine extensive Weidehaltung, was die Ansiedlung von moorspezifischen Tier- und Pflanzenarten begünstigt. Da viele entwässerte Moorflächen in privatem Besitz sind und landwirtschaftlich genutzt werden, ist es wichtig, gemeinsa me Lösungen mit Landwirt*innen zu finden und sie von Wie dervernässungsmaßnahmen zu überzeugen. Dies gelingt meist besser, wenn die Fläche auch weiterhin landwirtschaft lich nutzbar bleibt.
Wie funktionieren Moore als CO2-Speicher? Am einfachsten ist es wahrscheinlich, sich ein intaktes, also mit Wasser gesättigtes Moor vorzustellen. Ein solches Moor zieht beträchtliche Mengen an CO2 aus der Atmosphäre und speichert dieses in Form von Kohlenstoff im so genannten Torfboden. Wis senschaftliche Studien gehen hier im Schnitt von zwanzig Ton nen CO2 aus, die pro Hektar gespeichert werden, je nach Gege benheiten können es auch mehr oder weniger sein. Durch den hohen Wasserspiegel wird verhindert, dass Sauerstoff in den Boden eindringt und den dort gespeicherten Kohlenstoff zer setzt, was wiederum zur Freisetzung von CO2 führen würde.
Wie ist das Projekt organisiert?
Mit dabei haben wir den Projektpartner CO2Regio, eine gemein nützige Unternehmergesellschaft. Sie hat die Flächen für das Moorprojekt im Brucker Moos bei Aßling über einen Zeitraum von dreißig Jahren von den Grundstückseigentümer*innen gepachtet und dadurch die Rechte für die geplanten Wiedervernässungs maßnahmen erworben. Als DAV beteiligen wir uns an der Finan zierung, wir starten mit 3,3 Hektar von insgesamt 21 Hektar, die weiteren Partner wie zum Beispiel die Aktion „Zukunft+“ der Landkreise München und Ebersberg haben ebenfalls Flächen ge pachtet. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts erfolgt durch die Hochschule WeihenstephanTriesdorf.
NATIONALPARKS UND CO.
Wilde Wildnis
Im Val Grande sprießen die Pflanzen und pfeifen die Mur- Arten). Weil in Deutschland Wildnis nicht ursprünglich sein meltiere. Oberhalb vom Lago Maggiore gelegen, ist der muss, sondern sich auch aus der Fichtenmonokultur ein wilder 1992 gegründete Nationalpark in den italienischen Alpen Wald entwickeln darf, ist nicht jede Wildnis ein Augenzu einem Symbol für Wildnis geworden – wuchernde Natur, schmaus. Im Bayerischen Wald etwa verwandelte der Borkenwenige Wege und fast kein Mobilfunkempfang. Aber käfer die Fichtenwälder in eine Mondlandschaft. Doch langmacht allein das Wildnis aus? Oder steckt hinter Wildnis sam erneuert sich auch dort die Wildnis. Bis 2030 sollen zwei mehr als Funkloch und Nationalpark?
Prozent der deutschen Landesfläche als Wildnisgebiete ausgewiesen
Der Parco Nazionale della Val Grande folgt einem gere-
werden. Das Ziel, neue alte Wildnis
gelten Aufbau. Wobei: So richtig regeln will man Wildnis ja
zu schaffen, kommt nicht einfach aus
eigentlich nicht. Es werden eigentlich mehr die Menschen
dem Nichts. Denn Wildnis ist nicht
in ihrem Umgang mit der Natur geregelt.
nur schön anzusehen, sondern bie-
Ganz innen im Nationalpark liegt die Kernzone. Dort lebt die tet auch einfach mehr. Wildnis ist Wildnis. Während Naturschutzgebiete schlicht das Ziel ha- auch CO2-Speicher, Hochwasserben, die Natur mit oder ohne menschliche Hilfe zu schützen, schutz, Erholungsort für Menschen. handelt es sich laut dem deutschen Bundesamt für Natur-
Und gerade für Letztere gibt es die
schutz bei Wildnisgebieten um „ausreichend große, (weitge-
Pufferzone. Schließlich sollten direkt
hend) unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, die dazu die-
neben dem Val Grande nicht die
nen, einen vom Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher
Tourist*innen aus den Seilbahnen
Prozesse dauerhaft zu gewährleisten.“ Ausreichend groß ist
gespült werden. Pufferzonen sind
Mitarbeiter der National-
jedoch nicht so einfach zu definieren: Laut dem Naturschutz-
aber nicht dazu da, die Wildnis vor jedem menschlichen Kon- parkverwaltung unterwegs
experten Steffen Reich vom DAV gibt es neben sehr wenigen,
takt zu schützen. Das Bündnis Wildnis in Deutschland hebt die im Val Grande.
großflächigen und unbeeinflussten Wildnisgebieten auch
Bedeutung von Besucher*innen in Wildnisgebieten hervor. Jonathan Lidl
einige kleinräumige Flächen in den Alpen, in denen die Natur
Denn nur was man liebt, das schützt man auch.
sich frei entfalten kann. Doch viel Fläche bleibt der Wildnis nicht: In Deutschland sind gerade einmal 0,62 Prozent der
Und schützenswert ist Wildnis definitiv – ob sie nun alt
Landesfläche als großflächige Wildnisgebiete anerkannt.
oder neu ist. Der Natur ist das egal. Und so blüht und
Um das zu ändern, umgibt eine Entwicklungszone die Kern- summt und wildelt es nun im Val Grande, wo früher eine zone. Hier kann sich Wildnis neu und wieder entwickeln – ohne intensive Almwirtschaft und sogar einige Schwebebahnen oder mit menschlicher Hilfe (etwa bei der Entfernung invasiver zu finden waren. JONATHAN LIDL
Johanna Schöggl
Erste Skitour
Für die Jugend K der Sektion München ging es im März 2025 zum ersten Mal auf
Skitour. Der Grubenkopf am Brenner bot dafür die Voraussetzungen. Spätes tens als alle auf dem Gipfel standen, war klar: Das war sicher nicht die letzte Skitour der Jugend K!
ZUM GANZEN BERICHT UND VIDEO DER (opens in a new tab)
Der JDAVPartner Mountain Equipment unterstützt die Jugendgruppe mit
AUSSERGEWÖHNLICHEN (opens in a new tab)
einem Schwung MUGI Beanies aus windabweisendem und recyceltem Stretch
JUGENDFAHRT GEHT’S (opens in a new tab)
fleece im Gesamtwert von etwa 300 Euro.
WAS UNS BEWEGT
WO GEHT WAS
IMPRESSUM An dieser Ausgabe arbeiteten mit: Solveig Eichner, Sepp Hell (SH), Maria Holzapfel, Jonathan Lidl,
Herausgeber: Jugend des DeutschenNiko Lindlar.Alpen vereins. Bundesjugendleiter*in:
MIT BIWAKIEREN? wortl.), Philipp Radtke in ZusammenarbeitRedaktion: Christine Frühholz (verant-
Was ist der Unterschied zwischen Campen, Zelten, Notbiwak und geplantem Biwak? Und was bedeutet das Jedermanns-
Sepp Hell
recht und wo gilt es? In Deutschland kann man das Über-
nachten im Freien in zwei Kategorien unterteilen: Grundsätzlich immer erlaubt ist das ungeplante Übernachten aufgrund einer Notsituation wie Verletzung, Schlechtwettereinbruch oder zu gefährlicher Abstiegssituation. Das geplante Übernachten im Freien außerhalb von offiziellen Campingplätzen ist hingegen (ohne Zustimmung der Grundbesitzer*innen) generell verboten. Dabei wird nicht zwischen vorsätzlichem Biwakieren (ohne Zelt) und geplantem Zelten oder Campieren unterschieden. Das Jedermannsrecht in einigen skandinavischen Ländern und der Schweiz besagt, dass Wald und Weide für alle frei zugänglich sind und Wildcampen grundsätzlich möglich ist. Eine gute Nachricht gibt es für alle, die
gerne mal unter den Sternen schlafen möchten: Vor allem in den Mittelgebirgen richten deutsche Behör-
ALLE INFOS ZUR RECHTLICHEN (opens in a new tab)
SITUATION ZUM ÜBERNACH- (opens in a new tab) den immer mehr Trekkingplätze ein, die auch hier
TEN IM FREIEN IN EUROPA (opens in a new tab)
den Traum vom Draußen-Übernachten wahr werden
GIBT ES ONLINE (opens in a new tab).
lassen.
SEPP HELL
Annika Quantz, Raoul Taschinski.
mit dem KNOTENPUNKT-Redaktionsteam. Beiträge in Wort und Bild an den DAV, Redaktion KNOTENPUNKT, Anni-Albers-Str. 7, 80807 München. Die Beiträge geben immer die Meinung der Verfasser*innen, nicht die der Jugend des Deutschen Alpenvereins wieder. Diese Publikation wird gefördert aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Gestaltung und Produktion: Sensit Communication, sensit.de (opens in a new tab). Wir verwenden den Genderstern, um alle Menschen anzusprechen. Mit dem * möchten wir dabei auch Personen gerecht werden, die sich in den Kategorien weiblich oder männlich nicht wiederfinden. Mehr dazu unter jdav.de/gender (opens in a new tab)
AN ALLE COMIC-FANS (opens in a new tab): ZUSÄTZLICH ZUM GÄMSCHEN GIBT ES NOCH EINEN ERBSE-COMIC ONLINE (opens in a new tab)!
Der DAV, ein Ableger der Grünen in Wanderhosen?
Unausgewogen – Die Deutsche Bahn ist selbst nicht gerade stolz auf ihre Leistung, der Bundesverkehrsminister forciert die Ablösung des Bahnchefs und Millionen Deutsche, egal ob Reisende oder Pendler, ärgern sich tagtäglich über das Chaos im Zugverkehr. Nur beim Deutschen Alpenverein hat man derlei noch nie gehört. Hier wird der Zug im Mitgliedermagazin in gebetsmühlenartiger Regelmäßigkeit als der ideale Weg in die Berge gepriesen. Das mag, wenn man in München lebt, noch einigermaßen nachvollziehbar sein. Der Panorama-Redaktion scheint aber unbekannt zu sein, dass nicht jeder Bergfreund in der Isar-Metropole wohnt. Für viele ist die Bahn weder unter zeitlichen noch finanziellen Aspekten sonderlich attraktiv. Es ist unbestritten, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel umweltschonender ist als das Reisen per Pkw. So einfach und erfreulich, wie es im Panorama immer dargestellt wird, ist es aber eben nicht. Hier vermisse ich eine Ausgewogenheit in der Darstellung. Der permanente Hinweis
POSTEINGANG
habe ich (fast) immer mein Skizzenbuch im Rucksack und wo andere fotografieren, sitze ich dann manchmal und male/zeichne. Vielen Dank für das schöne Heft-Thema.
J. Daut
Richtigstellung zu DAV Panorama 3/2025
S. 61 – Sebastian Depke, „Mit Liebe zur Sache“: Im Porträt über Sebastian Depke haben wir fälschlicherweise geschrieben, dass er der Sektion Konstanz angehört, richtig ist die Sektion Koblenz. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
Dank an den Wegebau
Wichtiger Beitrag – Mit diesem Schreiben möchte ich mich als begeisterte Wanderin (auch im Namen meiner ungenannten mitwandernden Freundinnen) herzlich bei allen Verantwortlichen für den Wegebau
und die Instandhaltung der Wanderwege in den Alpen bedanken.
auf CO2-Reduktion, vegetarische gesucht/gefunden (opens in a new tab) Die hervorragend angelegten und
Kost und noch dazu die aufdringliche Gender-Schreibweise (sie ist laut deutschem Rechtschreibrat KEIN Bestandteil der deutschen Sprache und deswegen konse-
gepflegten Wege ermöglichen es mir und vielen anderen Naturliebhabern, die beeindruckende Schönheit der Alpen sicher und verantwortungsvoll zu erleben.
Fundstücke & Suchanzeigen online (opens in a new tab):
quenterweise bspw. an Schulen
Hinter den gut ausgeschilderten
alpenverein.de/gesucht-gefunden (opens in a new tab)
nicht zulässig) lassen den DAV durchaus als verlängerten Arm der Grünen erscheinen. Gewisse Übereinstimmungen sind bei einem Verein, dem Naturschutz am Herzen liegt, nur natürlich. Die breite Wahrnehmung der Grünen als ideologische Verbots- und Bevormundungspartei sollte dem Deutschen Alpenverein aber als abschreckendes Beispiel dienen!
J. Hochdorfer
Passion Berge, Passion Kunst
DAV Panorama 2/2025, S. 60 ff. Künstlerisch – Ein spätes „Echo“ auf den Artikel in Panorama 2/2025. Seit Jahrzehnten in den Bergen
Steigen, den regelmäßig erneuerten Markierungen, den Brücken
und gesicherten Passagen stecken unzählige Stunden harter Arbeit, Planung und Sorgfalt – überwiegend in schwer zugänglichem Gelände. Ihr Einsatz trägt maßgeblich dazu bei, die Berge zugänglich zu machen und gleichzeitig die empfindliche Natur zu schützen. Ich möchte allen Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der alpinen Vereine, Gemeinden und Behörden meinen herzlichen Dank aussprechen. Ihr Engagement ist ein wichtiger Beitrag zum Naturerlebnis und zur Sicherheit in den Bergen – und für viele von uns eine wertvolle Grundlage wunderschöner Bergtage.
E. Weil
Hinweis: Die Zuschriften geben die Meinung der Einsendenden wieder. Die Redaktion behält sich die Auswahl und das Recht der sinnwahrenden Kürzung vor.
4/2025 DAV PANORAMA 53
Den Kopf im Griff
Klettern an der Sturzgrenze
Klettern ist mental herausfordernd, vor allem, wenn die Route anspruchsvoll und ein Sturz wahrschein-
lich ist. Gegensteuern lässt sich mit gezielten Übungen.
Text: Max Bolland Illustration: Georg Sojer
eben Technik, Taktik und Kondition ist die Psyche
Nden besten Taktikplan und die feinste Technik zunichtema-tern. Mehr noch: Sturz- und Vorstiegsangst könnenein maßgeblicher Leistungsfaktor im Sportklet-
chen und dazu führen, dass mehr Kraft als nötig verschleudert wird. Ziel der folgenden Übungen ist, das Klettern an und über der Sturzgrenze zu verbessern und hemmende Sturzangst zu minimieren. Voraussetzung ist, dass Gelände und Absicherung gefahrloses Stürzen zulassen. Während beim Alpinklettern Stürzen meist tabu ist und beim Outdoor-Sportklettern Gelände und Absicherung selbstständig auf Sturzeignung eingeschätzt werden müssen, ist Stürzen beim Hallenklettern in der Regel gefahrlos möglich (Vorsicht im bodennahen Bereich). Doch auch hier muss die Seilschaft das Halten von Stürzen, das weiche Sichern und das richtige, „flache“ Stürzen beherrschen, um einen harten, verletzungsträchtigen Anprall an die Wand zu vermeiden. Dieses Sicherungs-Know-how lässt sich unter Anleitung und mit Hintersicherung mit unten beschriebenen Übungen auch erwerben und verbessern, empfehlenswert sind spezielle Kurse, die Sektionen anbieten. Sturztraining ist gleichzeitig auch Sicherungstraining – ein Grund mehr, sich darauf einzulassen. Für das Arbeiten an der eigenen Kletter-Psyche sind einige Prinzipien zu berücksichtigen: X Kleine Schritte: Vom ersten Seilrutscher im Toprope bis zum Sturz im Onsight-Versuch sind es viele kleine Schritte – Anspruch, Weite und Gelände müssen sehr langsam gesteigert werden. Ziel ist, eine systematische Desensibilisierung zu erzeugen (Gewöhnungseffekt). Hierzu braucht es maximal viele Wiederholungen – erst wenn
54 DAV PANORAMA 4/2025
die jeweilige Übung nur noch ein müdes Gähnen statt
Angstschweiß und Puls jenseits der 180 Schläge er-zeugt, ist der Punkt erreicht, um zu steigern oder dienächste Stufe anzugehen.
X Realitätsnah üben: Jeder Sturz soll aus der Kletterbewegung erfolgen. Zug andeuten, Greifhand tippt an Wand oder Zielgriff, dann lässt man sich fallen – so genanntes Touch & Go. Sturzübungen und deren Ablauf sollten im Vorfeld klar in der Seilschaft kommuniziert werden. Im Folgenden sind Übungen in drei Kategorien unterteilt: Toprope-, Vorstiegs- und Realclimb-/Anwendungsübungen.
Toprope-Übungen
(Das Gegenseil ist idealerweise in die Exen eingehängt.) Ohne „zu“ reinsetzen – für die meisten die erste Berührung mit dem Thema Fallen. Es wird normal eng, aber nicht straff gesichert, kletternde Person macht Touch & Go und lässt sich ins Seil fallen/rutschen. Effekt: erste Gewöhnung ans Fallen. Sehr geringer Aufwand, ab der dritten Exe über ganze Routenlänge durchführbar, leichte Steigerung möglich, indem die sichernde Person das Seil etwas lockerer führt. Ein Zug und Go – ab einer festgelegten Höhe (mind. siebte Exe) gibt die kletternde Person Bescheid, dass das Seil nicht mehr eingezogen wird, klettert noch einen Zug, setzt weiteren Zug an, dann Touch and Go. Effekt: erste Gewöhnung an freie Sturzlänge, gutes Herantasten an weiches Sichern und richtiges Stürzen. Wenig Aufwand, Steigerung durch weitere Züge möglich, dabei wichtig: Limit setzen, um Kollision zu vermeiden.
Nachlässigkeit oder Leichtsinn sind beim Klettern natürlich tabu, doch ein entspannter „freier“ Kopf begünstigt effizientes und ökonomisches Klettern.
Im Vorstieg
Clip and Drop – auch wenn diese Übung im Vorstieg stattfindet, gefallen wird unter der jeweiligen Umlenkung/Exe. Klettern, clippen, fallen lassen – das Ganze ab der vierten Exe bei jeder Zwischensicherung. Effekt: Gewöhnung ans Stürzen in unterschiedlichen Situationen und Wandformen, gutes Training für angepasst weiches Sichern: Je weiter oben, umso weicher darf/soll gesichert werden. Intensives Üben und ideal ins Einklettern integrierbar. Sturztraining an definierter Stelle – hinsichtlich Wandstruktur, Höhe (ab siebter Exe) und Steilheit ideale Stelle definieren. Seil ist an dieser Stelle umgelenkt, bis dahin im Toprope klettern, einen Zug über die Exe – Touch and Go. Effekt: erstes Gewöhnen an Vorstiegssturz unter „Laborbedingungen“. Fokus auf Sturzverhalten und Körperhaltung. Steigerung durch größere Sturzweiten oder anspruchsvollere Stürze (seitlich versetzt) möglich. Clip and Drop plus – wie Clip and Drop mit der Anpassung, dass Umlenkung nicht mehr geclippt wird, sondern Vorstiegssturz in die letzte Exe. Effekt: Gewöhnung an unterschiedliches Gelände für Vorstiegsstürze. Ideal als fortgeschrittene Aufwärmmethode. Clip, Climb and Drop – wie oben Clip and Drop, aber ab 6.-7. Exe wird nach dem Clippen ein Zug über die Exe geklettert, Touch & Go. Gleiches Spiel zur nächsten Exe – clippen – klettern – fallen … usw. Effekt: intensives Gewöhnen an das Stürzen im Vorstieg in unterschiedlichen Situationen. Ideal als Aufwärmmethode.
SO GEHT DAS!SO GEHT DAS!
Realclimb (im eigenen Grenzbereich)
Ziel aller Anwendungsübungen ist es, am eigenen Limit den Fokus auf das Klettern zu legen und nicht durch einen möglichen Sturz darin beeinflusst zu werden. Der Wechsel von der „Laborsituation“ diverser Sturzübungen zur Anwendung im realen Klettern ist erfahrungsgemäß aufwendiger als erwartet. Rotpunkt-Stürzen – Route am eigenen Limit ausbouldern, sich dabei an den Schlüsselstellen bewusst langsam rantasten und einstürzen. Effekt: Gewöhnung an reale Stürze und Klettern an der Sturzgrenze mit dem Ziel, Schlüsselstellen an der Sturzgrenze zu klettern. Hard Flash – wie oben, aber Partner*in stürzt sich ein, zeigt, dass ein Sturz problemlos ist. Anschließend Flash-Versuch bis zum Sturz … oder Durchstieg. Effekt: Vorinfos durch Partner*in helfen, sich mit Schlüsselstelle und potenziellem Sturz vertraut zu machen. World Cup Simulator – on sight an der eigenen Leistungsgrenze wird so lange an und über die Leistungsgrenze geklettert, bis man stürzt oder die Route schafft. Je nach Vorkenntnissen lassen sich die unterschiedlichen Übungen über viele Trainingseinheiten oder innerhalb einer Klettersession absolvieren. Es gilt, rechtzeitig zu erkennen, wann Steigerungen möglich, Pausen
Max Bolland (opens in a new tab)
nötig oder die Beendigung der
arbeitet als Berg- (opens in a new tab)
Übung besser sind. Und dabei führer und Ausbil- (opens in a new tab)
der in der Trainer- (opens in a new tab)
immer das Ziel vor Augen: Stür-
ausbildung des DAV (opens in a new tab).
zen soll langweilen.
erlebnis-berg.com (opens in a new tab)
4/2025 DAV PANORAMA 55
Auf die schnelle Tour
Tourenplanung mit Skitourenguru
Die Web-App skitourenguru.ch ist mittlerweile eine viel-
Zuhause allesin Ordnung?
genutzte Applikation zur Planung von Skitouren. Seit
...Powder, Powder,
Mia wurscht!
Powder,...
mehr als einem Jahrzehnt ordnet Skitourenguru täglich automatisiert Tausende Skitouren im Alpenraum Lawinenrisiken zu. Doch wie zuverlässig ist die Tourenplanung mit diesem Planungstool?
Text und Fotos: DAV-Sicherheitsforschung Illustrationen: Georg Sojer
ethoden wie die DAV-SnowCard zur Einschätzung
Mgen zufolge 84 Prozent der Unfälle bei Verzicht auf riskan-Teil der Lawinenunfälle verhindern – Schätzun-der Lawinengefahr könnten einen erheblichen
te Hänge (orange bis rot in der SnowCard). Dennoch werden sie in der Praxis nur selten genutzt. Eine vielversprechende Unterstützung stellt die Web-App Skitourenguru dar, die mittlerweile im Winter rund 40.000 Routenanfragen pro Tag verzeichnet. Während die Web-App anfangs vor allem in den Westalpen genutzt wurde, hat sie in den letzten Jahren auch in den Ostalpen zunehmend an Bedeutung gewonnen, da diese Region nun ebenfalls flächendeckend abgedeckt ist. Zudem wird die Anwendung mittlerweile von DAV, ÖAV und AVS finanziell und ideell unterstützt. Doch wie zuverlässig können wir uns auf die Tourenplanung mit dem Skitourenguru (STG) verlassen? Anhand einer Studie wollten wir das genauer herausfinden: Inwieweit stimmt die Gelände- und Risikobeurteilung durch Expert*innen (Bergführer*innen), die für die DAV-Skitourenstudie (STS) 2019 bis 2022 durchgeführt wurde, mit der Risikoeinschätzung des Skitourenguru-Algorithmus überein? Identifizieren beide Verfahren dieselben Geländeabschnitte als potenziell gefährlich? Und wie ähnlich bewerten sie diese hinsichtlich des Risikos?
56 DAV PANORAMA 4/2025
Lawinenlagebericht Hangneigung Höhenlage Geländeform
SICHERHEITSFORSCHUNG
Algorithmus vs. Mensch: Zu welchen Ergebnissen kommen die unterschiedlichen Ansätze, wo gibt es Übereinstimmungen, wo Abweichungen?
Konkret:
- Mit der 30°-Methode, die in vielen Planungstools und -strategien als Standard gilt, lässt sich zuverlässig prüfen, wo das Gelände grundsätzlich lawinengefährlich sein könnte. Macht das der Skitourenguru genauso gut?
- Umgekehrt „verbieten“ Verfahren wie die 30°-Methode oder die DAV-SnowCard durchaus auch befahrbare Hänge – insbesondere bei Lawinengefahrenstufe 3 – also erheblicher Lawinengefahr. Macht das der STG besser? Und nicht zuletzt:
- Was muss ich bei der Nutzung des Skitourengurus vor Ort beachten, um potenzielle Schwächen der Anwendung in der Planungsphase zu kompensieren und während der Tour fundierte Entscheidungen zu treffen?
Zur Veranschaulichung haben wir auch ausgewählte Fälle genauer betrachtet. Dadurch wird deutlich, wie wichtig es ist, Risikoeinschätzungen eines (digitalen) Tools zur Tourenauswahl und -planung nicht einfach zu übernehmen, sondern vor Ort zu überprüfen, ob als wenig riskant ausgewiesene Passagen tatsächlich wenig riskant sind, und umgekehrt als riskant ausgewiesene Passagen tatsächlich gefährlich sind.
4/2025 DAV PANORAMA 57
Was ist der Skitourenguru, wie funktioniert er, chender Lawinensituation auch an lawinengefährlichen
wozu wurde er gemacht?
Routenpassagen außerhalb der Schlüsselstellen ein er-
Die Grundzüge und der Hintergrund von Skitourenguru höhtes Risiko ausgibt. Grundsätzlich zeigte sich hier eine (Entwicklerteam Günter Schmudlach et al.) wurden be- hohe Übereinstimmung zwischen den Risikoeinschätzunreits in Panorama 1/2021 vorgestellt, weshalb wir uns auf gen von STS und STG. Wir fanden keine Unterschiede in die für unsere Analyse wichtigsten Punkte beschränken den Übereinstimmungen der Risikoeinschätzungen für wollen. Die Links zu tiefergehenden Beiträgen
Auslaufbereiche versus direkte Geländestellen
zum Algorithmus oder zur Aussagekraft der La-
und auch nicht für Gleit- und Nassschnee versus
winengefahrenstufen finden sich online (s. QR-
trockene Schneebrettlawinen.
Code).
Für ein Planungstool ist es jedoch zentral, dass es
Im Disclaimer auf skitourenguru.com heißt es:
keine riskanten Geländestellen übersieht. Hierzu
Skitourenguru versteht sich als zusätzliches
untersuchten wir, ob STG ein erhöhtes Risiko
Hilfsmittel für die selbstständige und eigenver- Artikel und (opens in a new tab) (orange, rot) an den 44 Stellen anzeigt, die sei-
antwortliche Auswahl und Planung einer Skitour Links gibt (opens in a new tab)
tens der Risikoanalyse der STS als deutliche Ge-
es online (opens in a new tab).
und die dafür vorzunehmende Bewertung des
fahrenstellen eingestuft waren. Bei acht dieser
Lawinenrisikos. Dazu werden Tausenden Skitou-
Stellen gab STG ein „niedriges“ Risiko (grün) an –
ren des Alpenraums täglich automatisiert und auf der eine dieser Stellen beschreiben wir unten. Grundlage der aktuellen, lokalen Lawinenbulletins und Unterm Strich: Unsere Untersuchungen legen nahe, dass der amtlichen Geländedaten, in Anwendung program- bei einer Tourenplanung mit dem STG Gefahrenstellen mierter Ausführungsregeln, Lawinenrisiken zugewiesen: nicht systematisch übersehen werden. Das Risiko wird grün (niedriges Risiko), orange (erhöhtes Risiko) oder rot auch bei Auslaufbereichen sowie Stellen mit Gleit- oder (hohes Risiko).
Nassschneeproblem nicht unterschätzt.
Im Gegensatz zu den „Schlüsselstellen“ des STG (Infobox
2) wird mit den „Geländestellen“ des STS-Modells (Info- Bewertet der STG im Vergleich zur DAV-box 1) versucht, alle potenziell lawinengefährlichen Stel- SnowCard mehr Hänge als machbar? len zu erfassen. Doch sollten trotz dieser konzeptionellen Anhand von 565 Gefahrenstellen wurde geprüft, welche Unterschiede bei angespannter Lawinenlage im STG auch Methode risikobewusste, aber realistische Entscheidunaußerhalb der genannten Schlüsselstellen Bereiche mit gen zulässt. Der Vergleich mit der STS-Bewertung als erhöhtem Risiko ausgewiesen werden, und diese sollten innerhalb der Geländebereiche der STS liegen. Umgekehrt sollten Geländebereiche, die im STS-Modell nicht berück-
STS-Modell (Infobox 1)
sichtigt wurden, im STG auch unter angespannten Bedingungen unkritisch bleiben.
Methodik DAV-Skitourenstudie In der DAV-Skitourenstudie (2019-2022) wurde eine
Die wichtigsten Fragen und Antworten
Methode angewendet, die der im DAV gelehrten
Nachdem die konzeptionellen Unterschiede zwischen den
Vorgehensweise sehr ähnlich ist (bit.ly/4gy2tO4 (opens in a new tab)).
beiden Welten (Mensch vs. Maschine) geklärt sind, wollen
Beschreibung der Datensätze der Skitourenstudie:
wir uns die Ergebnisse der Risikobewertungen näher anse-
In zwei Tiroler Regionen (Kelchsau und Namlos)
hen. Dazu versuchen wir im nächsten Teil, die eingangs
wurden systematisch 190 potenziell lawinengefährliche Geländestellen erfasst und analysiert. Dabei kam
gestellten Fragen zu beantworten.
die „30°-Methode“ zur Identifikation steiler Hänge und Auslaufbereiche zum Einsatz.
Erfasst der STG alle potenziell lawinen-
An neun Erhebungstagen bewerteten geschulte
gefähr lichen Geländestellen?
Fachleute diese Stellen mithilfe der DAV-SnowCard
45 Prozent der potenziell lawinengefährlichen Gelände-
und weiterer Gelände- und Schneeinformationen.
stellen, die durch den ersten Filter (30°-Methode) der STS
Das Ergebnis war eine je vierstufige Einschätzung der
aufgedeckt werden, sind im STG als Schlüsselstellen mar-
Lawinenauslösewahrscheinlichkeit sowie der poten-
kiert. Dabei werden besonders Auslaufbereiche vom STG
ziellen Konsequenzen eines Lawinenabgangs sowie
deutlich seltener als Schlüsselstellen ausgewiesen (nur 29
die Festlegung auf eine Verhaltensempfehlung (von
Prozent). Entscheidend ist aber, dass der STG bei entspre-
„in Gruppe passierbar“ bis „Verzicht“).
58 DAV PANORAMA 4/2025
STG-Modell (Infobox 2)
Tagesaktuelles Risiko und Schlüsselstellen im Skitourenguru
STG bezieht zur Bewertung von Routenabschnitten folgende Aspekte ein: die maximale Hangsteilheit, die Lawinengefahrenstufe, den Abstand der Höhe zur Höhengrenze der Kernzone sowie den Grad der Überlappung der Stelle mit den Expositionen der Kernzone. Das Risiko wird täglich neu berechnet und farblich dargestellt (grün bis rot) – die Infos stammen aus dem amtlichen Lawinenlagebericht. Zusätzlich markiert STG Schlüsselstellen im Gelände (Klasse 1-3; 1 bis 3 graue Ringe: „Lawinengelände; typisches bzw. sehr typisches Lawinengelände“), die unabhängig von der aktuellen Lawinensituation ermittelt werden. Da eine Lawinen gefährdung situativ auch an „grünen“ Routenabschnitten nicht ausgeschlossen werden kann, sollten besonders bei niedrigen Lawinengefahrenstufen (1 und 2) auch Schlüsselstellen zusätzlich überprüft werden.
Benchmark zeigte: Der STG stufte signifikant mehr Hänge als machbar ein als die eher restriktive DAV-SnowCard – besonders bei Lawinengefahrenstufe 3. Damit bietet der
SICHERHEITSFORSCHUNG
STG in vielen Fällen eine differenziertere und dennoch verantwortbare Einschätzung.
Welche Vor-Ort-Beobachtungen ergänzen den STG sinnvollerweise?
Da der STG keine situativen Geländeinfos verarbeiten kann, wurde untersucht, welche Beobachtungen aus der Praxis seine Einschätzungen sinnvoll ergänzen. Während in der STS der Grad der Verspurtheit nur unzureichend dokumentiert war, zeigte die Bewertung des Lawinenproblems einen klaren Zusammenhang: Je akuter das Problem laut Expert*innen (STS), desto größer war die Abweichung zur STG-Einschätzung. Der STG tendierte dazu, akute Situationen zu unterschätzen. Bei geringem oder als nicht vorhanden eingeschätztem Lawinenproblem vonseiten der Expert*innen hingegen stimmten STG und STS stärker überein. Im Folgenden zeigen wir anhand von zwei konkreten Beispielen weit auseinandergehende Bewertungen und weshalb wir der Einschätzung des STG nicht blind trauen sollten
– in beide Richtungen.
Abb. 1: Gipfel des Tschachaun (2334 m) in den Lechtaler Alpen, Ansicht von Osten.
Beispiel: STG-Risiko gering, STS-Risiko hoch (Abb. 1, 2) Zuerst betrachten wir eine Stelle, für die nach STS-Experteneinschätzung die Lawinenwahrscheinlichkeit hoch ist, der Risikowert nach STG aber niedrig. Es handelt sich um den kurzen Steilhang (30-34,9°, Hangdimension 35 Höhenmeter) im Gipfelhang des Tschachaun (2334 m), einem südöstlich exponierten Grashang in Höhe von ca. 2300 Metern. An diesem Tag ist im Lawinenlagebericht oberhalb der Waldgrenze Gefahrenstufe 3 ausgegeben. Es liegt ein Triebschneeproblem vor (bit.ly/41YgzCi (opens in a new tab)). Der Experte der STS stuft die Lawinenauslösewahrscheinlichkeit auf mittel (3 von 4) ein, die Konsequenz eines Lawinenabgangs auf mittel (2 von 4) ein und gibt „einzeln gehen“ als Verhaltensempfehlung. Vermutung unsererseits: Der geringe STG-Risikowert entsteht möglicherweise aufgrund der Steilheit bis max. 35° und der Tatsache, dass die Hangexposition nicht in der Kernzone liegt; für Fachleute mag eine Rolle gespielt haben, dass Triebschnee durchaus in diesen kammnahen Hang einge-
Abb. 3: Route zur Pallspitze (2389 m) mit Risikobewertung STG; angegebener Einzugsbereich.
60 DAV PANORAMA 4/2025
Abb. 2: Grünes (= geringes) Risiko beim Skitourenguru an der Stelle im Gipfelhang des Tschachaun.
weht worden sein könnte, auch wenn er nicht in der Kernzone liegt.
Beispiel: STG-Risiko hoch, STS-Risiko gering (Abb. 3, 4) Es handelt sich um einen Auslaufbereich eines (nord-)westseitigen Einzugsgebiets mit einer oberen Hanghöhe von 2200 Metern, einer Hangdimension von 250 Metern, einer
Steilheit von 40°+, im Anrissbereich ist der Hang teilweise felsdurchsetzt. Grundsätzlich ist der ganze Talgrund von der großen Flanke bedroht (siehe Foto; der gesamte abgebildete Hang stellt das Einzugsgebiet dar). Es herrscht Lawinengefahrenstufe 3 mit einem Neuschneeproblem oberhalb der Waldgrenze, einem Gleitschneeproblem unterhalb von 2400 Metern und der Möglichkeit von Nassschneerutschen im Tagesverlauf (bit.ly/47PFSdx (opens in a new tab)). Das Expertenteam sieht das Neuschneeproblem nicht mehr als deutlich vorliegend, sondern kann eine Setzung der Schneedecke beobachten. Damit geht es davon aus, dass eine Selbstauslösung des Neuschnees nicht mehr zu erwarten ist. Der
Abb. 4: Das Bild zeigt das komplexe, von lichten Zirbenbeständen teils flankierte Rinnensystem (NW) am Gegenhang, das den Talgrund (verborgen) bedrohen könnte, in dem die Tour verläuft.
Einzugsbereich liegt in Bezug auf das Gleitschneeproblem nicht in der Kernzone, der Untergrund des Einzugsbereichs spricht gegen Gleitschneebedingungen. Durchfeuchtung und Lockerschneelawinen seien erst später am Tag zu erwarten, eine Passage des Auslaufbereichs im Gruppenverband ist demnach vertretbar. Aufgrund der ganztägig ausgegebenen Gefahrenstufe 3 kommt der Skitourenguru auf ein verhältnismäßig hohes Auslösungsrisiko.
Schlussfolgerungen
Der Skitourenguru ist ein leistungsfähiges, praxistaugliches und benutzerfreundliches Tool, das im Vergleich zu etablierten Werkzeugen wie der DAV-SnowCard die Tourenauswahl einfacher macht und größere Spielräume für die Tourenplanung bietet. Anhand des Vergleichs mit dem Datensatz der Skitourenstudie kommt die DAV-Sicherheitsforschung zum Schluss, dass der STG keine systematischen Schwächen bei der Risikoeinschätzung von Routenpassagen je nach Gelände und Lawinensituation hat. Doch wie bei anderen Tools auch ist bei Nutzung des STG unerlässlich, Vor-Ort-Informationen zu registrieren und das Vorhandensein von Gefahrenzeichen aktiv und kontinuierlich zu überprüfen: Liegt das Triebschneeproblem, das zum erhöhten Risiko des STG führte, an einer Stelle wirklich vor?
SICHERHEITSFORSCHUNG
Und umgekehrt: Habe ich Gefahrenzeichen, die mich zwingen, ein niedriges Risiko nach STG zu hinterfragen? Das digitale Tool und Beobachten vor Ort können sich hier wechselseitig befruchten: Der STG kann als optische Übersetzung des Lawinenlageberichts ins Gelände betrachtet werden. So kann an Stellen mit erhöhtem Risiko überlegt werden, welche Aspekte des Lawinenlageberichts hier den Ausschlag gegeben haben. Mit der Funktion „Route zeichnen“ kann ein Gefühl entwickelt werden für Gelände- und Spurwahl und deren Bedeutung für Lawinenrisiken. Der STG ersetzt (noch) nicht die Beobachtungs-, Interpretations- und Entscheidungskompetenz der Nutzer*innen vor Ort. Mittelfristig hat der STG das Potenzial, sich als Standardinstrument (unter mehreren?) für die Tourenauswahl und Skitourenplanung zu etablieren – vorausgesetzt, Anwender*innen UND Multiplikator*innen lernen, mit dem Algorithmus umzugehen und ihm
Lukas Fritz (DAV-Sicher-
grundsätzlich zu trauen. Einem Auto- heitsforschung), Michaela navi sollte man jedoch auch nicht blind Brugger, Florian Hellberg,
und Martin Schwiersch
trauen, sondern den eigenen Verstand
haben stellvertretend für
gebrauchen, wenn die Straße immer die Forschungsgruppe Win-
ter der DAV-Sicherheitsfor-
enger und enger wird und in einen Geh-
schung diesen Beitrag
weg mündet!
verfasst.
Anreise:
Mit dem Zug nach Lienz, weiter mit dem Bus.
Region:
Prägraten am Großvenediger liegt auf rund 1300 Metern im Virgental und ist Teil des Nationalparks Hohe Tauern. Über sechzig Dreitausender bieten Tourenmöglichkeiten für jeden Geschmack.
Übernachtung:
Zwei Hotels, mehrere Gasthäuser und Pensionen, Bauernhöfe und Ferienwohnungen sowie (Alpenvereins-) Hütten.
Reise nach Prägraten am Großvenediger
Urlaub vom Zeitgeist
Abgeleitete Bäche und ein Gletscherskigebiet am Großvenediger? Das sind Gespenster der Vergangenheit. Die Gegenwart im Osttiroler Virgental gehört dem Nationalpark Hohe Tauern – und der Frage, wie viel unverbaute Natur der Mensch heute noch verträgt.
asser rinnt über die hohe Felsstu fe im hinteren Umbaltal. Rundge
W
schliffene Buckel, Platten, nicht
steil, aber nass. Man greift gern in die Drahtseile. Doch auch hinter dem Gletscherschliff ist weit und breit kein Eis zu sehen. Wo es mal war, erstreckt sich eine riesige Ebene aus Schwemmsand, auf der die junge Isel ihre Wasserschlingen auswirft. Das Gletschertor ist noch weit entfernt und von Norden drücken dichte Wolken über den Tauernkamm. So endet die Tour zum Umbalkees und zum Ursprung der Isel, ohne beide gesehen zu haben.
Schmelzende Gletscher sind nicht die einzigen Indikatoren für den Klimawandel: In den früher geschlossenen Wäldern über dem Virgental klaf fen große Löcher – Wunden, die Unwetter wie
62 DAV PANORAMA 4/2025
Text und Fotos: Axel Klemmer
das Sturmtief „Vaia“ seit Herbst 2018 geschlagen haben. Noch vorhandene Bäume sind nicht nur grün, sondern in weiten Abschnitten braun und tot. Da hockt der Borkenkäfer drin.
Die Natur wandelt sich, dabei ist sie in Prägra ten so ursprünglich geblieben wie an kaum ei nem zweiten Ort Tirols. Rundherum hohe und sehr hohe Berge und nirgends eine Seilbahn: Prägraten ist ein idealtypisches „Bergsteiger dorf“, auch wenn es nicht der gleichnamigen Initiative der Alpenvereine angehört, sondern dem Verein „Österreichs Wanderdörfer“. Mit Blick auf den Alpentourismus der Zukunft mag es das bessere Wording sein.
Doch werfen wir zuerst einen Blick zurück in die wilde Vergangenheit: Von den späten 1960er bis in die frühen 1980er Jahre wurde auf der Nordseite des Alpenhauptkammes ein Glet scher nach dem anderen erschlossen. Auch in Osttirol gab es Pläne für Seilbahnen und Lifte auf der Südseite der Venedigergruppe. Von Innergschlöß bis ins Virgental waren sie als tou ristischer Zusatznutzen eines gewaltigen Was serkraftprojekts vorgesehen, das keinen der großen Gletscherbäche in der Region unberührt gelassen hätte. Während sich die einheimische Bevölkerung damals für die Pläne aussprach, war der Alpenverein als größter Grundeigentü mer dagegen. Er pochte auf die Umsetzung ei ner Vereinbarung von 1971 zur Einrichtung ei nes länderübergreifenden Nationalparks und propagierte den „sanften“ Tourismus. Nach jah
Weit und breit keine Zivilisation. Dieser Blick zur Rötspitze ist die Belohnung für den Abstecher von der Roten Lenke auf die Gösleswand.
Wo früher Eis war, erstreckt sich nun eine riesige Ebene aus Schwemmsand, auf der die junge Isel ihre Schlingen auswirft.
PRÄGRATEN
relangem Streit gab man 1989 das Kraftwerks projekt – und damit auch das Skigebiet – auf. 1991 wurde der Nationalpark Hohe Tauern, wie schon vorher in Kärnten (1981) und Salzburg (1983), auch in Tirol Realität. Dabei hatten ihn die Menschen in Prägraten bei einer Abstim mung im selben Jahr zu mehr als neunzig Pro zent abgelehnt.
Allerdings scheint es ihnen seither nicht schlecht ergangen zu sein. Ob es daran liegt, dass der Tourismus für viele keine große Rolle mehr spielt? In Prägraten gibt es zwei Hotels und einen Gasthof, dazu ein paar Pensionen, Ferienhäuser, Privatzimmer, Bauernhöfe. We nige Restaurants, dafür einen Supermarkt für die Nahversorgung. Morgens steigen die einen in den Bus, der sie zur Arbeit in die Industrie gebiete bei Matrei und Lienz bringt. Die ande ren sind da schon zum Großvenediger (3657 m) unterwegs. Wer nicht im fast 3000 Meter hoch gelegenen Defreggerhaus geschlafen hat, ist ge gen drei Uhr morgens mit dem ersten Taxi von Hinterbichl zur Johannishütte gefahren, im Dunkeln zur Hütte aufgestiegen und im Mor genlicht über Drahtseile und Eisenklammern aufs schuttbedeckte Eis abgestiegen.
Der Großvenediger ist vor allem ein Berg für angeseilte Wandersleute, die auf dem Gletscher lange Menschenketten bilden. Vorne geht der Bergführer mit dem kultigen Bergstock. Aber wie lange noch? Immer früher apern die Glet scherflächen unter dem Gipfel aus. Die klassi sche Hochtour ist ein Auslaufmodell. Rötspitze (3496 m) und Dreiherrnspitze (3499 m), die bei den großen Ziele über dem hinteren Umbaltal, werden öfter von der Südtiroler Seite als von der Clarahütte gemacht. Und sonst? Der Hohe Eich ham (3371 m), die Malhamspitzen oder der Quirl (3251 m) erfordern statt „richtiger“ Kletterei eher anspruchsvolles „Scrambling“.
4/2025 DAV PANORAMA 63
PRÄGRATEN
Venediger- und Lasörling-Höhenweg gehören zu den schönsten ihrer Art und lassen sich zur großen „Hufeisentour“ verbinden.
64 DAV PANORAMA 4/2025
Bleiben die Höhenwege: der Venediger Hö henweg im Norden und der Lasörling Höhen weg im Süden. Beide gehören zu den schönsten ihrer Art und lassen sich zur großen „Hufeisen tour“ verbinden. Höhenwege sind für Bergstei gerdörfer jedoch problematisch, da meistens in Hütten statt im Dorf übernachtet wird. Dabei ermöglichen Talquartiere ruhigeren, komfor tablen Schlaf sowie Tagestouren mit leichtem Gepäck. Beispielsweise ins Sajatkar, wo es hin ter der Sajathütte über eine gesicherte Steilstu fe auf den Kamm und auf sandigem Gelände zum Gipfel der Kreuzspitze (3155 m) geht. Über die Sajatköpfe steigt man dann hinab ins Tim meltal, durch das der Zugang zum höchsten markierten Gipfel im Gebiet, der Weißspitze (3300 m), erfolgt: vom Wanderparkplatz Boden alm über die Eisseehütte und das Wallhorntörl. Eine knappe halbe Stunde unter dem Gipfel zweigt die kleine Runde über die Seewandspit ze und den Eissee zurück zur Hütte ab.
Auch der Venediger Höhenweg lässt sich tage weise bewandern, etwa auf der Etappe von der Johannishütte über das Türmljoch (2772 m). Un ten im Maurertal beginnt der lange und an spruchsvolle, landschaftlich überwältigende Übergang zur Clarahütte. Stellenweise nur spär lich bezeichnet, ist er als „Alpenkönigroute“ ei nes der Highlights im Angebot der Venediger Bergführer. Glanzpunkt ist die Hohe Grube mit ihren Bergseen, Schlüsselstelle der Abstieg von und unübersichtliche Passage jedoch umgehen: Von der Hochkarscharte folgt man den Markie rungen weiter nach Süden Richtung Wiesbauer spitze, die auf offiziellen Karten noch Mullwitz kogel heißt. 2007 benannte die Gemeinde sie um
– kleines Dankeschön an den Wursthersteller Wiesbauer, der Prägraten in ein Preisausschrei ben für die Kundschaft seiner Bergsteigerwurst aufgenommen hatte. Vom „Wurstkogel“ führt der Pfad hinab ins Umbaltal, wo er auf den gewöhn lichen Weg zur Clarahütte trifft.
Die gemütliche Lasnitzenhütte – hier bei einem Hubschrauber-Notfalleinsatz – bietet Unterkunft auf dem Lasörling-Höhenweg. Vom Türmljoch zwischen Maurer- und Dorfertal führt eine kurze Via Ferrata auf das Türml.
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Fünfzehn Kilometer, rund tausend Höhenmeter und ein beeindruckendes Panorama inklusive Großvenediger-Blicken bietet der Muhs-Panoramaweg.
BERGWANDERN IM VIRGENTAL Anfahrt: Bahn ab München via Salzburg – Bischofs hofen – Spittal – Lienz und Bus 951 Lienz – Matrei – Prägraten; oder Bus 950X Kitzbühel – Matrei (– Lienz)
Tourentipps:
Iseltrail: P/Hst. Ströden – Wasserschaupfad Umbalfälle – Clarahütte (2036 m) – Iselursprung (2560 m) und zurück; 8 ½ 9 Std., 1160 Hm ↗ ↘ Türmljoch: Johannishütte (2121 m) – Türmljoch (2772 m; kurzer Klettersteig aufs Türml, 2844 m)
- EssenerRostocker Hütte (2207 m) – P/Hst. Ströden; 6 Std., 640 Hm ↗, 1350 Hm ↘ (ohne Hüttentaxi zur Johannishütte 2 ½ Std. und 770 Hm ↗ mehr) Sajatkar: Bichl – Sajathütte (2575 m) – Timmel tal – Wiesachweg – Bichl; 6 Std., 1060 Hm ↗ ↘ (Aufstieg Sajathütte – Kreuzspitze (3155 m), 2 Std. 580 Hm ↗) Weißspitze: P Bodenalm – Eisseehütte – Weißspitze (3300 m) und zurück; 8 9 Std., 1610 Hm ↗ ↘ Gösleswand: P/Hst. Ströden – Kleinbachtal – Gösleswand (2912 m) – Neue Reichenberger Hütte (2586 m) – Großbachtal – P/Hst. Ströden; 8 9 Std., ca. 1520 Hm ↗ ↘ Dabertalrunde: P/Hst. Ströden – Wasserschau pfad Umbalfälle – Daberlenke (2630 m) – Neue Reichenberger Hütte (2586 m) – Großbachtal; P/Hst. Ströden; 9 ½ Std., ca. 1330 Hm ↗ ↘ Muhs-Panoramaweg: Prägraten – Wetterkreuz
- Bergerseehütte (2181 m) – Zopatnitzenalm – Lasnitzenhütte (1895 m) – Prägraten; 6 ½ Std., ca. 1120 Hm ↗ ↘ Großvenediger: Johannishütte (2121 m) – Defreggerhaus (2963 m) – Großvenediger (3657 m) und zurück; 8 9 Std., 1560 Hm ↗ ↘
WAS SONST NOCH GEHT Venediger Besteigung an einem Tag: Hüttentaxi 3 Uhr Abfahrt ab Gh. Islitzer/Hinterbichl; Anmeldung unter Tel. +43/4877 53 69 Venediger Bergführer, A 9974 Prägraten,
venediger-bergfuehrer.at (opens in a new tab) Skulpturenpark an der Isel, osttirolerkulturnetzwerk.at/skulpturenpark-virgen/ (opens in a new tab)
66 DAV PANORAMA 4/2025
Nicht weit von dieser Stelle zweigt auf der an deren Seite der eindrucksvolle Steig durch das schmale Dabertal und hinauf zur Daberlenke, der Nahtstelle zwischen der Venediger und der Lasörlinggruppe, ab. Unter bunten Bergen, Quarzadern und Schutthalden bummelt man zur Neuen Reichenberger Hütte.
Ein kürzerer Anstieg zur Hütte führt durch das Kleinbachtal, vorbei an zwei großen Wasser fällen und über den idyllischen Kleinbachboden zur Roten Lenke. Wer dort oben die Gösleswand (2912 m) rechts liegen lässt, ist selbst schuld, denn der gut zehnminütige Abstecher wird mit einer Aussicht wie aus der Zeitmaschine be lohnt: Vom Gipfel sind kein Dorf und keine Stra ße zu sehen, praktisch keine Zeichen von Zivili sation. Die Erde im Urzustand: spitze Berge mit riesigen weiten Steilflanken, die von grünem Samt überzogen sind; und im Süden, wie durch ein Schaufenster, die Sextener Dolomiten mit den Drei Zinnen.
Ähnlich beeindruckend und fast noch schöner als die 360 Grad Rundschau vom Lasörling ist das 180 Grad Panorama von der tiefer gelegenen Zopanitzenalm. Wo der Muhs Panoramaweg auf dem grünen Bergrücken über Hinterbichl einen scharfen Knick macht, hat man den Tauern Hauptkamm von der Rötspitze über den Groß venediger bis zum Großglockner im Blick. Und man kommt ins Grübeln. Warum gibt es hier keinen Overtourism? Im ganzen Sommer 2024 verzeichnete Prägraten nur 62.000 Übernach tungen. 1981 waren es im selben Zeitraum noch 171.000. Ist es der Zeitgeist, den alles irritiert, worin der Mensch nicht seine Haufen gesetzt hat? Nicht zu lange grübeln, einfach nehmen, wie es ist. Dies ist der richtige Ort.
BUCHTIPP: BERG 2026 Die 150. Ausgabe des Alpenvereinsjahrbuchs ist da! 1865, als der erste Band erschien, ging die Kleine Eiszeit gerade zu Ende. Heute verkörpern die rasant schmelzenden Gletscher den Beginn einer neuen Epoche. Der Jubiläumsband steht darum ganz im Zeichen des Wandels.
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Axel Klemmer war 1982 zum ersten Mal in Prägraten. Seither bestieg er zwar nicht alle, aber sehr viele Berge über dem Ort.
Ausgabe 4/2025
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Almkulinarik trifft Loipe (opens in a new tab)
Auch abseits der Loipen wird in Schladming-Dachstein auf höchstem Niveau aufgetischt (opens in a new tab): Mehr als neunzig Hütten und Restaurants verwöhnen die sportlich Aktiven mit regionalen Klassikern – von Kaspressknödel bis Apfelstrudel. Besonders einzigartig ist die „Almkulinarik by Richard Rauch“: Gemeinsam mit fünfzehn Hüttenwirtsleuten entwickelt der bekannte Vier-Hauben-Koch kreative Signature-Dishes (opens in a new tab), die alpine Küche neu interpretieren (opens in a new tab). Auf den Tellern landen regionale Zutaten wie Ennstaler Rindfleisch, Ziegenkäse oder Wild aus eigener Jagd – kombiniert zu Gerichten wie Zirben-Buttermilch-Hendlhaxerl (opens in a new tab), Wiesenkräuter-Crème-Brûlée oder einem Alpen-Club-Sandwich (opens in a new tab). Das Ergebnis: Hüttenklassiker mit Haubenflair, bodenständig und ehrlich, aber mit einer Prise Innovation. So wird jede Einkehr in Schladming-Dachstein zum kulinarischen Loipen-Highlight (opens in a new tab).
Infos und Tipps (opens in a new tab): langlauf-urlaub.com (opens in a new tab)
Winter im Klostertal in den Vorarlberger Alpen (opens in a new tab)
nende Ziele, etwa die Östliche Eisentalerspitze (2753 Meter) mit herrlichem Blick auf die umliegende Bergwelt. Ruhigere Momente versprechen Winterwanderungen oder Schneeschuhtouren durchs Tal und hinauf zum Muttjöchle (2074 Meter), wo sich ein weiter Rundblick eröffnet (opens in a new tab). Familien schätzen zudem die Rodelbahnen und geführten Schneeschuhtouren mit kulinarischem Ausklang. Nach aktiven Stunden locken urige Hütten und Gasthäuser mit regionalen Spezialitäten und echter Vorarlberger Gastfreundschaft. Ob sportlich, genussvoll oder ganz besinnlich: Der Klostertaler Winter ist eine Einladung, die Berge im Glanz des Schnees neu zu entdecken (opens in a new tab).
Info (opens in a new tab): klostertal.travel (opens in a new tab)
Der neue Katalog ist da (opens in a new tab)!
POWDER, GLIDE & ENDORPHINE (opens in a new tab)
REISENEWS
Die Welt zu Fuß entdecken (opens in a new tab)
ZWISCHEN ALPEN UND PATAGONIEN: DIE WANDERABENTEUER BEGINNEN HIER (opens in a new tab)! Wer träumt nicht von beeindruckenden Wanderungen durch die Alpen (opens in a new tab), wilden Abenteuern in den schottischen Highlands oder spektakulären Trekkingtouren in Patagonien? Auf go-hiking.net gibt es eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl der besten geführten Wanderreisen weltweit (opens in a new tab). Von entspannten Touren in Deutschland bis zu anspruchsvollen Trails in Nepal – hier ist für jedes Fitnesslevel und jeden Geschmack etwas dabei (opens in a new tab). Ziel des Webportals ist es, unvergessliche Erlebnisse zu ermöglichen (opens in a new tab). Deshalb wird mit erfahrenen und renommierten Reiseveranstaltern zusammengearbeitet, die höchste Qualität und perfekte Organisation garantieren. Ob Neulinge oder erfahrene Wandernde – die Touren sind so vielfältig wie die Wünsche der Reisenden. Neben der großen Auswahl werden eine Bestpreisgarantie und persönliche Beratung geboten. Das erfahrene Team von go-hiking.net steht zur Seite, um die ideale Reise zu finden. So wird der nächste Trip ganz entspannt geplant: Die Profis kümmern sich um Beratung und Buchungsabwicklung, damit die Reisenden sich voll und ganz auf die Natur und das Erlebnis konzentrieren können (opens in a new tab). Absolut inspirierend: Das nächste Wanderabenteuer wartet schon (opens in a new tab)!
Info (opens in a new tab): go-hiking.net (exklusiv für DAV-Mitglieder: € 100,- Cashback (opens in a new tab),
bitte Gutscheincode DAV100 angeben (opens in a new tab))
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4/2025 PANORAMA promotion 77
Lavin, Guarda und Ardez
Anreise: Mit der Rhätischen Bahn sind alle drei Bergsteigerdörfer einfach und panoramareich erreichbar. Region: Mächtige Gipfel wie Piz Linard, Verstanclahorn und Piz Buin bilden im Nor-
Im Tal des
den die natürliche Grenze zwischen Engadin und Paznauntal. Auf der südlichen Talseite von Lavin und Guarda erhebt sich auf 2600 m ein Teil des Schweizerischen Nationalparks. Große
rund um die drei DörferTeile der Berglandschaftgelten als Naturdenkmäler Schellen-Ursli
von nationaler Bedeutung. Übernachtung: 6 Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe und zwei SAC-Hütten.
Text und Fotos: Alix von Melle
Die Abfahrt vom Fil da Tuoi (2867 m) im Plattenpulver verlangt doch etwas Skikönnen.
UNTERENGADIN
Ursprüngliche Landschaft, kulturelle Besonderheiten und vielfältige, teils anspruchsvolle Tourenmöglichkeiten. Die Bergsteigerdörfer Lavin, Guarda und Ardez im Osten Graubündens sind nicht nur im Winter ein kleiner Geheimtipp.
m stillen, von Arven und Lärchen geprägte Tuoi-Tal gleiten unsere Ski durch den
I
knarzenden Schnee. Gestartet sind wir
für unsere Skitour zum Fil da Tuoi (2867 m) im malerischen Bergsteigerdorf Guarda. Ein Ort wie aus dem Bilderbuch mit seinen kunstvoll bemalten Häusern und schmalen Gassen.
Apropos Bilderbuch: Kindheitserinnerungen werden wach. Mein Lieblings-Kinderbuch war und ist „Schellen-Ursli“. „Hoch oben in den Bergen, weit von hier, da wohnt ein Büblein so wie ihr“, beginnt die Geschichte von Selina Chönz und dem Künstler Alois Carigiet. Sie spielt eben in Guarda und handelt vom Brauch des Chalandamarz, der alljährlich am ersten März durchgeführt wird. Die Tradition will, dass an diesem Tag der Winter mit lautem Glockengeläut der Engadiner Kinder ausgetrieben und der nahende Frühlingsbeginn gefeiert wird. Kinder können die Abenteuer des Schellen-Ursli auf dem gleichnamigen Wanderweg entdecken. Er beginnt in Guarda im Dorf und führt entlang der Schlittelpiste hoch bis zur Lichtung „Plan dal Növ“. Unterwegs ist die erste Hälfte des Schellen-Ursli-Kinderbuches auf großen Tafeln zu lesen. Oben angekommen, wartet das Maiensäss, eine in der Schweiz verbreitete Form der Almwirtschaft, mit dem ganzen Buch und die zauberhafte Geschichte kann zu Ende gelesen werden. Eine Schlechtwetter-Alternative ist
das Schellen-Ursli-Museum in Guarda. Es bietet Einblicke in verschiedene Szenen der Kindergeschichte. Hier wird die Geschichte des Schellen-Ursli real.
Während der gleichmäßigen Gehbewegung, die ich auf Skitour so liebe, wandern meine Gedanken weiter zu den anderen Unterengadiner Bergsteigerdörfern. Südlich der Silvretta liegen hier im rätoromanischen Sonnental außer Guarda noch Lavin und Ardez. Neben historischen Gebäuden und umliegenden Dreitausendern locken die Orte auch mit viel Kunst und Kultur. Wuchtige Steinwände verziert mit Sgraffito-Ornamenten, Rundbögen, vertiefte Fenster und gedeckte Farben sind typisch für Engadiner Häuser, wie sie in den rätoromanischen Dörfern stehen. Die stattlichen Bauten erinnern an Burgen, und dennoch sind sie Bauernhäuser. In der Römerzeit entstand der kräftige Kubus, der unter schwerem Dach alles vereint: Stall, Scheune und Wohnen. Bemalte Fassaden zeugen von künstlerischen Einflüssen aus Tirol und Italien. Die Menschen sprechen hier im Unterengadin „Vallader“, eine Variante des Schweizer Rätoromanischen. In der Schule ist es bis zur dritten Klasse die einzige Unterrichtssprache, danach lernen die Kinder Deutsch als erste Fremdsprache.
Nach rund einer Stunde Gehzeit kurz vor der Alp Suot (2018 m) verlassen wir den flachen Weg zur Tuoihütte und biegen in die Südwesthänge
4/2025 DAV PANORAMA 79
Ö S T E R R E I C H
Zu Gast im Bergsteigerdorf Als „Bergsteigerdörfer“ zeichnen die Alpenvereine Orte aus, die ihre alpinistische Seele pflegen und neben Erlebnis- und Bergsportmöglichkeiten auch
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ARDEZ
LAVIN
Inn
Dörfl
Susch
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SCHWEIZERISCHER NATIONALPARK
BERGNATUR
BERGSPORT
Wandern, Skitouren, Schlitteln
Schroffe Felsen und sanfte Formen
Von den Bergsteigerdörfern Lavin,
Geologisch gesehen besteht das Ge-
Guarda und Ardez aus sind sommers
biet der Bergsteigerdörfer Lavin,
wie winters zahlreiche Tagestouren möglich.
Guarda und Ardez aus zwei Teilen. Die dun-
Viel zu entdecken gibt es auf der mehrtägigen
kelfarbigen und oft schroffen Felsberge aus
Panoramawanderung „Via Engiadina“, auf den
kristallinem Gestein sind im Silvrettagebiet
Wegen zu den SAC-Hütten und im „Parc Nazi-
nördlich von Lavin und Guarda zu finden. Der
unal Svizzer“, dem einzigen Nationalpark der
andere Teil umfasst die Berge und Täler nörd-
Schweiz.
lich von Ardez, wo sanftere Formen mit einer weitläufigen Offenheit des Geländes dominie-
Die Chamonna Tuoi ist ein guter Stütz-
ren. In der Geologie ist dieses Gebiet bekannt
punkt für (Ski-)Touren auf die umlie-
als Unterengadiner Fenster.
genden Gipfel. Man kann Richtung Piz da las Clavingliadas oder Fil da Tuoi starten und ge-
Rund um Scuol befinden sich über
langt in den Genuss schöner Südwesthänge.
zwanzig Mineralwasserquellen.
Wer Langlaufski bevorzugt, kann Lavin oder
Wenn das Wasser aus der Erde sprudelt, färbt
Ardez auf Rundloipen erkunden.
sich das Gestein, der Quelltuff, blutrot bis rostbraun. Grund für die Färbung ist die chemi-
In allen Dörfern gibt es spezielle Ab-
sche Verbindung Eisenhydroxid. Auf mehre-
fahrten zum „Schlitteln“. Die schöns-
ren Wanderwegen kann man mehr über die
te und längste Rodelbahn befindet sich in
Geschichte der Dörfer und Quellen lernen.
Ardez ab der Alp Murtera Dadaint.
Wichtige Gipfel sind Piz Linard (3411 m), Piz Buin (3312 m), Verstanclahorn (3297 m), Silvrettahorn (3243 m), Piz Sagliains (3201 m), die Plattenhörner (3200 m), Piz Nuna (3124 m) und Piz Macun (2888 m).
80 DAV PANORAMA 4/2025
ab. Über ideales Skigelände erreichen wir den grünen See: Lai Verd. Dort spuren wir nach rechts auf den Rücken und gelangen über ihn auf den Fil da Tuoi (2867 m). „Bütsch al piz!“ So ertönt es im Engadin, hoch oben, wenn nach einem schweißtreibenden Aufstieg stolz der Gipfel erklommen wird. „Bütsch al piz“ ist rätoromanisch und bedeutet übersetzt „Küss den Gipfel“. Das machen wir, bevor uns der Plattenpulver in der Abfahrt doch einiges an Skikönnen abverlangt.
Bergluft macht hungrig! Nach einem nachmittäglichen Spaziergang durch die engen Gassen von Ardez zur imposanten Burgruine Steinsberg wartet das Abendessen. Die Burg ist Wahrzeichen von Ardez und geht urkundlich zurück auf das Jahr 1209. Nachdem die Burg und viele Dörfer 1499 durch österreichische Schergen niedergebrannt wurden, ist Steinsberg nicht wieder aufgebaut worden. Nach dem kurzen Ausflug in die Geschichte schlemmen wir uns durch die Spezialitäten der Engadiner
„Bütsch al piz!“ ertönt es im Engadin, wenn nach einem schweißtreibenden Aufstieg stolz der Gipfel erklommen wird.
UNTERENGADIN
BERGKULTUR
Landwirtschaft, Sgraffito, Handwerk
Die drei Dörfer setzen vornehmlich auf biologische Landwirtschaft. Da das Un-
terengadin jedoch ein inneralpines Trockental ist, regnet es wenig und die Wiesen müssen bewässert werden. Je steiler die Hänge und je größer die Entfernung zum Dorf, desto extensiver wird die Landwirtschaft. Dies zeigt sich auch in der außerordentlichen Blumenpracht: Arnika, Männertreu, Feuerlilie, Türkenbund oder Knabenkraut und viele mehr wachsen auf den Wiesen über den Dörfern. Die Zusammenarbeit in den einzelnen Dörfern ist sehr wichtig. In Lavin beispielsweise gibt es eine Maschinengenossenschaft, die Geräte wie Güllefässer, Förderbänder oder einen Klauenstand kauft und diese nachher gegen Entgelt allen zur Verfügung stellt. Auch die Alparbeit, wie die Pflege der Weiden oder die Viehtriebe, findet gemeinschaftlich statt.
Architektonisch gesehen sind vor allem Guarda und Ardez mit ihren Sgraffito-verzierten Häusern En-
gadiner Musterdörfer. Sgraffito ist ein Kunsthandwerk, das im 16. Jahrhundert von Italien nach Graubünden kam. Beim Sgraffito werden die Ornamente aus einer feuchten, mit Kalk übertünchten Putzschicht durch Schaben und Ritzen bis auf die darunterliegende dunkle Schicht freigelegt.
In allen drei Dörfern gibt es noch traditionelle Handwerksbetriebe: In
Lavin werden Gitarren von Hand gefertigt, in Guarda wird noch geschmiedet und in Ardez werden aus der einheimischen Schafwolle verschiedene Produkte hergestellt.
Beim Aufstieg zum Fil da Tuoi genießt man die Ruhe und die beeindruckende Bergkulisse.
4/2025 DAV PANORAMA 81
SKITOUREN IM UNTERENGADIN Anreise: Dank der Rhätischen Bahn sind die drei Bergsteigerdörfer aus allen Richtungen gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Von dort weiter mit dem Postauto. sbb.ch/fahrplan (opens in a new tab) Region: Die Bergsteigerdörfer Lavin, Guarda und Ardez liegen im Unterengadin im Kanton Graubünden, ganz im Osten der Schweiz. Das romanisch-sprachige Unterengadin, romanisch Engiadina Bassa, wird vom Inn durchflossen und grenzt an Österreich und Italien. Weitere Infos:
bit.ly/3UqyFsD (opens in a new tab)
Übernachtung:
X 6 Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe vor Ort mit Ermäßigung für AV-Mitglieder. X Chamonna dal Linard (2327 m), SAC-Sektion Engiadina Bassa Val Müstair, linardhuette.ch (opens in a new tab) X Chamonna Tuoi (2250 m), SAC-Sektion Engiadina Bassa Val Müstair, tuoi.ch (opens in a new tab)
Touren:
X Piz Arina (2827 m) Schöner Skigipfel mit prächtiger Aussicht ins Unterengadin und in die Lischanagruppe. Sehr lohnende Firntour.
Ausgangspunkt: Vnà (1600 m), leicht bis mittelschwer, 1200 Hm ↗, 13,4 km, 3 ½ - 4 Std. X Piz Murtiröl (2659 m)
Dem Piz Arpiglia nördlich vorgelagerte Bergkuppe, die dank ihrer Lage eine schöne Aussicht ins Engadin und ins Val Chaschauna bereithält. Ausgangspunkt: Zuoz (Resgia) (1670 m), leicht, 1000 Hm ↗, 3 Std. X Fil da Tuoi (2867 m)
Sonnseitige und skifahrerisch lohnende Skitour zwischen Val Tuoi und Val Tasna vom malerischen Bergdorf Guarda aus. Ausgangspunkt: Guarda (1653 m), leicht bis mittelschwer, 1200 Hm ↗, 17 km, 3 ½ - 4 Std.
WAS SONST NOCH GEHT
X Der Klettergarten Ardez bietet für fast jeden Geschmack die richtige Route in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Auswahl geht von Einstiegsrouten um 2a bis hin zu 7b:
engadin.com/de/klettergarten-ardez (opens in a new tab) X Eine Schellen-Ursli-Runde ist auch mit dem Mountainbike machbar. Der Klassiker kann von allen drei Bergsteigerdörfern aus gestartet werden. X Das „Nairs“ ist Künstlerhaus, Kunsthalle und Kulturlabor zugleich und bietet ein umfassendes Programm von Opern über Musikfestivals bis zu Gesprächen zwischen Kunstschaffenden:
nairs.ch/de/ (opens in a new tab)
X Das Schellen-Ursli-Museum in Guarda bietet Einblicke in verschiedene Szenen der Kindergeschichte:
engadin.com/de/schellen-ursli-museum (opens in a new tab)
82 DAV PANORAMA 4/2025
Die Tour auf den Piz Murtiröl (2659 m) bringt uns ins Oberengadin. Der Aufstieg überzeugt mit strahlendem Sonnenschein und tollen Ausblicken. Guarda liegt auf 1653 Metern, nicht mal zweihundert Menschen leben hier.
Küche: Die Ofenrösti „Plain in Pigna“, die an Spätzle erinnernden Pizokel und Capuns – köstliche in Mangold gewickelte Päckchen aus Spätzleteig, Kräutern und Bündnerfleisch.
Anderntags erkunden wir mit den Tourenski den Piz Arina (2827 m), eine sehr lohnende Firntour mit prächtiger Aussicht ins Unterengadin und in die Lischanagruppe. Ein „Ausflug“ ins Oberengadin beschert uns Gipfelglück am Piz Murtiröl (2659 m) – eine dem Piz Arpiglia nördlich vorgelagerte Bergkuppe, die dank der vorgeschobenen Lage einen schönen Blick ins Engadin und ins Val Chaschauna bereithält.
Nach gelungener Abfahrt schlendern wir durch das dritte Unterengadiner Bergsteigerdorf und werden mit einem herzlichen „Allegra“ (freue dich) von den Einheimischen begrüßt. Lavin unterscheidet sich äußerlich deutlich von den übrigen Dörfern im Tal. Die Architektur und das Erscheinungsbild ist von „Italianità“ geprägt, die Abstände zwischen den Häusern sind größer. Der Grund dafür ist der verheerende Dorfbrand von 1869. Anstelle der 68 abgebrannten Häuser wurde nur rund die Hälfte wiederaufgebaut. Der Wiederaufbau prägt Lavin bis heute. Der Kanton bestimmte nicht nur die Anzahl der neu zu bauenden Häuser, sondern auch den Abstand zwischen ihnen. Dieser wurde auf 6,20 Meter festgesetzt, die Straßenbreite auf 4,50 bis fünf Meter.
Einige Laviner zogen für ihre Arbeit in der Zuckerbäckerei nach Italien, weshalb Geld, Pläne und Baumeister des Dorfes zu einem großen Teil aus dem Süden stammten. Apropos Zuckerbäckerei: Lavin ist bekannt für die Bäckerei Giacometti, die die besten Engadiner Nusstorten und Birnbrote weit über die Schweizer Grenzen hinaus verkaufen soll. Davon überzeugen wir uns beim Nachmittags-Kaffee, bevor es nach diesen erlebnisreichen Skitourentagen im Unterengadin zurück nach Hause geht.
Aufgrund eines Dorfbrands im Jahr 1869 unterscheidet sich Lavin deutlich von Guarda und Ardez.
Alix von Melle ist und bleibt ein Winterkind. Am liebsten erkundet sie mit Tourenski einsame Alpentäler und kann sich für Bergsteigerdörfer und ihre Geschichte begeistern.
UNTERENGADIN
Dem Inn folgend lassen wir die schmucken Dörfer noch einmal an uns vorbeiziehen. Meine Gedanken kehren zur Geschichte vom Schellen-Ursli zurück: Er hat für den Chalandamarz nur ein kleines Glöckchen erhalten, weswegen er von den anderen Dorfknaben gehänselt wird und am folgenden Tag beim Umzug am Ende mitgehen soll. Da erinnert Ursli sich an die große Kuhglocke, die in der Frühsommeralphütte im Maiensäss hängt. Er macht sich auf den gefährlichen Weg durch den tiefen Schnee hinauf zur Hütte. Währenddessen sorgen sich die Eltern. Als es dunkel wird, sucht das ganze Dorf nach dem kleinen Urs-
li. Doch der ist gut im tief verschneiten Maiensäss angekommen und verbringt dort mit der großen Kuhglocke im Arm glücklich die Nacht. Als er am nächsten Tag stolz mit ihr zurück nach Hause kommt, sind alle erleichtert. Da der Ursli nun von allen Kindern die größte Glocke hat, darf er den Umzug als Schellen-Ursli anführen.
4/2025 DAV PANORAMA 83
Gemeinsam zu Perus Gletscherbergen
Inklusive Expedition des DAV
Eine inklusive Expedition in die peruanischen Anden? Die richtige Planung, gute Vorbereitung und Teamgeist sorgten dafür, dass die Teilnehmenden ihre Einschränkung für einige Zeit vergessen und stolz auf fünftausend Metern Höhe in die Kamera jubeln konnten.
Text & Fotos: Sascha Mache
Nach fünf Stunden Aufstieg gleichen wir unsere GPS-Daten ab: Es ist so weit! Tracker, Smartphone, Pulsuhr – alle zeigen die Höhe von fünftausend Metern, wir haben es geschafft! Wir weinen und lachen und staunen über die Aussicht: Über uns der Gipfelaufbau des Cerro Sentilo, unter uns die Laguna Taullicocha mit dem schroffen Eisriesen
wie Teamgeist – gerade auch unter den fordernden Bedingungen des Zeltens in großer Höhe und Kälte. Feste Zweier-Teams erleichtern es dabei, Vertrauen zu gewinnen und ermöglichen Rückzug und Fürsorge im geschützten Rahmen abseits der Gruppenaktivitäten. Am höchsten Punkt unserer Reise, am Cerro Sentilo, strahlen jetzt glückliche Gesichter fürs Jubelfoto. Der Mut, trotz Selbstzweifel und Behinderung gemeinsam diese Expedition zu wagen, wird belohnt. „Ich habe nie darüber nachgedacht, welche Einschränkungen die jeweiligen Menschen haben oder nicht – vermeintlich ‚Schwache‘ bewiesen ihre Stärke, und umgekehrt konnten Stärkere sich wieder erholen“, so ein Teilnehmer. Eine Teilnehmerin erfüllt sich ei-
nen Lebenstraum und beweist, dass Höhenbergsteigen für sie auch mit Multipler Sklerose möglich ist. Ein anderer erinnert sich an schwere Momente seiner Darmkrebserkrankung, als er vor Projektbeginn von einer solchen Anstrengung wie heute nicht zu träumen wagte. Aber dann müssen wir eine Entscheidung treffen. Bis zum Gipfel des Sentilo wären es nur noch hundert Höhenmeter. Doch alle zusammen sind wir nicht sehr schnell unterwegs. Den langen Abstieg im weglosen Gelände schaffen wir nicht bei Tageslicht, wenn alle gemeinsam zum Gipfel klettern. Anstatt uns aufzuteilen und nur die schnellsten Richtung Gipfel zu schicken, ent-
Im Anstieg zur Schlüsselstelle, dem 4750 Meter hohen Pass Punta Unión, hat die Gruppe majestätische Gipfel
wie den Taulliraju immer im Blick.
Taulliraju. Mit einem Schlag fällt die Anspannung aus vielen Monaten Vorbereitung von uns ab. Inmitten der majestätischen Andengletscher ist die unsichtbare Höhenmarke ganz unwichtig – aber symbolisch markiert sie vor allem für die Bergsteiger*innen mit Behinderung einen unvergesslichen Erfolg, sportlich und vor allem persönlich. In der inklusiven Gruppe sind von acht Teilnehmenden nur zwei ohne Behinderung oder chronische Erkrankung. Ob Autoimmun- oder Krebserkrankung, Sehbehinderung oder psychosomatische Erkrankung: In unserem Projekt geht es nicht um den Grad der Behinderung, sondern darum, wie allen gemeinsam eine optimale Vorbereitung aufs Höhentrekking gelingt. Gegenseitige Unterstützung zählt genau so
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scheidet die Gruppe, zusammenzubleiben. Gemeinsam feiern wir das
Erreichte, im Wissen, dass jede*r Einzelne heute an einem Punkt die persönlichen Ziele hinter den Erfolg der Gruppe zurückgestellt hat – ein unvergesslicher Moment. Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit gibt es natürlich auch in unserer inklusiven Gruppe – und wie in jeder Seilschaft bestimmt auch die Tagesform individuelle Grenzen. Bei der Besteigung des Cerro Sentilo konnten wir frei entscheiden, wie weit jede*r gehen wollte oder konnte. An den anderen Tagen folgt unsere Tour allerdings einer modifizierten Route des berühmten Santa-Cruz-Trekkings und die ganze Gruppe muss jeweils bis zum Abend am nächsten Camp-Platz sein, an den unsere Tragetiere das große Gepäck und die Zelte transportieren. Eine Herausforderung,
ALPENVEREIN AKTUELL
vor allem an der Schlüsselstelle, Mit Leuchtturmprojekten zeigt der Alpenverein, wie der Überschreitung des 4750 Me- sich Bergsport inklusiv gestalten lässt. 2018 überter hohen Passes Punta Unión. querten wir bei einer inklusiven Transalp den Al-Wie jede andere Trekking-Gruppe
penhauptkamm in der Schweiz, 2022 waren wir zu
müssen wir uns an die Höhe an-
einem Zelt-Trekking in der Bergwildnis Albaniens
passen. Neben der Beobachtung
unterwegs. Das Team des aktuellen Projekts reiste
möglicher Symptome einer Hö-
im Sommer drei Wochen nach Peru in die Cordille-
henerkrankung überprüfen wir die
ra Blanca zum Höhentrekking.
Akklimatisation mit der täglichen
Mit den Projekten will der Alpenverein Bergstei-
Kontrolle des Ruhepulses und bei
ger*innen in den Sektionen inspirieren und bei-
Bedarf Messung der Sauerstoff-
spielhaft zeigen, wie inklusive Gruppen den un-
sättigung. Mit sportmedizinischen Belastungstests hatten alle zu nötigen Ausschluss von behinderten Personen im Hause schon abgeklärt, dass durch Bergsport überwinden können. vorhandene Grunderkrankungen Dieses Projekt wird unterstützt vom in der Höhe kein besonderes Risi- DAV-Ausrüster VAUDE. ko besteht. Bei der Tourenplanung gemeinsam mit unserem Bergführer Máximo Henostroza aus Huaraz haben wir ein Programm entworfen, das präzise auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten war. Nach Tagestouren rund um Huaraz komplettierten wir die Anpassung mit einem ersten Trekking ins Quilcayhuanca-Tal. Schon viel früher, bei einem Vorbereitungswochenende in den Ötztalern, schliefen wir auf der über dreitausend Meter hoch gelegenen Similaunhütte und befassten uns theoretisch mit den körperlichen Anpassungsprozessen in der Höhe und der passenden Taktik. Bei einem anderen Modul im Januar erprobten wir in einer Frostnacht im Taunus unter freiem Himmel die Wärmeleistung unserer Schlafsäcke. Während die körperliche Erfahrung der Höhe für alle spannend war, sind den Teilnehmer*innen die nackten Zahlen Sascha Mache ist
Trainer für Hochtouren
der erreichten Höhe im Rückblick nicht so wichtig. Was vor
und inklusiven
allem zählt, ist, die grandiose Landschaft zu sehen – oder Bergsport. Der erfahre bei eingeschränktem Sehvermögen mit allen Sinnen wahr- ne Höhenbergsteiger
leitete das Trekking
zunehmen. Und die Gastfreundschaft der Menschen, ob in
zusammen mit der
Lima oder in der Cordillera Blanca. Für viele aus der Gruppe Erlebnispädagogin
Christiane Werchau
war es die erste Reise in ein derart weit entferntes Land,
aus dem Bundeslehr
diese Erfahrung wird bleiben.
team Inklusion.
4/2025 DAV PANORAMA 85
Die Mitfahrzentrale für Eure Sektion (opens in a new tab).
Fahrgemeinschaften für Touren (opens in a new tab), Kurse oder Veranstaltungen eurer Sektion ganz einfach über Moobly organisieren (opens in a new tab)!
Einbindung auf Sektionswebseiten (opens in a new tab)
Einfach. Digital (opens in a new tab).
Mehr Informationen für Eure Sektion (opens in a new tab)! E-Mail: kontakt@moobly.de Tel: +49 89 642 40 125 (opens in a new tab)
Wenn das Museum ins Gebirge zieht …
AUSSTELLUNGSREIHE AUF DER LINDAUER HÜTTE – Ein Museum auf 1744 Metern Höhe, mitten im Gauertal, umgeben von schroffen Rätikon-Gipfeln und grünen Alpwiesen. Wer die Lindauer Hütte besucht, erwartet eigentlich gemüt-
liche Stuben, eine zünftige Jause oder den Ausgangspunkt für alpine Abenteuer. Doch seit Herbst 2024 öffnet sich hier für die kommenden Jahre ein Fenster in die Kulturgeschichte der Region. Das Museum kommt zu den Menschen – direkt dorthin, wo sich Natur, Geschichte und Gegenwart auf einzigartige Weise begegnen. Die Idee dazu hatte Franz Haag vom Österreichischen Alpenverein Montafon. Gemeinsam mit der DAV-Sektion Lindau und den Montafoner Museen entwickelte er das Konzept einer Ausstellungsreihe auf der Hütte. Unterstützung kam vom europäischen Regionalentwicklungsfonds „Interreg“. Herzstück der Reihe sind drei Ausstellungen, die das Gauertal, seine Berge und die Lindauer Hütte selbst in den Mittelpunkt stellen. Die erste Ausstellung, kuratiert von Andreas Brugger, nimmt die Gäste mit auf eine Zeitreise: 125 Jahre Lindauer Hütte – eine Geschichte von Idealismus, finanziellen Hürden und schließlich einer Erfolgsgeschichte als alpiner Stützpunkt. Sie war bis Herbst 2025 auf der Lindauer Hütte zu sehen, seit Juni wird sie ebenfalls im Alpin- und Tourismusmuseum in Gaschurn (bis Juni 2026) gezeigt und später
Drei Ausstellungen widmen auch in Lindau präsentiert. Die zweite Ausstellung, gestaltet von Franz Haag und Andreas Brugger, rückt die frühen Pisich dem Gauertal, seinen oniere der Rätikon-Besteigungen ins Licht. Wer waren die Menschen, die sich als Erste an die Gipfel rund um die Lindau-
Bergen und der Lindauer Hütte
er Hütte wagten? Welche Spuren haben sie hinterlassen? Noch bis Herbst 2026 in der Lindauer Hütte zu sehen, wird
selbst.
auch diese Ausstellung zusätzlich im Museum in Gaschurn gezeigt, bevor sie schließlich auch in Lindau Station macht. Und damit nicht genug: Bereits in Planung ist eine dritte Ausstellung, die den geheimnisvollen Höhlen des Rätikon gewidmet ist – verborgen, faszinierend und voller Rätsel.
Dr. Andreas Brugger, Montafoner Museen & Ulli Triflinger-Frener, DAV Lindau
BERUFLICHE ORIENTIERUNG (opens in a new tab)
Grenzerfahrungen möglich macht,MUSEUM – Berge sind ein Ort, der
AUF 2193 METERN (opens in a new tab)
wo wir (eigene) Grenzen spüren, an die eigene Grenze kommen, Grenzen
WANDERN, HANDWERK, HANDWERKSTATT – Unter diesem Motto macht (opens in a new tab)
sich eine Schülergruppe der Gemeinschaftsschule Ammerbuch auf den Weg (opens in a new tab) überschreiten. Wir suchen nach indi-
zur Tübinger Hütte in der Silvretta. Trotz mäßiger Wetterprognosen sind alle (opens in a new tab)
hochmotiviert, an und um die Hütte handwerklich tätig zu werden. Denn (opens in a new tab)
genau darum geht es bei der Handwerkstatt, einem Projekt des Kompetenz (opens in a new tab)
den vorangegangenen Ausstellungen sollen dabei auch DAV-Mitglieder zu
zentrums Ökonomische Bildung (KÖB), einer Initiative der Stiftung Würth (opens in a new tab).
Die Jugendlichen haben während des einwöchigen Aufenthalts die Mög (opens in a new tab)
Schickt uns eure Grenzerfahrung und ein Foto eines Gegenstands,
lichkeit, das Handwerk kennenzulernen und sich beruflich zu orientieren (opens in a new tab).
Direkt am ersten Morgen werden die Aufgaben verteilt. Eine Gruppe widmet (opens in a new tab)
sich der Natursteintreppe, die hinter die Hütte führen soll, eine andere (opens in a new tab)
rung durch Wirt Tim ist Zeit, bevor es an den Abstieg geht (opens in a new tab). Stefan Gerber (opens in a new tab)
Die (opens in a new tab) Schülergruppe der Gemeinschaftsschule
Der Film zum Projekt (opens in a new tab): https://youtu.be/XTb5zKeXoBk (opens in a new tab)
Ammerbuch (opens in a new tab) vor der Tübinger Hütte.
86 DAV PANORAMA 4/2025
ALPENVEREIN AKTUELL
beigelegtStreit um Badener Wand (opens in a new tab)
Die DAV-Konzepte für den Vogelschutz an Mittelgebirgsfelsen wirken (opens in a new tab).
des Wanderfalken ist. Somit sind temporäre Kletterverbote der gesamten Badener Wand während der Brutzeit zwischen 15.1. und 31.7 (opens in a new tab). ausreichend, um die Aufzucht des Wanderfalken zu schützen. Störungen während der Herbstbalz wirken sich nicht in gleichem Maße aus wie in der sensiblen Nestgründungs-, Brut- und Aufzuchtphase. Das Gericht hält eine temporäre Verschraubung der Kletterhaken während der Sperrzeit für eine wirksame Möglichkeit, das befristete Kletterverbot durchzusetzen. Die komplette Entfernung der Haken, wie an der Badener Wand geschehen, wäre somit nicht erforderlich gewesen. Das Urteil zeigt: Das vielfach bewährte Konzept des DAV, Kletterbereiche temporär zu sperren und dies durch Schilder und das Verschrauben der Haken zu unterstützen, wird als wirksam anerkannt. Schon bald sollen alle Beteiligten am „Runden Tisch Battert“ zusammensitzen und gemeinsam die zukünftigen Regelungen für das Klettern an der Badener Wand erarbeiten (opens in a new tab).
Details und aktuelle Infos unter alpenverein.de/badener-wand (opens in a new tab)
4/2025 DAV PANORAMA 87
Inspirieren (opens in a new tab). Planen. Erleben (opens in a new tab).
Karten offline speichern (opens in a new tab)
ALPENVEREIN AKTUELL
Dreißig Jahre Klettercomics
Erbse im Jubiläums-Interview
Seit vielen Jahren prägen die Comics von Hans Eberhard „Erbse“ Köpf das Erscheinungsbild des Knotenpunkts der JDAV im Panorama. Nicht wenige Leser*innen haben seine typischen Charaktere wie das „Nordwandgesicht“ oder der „Boulderfuzzi“ über Jahre bei ihrer Kletterkarriere begleitet. Neben amüsanten Szenen am Kletterfelsen sind bis heute auch immer aktuelle, nicht
Du bist ein Sportkletter-Urgestein und wirst als „Hofnarr der Kletterszene“ bezeichnet. Wie hat sich die Szene über die Jahrzehnte verändert? Und wie hat das deine Comics beeinflusst?
Als ich anfing, war das Freiklettern eine überschaubare, subkulturelle Szene. Diese ging im vielschichtigen Themenfeld Klettern auf, das heute breiten- und leistungssportlich organi-
selten (vereins-)politische Themen Grundla- Erbse bei der Arbeit.
ge der Comics – diese werden manchmal kontrovers diskutiert, sind aber immer auch unterhaltend.
Dreißig Jahre Klettercomics – das sind sechs Comicbände, ab 2021 in vier Büchern neu aufgelegt, und zwei Sammelbände mit den Comics aus dem Knotenpunkt. Zum Jubiläum erscheint ein neuer Comicband. Wie kamst du zu dieser Berufung und was verbindet dich mit dem Alpenverein? Der Zugang zum Zeichnen wurde mir in die Wiege gelegt. Nachdem mich die Welle des damals jungen Sportkletterns voll erwischte, habe ich Mitte der 1990er intuitiv beide Lei-
denschaften verknüpft. Das entwickelte eine unerwartete Resonanz und Eigendynamik. Als 2002 das Angebot kam, für Panorama zu zeichnen, war das mein Impuls, den Schritt in die Freiberuflichkeit als Zeichner zu wagen. Was für eine Reise, was für ein Erfahrungsraum! Der neue Band macht die Sache rund.
Ein Moor für den DAV
siert, urbanisiert, kommerzialisiert ist. Die Subkultur hatte ihre Sprache, Merkmale und
Symbole, die ich in den Zeichnungen aufgriff. Dieser Insider-Charme hat sich aufgelöst, die Comics treffen aber offenbar für viele immer noch ins Schwarze. Insgesamt verändert die Digitalisierung fundamental den Rahmen und die Kommunikation. Ich war damals mit meinem analogen Tun zur rechten Zeit am rechten Ort. Ich weiß nicht, ob meine Geschichte heute noch so möglich wäre.
Ein zweiter Aspekt deines kreativen Schaffens ist dein Kletter-Kabarett, das du regelmäßig bei DAV-Sektionen aufführst. Worum geht es in deinem aktuellen Programm? Um eben diese faszinierende Evolution des Kletterns! Diese für sich schon spannende Geschichte steht exemplarisch für ähnliche Entwicklungen und verweist auf den kollektiven Kontext. Als jemand, der über mehr als eine Generation hinweg aktiv am Geschehen teilhat, mache ich das zum Thema. Mit viel Witz und Ironie, in Wort, Comicbild und an der Gitarre. Ich habe da was zu erzählen, es lohnt sich! red Mehr Infos zu Erbse und dem neuen Comic unter
klettercomics.de (opens in a new tab)
PILOTPROJEKT IM BUNDESVERBAND – Um bis 2030 klimaneutral zu sein, muss der DAV Emissionen, die sich nicht vermeiden und reduzieren lassen, kompensieren. Damit das greifbar und vor Ort geschieht, hat der Bundesverband ein ungewöhnliches Pilotprojekt gestartet: Renaturiert werden
soll ein rund viereinhalb Fußballfelder großes Niedermoor in Oberbayern, um regional Verantwortung für das Binden von Emissionen zu übernehmen und gleichzeitig Lebensraum für hochspezialisierte Arten zu schaffen. Ziel dieses Projekts ist es, die Möglichkeiten der Kompensation auszuloten und Erfahrungen zu sammeln, bevor die Entscheidung für mögliche Optionen fällt. Der DAV-Partner CO2-Regio pachtet die Moorfläche für dreißig Jahre und kümmert sich um die Wiedervernässung
Das „DAV-Moor“ soll zeigen: Natur zu re-
– der DAV und ein weiterer Projektpartner, die Aktion Zukunft+, beteiligen sich finanziell. Im Mai
naturieren, ist in einigen Fällen möglich.
2025 wurden bei einer ersten Begehung Bohrungen durchgeführt und der Bodenzustand begutachtet. Der Zustand der ersten zwei Bohrungen ist schlecht, doch je tiefer die Bohrung, desto besser ist der Torf erhalten. Eine gute Grundlage für das Vorhaben. Natur zu renaturieren, ist also möglich – aber auch sehr langwierig, aufwendig und kompliziert. Mit Blick auf die Erschließungspläne der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) im Kaunertal und Platzertal sind Moore in den Alpen konkret vom Menschen bedroht. Diese Lebensräume gilt es zu schützen und das einzigartige Ökosystem und seine Bedeutung fürs Klima zu erhalten. ik
88 DAV PANORAMA 4/2025
WIR SIND DAV!1 Verein /// 356 Sektionen /// über 1,6 Millionen MitgliederALPENVEREIN AKTUELL
Koordinierend
1
Annika Haak
DAV Mühldorf am Inn – Annika Haak ist Bauingenieurin mit Herz für die Berge – und seit 2024 Hüttenwartin der Gufferthütte. Mitglied ist sie seit 2021 und schon zwei Jahre später weckte eine Mitgliederumfrage der Sektion zum möglichen Kauf der Gufferthütte ihr Interesse, hier Verantwortung zu überneh-
men. Heute koordiniert sie Instandhaltungen, stimmt sich eng mit der Wirtin ab und organisiert Arbeitseinsätze. Bürokratie? Gehört dazu. Ihre Höhepunkte: wenn Projekte fertig werden und sichtbar machen, wie sich die Hütte weiterentwickelt. Das Ehrenamt ist Annikas Ausgleich zum Alltag – und perfekte Verbindung von Fachwissen und Leidenschaft. Ihre Botschaft: Mitmachen lohnt sich – im Team ist der Zusammenhalt groß und man bekommt mehr zurück, als man gibt.
„Ein Ehrenamt im Alpenverein bedeutet nicht nur Arbeit, sondern auch Gemeinschaft und viele besondere Momente in den Bergen, die man in den bunt zusammengewürfelten Gruppen erlebt und in denen alle voneinander lernen können.“
Überzeugend
3
Harald Wettemann
DAV Rosenheim – Harald Wettemann ist seit 1990 Mitglied im Alpenverein – und jemand, der anpackt. Als Fachübungsleiter/Trainer B Skihochtouren (seit 1997) und Fachübungsleiter Mountainbike (seit 2013) ist er am liebsten mit Menschen in den Ber-
gen unterwegs, vermittelt Wissen und Bergsportfähigkeiten und freut sich über glückliche, erfüllte Gesichter
4
nach Touren und Kursen. Zusätzlich zu seinem Engagement im Klimaschutzteam übernahm der Diplom-Ingenieur Umwelttechnik 2024 zusätzlich das Amt des Klimaschutzkoordinators. Für Natur und Umweltschutz brennt Harald schon lange – auch beruflich als Gebäude-Energieberater. Seine Einladung: mitmachen, weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen – und gemeinsam mehr bewirken.
red
„Der Klimaschutz ist ein wichtiges und interessantes Thema, daher finde ich es toll, dass der DAV das angeht und ich meinen Beitrag leisten kann. Eine große Herausforderung dabei ist, die Menschen zu überzeugen, von alten Gewohnheiten abzuweichen. Ich selbst bin seit einigen Jahren fast nur noch mit Öffis unterwegs – ein Wandel, der mir aber viele neue und positive Erfahrungen gebracht hat.“
Gestaltend
23
Hans Sterr
DAV Alpenkranzl Erding – Bereits über dreißig Jahre gestaltet Hans Sterr seine Sektion mit: seit 1994 als Trainer C Bergsteigen, als Ausbildungsreferent zwischen 1996 und 2006, von 2006 bis 2016 als 1. Vorsitzender und heute als Digitalkoordinator, IT-Beauftragter, Webmaster und Sponsoring-Beauf-
tragter. Der Fotograf und freie Journalist scheut sich nicht, seine Meinung zu sagen und Verantwortung zu übernehmen – darum wurde er auch immer wieder gefragt, wenn ein Ehrenamt zu vergeben war. Am liebsten leitet er Touren: Hier kann er seine Leidenschaft für Gletschertouren, Klettersteige und fotografisch interessante Landschaften ausleben. Hans weiß aber auch, dass man sich nicht mit jeder Entscheidung beliebt macht. Was zählt: teamfähig bleiben, gleichberechtigt kommunizieren und klar entscheiden. Sein Gewinn: wertvolle Begegnungen fürs Leben.
„Lass dein Leben nicht an dir vorüberziehen und warte nicht darauf, dass irgendjemand etwas für dich erledigt. Eigener Antrieb ist für dich und gleichzeitig für andere ein Gewinn.“
4 DAV Beckum 100-jähriges Sektionsjubiläum alpenverein-beckum.de (opens in a new tab)
5 Dresdner Hütte (Stubaier Alpen, DAV Dresden) 150-jähriges Hüttenjubiläum dresdnerhuette.at (opens in a new tab)
6 DAV Berchtesgaden 150-jähriges Sektionsjubiläum dav-berchtesgaden.de (opens in a new tab)
2 1 3
6
189 DAV-Arbeitsgebiete gibt es in den Alpen, Sektionen haben dort ihre Hütten und kümmern
sich um Bergwege und alpine Steige.
4/2025 DAV PANORAMA 89
VORSCHAU & IMPRESSUM
Im nächsten DAV Panorama ab 10. Februar:
Sektionstour Steinernes Meer Eine hochalpine und dennoch meist unschwierige Hüttentour durch die Berchtesgadener Alpen.
Magazin des Deutschen Alpenvereins
77. Jahrgang, Nr. 4, Dezember - Februar ISSN 1437-5923
Inhaber und Herausgeber Deutscher Alpenverein e.V. Anni-Albers-Str. 7, 80807 München Tel.: 089/140 03-0 Fax: 089/140 03-98 dav-panorama@alpenverein.de alpenverein.de/panorama (opens in a new tab)
Redaktion
Christine Frühholz (verantwortlich, Adresse siehe oben) – cf (Thema, Auf einen Blick, Reportage) Philipp Radtke – pr (Berg & Tal, Klassiker, Sicherheitsforschung, Wie funktioniert das, So geht das, Knotenpunkt) Julia Behl – jb (Thema, Reportage, Fitness & Gesundheit, Posteingang, Alpenverein aktuell, Panorama-Magazin auf alpenverein.de) Jonas Kassner – jk (Reportage, Panorama-Magazin auf alpenverein.de) Hauke Bendt – hb (Panorama-Magazin auf alpenverein.de) Jo Godt – jo (Menschen, Panorama-Magazin auf alpenverein.de)
Die Redaktion des DAV redigiert und produziert DAV Panorama. Inhalt, Layout und Themenauswahl von „Knotenpunkt.“ obliegen dem JDAV-Redaktionsteam in Zusammenarbeit mit der Redaktion des DAV (s. Impressum „Knotenpunkt.“). Die Beiträge geben die Meinung der Verfasser*innen, nicht des Deutschen Alpenvereins wieder. Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind geschützt. Verwertung ohne Einwilligung des Herausgebers ist strafbar.
90 DAV PANORAMA 4/2025
Bergurlaub in Matsch
Weitere Themen:
Wenn der Schnee mal nicht
Thema: Risiko beim Bergsport
für die Skitour reicht, gibt es
Fitness & Gesundheit: Mineralstoffe
im Bergsteigerdorf zahlreiche
Sicherheitsforschung: Wärmemanagement
Alternativen.
Dezember: Unterwegs im Partisanendorf Paraloup Januar: Bergsteigen im albanischen Prokletije Online (opens in a new tab): alpenverein.de/zwischendurch (opens in a new tab)
Umgezogen (opens in a new tab)? Mitgliedschaft kündigen (opens in a new tab)? Panorama digital statt print (opens in a new tab)?
Die Redaktion behält sich die Kürzung
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schriften vor. Für unverlangt eingesandte
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Daniela Porrmann,
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beitung keine Haftung übernommen werden. Eine Haftung wird
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Gegebenheiten, Zugänglichkeit von Wegen) ausgeschlossen.
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Bergtouren und andere Outdooraktivitäten sind mit Gefahren
Großer Burstah 31
verbunden, die Sie eigenverantwortlich einschätzen müssen, be- 20457 Hamburg vor Sie einem Tourenvorschlag folgen. Informieren Sie sich vor allem über Wetter, örtliche Gegebenheiten, die aktuelle Situation Druck vor Ort, aktuelle und rechtliche Zugänglichkeit usw. und berück-
Mohn Media Mohndruck GmbH, 33311 Gütersloh
sichtigen Sie bei allen Angaben u.a. die eigene Verfassung und
Verbreitete Auflage, IVW Quartal 2/2025: 942.744,
Fähigkeiten, Erfahrung, Kenntnisse und Ausrüstung. Bitte be-
davon ePapers: 314.245
rücksichtigen Sie mögliche Fehler von etwaigen GPS-Trackings.
Innenteil gedruckt auf PerlenJoy 70, Umschlag auf Steinbeis Select
Gestaltung und Produktion von DAV Panorama
Erscheinungsweise: viermal jährlich
Sensit Communication GmbH, 81543 München, sensit.de (opens in a new tab).
Der Bezugspreis ist für A-Mitglieder, Kinder/
Gestaltung und Layout des JDAV-Magazins „Knotenpunkt.“
Jugendliche mit Einzelmitgliedschaft,
sind eine Eigenent wicklung der JDAV; es wird getrennt von DAV Junioren und bestimmte B-Mitglieder Panorama produziert (s. Impressum „Knotenpunkt.“).
durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten.
An dieser Ausgabe wirkten mit:
Max Bolland, Dr. Andreas Brugger, Michaela Brugger, Andi Dick,
ressourcenschonend und umweltfreundlich hergestellt
Lukas Fritz, Stefan Gerber, Florian Hellberg, Stefan Herbke,
emissionsarm gedruckt
Georg Hohenester (gh), Axel Klemmer, Laura Knecht, Ida Kösters
überwiegend aus Altpapier
KJ2
(ik), Sascha Mache, Martin Prechtl, Bernd Ritschel, Malte Roeper,
Dieses Druckerzeugnis wurde mit
Dr. Martin Schwiersch, Stefan Stadler, Ulli Triflinger-Frener,
dem Blauen Engel ausgezeichnet!
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